■■<^'?w^. :^^55;^.^ ^'■*i^:. , ..,:-'^;-;,; '^K, - r^. ^^-•" - V^; - -41-.'- THE UNIVERSITY OF ILLINOIS LIBRARY 50(ö zu v23 / Yierteljahrssclirift der Naturforschenden Gresellschaft ZÜRICH. ßedigirt Prof. der Astronomie in Zürich. Dreinndzwanzigster Jahrgang Zürich, in Commission bei S. Höhr. 1878. 5 0& EL IL. Inhalt. Seite. Hermann, die Ergebnisse neuerer Untersuchungen auf dem Gebiete der thierischen Electricität ... 1 Mayer, zur Geologie des mittleren Ligurien etc. . . 74 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik . . . 129 242 Schulze, über Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus . 366 Tribolet, sur l'äge stratigraphique de la zone gypsiftre alpine Bex — lac de Thoune 160 Weber, das Wärmeleitungs vermögen von Gneiss und seine Abhängigkeit von der Tempei-atur . . . . 209 — die Inductionsvorgänge im Telephon .... 265 — Untersuchungen über das Elementargesetz der Hydro- diffusion 325 Wolf, astronomische Mittheilungen ... 38 166 305 Baltzer, über die Marmorvorkommnisse am Finsteraarhorn . 108 Billwiller, über eine merkwürdige Luftspiegelung . . . 273 Gramer, über hochdifferenzirte ein- und wenigzellige Pflanzen 400 Fritz, über den Zusammenhang zwischen Weinerträgen und Sonnenflecken 392 Heim, über die Thalstufen und Terrassen in den Alpenthälern 277 Hermann, über physiologische Beziehungen des Telephons . 98 — über den phasischen Actionsstrom der Nerven . . . 397 608313 IV Seite. Keller, über den gegenwärtigen Zustand der Keimblätterlehre 280 Schär, über Anfangs- und Zwischenstadien bei chemischen Ver- bindungen 100 — über die Sanitas ........ 281 Tscheinen, aus einem Schreiben von Kaplan Stephan Einer in Zermatt vom 26. September 1859 95 Weilenmann, Auszüge aus den Sitzungsprotokollen 96 183 275 388 Wolf, nach einem fliegenden Blatte von Horner's Hand . . 182 — Notizen von Herrn Freihauptmann Kündig über Blüthe und Reife der Trauben bei Zürich (aus dem Nachlasse des sei. Ingenieur Denzler) 387 — Notizen zur Schweiz. Kulturgeschichte (Forts.) 114 188 283 407 Die Ergebnisse neuerer Untersuchungen auf dem Gebiete der thierischen Electricität. ^) Von Ij. HermaAn. (Nach einem am 2. Februar 1878 in der Gesellschaft der Aerzte in Zürich gehaltenen Vortrage.) I. JEinleitende Bemerkungen, Der Zustand des Gebietes vor zehn Jahren. Bis zum Jahre 1867 hatten in der Lehre von der thierischen Electricität gewisse aus den classi sehen Unter- suchungen du Bois-Reymond's hervorgegangene theoretische Anschauungen unbestrittene Geltung, du Bois-Beymond hatte für das ganze Gebiet eine mustergültige Methodik geschaffen, und mittels derselben eine Anzahl Grundthat- sachen theils sicherer als seine Vorgänger festgestellt, theils unter strenge Gesetze geordnet, grösstentheils aber selbst entdeckt. Diese Thatsachen waren, kurz zusammengestellt, folgende: 1. Muskel- und Nervenfasern zeigen, quer durch- schnitten, eine in ihnen vom Querschnitt zur Längsober- fläche gerichtete electromotorische Kraft, die bis zu V12 eines Daniell'schen Elementes gehen kann. 2. Die Nega- tivität des Querschnitts ist dem natürlichen Faserende («natürlichen Querschnitt») des Muskels in geringerem ^) Die Citate, bei denen kein Autor genannt ist, betreffen Arbeiten cles Verfassers. XXlII. 1. 2 Herrnani], Untersuchungen über thierische Electricität. Grade eigen, und kann selbst ganz fehlen oder in Positivität umschlagen. Die höheren Grade dieser «Abweichung», der sog. «Parelectronomie», werden durch andauernde Ein- wirkung der Kälte begünstigt. 3. Wird eine Nervenfaser in einer Strecke ihres Verlaufs von einem galvanischen Strome durchflössen, so ist sie in den extrapolaren Strecken Sitz einer jenem Strome gleicJisiunigen Kraft, welche in der Nähe der Pole am stärksten ist («Electrotonus»); dieser Einfluss erstreckt sich nur soweit als die Integrität der Faser vollkommen erhalten ist. 4. Muskeln und Nerven mit künstlichen Querschnitten zeigen während der Erregung eine Abnahme (negative Schwankung) ihres Stromes; im unversehrten Muskel summirt sich der negative Betrag der Schwankung in unveränderter Grösse algebraisch zu dem bestehenden Strome, welche Grösse und Eichtung derselbe auch haben mag. Aus diesen Thatsachen hatte du Bois-Beymond fol- gende Theorie abgeleitet: 1. Die Muskel- und Nerven- fasern enthalten in einem indifferenten Leiter suspendirte electromotorische Theilchen, welche dem Längsschnitt posi- tive, den Querschnitten negative Flächen zuwenden. 2. Am natürlichen Ende der Muskelfaser sind Theilchen besonderer Art mehr oder weniger entwickelt, welche dem Faserende positive Flächen zukehren; Kälte begünstigt die Entwick- lung dieser «parelectronomischen» Schicht. 3. Die Mole- keln des Nerven nehmen unter dem Ein- flüsse eines sie durchfliessenden Stromes eine neue Anordnung an, in welcher sie dem positiven Pole negative, dem negati- ven positive Flächen zuwenden. Denkt man sich die Molekeln dipolar-electrisch, so würden im Ruhezustand je zwei Hermann, Untersuchungen über thierisclie Electricität. 3 untreunbar zusammengehörige einander ihre positiven, den Querschnitten aber ihre negativen Flächen zukehren, und die Einwirkung des Stromes darin bestehen, dass er sie sämmtlich säulenartig anordnet. Indem sich diese Anord- nunsf in vermindertem Grade über die durchflossene Strecke hinaus erstreckt, entstehen die electrotonischen Kräfte. (In Fig. 1 ist oben die normale, unten die electrotonische An- ordnung veranschaulicht; über p sind die parelectronomi- schen Molecüle des künstlichen Faserendes angegeben.) 4. Durch die Erregung nehmen entweder die electromotori- schen Kräfte der Molekeln ab, oder letztere nehmen eine neue Anordnung an, in welcher sie nach aussen weniger wirksam sind; an dieser Veränderung nehmen die parelectro- uomischen Molekeln keinen Antheil. An die Aufstellung dieses Molecularscliemas knüpften sich mannigfache Hoffnungen. Es schien naheliegend, dass in den gegenseitigen Beziehungen der mit electrischen Eigenschaften ausgestatteten Theilchen das Wesen der Erregung und ihrer Leitung im Muskel und Nerven begründet sei, indem vielleicht Drehung, Schwingung oder sonstige Veränderung eines Theilchens gleiche Veränderung im Nach- bartheilchen hervorriefe. Ja es schien denkbar, dass aucli die Zusamraenziehung des Muskels auf die gegenseitigeo Anziehungs- und Abstossungswirkungen jener Theilchen sich würde zurückführen lassen. Wenn auch speciellere Ver- muthungen über diese Puncte kaum gewagt wurden, und namentlich der Urheber der Moleculartheorie in dieser Hinsicht eine lobeuswerthe Zurückhaltung beobachtete, so hielt man es doch bis zum Jahre 1867 ziemlich allgemein stillschweigend für ausgemacht, dass der Ruhestoffweclisel der Muskeln und JServen zur Erhaltung der beständig electroraotorisch wirksamen Molekeln und ihrer Kräfte 4 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. unentbehrlich sei, und dass die Erregung in erster Linie auf Bewegungen dieser Molekeln beruhe, welche freilich mit vermehrtem Sauerstoffverbrauch und vermehrter Oxj^dation in irgend welcher Weise verknüpft sei. Untersuchungen, welche zu veränderter Auffassung den Anstoss gab en. Untersuchungen über den Gas- und Stoffwechsel der Muskeln ^) lieferten mir Kesultate, welche von den damals herrschenden Vorstellungen über die functionellen Vorgänge in diesen Orgauen wesentlich abwichen. Ich fand, dass die Muskeln keinen auspumpbaren Sauerstoff enthalten und trotzdem in sauerstofffreier Umgebung lange Zeit hindurch der energischsten Leistungen fähig sind ; hieraus schloss ich, dass das chemische Substrat der Muskelarbeit nicht ein Oxydationsprocess ist, sondern einSpaltungspro^ess, bei welchem durch Sättigung stärkerer Affinitäten, durch Uebergang in eine stabilere Atomgruppirung , Kräfte frei werden , etwa wie bei der alkoholischen Gährung des Zuckers.^) Unter den Spaltungspro ducten findet sich Kohlen- säure;^ eine Vergleichung der bei der Anstrengung und bei der Erstarrung frei werdenden Kohlensäuremengen ergab, das beide aus einer gemeinsamen Quelle stammen müssen, und so ergab sich, unter Zuhülfenahme eines ähnlichen Eesultats, welches J. Ranke für die Milchsäure erhalten hatte, eine vollkommene Analogie zwischen dem chemischen Process der Contraction und der Erstarrung. Beide Processe ^) Untersuchungen über den Stoffwechsel der Muskeln, ausgehend vom Gaswechsel derselben. Berlin 1867. 2) Aehnliche Gedanken sind später, in etwas grösserer Allgemein- heit, ausgesprochen worden von J. Liebig, in den Sitzungsberichten der bayr. Acad. 1869. II. 4, und von Pflüger, Arch. f. d. ges. Physiol.. X. p. 251. 1875. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 5 sind Spaltungen; als Spaltuugsproducte sind bekannt: Kohlensäure, Milchsäure und für die Erstarrung ein von Brücke und Kühne nachgewiesene^ Eiweisscoagulum, welches dereinst vielleicht auch für die Contraction als vorüber- gehende Abscheidung wird nachgewiesen werden. Die Sauerstoffaufnahme des Muskels hat mit dem Spaltungs- process nichts direct zu thun, sie gehört zu einem synthe- tischen Eestitutionsprocess, bei dem vielleicht gewisse Spaltuugsproducte wieder verwendet werden. So erklärte sich die Unabhängigkeit der Sauerstoffaufnahme des Muskels von seiner Kohlensäurebilduug. Nach dieser Vorstellung findet also während der Buhe beständig langsame Spaltung und langsame Kestitution statt; letztere ist an die Zufuhr sauerstoffhaltigen Blutes geknüpft. Wird die letztere aufgehoben, so erschöpft sich der ganze Vorrath spaltbarer Substanz des Muskels, der Muskel wird starr. Bei der Contraction wird der Spaltungsprocess plötz- lich beschleunigt, und die Eestitution hat Mühe, ihm gleichen Schritt zu halten ; ihr Zurückbleiben bedingt die Ermüdung. Die Analogie zwischen Contraction und Erstarrung war schon seit langer Zeit aufgefallen, obgleich man ausser der Verkürzung des Muskels kein gemeinsames Moment kannte. Man hatte die Erstarrung als die letzte Contraction des sterbenden Muskels bezeichnet. Die neue Anschauung kehrte gleichsam die Sache um, indem sie die Contraction einer momentanen und vorübergehenden Erstarrung verglich. Die physicalischeu Analogien zwischen Contraction und Erstar- rung haben sich seitdem vermehrt ; es fand sich, dass nicht bloss bei der Contraction, sondern auch bei der ErstaiTung das Volumen des Muskels etwas abnimmt, und Wärme frei wird. Ja es giebt offenbare üebergangszustände zwischen Contraction und Starre, wie neuerdings erkannt worden Q Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. ist. ^) Jede zu heftige Reizung des Muskels macht, dass die Contraction nur unvollkommen schwindet, ein Verkürzungs- rückstand bleibt; Ermüdung und Absterben begünstigen diesen Zustand bleibender, starreähnlicher Contraction (Schiffs «idiomusculäre Contraction») ; einen ähnlichen Zu- stand bewirken viele Muskelgifte, wie Veratrin, Delphinin, Digitalin, Emetin, Coffein etc. Die Verfolgung jener Analogien zwischen Contraction und Erstarrung führte mich auf eine Anschauung über das Wesen der thierischen Electricität, Avelche von der be- stehenden in fundamentaler Weise abwich. ^) Grundgedanke der neuen Theorie. Die wichtigste und sicherste damals bekannte That- sache war die, dass eine durchschnittene Muskelfaser einen negativen Querschnitt zeigt, bis sie völlig erstarrt ist, und dass diese Negativität bei der Erregung abnimmt oder schwindet. Diese Erscheinung konnte, im Hinblick auf die chemische und physicalische Analogie des Erregungs- und des Erstarrungsprocesses, und in Erwägung, dass am künst- lichen- Querschnitt sich beständig und vom ersten Moment ab erstarrende Substanz befindet, durch die Annahme er- klärt werden, dass das Erstarren sowohl als die Erregung das Protoplasma in solcher Weise verändert, dass es sich negativ electrisch verhält gegen unverändertes, ruhendes Protoplasma. Wenn das ist, muss der künstliche Quer- schnitt so lange negativ sein, bis die Faser in ganzer Länge erstarrt ist, und durch Erregung des lebenden Antheils muss die electrische Differenz abnehmen. 1) Arch. f. d. ges. Pliysiol. XIII. p. 371. 1876; XVI. p. 252. 1878. ^) Untersuchungen zur Physiologie der Muskeln und Nerven, 2. und 3. Heft. Berlin 1867 und 1868. Hermann, Untersuchungen über thieriscbe Electricität. 7 II, Die Ströme ruhender Organe, Die Stromlosigkeit ruheuder unversehrter Muskeln. Die erste Frage, welche zur Prüfung dieser Theorie (welche ich im Gegensatz zur «Präexistenztheorie» als «Alterationstheorie» bezeichnet habe) entschieden werden musste, war die, ob absolut unversehrte Muskeln einen Muskelstrom besitzen. Ausgeschnittene Muskeln be- sitzen fast regelmässig unmerkliche Verletzungen, seien es mechanische oder chemische. In den ersten Versuchen du Bois-Reymond's waren die Muskeln regelmässig mit gesät- tigten Salzlösungen benetzt, und dadurch in solchem Grade angeätzt, dass er dem natürlichen Faserende sogar die volle Negativität künstlicher Querschnitte zuschreiben konnte. Als diese Fehlerquelle von du Bois-Beymond selbst ent- deckt war, blieben jedoch noch immer Wirkungen des Faserendes übrig, freilich von ganz anderer Ordnung als sie früher gefunden waren, und von regelloser Richtung; zu ihrer Erklärung wurde die Theorie der parelectronomi- schen Schicht erfunden. Aber je mehr bei der Präparation der Muskeln alle Schädlichkeiten fern gehalten werden, um so näher findet man sie der vollkommenen Stromlosig- keit. Zu den Schädlichkeiten gehört beim Frosche vor Allem Benetzung mit dem stark ätzenden Hautsecret, Be- ^ rührung mit der äusseren Hautfläche. ^) Der Wadenmuskel lässt sich bei der Präparation vor solchen Berührungen bewahren, und zeigt dann nur so schwache und regellose Ströme, wie sie in jedem Kreise, in welchem sich feuchte Leiter befinden, auftreten. ^) Die Oberschenkelmuskeln des 1) Arch. f. d. ges. Physiol. III. p. 37. 1870. 2) Ebendaselbst p. 16, 35. 8 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. Frosches sind ohne Ausnahme dergestalt mit einander oder mit anderen Nachbargebilden (Haut, Knochen) verwachsen, dass sie sich nicht mechanisch unverletzt darstellen lassen, da jeder fremde Anhang vermieden werden muss. ^) Die Angabe, dass Kälte die Entwicklung eines strom- losen Zustandes oder verkehrter Ströme begünstige, be- stätigte sich nicht. Wadenmuskeln frisch gefangener, und lange im Eiskeller aufbewahrter Frösche, verhalten sich electromotorisch durchaus nicht verschieden. ^) (Gefroren gewesene Muskeln sind nach dem Aufthauen innerlich ver- letzt, und deshalb zu solchen Versuchen gänzlich zu ver- werfen.) Der sicherste Weg unverletzte Muskeln zu unter- suchen, schien die Ableitung vom unenthäuteten Thiere. Allein hier fand du Bois-Reymond, ^) der diesen Weg zu- erst betrat, eine unerwartete Schwierigkeit in den Haut- strömen, welche fast alle Thiere besitzen. Versucht man diese Hautströme durch Aetzung der Haut mit Salzlösungen zu beseitigen, so durchdringt die Lösung alsbald die Haut, und ätzt die darunter liegenden Muskeln an; man merkt dies ah der allmählichen Entwicklung desjenigen Stromes, welcher eintritt, wenn die Oberfläche der nackten Muskeln mit Aetzmittelu benetzt wird. Dass zu der Zeit, wo der Muskelstrom vorhanden ist,' die Muskeln bereits angeätzt sind, *) kann man direct sehen, sobald man Silbernitrat zur Hautätzung benutzt hat, dessen Aetzwirkung durch ij Ebendaselbst XV. p. 227. 1877. 2) Ebendaselbst XV. p. 226. 1877. ') du Bois-Reymond, Untersuchungen über thier. Electr. II. Abth. p. 7. *) Untersuchungen Heft III. p. 6, 1868. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 9 eine Tmbuug erkennbar ist, ^) Wählt man dagegen die Aetzstellen der Haut so, dass keine aponeurotischen Mus- kelflächen darunter liegen, so ist kein Muskelstrom nach- weisbar, sondern nur äusserst schwache und unregeltaässige "Wirkungen, die wie schon bemerkt, in einem Kreise von feuchten Leitern gar nichts beweisen, zumal da weder Aetzung noch Abkratzung die Haut absolut stromlos macht. ^) Fische besitzen keinen . Hautstrom ; hier genügt nun in der That Ableitung von zwei beliebigen Puncten der Haut (das Thier muss, wie auch die Frösche, bei allen derartigen Versuchen durch Curare bewegungslos gemacht sein), um die Abwesenheit des Muskelstroms zu beweisen.^) Ein Object, -an dem sich die Abwesenheit des Muskel- stroms sehr schön demonstriren lässt, ist nach neueren Untersuchungen \on Efigelmann das Herz.*) Hier ist zur Prüfung ja nur Entfernung des Herzbeutels erforderlich, eine Operation, die ohne jede Beschädigung des Fleisches geschehen kann. Das Herz ist stromlos, jede verletzte Stelle aber negativ. Die Präexistenzlehre kann dieser Thatsache, sowie der Stromlosigkeit der Fische gegenüber sich nur durch die ad hoc gemachte und höchst unwahrscheinliche Annahme halten, dass keine Faser der Oberfläche ihr natür- liches Ende zukehre. *) Ebendaselbst p. 14. 2) Ebendaselbst p. 14; Arch. f. d. ges. Physiol. III. p. 16, 23, 26 ff.; IV. p. 149. 1871. ») Arch. f. d. ges. Physiol. IV. p. 152. 1871. *) Engelmann, Utrecht'sche physiol. Onderzoek. (3) III. p. 82. 1874. 10 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. Die Nicht-Präexistenz einer electromotorischen Kraft im Muskel. Ein anderer Weg, die Präexistenzfrage zu entscheiden, schien die Untersuchung, ob nach Anlegung des künst- lichen Querschnitts der Muskelstrom augenblicklich in voller Stärke vorhanden sei oder zu seiner Entwicklung eine, wenn auch noch so kleine, Zeit bedürfe. Wäre letzteres der Fall, so kann unmöglich diejenige Lehre richtig sein, welche im Muskel die Molekeln vorgebildet annimmt, und das Messer dieselben nur freilegen lässt. Die Versuche, welche ich in den Jahren 1875 bis 1877 über diese Frage angestellt habe, ^) entschieden in diesem Sinne. Mittels eines besonderen Apparats wurde der galvanometrische Kreis im Augenblick der Verletzung geschlossen und eine äusserst kleine Zeit später wieder geöffnet. Die erhaltene Ablenkung war kleiner als sie in einem zweiten Versuche erhalten wurde, wo der Muskelstrora schon entwickelt war und während der gleichen kurzen Schlusszeit auf das Gal- vanometer wirkte. Der Muskelstrom braucht also zu seiner Entwicklung Zeit; er präexistirt demnach nicht. Die Ströme des Nerven, der bluthaltigeu Drüsen, der Pflanz en etc. Es war vorauszusehen, dass die Eigenschaft, auf Ver- letzungen mit Negativwerden der absterl)enden Substanz zu reagiren, auch anderen protoplasmatischeu Grebilden zu- kommen würde. In erster Linie steht hier der Nerv, dessen Strom von du Bois-Ueymond entdeckt und ebenfalls auf ein Molecularschema zurückgeführt worden war. Un- versehrte Nervenendigungen sind aus mannigfachen Gründen 1) Arch. f. d. ges. Physiol. XV. p. 191. 1877. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 11 galvanischer Untersuchung unzugänglich ; trotzdem zweifelte man wegen der Analogie der Muskeln nicht an ihrem Strom und demnach an der Zulässigkeit des Molecularschemas. Mit der Entdeckung der Stroralosigkeit der Muskeln kehrte sich das Verhältniss um ; ^) es war fortan nicht der min- deste Grund, dem Nerven einen anderen Ruhestrom zu- zuschreiben als den künstlicher Querschnitte. Wir werden sehen, dass auch die Erscheinungen des Electrotonus nicht im mindesten die Aufstellung eines Molecularschemas recht- fertigen. An zwei Gruppen protoplasmatischer Apparate habe ich selbst auf Grund obiger Ueberleguug die künstlichen Querschnitte untersucht und negativ gefunden ; beide Male fand sich, dass die entsprechende Beobachtung schon vor- her von Andern gemacht war. Der erste Fall betraf die drü- sigen Organe des Frosches, -) au denen schon Matteucci negative Querschnitte beobachtet hatte. Ich fand, dass diese Eigenschaft nur vorhanden ist, wenn die Gefässe un- geronnenes Blut enthalten, mit dessen Veränderung am Querschnitt die electromotorische Kraft zusammenzuhängen scheint. Der zweite Fall betrifft die Negativität künstlicher Schnitte und Aetzstellen an Pflanzen,^) erstere zuerst von H. Buff beobachtet. *) Beide Erscheinungen sind zu- gleich derart, dass eine Moleculartheorie a"bsolut undenkbar ist, obgleich es selbst hier nicht an einem Versuche dazu gefehlt hat. ^) Untersuchungen, Heft III. p. 25. 1868. 2) Ebendaselbst p. 88. 3) Ärch. f. (1. ges. Physiol. IV. p. 155. 1871. *) Buff, Ann. d. Chemie LXXXIX. p. 76. 1854. 12 Hermann, Untersuchungen über thierische Electrieität. Das Gebundensein der Ströme an das Vorhandensein eineslebendenAntheils im verletzten Protoplasmakörper. An den künstlichen Querschnitten der Pflanzen be- merkte ich, dass ihre Negativität rasch vorübergeht, neue Querschnitte aber von Neuem negativ erscheinen. Ich er- klärte mir dies Verhalten dadurch, dass die Negativität des Querschnitts nach unserm Grundgesetz nur so lange bestehen kann, als die angeschnittenen Zellkörper noch einen lebenden Protoplasmarest besitzen ; sind sie völlig ab- gestorben, so muss der Strom aufhören. So erklärt sich auch, weshalb an deutlich längsfasrigen Pflanzen auch künstliche Längsschnitte sich positiv gegen künstlichen Querschnitt verhalten; ^) indem nämlich die längsgespal- tenen Zellkörper viel rascher durchweg abgestorben sind, als die querdurchschnittenen. Die gleiche Vergänglichkeit des Stromes, welche ich an künstlichen Querschnitten der Pflanzen gefunden hatte, hat neuerdings Engelmann auch am Herzen und an glattmuskeligen Organen beobachtet, und in gleicher Weise erklärt. ^) Diese Organe sind aus aneinandergereihten selbstständigen Zellkörpern zusammen- gesetzt, und der Strom eines Querschnitts kann desshalb nur so lange dauern, bis die verletzten Zellen durchweg abgestorben sind. ^) Die gleiche Erscheinung fand endlich Engelmann auch an den Nerven. Hier bilden die Banvier- schen Schnürringe Zellgreuzen, an denen, wie Engelmann 1) Arch. f. d. ges. Physiol. IV. p. 159, 163. 2) Engelmann, Arch. f. d. ges. Physiol. XV. p. 116. 1877. ^) Eine ganz analoge Beobachtung machte ich im Frühjahr 1877 an jungen Medusen, welche, durch gütige Vermittlung des Herrn Prof. Mensen in Kiel, lebend nach Zürich gekommen waren und mehrere Wochen erhalten werden konnten. Herniani], Untersuchungen über thierische Electricität. 13 vorher gefunden hatte, ^) der Absterbeprocess Halt macht, obwohl die Erregung diese Grenzen, wie auch am Herzen, Darm und Uterus überschreitet. '^) Beseitigung der Demarcationsströme durch natürliche Heilung. Engelmann war es vorbehalten, noch einen weiteren Beweis gegen die Präexistenzlehre zu entdecken. ^) Durch- schneidet man nämlich einem lebenden Frosche einen Muskel subcutan, so nimmt die Negativität des künstlichen Quer- schnitts, und zwar unter dem Eintiuss der Circulation und Innervation , beständig ab und schwindet endlich ganz. Wenn also die Natur künstliche Querschnitte stromlos zu machen die Tendenz hat, so ist es klar, dass im Natur- zustande kein Muskel einen Strom haben kann, sondern jeder ruhende Muskelstrom von Verletzung herrühren muss. Da sonach alle Ströme ruhender Muskeln, Nerven etc. (mit alleiniger Ausnahme des Einflusses ungleicher Tem- peratur und galvanischer Durchströmung) auf dem Contact absterbender und lebender Substanz beruhen und ihre electro- motorische Kraft in der «Demarcationsfläche» ihren Sitz hat, so nenne ich diese Ruheströme «Demarcations- ströme.» ^) Engelmann, Arch. f. d. ges. Physiol. XIII. p. 474. 1876. ^) Gad und Isc/jmeM; (Verhandl. d. physiol. Ges. z. Berlin 1877. Nr. 21) glauben das Schwinden des Stromes im Nerven davon her- leiten zu können, dass nach dem Absterben der angeschnittenen i2aw^''^er'schen Abschnitte die nun wirksamen Endflächen der nächst- folgenden nicht mehr in Einer Flucht liegen, so dass ihr Strom durch Nebenschliessung geschwächt wird. Der Werth dieser Betrach- tung ergiebt sich sofort, wenn man bedenkt, dass die Länge der J^anw'er'schen Abschnitte überhaupt nur 1 — IY2 mm. beträgt. =>) Engelmann, Arch. f. d. ges. Physiol. XV. p. 328. 1877. 14 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. Einfluss der Temperatur. Hat die Muskelsubstanz innerhalb der gleichen Faser verschiedene Temperaturen, so verhalten sich, wie ich gefunden habe, ^) die wärmeren Stellen positiv gegen die kälteren, so lange die Temperatur nicht diejenige Grenze erreicht, welche Absterben ("Wärmestarre), also Negativität herbeiführt. In genau gleichem Grade wie die lebende Sub- stanz durch Wärme positiver wird gegen andre lebende, wird sie es auch gegen die absterbende, so dass nicht allein der Demarcatiousstrom durch Erwärmen des ganzen Muskels kräftiger wird (wovon schon du Bois-Rei/mond Andeutungen sah; Steiner bestätigte es neuerdings auch für Nerven), sondern auch die Kraft des Demarcations- stroms nur von der Temperatur der lebenden Substanz an der einen Ableitungstelle, nicht von der Temperatur der zwischeuliegenden Substanz abhängig ist ; die Muskelsub- stanzen verschiedener Zustände bilden also eine Voltaische Spannungsreihe. -) Ströme ganzer Muskeln. Wie schon bemerkt, ist an völlig unversehrten Muskel- fasern kein Strom vorhanden. Alle Ströme ruhender Muskeln sind also, abgesehen von Temperaturverschiedenheiten, Wirkung von Verletzungen. Am einfach- sten gestaltet sich der Strom an einem paraUelfasrigen , quer durchschnitteneu Muskel; hier liegen alle Demarcations- ^'s- ^- flächen dem Querschnitt parallel (Fig. 2), 1) Arch. f. d. ges. Physiol. lY. p. 163. 1871. 2) Ebendaselbst p. 178. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 15 jeder Punkt des Querschnitts verhält sich also negativ gegen jeden Punct der Längsoberfläche. ^) Da aber der Muskel zwischen den Fasern und an seiner Oberfläche indiff'ereutes leitendes Gewebe besitzt, durch welches sich die Demar- catiousströme grossentheils abgleichen können (Sarcolemme, Perimysium, abgestorbene Schicht am Querschnitt; in der Figur ist das indifi'erente Gewebe horizontal schraff'irt), so ist erstens die Kraft der abgeleiteten Ströme nur ein Bruch- theil der Kraft der einzelnen Faser, zweitens ist die Posi- tivität des Längsschnitts und die Negativität des Querschnitts dergestalt vertheilt, dass sie in der Mitte am grössteu sind; so entstehen die sog. «schwachen Ströme» beim Ableiten von zwei unsymmetrischen Längsschnitts- oder Querschnittspuncten. ^) An den schwachen Längsschnitts- strömeu kann übrigens, besonders beim Nerven, electro- tonische Ausbreitung des Demarcationsstroms betheiligt sein (vgl. unten). Bei schrägem Querschnitt entsteht, wie du Bois-Bey- movd gezeigt hat, ^) eine besondere Verziehung der Niveau- linien, indem sich die Wirkung einer electromotorischen Kraft einmischt, welche am schrägen Querschnitt von der spitzen zur stumpfen Kante gerichtet ist («Neigungsstrom»). du Bois-Reymond bneht den Grund Fig. 3. dieser Kraft in der treppenartigen An- ordnung, welche die Endmolekeln am schrägen Querschnitt bilden. Dieselbe Theorie aber passt auch für die treppenartige ^) Die reinste Querschnittsableitung gewährt ein wärmestarr gemachter M uskelabschnitt (sog. «thermischer Querschnitt») ; vgl. Ärch.'f. d. geT Physiol. IV. p. 167. 1871. MiSi^) du,^Bois-Beymond, Untersuchungen I. 1849. ■^^*) äu Bois-Beymond, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1863, p. 521; Mönatsber' d.'Berliner Acad. 1866. p. 387. 16 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. Anordnuug derDemarcationsfläclien der Muskelfasern (Fig. 3). Die Moleciüartheorie wäre zur Erklärung der Neigungsströme nur dann erforderlich, wenn eine einzelne schräg durch- schnittene Muskelfaser einen Neigungsstrom besässe, was aber niemals nachgewiesen ist, oder nachgewiesen werden kann. Der Umstand, dass manche Fasern mit schrägen Facetten an der Sehne endigen, ^) könnte nur dann eine Moleculartheorie erforderlich machen, wenn solche Sehnen in unversehrtem Zustande einen Neigungsstrom besässen, was nicht der Fall ist; im verletzten Zustande sind aber die Demarcationsflächen stets senkrecht zur Faserrichtung, so dass eine treppenförmige Anordnung stattfindet (Fig. 3). In allen Fällen partieller Verletzung des Muskels wirken nur die verletzten Fasern electromotorisch; die übrigen bilden eine indifferente Nebenschliessuug. Die schwachen Ströme solcher Muskeln haben daher keine gesetzraässige Beziehung zu den Flächen des Muskels, da alles auf den Sitz der Verletzungen ankommt; daher die regellosen Ströme der sogenannten parelectronomischen Muskeln. Wenn Verletzungen irgend welcher Art promiscue die Oberfläche des Muskels treffen, so ist stets grössere Wahrscheinlichkeit für eine vom Muskelende zum Längs- schnitt (im Muskel) gerichtete Kraft, und dieselbe ist in der That fast stets vorhanden. Hat eine geringe Schäd- lichkeit die Oberfläche des Muskels getroffen, so macht das Absterben des Längsschnitts an der nächsten Faser- grenze Halt (vgl. oben S. 12), während das Absterben vom Querschnitt her einen dauernden Strom verursacht; nur bei den polymeren Muskeln (Herz, Darm etc.) ist es an- ders. Partiell am Längsschnitt angeätzte Fasern geben '■) du Bois-Beymondi Monatsber. d. Berliner Äcad. 1872, p. 791. Hermann, Untersuclniugen über thierische Electricität. 17 ferner zwar wegen der Demarcationsflächen zu localen Strömen Veranlassung ; aber bei Anlegung leitender Bogen zwischen Längsschnitt und Ende kommen jene Strömchen kaum zur Wirkung, während die Demarcations- ströme am Muskelende sehr günstig abgeleitet werden, und, wegen der gewöhnlichen Art des schrägen Ansatzes der Fasern an die sehnige Grenzhaut, sogar durch Nei- gungsströme ihre Kräfte summiren. IZT, Der I^lectrotonus. Bedenken gegen die moleculare Erklärung des Electrotonus. Die oben S. 2 angedeutete Erklärung des electro- tonischen Zustandes der Nerven hat mannigfache theo- retische Bedenken, auf welche hier nicht eingegangen wer- den kann. Die Theorie schien jedoch einer experimentellen Prüfung zugänglich. Wenn nämlich die Molekeln der durch- flossenen Strecke sich im Sinne des Stromes säulenartig ordnen, so muss der Strom einen sich selbst gleichsinnigen Zuwachs von sehr beträchtlicher, ja sogar ungeheurer elec- tromotorischer Kraft empfangen, oder mit andern Worten, die Intensität eines Stromes muss ungeheuer viel grösser sein, wenn er durch ein lebendes Nervenstück geleitet wird, als wenn durch ein todtes von gleichen Dimensionen. Als ich aber diesen Versuch anstellte, fand ich von diesem Verhalten keine Spur ^). Electrotonische Erscheinungen an Leitern mit polar isirbaren Kernen. Die erste Anregung zur Aufdeckung der wahren Ur- sache der electrotonischen Erscheinungen gab ein Versuch ^) Untersuchungen Heft III. p. 67. 1868 ; Arch. f. d. ges. Physiol. VI. p. 328. 1872. XXIII. 1. 2 18 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. von MatteucciJ) Derselbe fand, dass ein Metalldraht, welcher mit einer feuchten Hülle umgeben ist, Ströme von den Eigenschaften der electrotonischen Nervenströme zeigt, sobald ein galvanischer Strom, au irgend einer Strecke, der feuchten Umhüllung zugeleitet wird. Matteucci entdeckte ausserdem, dass jene Ströme ausbleiben, wenn der Draht aus amalgamirtem Zink uud die Befeuchtung der Hülle aus gesättigter Zinksulphatlösuug besteht. Hier- aus ging hervor, dass die Erscheinung von der Polari- sation zwischen Kern und Flüssigkeit abhängt. Ich untersuchte die Erscheinung genauer^), indem ich die Metalldrähte durch ein Glasrohr zog, welches mit Flüssigkeit gefüllt werden konnte, und welches zur Zu- leitung und Ableitung von Strömen seitliche Ansätze be- sass. Es bestätigte sich, dass die electrotonischen Ströme nur bei polarisirbaren Kernen auftreten. Ferner zeigte sich, dass sie sich nur soweit erstrecken, wie sowohl der Kern als die Hülle ununterbrochene Continuität besitzt, während contiuuirliche Berührung beider nicht erforder- lich ist. Endlich stellte ich die Gresetze der zeitlichen Entwicklung dieser Ströme , ihres zeitlichen Verlaufs, ihres Abklingens nach der Oeffnung, ihrer Abhängigkeit von der Entfernung und von der Länge der durchflosseuen Strecke, ihrer Combination und Superposition etc. fest. Alle diese Erscheinungen ordneten sich ohne Schwierig- keit unter eine leicht übersehbare Theorie. Indem der der Hülle zugeführte Strom a E k (Fig. 4) den Kern K K zu ^) Matteucci, Comptes rendus LVI. p. 760. 1863 ; LXV. p. 151, 194, 884. 1867; LXVI. p. 580. 1868. 2) Arch. f. d. ges. Physiol. V. p. 264. 1871; VI. p. 312. 1872; VII. p. 302. 1873. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 19 Fig. i. gewinnen sucht, vertheilt er sich, wenn keine Polarisation vorhanden ist, so, dass nur die kürzesten Stromfäden, in unmittelbarer Nähe der Electroden, merkliche Stromzweige erhalten. Findet aber an der Oberfläche des Kernes Polarisation statt, so bedingt dieselbe einen beträchtlichen üebergaugswiderstand; da gegenüber diesem grossen und an allen Stellen des Kernes gleichen Widerstandsantheil der von der Länge der Stromfäden abhängige Antheil klein ist, so verbreitet sich unter dem Einflüsse der Polari- sation der Strom ungemein viel weiter längs des Leiters als ohne Polarisation. Legt man einen Galvanometerbogen (G, G', G") an, so erhält derselbe einen solchen Strom- zweig, als ob in der abgeleiteten Strecke eine dem zu- geleiteten Strom gleichgerichtete Kraft ihren Sitz hätte. Die polarisatorische Ausbreitung kann sich aber nur so weit erstrecken, als sowohl Kern als Hülle continuirlich reichen. Die abgeleiteten Ströme sind zugleich, wie die mathe- matische Theorie ergibt, ein Maass der Polarisationsdiffe- renz der abgeleiteten Punkte, also ein Mittel, die Aus- breitung der Polarisation längs des Kernes festzustellen. Die Curve der Polarisatiousbeträge (im Allgemeinen eine Esponentialcurve) hat au der positiven Electrode ein posi- 20 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. Fig. 5. tives Maximum y an der negativen ein negatives. In der durchflossenen Strecke schneidet sie die Abscisse (Indifferenzpkt. i). In den extrapola- ren Strecken schliesst sie sich asymptotisch derselben an. Die Curve ist in Fig. 5 dargestellt, aus gewissen Gründen (s. unten) sind die positiven Polarisationen nach unten, die negativen nach oben genommen. Innere Quer-Polarisirbarkeit der Muskeln und Nerven. Im Jahre 1871 fand ich^), dass der Widerstand der Muskeln und Nerven in der Richtung quer zur Faserung 5— 9 mal grösser ist als in der Längsrichtung. Diese Differenz fällt beim Muskel mit dem Erstarren fast ganz fort, während sie in todten Nerven noch zur Hälfte fort- besteht. Weitere Verfolgung dieser Thatsacheu zeigte, dass der Unterschied auf einer specifischen inneren Quer- polarisirbarkeit beruht, welche beim Muskel ganz, beim Nerven grossentheils an den Lebenszustand gebunden ist. Diese an die Querrichtung gebundene innere Polarisation kann nur daher rühren, dass in der Querrichtuug eine Schichtung heterogener Leiter vorhanden ist, die in der Längsrichtung fehlt. Da ferner diese Schichtung Muskeln und Nerven gemeinsam ist, so kann sie nur darin bestehen, dass die indifferenten Röhren dieser Organe eine diiferente Substanz, die Kernsubstanz, einschliessen, und dass die Polarisation an der Grenze zwischen Kern- und HüUen- substanz stattfindet. 1) Arch. f. d. ges. Physiol. V. p. 223. 1871. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 21 Erklärung des Electrotonus der Nerven. Da hiernach die wesentlichen Bedingungen der electro- tonischen Stromausbreitung in Leitern mit polarisirbarem Kern auch heim Nerven gegeben sind, war die Erklärung des Electrotonus geliefert.^) Freilich haben die Nerven- kerne wahrscheinlich kein besseres Leitungsvermögen als die Hülle, während in den künstlichen Leitersystemen der Kern metallisch war. Allein die Theorie lehrt, dass die electrotonische Ausbreitung auch dann eintritt, wenn der Kern nicht besser leitet als die Hülle, wenn nur an der Grenze beider Polarisation stattfindet. Die Theorie steht nun, wie ich ausführlich nachgewiesen habe, mit allen electrotonischen Erscheinungen im vollkommensten Ein- klänge. Insbesondere erklärt sie, warum der Electrotonus zu seiner Etablirung keine messbare Zeit braucht,^) und warum er Unterbindungsstellen nicht überschreitet; jede Quetschung nämlich unterbricht die Continuität der Kern- substanz, indem sie dieselbe tödtet und in indifferentes Oewebe umwandelt. Da auch die Muskeln polarisirbare Faserkerne besitzen, müssen auch sie mit electrotonischen Eigenschaften begabt seiuj trotzdem gelang es früher weder du JBois-Beymond noch mir, dieselben mit Sicherheit galvanometriscb nach- zuweisen; freilich konnte ebensowenig ihr Mangel bestimmt behauptet werden. Die Theorie ergab jedoch die Gründe, weshalb der Muskel für den Electrotonus ungünstigere Be- dingungen darbietet als der Kern.^) Neuerdings ist es 1) Arch. f. d. ges. Physiol. VI. p. 328. 1872. ^j Helmholtz, Monatsber. d. Berliner Acad. 1854. p. 328. L. Hermann, Arch. f. d. ges. Physiol. VIII. p. 272. 1874. *) Arch. f. d. ges. Physiol. VI. p. 350. 1872. 22 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. mir übrigens, durch ein verbessertes Zu- und Ableitungs- verfahren, gelungen, auch den Electrotonus des Muskels mit Sicherheit galvanometrisch darzustellen. Ein wesentlicher Zusatz zur Lehre vom Electrotonus der Nerven wird weiter unten zur Sprache kommen. IV. Die Ströme bei der Tfiätigkeit, A. In den Muskeln. Die Negativität der Erregungswelle. Nachdem HelmhoUs für die Nerven, Aeby für die Muskeln nachgewiesen hatte, dass die Erregung wellen- förmig mit messbarer Geschwindigkeit durch die Fasern geleitet wird, unternahm es zuerst J. Bernstein die gal- vanischen Vorgänge bei dieser Leitung zu untersuchen,') indem er mittels eines von ihm erfundenen Apparates den galvanischen Zustand in beliebigen Zeitabständen nach der Reizung feststellte. Er fand, dass im Muskel bei directer Reizung einer Paserstelle ein negativer Abschnitt entsteht, der mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Contractions- welle über die Faser abläuft. Diese Erscheinung war aus der du Bois'schen Theorie erklärbar, nach welcher die Molekeln der erregten Muskelsubstanz weniger wirksam sind, so dass eine erregte Stelle gegen den ruhenden Rest negativ sein muss. Man nannte deshalb den Vorgang »wel- lenförmiges Fortschreiten der negativen Schwankung«. — Aus uusrer Annahme (S. 6), dass die erregte Substanz sich wie die absterbende negativ gegen die unveränderte verhält, ist die Erscheinung unmittelbar erklärbar, und ich ^) J. Bernstein, Monatsber. d. Berliner Aoad. 1867. p. 72 ; Arcb. f. d. ges. Physiol. I. p. 173. 1868; Untersuchungen über den Erregungsvorgang etc. Heidelberg 1871. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 23 nenne jeden durch die Wirkung absterbender Substanz gegen ruhende entstehenden Strom einen » Actious ström «.^) Der phasische und der tetanische Äctionsstrom. Wenn eine einzelne Erregungswelle über eine Muskel- faser abläuft, welche an zwei Punkten mit einem Galvano- meter verbunden ist, so ist derjenige Punkt gegen den andern negativ, unter welchem die Welle grade hindurch- geht, resp. stärkere Phase hat; es entsteht also ein »phasi- scher Äctionsstrom«, der zuerst von der Reizstelle weg, dann zur Keizstelle hin gerichtet ist. Beide Phasen haben gleiche Stärke, wenn die Erregungswelle in ihrem Ablauf unverändert bleibt. Wird eine Muskelfaser tetanisirt, so müssen sich, mag die Erregung wellenförmig ablaufen oder die ganze Paser auf einmal ergreifen, die Ableitungsstellen um so stärker negativ verhalten, je grösser ihre auf die ganze Dauer des Tetanus gleichmässig vertheilt gedachte Erregungs- grösse. Tetanische Actionsströme verletzter und unversehrter Muskel n. Die ersten Beobachtungen du ßois-Reymond's betrafen den tetanischen Actionssti-om von Muskeln mit künstlichem Querschnitt ; derselbe ist dem Demarcatioasstrom entgegen- gesetzt gerichtet, oder eine »negative Schwankung« des letzteren. Da er nach meiner Theorie darauf beruht, dass der lebende Muskelantheil in derselben Kichtung sich ver- ändert, in welcher der absterbende schon verändert ist, so nenne ich diesen Äctionsstrom einen »ausgleichenden«. Später fand du Bois-Reymond. dass auch unversehrte 1) Untersuchungen Heft III. p. 61. 1868 ; Arch. f. d. ges. Physiol. XVI. p. 193. 1877. 24 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. Muskeln einen nach dem Ende hin gerichteten tetanischen Actionsstrom haben. Um ihn mit der Theorie zu ver- einigen, musste angenommen werden, dass die parelectro- nomische Schicht des Faserendes an der Erregung gar nicht, oder in vermindertem Maasse theilnimmt. Letztere Annahme war die spätere und richtigere, weil sich zeigte, dass der Actionsstrom des unversehrten Muskels weniger kräftig ist, als der des angeschnittenen,^) Mit einem Wort : um den Actionsstrom des unversehrten Muskels zu erklären, muss angenommen werden , dass das Faserende an der Erregung in geringerem Grade Theil nimmt als die Mitte der Faser. Während nun du Bois-Beymond diese verminderte Theilnahme hypothetisch auf das Faserende selbst be- schränkte, d. h, den Sitz der electromotorischen Kraft des Actionsstroms an das Faserende verlegte, vermuthete ich, dass die über die Faser ablaufende Erregungswelle während des ganzen Ablaufs an Intensität abnimmt,^) woraus nach der Erörterung des letzten Paragraphen folgen würde, dass im Tetanus jeder der Eeizstelle nähere Ableitungspunkt sich negativ verhält gegen den entfernteren. Die Rich- tung des so sich ergebenden Stromes wäre dieselbe, wie sie die Wirklichkeit und auch die du ^o^s'sche Theorie ergiebt, nur wäre die Kraft unsres »decrementiellen<'< Actionsstroms gleichmässig auf den ganzen Weg der Er- regungswelle vertheilt. Das Decrenient der Erregungswelle im aus- geschnittenen Musk el. Kurz nachdem ich die Vermuthung ausgesprochen hatte, dass die Erregungs welle beim Ablauf im Muskel 1) du Bois-Beymond, Arcli. f. Anat. u. Physiol. 1873. p. 548. 2) Untersuchungen Heft III. p. 60. 1868. Hermann, Untersuchungen über tliierische Electricität. 25 abnimmt, wurde dasselbe von Bernstein durch directe Ver- suche gefunden.^) du Bois-Beymotid vermuthete jedoch, dass dies Resultat nur durch abnorme Eigenschaften, durch Absterbezustand des ausgeschnittenen Muskels bedingt sei, und fand wirklich zuweilen am ganz frischen Muskel bei directer Reizung keinen decrementiellen Actionsstrom zwischen zwei Punkten in der Continuität des Muskels.^) Er beharrte also dabei, den Sitz des Actionsstroms an die parelectronomische Schicht zu verlegen. Ausserdem be- zweifelte er, ob bei Reizung vom Nerven aus die EiTegung überhaupt wellenförmig im Muskel ablaufe. Ich selber fand indess stets im ausgeschnittenen Muskel ein Decrement der Erregungswelle, welches frei- lich durcb Ermüdung sich vergrösserte.^) Ferner fand ich folgende Beweise, dass die Kraft des Actionsstroms auf die ganze Länge der Faser gleichmässig vertheilt ist : ändert man, während mau die Faser an einem Ende tetanisch reizt, die Lage der Ableitungsstellen, so erhält mau stets Actionsströme, die von der Reizstelle weg ge- richtet sind; die Kraft derselben hängt allein von dem gegenseitigen Abstand der Ableitungspunkte ab und ist unabhängig davon, ob die eine Ableitung am Faserende oder an einem anderen Muskelpunkte liegt.^) Dieselbe Erscheinung zeigt sich, wenn der Nerv des Muskels teta- nisirt wird f) zwischen zwei Ableitungsstellen tritt dann stets ein Actionsstrom auf, dessen Kraft ausschliesslich abhängt von der Differenz ihrer Abstände vom »nervösen ^) Bernstein, Untersuchungen etc. p. 64. 1871. ^) du Bois-Eeymond, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1876. p. 369. ') Arch. f. d. ges. Physiol. XVI. p. 194. 1877. *) Ebendaselbst p. 217. ^) Ebendaselbst p. 229. 26 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. Aequator« ^) des Muskels, gleichgültig ob eine Ableitungs- stelle am Faserende liegt oder nicht. Diese Versuche beweisen, dass die Erregung auch bei indirecter Eeizung wellenförmig abläuft, dass sie im ausgeschnittenen Muskel stets ein Decrement hat, dass der tetanische Actionsstrom decrementieller Natur ist und seine Kraft nicht am Faser- ende sich befindet, sondern auf den ganzen Lauf der Er- regungswelle vertheilt ist. Für einen Theil dieser Sätze folgen noch directere Beweise. Die phasischen Actionsströme bei Eeizung vom Nerven aus. Die erste Untersuchung über den phasischen Actions- strom bei indirecter Reizung wurde von S. Mayer unter £erwsfem's Leitung angestellt,^) und zwar am Wadenmuskel des Frosches, Er fand, dass zuerst ein absteigender, dann ein aufsteigender Actionsstrom auftrat ; war der Muskel unten verletzt, so schien die letztere Phase schwächer ausgeprägt. Dies Resultat wurde von du ßois-Reymond^) und, mit einem besonderen, nicht repetirenden Apparate, auch für Einzelreizung von mir bestätigt.^) du Bois-Reymond erklärte das Resultat aus dem ver- schiedenen zeitlichen Verlauf der Actionsstromkräfte , die er an beiden Enden des Muskels annahm, und welche, jede nach ihrem Ende hin gerichtet, sich superponiren. Der absteigende Actionsstrom des unteren Endes entstehe rascher und schwinde früher als der aufsteigende des ^) „Nervösen Aequator" nenne ich denjenigen Querschnitt eines Muskels, auf welchen bezogen die algebraische Summe der Abstände aller Nerveneintrittsstellen Null ist ; vgl. Arch. f. d. ges. Physiol. XVI. p. 234, 414. 1878. 2) S. Mayer, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1868. p. 655. *) du Bois-Beymond, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1873. p. 584. *) Arch. f. d. ges. Physiol. XV. p. 235. 1877. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 27 oberen. Da Verletzung eines Endes (Wegschaffung der parelectrouomischen Schicht) dessen Actionsstrom verstärke (vgl. S. 24), so werde jetzt der obere Actionsstrom ganz vom unteren verdeckt.^) Fundamental verschieden ist die von mir gegebene Erklärung dieser Erscheinung.^) Nach meiner Theorie muss der Muskel absteigend wirken, wenn die Erregungs- welle am oberen Ende sich befindet, aufsteigend, wenn am unteren. Also nicht die erste, sondern die zweite Phase ist dem unteren Muskelende zuzuschreiben. Die erste ge- hört, wie ich zeigte, dem Moment an, wo die Erregungs- welle sich im Bereich der oberen Ableitung befindet ; diese aber betrifft am Wadenmuskel, wegen dessen eigen- tbümlichen Baues, mehr die Mitte der Pasern als ihr oberes Ende. Nach dieser Theorie ist es sofort klar, dass die absteigende Phase der aufsteigenden vorangehen muss, denn jede Erregungswelle erscheint zuerst in der Mitte der Faser, wo die Nervenfaser eintritt , und erreicht erst später das Ende. Ist das untere Fasereude verletzt, so hat die an ihm anlaugende Erregungswelle, wegen der ohnehin hier bestehenden Negativität, keine Wirkung ; die zweite, aufsteigende Phase fällt also weg. Die Kichtigkeit dieser Erklärung wurde zweifellos festgestellt durch Versuche über den phasischen Actions- strom regelmässiger gebauter Muskeln.^) An diesen zeigte sich mit absoluter Regelraässigkeit in jeder Hälfte zuerst eine atterminale, dann eine abterminale Phase (vgl. Fig. 6). Die atterminalen Phasen beider Hälften (1 in Fig. 6) fallen zeitlich zusammen, sie rühren her von dem Beginn der 1) du Bois-Beymond, a. a. 0. 1873— 187G. 2) Arch. f. d. ges. Physiol. XVI. p. 236. ') Ebendaselbst p. 239. 28 Hennann, Untersuchungen über tliieriscLe Electricität. Erreguugswelle , in der Mitte der Faser; die Fasermitte verhält sich negativ gegen beide Enden. Ebenso fallen die abterminalen Fasern beider Hälften (2 in Fig. 6) zeitlich zu- sammen; sie rühren her von der An- kunft der Erregungswelle an beiden 2'— y^^ ^i—- Faserenden; jetzt verhalten sich die Fig. 6. Faserenden negativ gegen die Mitte. Der wellenförmige Ablauf der Erregung im Muskel war so auch für den Fall der Reizung vom Nerven aus direct bewiesen; ebenso ward von neuem klar, dass die Kraft des Actionsstroms nicht an den Faserenden sitzt. Aber es zeigte sich in diesen Versuchen auch direct , dass die Erregungswelle im ausgeschnittenen Muskel mit Decrement verläuft. Die zweite, abtermiuale Phase ist nämlich regelmässig viel schwächer als die atterminale (in Fig. 6 durch die Länge der Pfeile und die Höhe der Actionswellen dargestellt), und nimmt im Laufe des Ver- suchs noch weiter ab. Der Actionsstrom im ganz unversehrten Muskel, beim lebenden Menschen. Am lebenden Menschen konnte die Frage des ruhenden Muskelstroms, wegen zahlreicher Hindernisse durch die Haut, nie entschieden werden. Dagegen fand du Bois bei angestrengter willkürlicher Contraction der Muskeln eines Armes oder eines Beins im betr. Glied einen aufsteigenden Strom, welchen er für die algebraische Summe der teta- nischen Actionsströme der angestrengten Muskeln hielt, obwohl sich diese Deutung nur durch Exclusion anderer Erklärungsversuche sehr wahrscheinlich machen liess.^) ^) du Bois-Beymond, Untersuchungen II. Abth. 2. p. 267. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 29 Gleichwohl gelang es nicht, diesen Strom bei der denkbar günstigsten Ableitung von einer einzelneu Muskelgruppe nachzuweisen. ^) Die Frage, ob das Decrem ent der Erregungswelle nur am ausgeschnittenen Muskel, wegen des Absterbens, statt- linde, konnte nur durch Versuche am lebenden Menschen entschieden werden. Da aber der tetanische Actionsstrom wegen mannigfacher Störungen der Untersuchung kaum zu- gänglich ist, so erforschte ich den phasischen Actionsstrom an den Muskeln des Vorder- arms.^) Es zeigte sich das gleiche Verhalten , welches ich am Frosche gefunden Fig- '^- hatte : die erste Phase ist ein atterminaler Strom, bei welchem sich die Gegend des ner- vösen Aequators (der etwa 10 cm. unter dem Ellbogen liegt) gegen beide Enden negativ verhält; die zweite Phase ist abterminal, d. h. beide Enden verhalten sich negativ gegen den Aequator (vgl. die Pfeile in Fig. 7). Hiei' aber erwies sich, abweichend vom ausgeschnittenen Frosch- muskel, die zweite Phase nicht schwächer als die erste, die EiTegungswelle nimmt also im ganz normalen Muskel nicht ab. Diese Versuche, welche die erste gesetzmässige Muskelwirkung des lebenden Menschen darstellten, lehrten zugleich die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Welle im menschlichen Muskel annähernd kennen ; dieselbe liegt zwischen 10 und 13 met. p. sec. 1) Arch. f. d. ges. Physiol. XVI. p. 257. 1877. *) Ebendaselbst XVI. p. 410. 1878. 30 Hermann, Untersuchungen über tbierische Electricität. Abwesenheit der Actionsströnie , wenn weder Aus- gleichung, noch Phase, noch Decrement solche ver- anlassen. Wenn man einen unversehrten, stromlosen Muskel direct in seiner Totalität reizt, so findet, wie ich sowohl für einzelne Zuckungen wie für Tetanus nachgewiesen habe, kein Actionsstrom statt. ^) Der Grund liegt offen- bar darin, dass die ganze Substanz gleichzeitig und in gleichem Grvade in den Zustand der Erregung übergeht, also nirgends Gelegenheit zum Contact erregter und un- erregter oder weniger erregter Substanz gegeben ist. Hat dagegen ein Muskel künstlichen Querschnitt, also Demarcationsstrom, so tritt bei der Totalerregung ein ausgleichender Actionsstrom auf, welcher den Kuhestrom vermindert.^) Wenn ein Muskel vom Nerven aus tetanirt wird, so können in ihm nur dann Actionsströme stattfinden, wenn die Erregungswelle nicht überall gleiche Intensität hat. In der That ist es beim Menschen, in dessen Mus- keln bei ganz normalen Zuständen kein Decrement der Welle stattfindet, nicht möglich, einen tetanischen xlctions- strom nachzuweisen. Bei sehr heftiger ermüdender Reiz- ung ist es mir zuweilen gelungen, auch beim Menschen decrementiellen Actionsstrom darzustellen, jedoch gelingt der Versuch nicht sicher, sei es, dass der menschliche Muskel gegen den leitungsschädigeuden Einfluss der Er- müdung sehr resistent ist, sei es, dass Nebenwirkungen der Reizung den Versuch stören.^) [Durch neue, in Pu- blication begriffene, Untersuchungen ist festgestellt, dass 1) Arch. f. d. ges. Physiol. XVI. p. 203. 1877. 2) Ebendaselbst XY. p. 238; XYI. p. 203 ff. 1877. 2) Ebendaselbst XVI. p. 416. 1878. Hermann, Untersucbungen über thieiische Electricität. 31 die Reizung einen secretorischen , von aussen nach innen gerichteten Hautstrom bewirkt. Dieser Strom ist die wahre Ursache der Negativität der angestrengten Seite gegen die ruhende bei willkürlicher Anstrengung eines Gliedes und symmetrischer Ableitung , also desjenigen Stromes, welchen du Bois-Eeymond (s. oben S. 29) für den musculären Actionsstrom des Menschen gehalten hatte. Nachtr. Zusatz.] B. In den Nerven. Die A c t i n s s t r ö 111 e des u n v e r s e li r t e n Nerven. In der völlig unversehrten Nervenfaser laufen nach HelmJioltz Erreguugswelleu mit einer Geschwindigkeit von 28 met. p. sec. (für den Frosch) ab. Ein leitender Bogen, welcher an zwei Punkte des Nerven augelegt wird, würde demnach, wenn die Erregung unter seinen Fusspunkten hindurchgeht, einen phasischen Actionsstrom zeigen, der im Nerven zuerst gleiche, dann entgegengesetzte Richtung wie der Weg der Welle hat. Jedoch ist es bisher nicht gelungen, diese äusserst flüchtigen Actionsströme nach- zuweisen. Da die Erregungswelle im Nerven nicht ab- nimmt, so würden beide Phasen gleich sein, und im Tetanus, wo ihre algebraische Summe (welche gleich Null ist) zur Beobachtung kommt, tritt daher am unversehrten Nerven kein Actionsstrom auf. Der Actionsstrom des durclisclinittenen Nerven. Der Actionsstrom des Nerven mit künstlichem Quer- schnitt ist von du Bois-Beymond entdeckt worden ; er ist ausgleichender Natur, und besteht also in einer Abnahme des beständigen Demarcationstroms. du Bois-Beymond hat diesen Strom nur im Tetanus beobachtet. Bernstein aber 32 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. gelang es mit seinem Apparat (S. 22) ihn auch für ein- zelne Erregungswellen festzustellen.^) Ist der ableitende Bogen dem künstlichen Querschnitt und einem Längs- schnittspunkt angelegt, so tritt die Abnahme des Ruhe- stroms in dem Augenblicke ein , wo die Erregung unter dem Längsschnittspunkt hindurchgeht. Durch Verlegung des Längsschnittspunktes konnte das Fortschreiten und der zeitliche Verlauf der Erregungswelle untersucht werden. Die Geschwindigkeit wurde ebenso gross gefunden, als sie sich ergab, wenn der Abstand der ßeizstelle von einem festen Erfolgspunkt (Muskel oder Ableitung am künstlichen Querschnitt) variirt wurde. Hierdurch wurde festgestellt, dass der bei der Erregung ablaufende Vorgang mit der Negativitätswelle identisch ist. Die Art, wie die Welle bei der Annäherung an den künstlichen Querschnitt sich verhält, wird unten erörtert werden. Die Actioasströme des polarisirten Nerven; das polari- satorische Increment der Erregung. Die electrotonischen Ströme (s. oben S. 17 ff.) erleiden, wie Bernstein 1866 fand,^) bei der Erregung des Nerven eine ähnliche Abnahme wie der Strom eines künstlichen Querschnitts. Als Anhänger der Moleculartheorie erklärte er diese Erscheinung folgendermassen : da die electro- tonischen Ströme auf einer veränderten Anordnung der Molekeln beruhen, die Kraft jeder Molekel aber durch die Erregung abnimmt, so muss auch der electrotonische Strom bei der Erregung abnehmen. Hiernach schien die Erscheinung lediglich Erwartetes zu bestätigen. ^) Die Stellen sind oben S. 22 citirt. ^) Bernstein, Arch. f. Anat. u. Physiol. 1866. p. 596. Hermann, Untersucliungen über thierische Electricität. 33 Nach meiuer Theorie aber (s. oben S. 21) sind die electro- tonischeu Ströme nur Zweige des polarisirenden Stromes, bedingt durch die innere Polarisation des Nerven. Da diese Zweige sich durch die Erregung nicht ändern können, schloss ich, dass jene scheinbare Abnahme auf dem Auf- treten eines durch die Polarisation bedingten Actionsstroms beruhe , welcher dem polarisirenden Strome entgegen- gesetzt gerichtet ist. Als Ursache dieses Actionsstroms nahm ich an, dass die Erregungswelle beim Ablauf durch den polarisirten Nerven nicht ihre Grösse behält, sondern zunimmt Avenn sie zu stärker positiv oder schwächer negativ polarisirten Nervenstellen fortschreitet, abnimmt in den entgegengesetzten Fällen (Satz vom »polarisatori- schen Increment der Erregung«).^) Man sieht leicht, dass diese Annahme die Bernstein'sche Beobachtung erklärt. Wenn diese Annahme richtig ist, so muss die Er- regung an der Anode des polarisirenden Stromes ein Maximum, an der Cathode ein Minimum erreichen; dem- nach müsste in der intrapolaren Strecke ein kräftiger Actionsstrom auftreten, der dem polarisirenden Strome gleich gerichtet ist, letzteren also verstärkt. Ich fand in der That sofort, dass dieser Actionsstrom stets vorhanden ist,^) und später zeigte sich, dass die gleiche Beobachtung schon vorher von Grünhagen gemacht war, welcher sie aber ganz anders aufgefasst hatte, näm- lich als Wirkung einer Widerstandsabnahme im Nerven durch die Erregung, durch welche ebenfalls der durch- geleitete Strom verstärkt werden würde. ^) Schon ehe ich 1) Arch. f. d. ges. Physiol. VI. p. 359. 1872 ; VII. p. 323. 1873. 2) Ebendaselbst VI. p. 560. 1872 ; VII. p. 355. 1873 ; p. 215. 1875. ^) Grünhagen, Ztschr. f. rationelle Med. (3) XXXVI. p. 132. 1869. XX.III. 1. 3 34 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. von dieser früheren Beobachtung Keuntuiss hatte, hatte ich diese Möglichkeit der Deutung geprüft und zahlreiche Be- weise gefunden, dass wirklich eine neue electromotorische Kraft und nicht eine Widerstandsabuahme vorliege.^) Später fand ich noch einen directeren Beweis : der Quer- widerstand der Nerven wird nämlich durch die Erregung durchaus nicht vermindert; die Erregung hat auf den Nervenwiderstand überhaupt keinerlei Einfluss.^) Weitere physiologische Bestätigungen des Satzes vom polarisatorischen Increment. Zur Veranschaulichung des Satzes vom polarisatorischen Increment denke man sich längs des horizontalen Nerven eine Abscissenaxe, n n' in Fig. 5 (S. 20), und die Polari- sationsbeträge in verticaler Richtung als Ordinaten auf- getragen, ausnahmsweise aber die positiven Polarisationen nach unten, die negativen nach oben. Man erhält dann die oben (S. 19) erwähnte Polarisationscurve nKiAn', deren tiefster Punkt der Anode, deren höchster der Cathode entspricht. Längs dieser Curve rolle nun eine reibungslose Kugel e, die aus unendlicher Ferne mit einer gewissen horizontalen Anfangsgeschwindigkeit kommt. Die lebendige Kraft dieser Kugel kann dann die Grösse der Erregung darstellen. Man findet sofort, dass die anfäng- liche Kraft in den unter der Abscisse liegenden Niveau's, d. h. im Gebiet des Anelectrotonus, vergrössert, in den höheren Niveau's, im Catelectrotonus, vermindert ist. Ist die anfängliche Kraft zu gering , so wird die Kugel den Gipfel des catelectrotonischen Berges nicht erreichen können, die Erregung also die Cathode nicht überschreiten 1) Arch. f. d. ges. Physiol. X. 215. 1875. 2) Ebendaselbst XII. p. 151. 1875. HerniaiiD, Untersuchungen über thierische Electricität. 35 können. Wird ferner die Kugel mit einer gewissen An- fangskraft auf ein tiefes (anelectrotonisches) Curvenstück aufgesetzt, so wird sie ausserhalb des Polarisationsbereiches mit verminderter Kraft anlangen. Geht sie dagegen mit gegebener Anfangskraft von einem hohen (catelectrotoni- schen) Niveau aus, so langt sie aussen mit erhöhter Kraft an. Alle diese Folgerungen bestätigen sich theils durch längst bekannte , theils durch neue Erfahrungen. Durch die Untersuchungen von Eckhard und Pflüger ist bekannt, dass ein gegebener Reiz im entfernten Muskel eine ver- grösserte Wirkung hat, wenn er eine catelectrotonische Nervenstelle trifl't, eine verminderte dagegen, wenn die Reizstelle im Anelectrotonus liegt. Man sieht, dass diese Thatsachen aus dem genannten Gesetze sich ebenso voll- kommen erklären lassen, wie aus der gewöhnlichen An- nahme, dass die Erregbarkeit des Nerven selbst durch den Anelectrotonus vermindert, durch den Catelectrotonus erhöht wird.^) Ferner sind eine Reihe von Thatsachen bekannt, welche zeigen, dass bei hinreichend starker Polarisation oder hinreichend schwachem Reize die Er- regung die Cathode nicht zu überschreiten vermag.^) Nimmt man noch die Thatsache hinzu, dass die Erregung ein unüberschreitbares Maximum hat, so lässt sich ferner folgern, dass auch beim Durchgang durch die Anode unter gewissen Umständen eine definitive Verminderung der Er- regungsgrösse stattfinden muss.^) Endlich hat ein künstlicher Querschnitt durch die Ausbreitung des Demarcationsstromes längs des Nerven 1) Arch. f. d. ges. Physiol. VII. p. 325, 497. 1873. *) Ebendaselbst VII. p. 354. 1873 ; X. p. 226. 1875. =") Ebendaselbst VII. p. 361. 1873. 36 Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. eine negative Polarisation (Catelectrotonus) der Fa- sern in der Nähe des Querschnitts zur Folge, ^) Durch diesen Umstand erklären sich die so- genannten »schwachen Längsschnittsströme« des Nerven mindestens zum grossen Theil,^) Ein Reiz , welcher in der Nähe des Querschnitts den Nerven trifft, muss ferner nach dem Gesetze des Increments eine verstärkte Wirkung haben, welche in der That festgestellt ist. Endlich muss eine längs des Nerven gegen den Querschnitt hin ablaufende Erregungswelle nach dem gleichen Satze beständig abnehmen, ehe sie am Quer- schnitt selber erlischt. Fig. 8- 1) Ardi. f. d. ges. Physiol. VII. p. 363. 1873. — Diese Polari- sation ist natürlicli auch dann vorhanden, wenn der Demarcationsstrom nicht abgeleitet oder sein nach aussen geleiteter Stromzweig durch einen Gegenstrom compensirt ist ; im letzteren Fall verhält sich der Nerv nach dem jBossc/m'schen Princip, als wenn ihm kein ableitender Bogen angelegt wäre ; vgl. oben S. 15, ferner Arch. f. d. ges. Physiol IX. p. 29. 1874 ; X. p. 237. 1875. ^) In Fig. 8 ist der Kern der Nervenfaser schräg schraffirt. Schon ohne Kernpolarisation würde der Demarcationsstrom sich in ähnlicher Weise ausbreiten, wie es die Figur veranschaulicht^ so dass die angelegten Galvanometerbögen G und G' die sog. schwachen Längs- und Querschnittsströme du Bois-Bei/tnoncVs empfangen. Durch die Polarisation geschieht aber die Ausbreitung längs des Kernes sehr viel weiter und es entsteht zugleich die Polarisationscurve PP'. Hermann, Untersuchungen über thierische Electricität. 37 F. ScMussbenierktmgen. Sämmtliche electrischen Erscheinungen der Muskeln und Nerven sind also aus einigen wenigen, höchst einfachen Sätzen abzuleiten. Das erregbare Protoplasma beantwortet so- wohl die tödtlichen als die erregenden Einflüsse.^ mit einer electromotorischen Reaction ; die veränderte Substanz ver- hält sich negativ electrisch gegen die unveränderte. Die innere Querpolarisirbarkeit und das polarisatorische Incre- ment der Erregung müssen zur vollständigen Erklärung aller Thatsachen noch hinzugenommen werden. Dass die gewonnenen Fundamentalsätze mit dem ganzen Leben der irritablen Gebilde in innigstem Zusammenhang stehen, wird Niemand zweifelhaft sein. Dennoch wird es noch zahlreicher Untersuchungen bedürfen, ehe jener Zu- sammenhang vollkommen zu übersehen ist. Obwohl die Anschauungen, welche, vor mehr als dreissig Jahren auf Grund der damals bekannten That- sachen herangebildet , uusern erweiterten Kenntnissen gegenüber vollständig haben weichen müssen, hat das Gebiet der thierischen Electricität an physiologischem Interesse nur gewonnen ; und die Verdienste des Mannes, welcher dieses Gebiet gleichsam, entdeckt, seine Methodik geschaffen, seine Gruudthatsachen gefunden hat, werden durch veränderte Deutung- nicht im mindesten erschüttert. Astronomische Mittlieilungen von Dr. Rnclolf Wolf. XLVI. Beobachtungen der Sonnenflecken im Jahre 1877, sowie Be- rechnung der Eelativzahlen und Variationen dieses Jahres ; neue Ableitung der mittlem Länge der Variatiousperiode zur Wider- legung der von den Herren Broun und Faye publicirten Be- stimmungen und Schlüsse ; Fortsetzung der Sonnenfleckenliteratur. Die Häufigkeit der Sonuenflecken konnte von mir 1877 an 259 Tagen vollständig und mit dem seit Jahren dafür gebrauchten 2 Va füssigen Pariser-Fernrohr oder auf Ex- cursiouen mit einem annähernd äquivalenten Münchner- Fernrohr, — und noch an 26 Tagen bei bewölktem Him- mel wenigstens theilweise beobachtet werden; diese sämmt- lichen Beobachtungen finden sich unter Nr. 365 der Literatur eingetrageil, und die 259 vollständigen derselben wurden unter Anwendung des frühern Factors 1,50 zur Bildung einer ersten Reihe von Relativzahlen verwendet. Ausser denselben lagen noch die unter Nr. 366 gegebenen 374 Beobachtungen vor, welche meine beiden Assistenten Robert Billwiller und Alfred Wolfer direet bei Vergrösserung 64 an dem Frauenhofer'schen Vierfüsser, auf welchen ich meine Beobachtungen reducire, erhalten hatten; ihre Vergleichung mit der Reihe meiner Relativzahlen ergab im ersten Semester aus 133 Vergl. für Hrn. Wolfer den Factor 0,86 n 32 „ „ „ Billwiller „ „1,01 zweiten „ „ 110 „ „ „ Wolfer „ „ 0,82 „ 41 „ „ „ Billwiller , „ 0,84 Wolf, astroiiomisclie Mittheüuugeu. Sounenflecken-Relativzalilen im Jahre 1877. 39 I. IL m. j IV. V. VI. VII. VIII IX. X. XI. XII. 1 10 30 29 21 16 5 5 44 15 2 11* 29 17 14 16 0* 47 14 3 11 36* 15 18 23* 10 34 1.3* 4 10 31* 32 22 20 14 38 11* 5 19 18 15 23 18 22 20 0* 1 6 19 10* 30 25* 26* 6 21 15 0* 7 29 13 34 9 27 19 6 24 13 0* 1 8 35 11* 19 14 18 22 5 23 9 29 10 8 12 28 22 3 20 ö^ 10 49 14 14 34 23 24 0* 0* 1 1 11 44 16 8 32* 20 3 31 1 12 32 13 31 18 10 30 0* ! 13 42 13* 36 14 3 29 7* ! 14 42 13 0* 28 9 30 15 47* 14 27 18* 5 24 17* 16 38 13 24 20 5 22 17* 17 51 13 26* 29 5 18 21 11* 0* 18 56 2* 26* 28* 19 5 15 25 6* 0* 19 53 28 18* 18 11 6* 28 0* 20 42 18* 34 15 11 18 0* 21 39* 2* 20 23 15 10 5 5* ! 22 18 14 31* 28 10 0* 5* i 23 15 14 31 11 15 1 24 12 38 23 20 18 29* 0* 25 0* 41 20 22 0* 17 9 20 0* ! 26 11 14 35 16 13 18 23 14 23 2* 27 10 22 33 18 19 18 14 22 20* 0* 1 28 15 18 23* 14 16 17 12 36 20 i 29 30 5 17 17 9 43 25 •0* i 30 14 18 14 5 45* 15 31 13 11 38 5* Mitkl 24,4 8,7 11,7 15,8 21,2 13,4 5,9 6,3 16,4 6,7 14,5 2,3 40 - Wo)f, astronomische Mittheilungen. und mit diesen Factoren wurde aus denselben für jeden Beobachter ebenfalls eine Reihe von Relativzahlen aufge- stellt, — sodann aus diesen sämmtlichen drei Reihen eine Mittelreihe gebildet, und dieselbe ohne weitere Bezeich- nung in die beigegebene Tafel der Relativzahlen einge- tragen. Es blieben so im ersten Semester noch 24 und im zweiten Semester 34 Tage zum Ausfüllen, und hiefür wurden sodann in folgender Weise die Reihen verwendet, welche ich der gefälligen Mittheilung aus Peckeloh, Palermo, Moncalieri, Athen, Madrid und Rom verdanke und in Nr. 372, 373, 369, 368, 367 und 375 vollständig mitgetheilt habe. Aus den ersten 5 dieser Reihen wurden durch Ver- gleichung mit der Zürcher-Reihe für jedes Semester und jeden Beobachtungsort die Reductiousfactoren abgeleitet, und zwar ergab sich im zweiten 139 Vergl. für Peckeloli der Factor 0,94 81 „ „ Palermo „ „ 0,81 97 „ 15 Moncalieri „ „ 1,32 155 , n Athen „ „ 1,45 136 „ Madrid 11 „ 0,90 143 , „ Peckeloh „ ^ 0,86 81 „ n Palermo n „ 0,87 101 „ 11 Moncalieri ^ ^ 1,31 147 „ „ Athen „ 11 1,85 127 „ 1) Madrid „ „ 0,88 Für Rom, wo neben den Gruppenzahlen g keine Flecken- zählungen , dagegen Flächen / gegeben waren, setzte ich r = k (a. g -\- f), schrieb diese Gleichung für jede ge- meinschaftliche Beobachtung, welche in den 6 ersten Mo- naten in Zürich und. Rom erhalten worden war, auf, — addirte monatweise, — und bestimmte aus den 6 erhal- tenen Summen-Gleichungen die sie ganz befriedigend dar- stellenden Werthe u = 1,20 und a = 6,40, welche ich Wolf, astronomische Mittheilungen. 41 sodann auch für das zweite Semester benutzte. Ich redu- cirte nunmehr mit diesen Factoren und Werthen die 44 Beobachtungen von Peckeloh, 18 B. von Palermo, 31 B. von Moncalieri, 54 B. von Athen, 45 B. von Madrid und 28 B. von Rom, welche auf die in Zürich fehlenden 58 Tage fielen, und sie sämmtlich, grossentheils mehrfach deckten, — und schrieb endlich in die beigegebene Tafel die aus ihnen folgenden Mittelwerthe unter Beisetzung eines * ein. — Die Tafel enthält ausserdem die Monat- mittel, und im Mittel aus diesen ergibt sich als mittlere Eelativzahl des Jahres 1877 r = 12,3 welche zwar in Zusammenstellung mit den Relativzahlen der Vorjahre 1868 1869 1870 1871 1872 1873 1874 1875 1876 1877 37,3 73,9 139,1 111,2 101,7 66,3 44,6" 17,1 11,3 12,3 einen nunmehr eingetreteneu schwachen Anfang des Wieder- Aufsteigeus der Sonnenfleckencurve anzudeuten scheint, aber doch noch nicht mit einer hinlänglichen Bestimmtheit um auch nur dieses Factum selbst zu verbürgen, geschweige die Minimumsepoche festsetzen zu können. Dieselbe Un- sicherheit zeigt sich sogar in den für Juli 1876 bis Juni 1877 durch Ausgleichung erhaltenen Zahlen 11,7 11,9 10,8 10,6 11,8 13,0 13,1 12,6 12,7 12,7 12,6 12,5 (welche ich zur Ergänzung der in Nr. XLII gegebenen Tab. I hier beifüge), da das Ende 1876 und Anfang 1877 be- gonnene Ansteigen sich im letzten Frühjahr und Vor- sommer nicht in erwarteter Weise fortgesetzt hat, so dass immer noch ein Rückfall in Aussicht genommen und die abschlüssliche Bestimmung der Minimums-Epoche, die vor- läufig auf 1878,0 gesetzt werden mag, noch verschoben 42 Wolf, astronomische MittheiluDgen. werden muss. — Der oben für 1877 erhaltenen mittlem Eelativzahl r = 12,3 entspricht A v = 0,045 . r = 0',55 und es muss somit, nach den in Nr. XXXV mitgetheilten Untersuchungen, im mittlem Europa die magnetische Decli- nationsvariation sich im Jahresmittel um 0',55 über ihren geringsten Werth, welchen ich theils daselbst, theils in Nr. XXXVIII z. B. für Prag Christiania München Mailand zu 5', 89 4',62 6',56 5'05 bestimmte. erhoben, d. h. für diese Orte 6',44 5M7 7',11 5',65. betragen haben. Leider besitze ich bis jetzt zur Ver- gleichung einzig die in Prag und Christiania erhaltenen Werthe, welche nach Nr. 374 und 378:5',95 und 5',20 be- trugen, sodass diessmal Christiania besonders schön stimmt - — und sodann (v. Nr. 370) allerdings noch den in Mont- souris erhaltenen Werth von 7 ',38, welchem aber, da bis jetzt (v. Nr. 361) für diese Station erst eine ganz provi- sorische Fgrmel aufgestellt werden konnte, durch Berech- nung kein zuverlässiger Werth (die Formel würde 6',43 ergeben) gegenüber gestellt werden kann, während dagegen bemerkenswerth ist, dass die Pariser -Variation entsprechend der Relativzahl von 1876 auf 1877 einen kleinen Zuwachs erhielt, während die Variation in Prag und Christiania noch etwas zurückging. In der sehr bemerkenswerthen, und im Folgenden noch wiederholt zu berührenden Abhandlung, welche John Allan Broun unter dem Titel »On the decennial Period in the ßange and Disturbance of the diurnal Oscillations of the magnetic Needle and in the Sun-spot Area« im Jahre 1876 den Edinburgher Transactions einverleibte, be- Wolf, astronomische Mittheilungen. 43 stimmte derselbe unter Anderm die Länge der Variations- periode, indem er die aus den Beobachtungen von Trevan- drum erhaltene Maximumsepoche 1870,85 mit der aus Cassini's Pariser- Beobachtungen gefolgerten Maximums- epoche 1787,25 verglich, und dabei annahm, dass diese beiden Epochen 8 Perioden umfassen, d. h. er setzte die mittlere Variationsperiode gleich (1870,85 — 1787,25) : 8 =- 10^45 eine Bestimmung, auf welche ich unten zurückkommen werde, hier vorläufig nur erwähnend, dass sie, ohne Schuld von Broun, Veranlassung zu einem Missverständnisse, und Herrn Faye einen scheinbaren Anhaltspunkt gab die auf- gefundenen Beziehungen zwischen Sonne und Erde theils vor der Pariser- Academie, theils in seinem, dem Annuaire du bureau des longitudes pour 1878 beigegebenen Artikel »Sur la meterologie cosraique« vor dem grossen Publikum neuerdings in Frage zu stellen. Nachdem nämlich Herr Faye in dem eben erwähnten Artikel gesagt : »A l'epoque oü M. Lamont venait de decouvrir que les variations an- nuelles de Toscillation diurne de la boussole avaient une Periode de 10 V2 aus, et oü M. Scimvabe assignait aussi ä la fr^quence des taches une periode ä peu pres decennale, trois observateurs distingues, MM. Sahine, ^ Gautier et Wolf signalerent en meme temps la ressemblance de ces periodes; ils en conclurent qu'il devait exister un lien entre les taches du soleil et le magnetisme terrestre«, — und dann noch in sehr verbindlicher Weise für mich beigefügt: »C'est ä M. Wolf, surtout, que nous devons les travaux qui ont donne taut de poids ä cette hypothese, precisement parce qu'ils tendent ä etablir l'egalite complete des deux periodes. Ce savant distingue les porta, en effet, toutes deux ä 1P"',11. Le tableau que nous avons publie d'apres lui dans l'An- 44 Wolf, astronomische Mittheilungen. nuaire de 1874 sur la Concor clauce des maxima et des minima des deux phenomenes pendant pres d'un siecle, produisit donc l'eifet d'une veritable demonstration«, — erwähnt er die oben mitgetheilte Berechnung mit den Worten: »M. Broun, dont la competence en fait de mag- netisme terrestre est bien connue , vient de determiner ä nouveau la periode des variations en comparant les mesures de Cassini (qni donnent 1787,25 poiir la date du maximum observe alors a Paris) aux siennes (ä Trevandrum, qui assignent 1870,85 pour l'epoque du dernier maximum). L'intervalle est de 83"""' ,60. En le divisant par le nombre 8 des periodes comptees dans cet Intervalle, on trouve 10*°',45 pour la duree de la periode«, — und kommt dann zu dem Schlüsse: „La jJeriode des tacJies (1P^^^,11) n^etant pas egale ä celle des variations magnetiqiies {10'^^%45), ces deux phenomenes n'ont aiicun rapport entre eux''^. Ob- schon nun Herr Faye noch den, etwas stark an Inan- spruchnahme der Unfehlbarkeit erinnernden Satz: ,^Cet arret est sans replique''^ beifügt, hat sich dennoch bereits Herr Broun erlaubt (v. Nature 1878 131 und Les Mondes 1878 II 28) gegen denselben zu protestiren, und des Be- stimmtesten zu erklären, dass er mit mir darin ganz einig gehe den Synchronismus der beiden Erschei- nungen anzunehmen, und dass unsere einzige Dif- ferenz in der Bestimmung der mittlem Länge der gemeinscliaftllclien Periode bestehe, welche er für beide Erscheinungen zu 10,45 Jahren annehme, während ich ebenfalls für beide an meinen 11,11 Jahren festhalte. Indem ich dieser Erklärung vollkom- men beipflichte, und auch darin mit Herrn Broun überein- stimme, dass die unbestreitbare Thatsache der fort- währenden Coincidenz der Epochen beider Er- Wolf, astronomisclie Mittlieiluugeu. 45 scheinungen wichtiger sei, als die in Frage gestellte Dauer der gemeinscliaftliclieii mittlem Länge der Periode, erlaube ich mir meine Bestimmung der Letztern zu rechtfertigen, d. h. meine Gründe anzu- geben, welche mich nöthigen die 11,11 Jahre beizubehalten und die 10,45 Jahre zu verwerfen. — Was die mittlere Dauer der Sonnenfleckenperiode anbelangt, so habe ich dieselbe erst vor einem Jahre in Nr. 42 dieser Mit- theilungen und ganz entsprechend damit in dem von der Koy. Astronom. Society in den Band 43 ihrer Memoirs aufgenommenen »Memoire sur la Periode commune ä la Frequence des Taches solaires et ä la Variation de la De- clinaison magnetique« neu ermittelt, und so lauge nicht durch neu aufgefundene längere Beobachtungsreihen aus den letzten Decenuien des vorigen und den ersten Decennien des gegenwärtigen Jahrhunderts die in den beiden Publicatiouen gegebenen, den Gang des Sonnen- iieckenphänomens von 1749 bis 1876 nach dem Complex aller von mir gesammelten Beobachtungen vollständig dar- stellende Zahlenreihe wesentliche Modificationen erhält, wird an eine Verschiebung der von mir für Maximum und Minimum bestimmten Epochen , und damit an eine Ver- änderuug der von mir auf T= ir,lll + 2,030 (als Schwankung) + 0,307 (als Unsicherheit) bestimmten mittlem Länge der Sonnenfleckenperiode gar nicht zu denken sein, — und Einwürfe, wie sie v o r Kennt- niss dieser Keihe erst durch Lamont, dann durch Loomis, und nun zuletzt noch durch Broun erhoben worden sind, sollten nach meiner Meinung durch dieselbe genügend widerlegt sein; so müsste man z. B. um meine Reihe so 46 Wolf, astronomische Mittheilungen. weit abändern zu können, damit sie die von Broun ver- langten Min. von 1795 und Max. von 1797 zeige, die ganze ausgedehnte Beobachtungsreihe des ebenso fleissigen als tüchtigen Astronomen Flaugergues als falsch zu er- weisen haben, obschon sie mit allen bislang über die be- treffende Zeit bekannt gewordenen anderwärtigen Angaben harmonirt, und überhaupt meines Wissens gar nichts gegen sie vorliegt, als dass sie eben jene gewünschten Epochen von 1795 und 1797 nicht zeigt, — so müssten, um meine Minimumsepoche von 1775,5 an eine Maximumsepoche in 1776,2 vertauschen zu können, die sich gegenseitig stützen- den und ergänzenden Beobachtungsreihen von Staudach er, Horrebow, Mall et-, etc. als falsch erwiesen werden, obschon gegen sie meines Wissens bislang gar nichts vor- liegt, als dass sie eben jenes Minimum von 1775,5 sehr decidirt involviren, und erst 1778,4 ein Maximum folgen lassen, — etc. — Was dagegen die mittlere Dauer der Variationsperiode anbelangt, so will ich auf dieselbe hier näher eintreten, und vor Allem eine Bestimmung der- selben besprechen, welche ich in der allerneuesten Zeit, ganz ohne Kücksicht auf die Sonnenflecken, aus den mag- netischen Beobachtungen selbst erhalten habe. Ich mittelte dafür zunächst die in der beifolgenden Variations-Tafel enthaltenen 17 Epochen v für Minimum (in) und Maximum (M) in folgender Weise aus : Die älteste, mit hinlänglicher Sicherheit bestimmbare Epoche, die Nr. 1 der Tafel, basirt auf den in Nr. 13 der Mittheilungen gegebenen Mann- heimer-Beobachtungen, aus welchen ich durch die schon in Nr. 33 und seither wiederholt angewandte Ausglei- chungsmethode, welcher die Mittel aus jeden zwölf auf- einander folgenden Zahlen zu Grunde liegen, die Varia- tionsreihe Wolf, astronomische Mittheiluugen. 47 1783 VII 8,94 1784 I 7,20 1784 VII 7,02 1785 I 8,00 - VIII 8,84 - II 7.03 - VIII 7,09 - II 8,24 - IX 8,62 - III 7,15 - IX 7,04 - III 8,29 - X 8,39 - IV 7,15 X 7,06 - IV 8,36 - XI 8,00 - V 7,06 - XI 7,38 - V 8,45 - XII 7,58 - VI 7,01 - XII 7,69 - VI 8,54 erstellte, sodann die entsprechende Curve construirte, und aus dieser die Minimumsepoche 1784,5 mit ziemlicher Sicherheit erheben konnte, so dass ich dieser Bestimmung das Gewicht 1 beilegen durfte. Die Nr. 2 der Tafel wurde in ganz ähnlicher Weise aus den in Nr. 4 enthaltenen Pariser- Beobachtungen abgeleitet, und der so erhaltenen Epoche 1787,2 ebenfalls das Gewicht 1 beigelegt. ^) Um Nr. 3, 4 uud 5 bestmöglich bestimmen zu können, stellte ich die in Nr. 4, 13, 11 und 4 gegebenen Eeihen von Oassini (1784-88), Hemmer (1789—92), Gilpin (1786 bis 1805) und Beaufoy (1813—20) auf demselben Blatte graphisch dar , und zog eine sie möglichst darstellende Curve, welche mir zwischen dem schon besprochenen Max. 1787,2 und dem sofort zu besprechenden Max. 1818,2, zwei, durch eine etwa in 1804,0 gipfelnde merkliche Er- hebung getrennte, Einsenkungen zeigte, deren tiefste Stellen auf 1799,0 und 1811,0 fielen; ich setzte daher auf diese drei Zeiten 1799,0, 1804,0 und 1811,0 Epochen, legte ihnen aber wegen etwelcher Unsicherheit der Bestimmung nur die Gewichte V'2i V2 und Vi bei. ^) Für Nr. 6 wurden aus den, leider von 1815 X bis 1817 IV unterbrochenen, in Nr. 4 gegebenen Beobachtungen von Beaufoy durch Ausgleichung die beiden Reihen *) Broon, der diese Epoche in der auf pag. 573 seiner Abhand- lung gegebenen betreffenden Tafel als älteste aufgenommen hat, legt sie nahe entsprechend auf 1787,25. ^) Broun gibt in seiner Tafel für die erste dieser Epochen 1800,5, Wolf, astronomische Mittheilungen. Variations-Tafel. Nr. Variations- Epoche PpHoHph Bedinguugs- i-eiloden gieichung F V-V Sonnen- flecken Epoche V-S, V iGew. iC Gew, E ± n x=^ V \ s 1 m 1784,5 — E —4x= -15,5 1789,0 - 4,5 1784,7 - 0,2 2M 1787,2 — — ^'_4^'= -12,8 1793,3 - 6.1 1788,1 -0,9 3 ni 1799,0 1/2 14,5 Vs ^ _3a;= - 1,0 1800,2 - 1,2 1798,3 0,7 4M 1804,0 \/2 16,8 V3 E' — Sx= 4,0 1804,4 - 0,4 1804,2 - 0,2 5 m 1811,0 V* 12,0 Ve ^_2^= 11,0 1811,3 - 0,3 1810,6 0,4 6M 1818,2 72 14,2 V^ E — 2x= 18,2 1815,5 2,7 1816,4 1,8 7 m 1824,2 13,2 V^ ^ _ a; = 24,2 1822,4 1,8 1823,3 0,9 SM 1829,7 11,5 V3 E - x= 29,7 1826,7 3,0 1829,9 -0,2 9 m 1833,8 1/2 9,6 Vs JS; = 33,8 1833,6 0,2 1833,9 -0,1 10 M 1837,7 P/ä 8,0 3/5 E' = 37,7 1837,8 - 0,1 1837,2 0,5 11 m 1844,5 2 10,7 75 ^ -1- x= 44,5 1844,7 - 0,2 1843,5 1,0 12 M 1848,7 2 11,0 77 i;'+ a;= 48,7 1849,0 - 0,3 1848,1 0,6 13 m 1856,4 2 11,9 1 E +2x= 56,4 1855,9 0.5 1856,0 0,4 UM 1859,8 2 11,1 1 iJ' + 2 a; = 59,8 1860,1 - 0,3 1860,1 - 0,3 15 m 1866,8 2 10,4 1 i; -f 3 Ä = 66,8 1867,0 - 0,2 1867,2 - 0,4 16 M 1870,8 2 11,0 1 E -\-Bx= 70,8 1871,2 - 0,4 1870,6 0.2 17 TO 1877,5 V2 10,7 75 ^4-4^-- 77,5 1878,1 - 0,6 1878,0 - 0,5 Mittel I. 11,77 V2 X = 11,45 Mittel + 2,17 Mittel ±0,69 + '2,17 J5^ = 1833,08- + 1,93 + 0,62 + 0,56 E' = 1837,74 - II. 11,18 + 1,53 ± 0,43 1 a; = 11,01 E = 1833,65 E' = 1838,41 - III. 11,04 + 1,37 ± 0,47 IV. ic = 11,51 E = 1832,93 E' = 1837,03 - IV. 11,03 + 0,96 ± 0,35 2 .r = 10,&6 E = 1834,19 ^' = 1838,16 Gesammt-Mittel 11,14 + 1,32 X = 11,14 ^ = 1833,59 ± 0,22 E' = 1837,83 1 Wolf, astronomische Mittheüungen. 49 1813 X 7,00 - XI 6,97 - XII 6,97 1814 I 7,04 - 11 7,2ö - III 7.36 und 1817 X 8,72 - XI 8,60 - XII 8,58 1818 I 8.58 - II 8,56 - III 8,64 .09 8.61 1814 IV 7,46 - V 7,54 - VI 7,61 - VII 7,60 - Vni 7,59 - IX 7,63 1818 IV 8,67 V 8,69 - VI 8,80 - VII 8,74 - VIII 8,63 - IX 8,60 i,ot >8,69 181-1 X 7,66 - XI 7,76 - XII 7,88 181^ ) I 7,93 - II 7,85 - III 7,72 181J > X 8,59 - XI 8.55 - XII 8,47 181C ) I 8,58 - II 8,30 - III 8,18 7.80 8,47 — ersetzt die zweite und dritte mit '?, — und schaltet dagegen zwischen 1787,25 und 1800,5 noch eine Minimumsepoche 1795,0 und eine Maximurasepoche 1797,7 ein, wodurch er somit in vollständigen Widerspruch gegen mich tritt, ohschon er sich zunächst auch auf Gilpin stützt, und dann allerdings noch eine von Loomis publicirte (mit II nahe gleiche) Reilie der Häufigkeit des Nordlichtes in den Jahren 1790 bis 1819 beizieht. — Um zu zeigen wie wenig be- gründet dieses Vorgehen ist, füge ich beistehendes Täfelchen bei: Jahr 1786 87 88 89 90 91 92 93 j 94 J1795 I 15,82 14,98 15,22 12,60 14,85 12,27 8,27 8,43 8,27j 7,48 II 167 181 163 167 124 91 82 24 11 11 III 55 50 34 45 13 11 , 6 8 2 2 IV 16 27 53 45 36 37 23 13 6 3 Jahr 1796 97 98 99 00 Ol 02 03 04 18D5 I 8.02 8,30 7,44 7,56 7,14 7,74 8,58 9,16 8,48 8,72 II 4 15 3 7 6 8 13 10 14 24 III 2 5 4 4 IV 13 2 3 4 4 6 6 4 wo I die von mir in Nr. 11 aus Gilpin's Beobachtungen abgeleitete Variationsreihe gibt, bei welcher nur die beiden fett gedruckten Zahlen vollständig durchbeobachteten Jahren entsprechen, während die übrigen je nur auf 3 bis 5 Monaten beruhen, — II die von Fritz XXIII. 1. 4 50 Wolf, astronomische Mittheilungen. gebildet, und aus der graphischen Darstelluug derselben geschlossen, dass das Maximum, zum Mindesten mit dem Gewichte Va, auf 1818,2 gelegt werden dürfe. ^) Für Nr. 7 und 8 wurde die Arago'sche Reihe in Nr. 4 ausgeglichen, wodurch die Epochen 1824,2 und 1829,7 erhalten wurden, welchen das Gewicht 1 gegeben werden konnte. *) Für Nr. 9 wurde die Arago'sche Eeihe in Verbindung mit einigen in s. „Verzeichniss beobachteter Polarlichter, Wien 1873 in 8"" auf pag. 249 gegebenen Jahressummen aller (mit Ausnahme des höchsten Norden) beobachteten Nordlichter, — III die ebenfalls von Fritz a. a. 0. gegebenen amerikanischen Nordlichter, — und IV die nach Lovering in s. Abhandlung „On the Periodicity of the Aurora borealis (Mem. of the Amer. Acad. 1868)" speciell in England be- obachteten Nordlichter. Wie kann man wagen, auch wenn I schein- bar in 1797 und 1800 Minima und in 1797 ein Maximum zeigt, aus so unbedeutenden Schwankungen in einer so unsichern und in keiner Weise ausgeglichenen Reihe auf die Unrichtigkeit einer zum Minde- sten auf viel soliderm Fundamente bestehenden Angabe schliessen zu wollen, — wie kann man glauben eine solche Behauptung durch II hinlänglich stützen zu können, wenn sich aus III und IV zeigt, dass die kleine Erhebung für 1797 nur auf lokalen englischen Beobach- tungen (meist sogar nur Nordlichtspur en in Manchester) beruht, — und wenn man endlich aus I das Max. 1797 herausliest und dagegen das besser ausgesprochene Max. 1803 verschweigt, setzt man sich nicht dem Vorwurfe aus, man habe das Eine, als in den Kram pas- send, hervorgehoben, und das Andere, als störend, todtgeschwiegen. Hätte Herr Broun, anstatt diese nach meiner Ansicht unberechtigte Einschiebung zu machen, bloss die Meinung ausgesprochen, es sei die Gilpin'sche Reihe höchstens zu gebrauchen um das am Ende des vorigen Jahrhunderts eingetretene Minimum zu belegen, und es sei der Verlauf der Variationen von 1787 bis 1800 als unbekannt zu betrachten, so könnte ich ihm zur Noth beistimmen, — aber diess wäre auch die höchste Coneession, die mir mein Gewissen erlauben würde. ä) Broun hat ebenfalls 1818,2. *) Broun hat ebenfalls 1824,2 und 1829,7. Wolf, astronomische Mittlieilungen. 51 von Arago im 4. Bande s. Werke angeführten Bestim- mungen für 1835 benutzt um die in Nr. 4 gegebene, erst mit 1834 IV beginnende Göttinger-Reihe etwas rück- wärts zu verlängern; es ergab sich so ein Minimum in 1833,8, Avelchem jedoch nur das Gewicht V2 gegeben wurde. '") Für Nr. 10 ergab die Ausgleichung der oben erwähnten Göttinger-Reihe 1837,6, während die in Nr. 38 bereits ausgeglichene Mailänder-Reihe das Max. auf 1837,8 legte; ich bestimmte die Epoche im Mittel auf 1837,7 und gab ihr das Gewicht IV2. «) Für Nr. 11, 12, 13, 14, 15 uud 16 lagen neben der Mailänder-Reihe noch die Reihen von München, Prag, Cliristiania, Berlin, etc. vor; ich bestimmte nun jede dieser Epochen aus 4 dieser Reihen, und legte dem Mittel das Gewicht 2 bei; so fand ich z. B. aus Mailand 1844,1, aus München 1844,5, aus Christiania 1844,7 und aus Prag 1844,5, und legte somit die Epoche 11 auf 1844,5, und entsprechend vorgehend 12 auf 1848,7, 13 auf 1856,4, 14 auf 1859,8, 15 auf 1866,8 und end- lich 16 auf 1870,8. '') Für Nr. 17 endlich erhielt ich nach Lit. 350 und 374 durch Ausgleichung für Prag und die 12 Monate 1876 VII bis 1877 VI die Variationsreihe 6,28 6,26 6,23 6,17 6,12 6,09 6,12 6,18 6,19 6,12 6,02 5,94 und nach Lit. 361 und 370 für Paris und dieselben 12 Monate 7,26 7,28 7,30 7,32 7,34 7,37 7,42 7,43 7,47 7,54 7,51 7,42 Es hatte somit in Prag bis 1877 VI noch vorherrschend schwaches Sinken, dagegen in Paris bereits vorherrschend schwaches Steigen statt, und ich konnte so wenigstens mit 5) Broun hat 1833,5? «j Broun hat 1837,5. 1) Broun hat 1843,85, 1848,9, 1856,3, 1860,3, 1866,5 u. 1870,85, — stimmt also mit Ausnahme von Nr. 11 und 14, wo die Differenz auf y-i und mehr ansteigt, gut mit mir zusammen. 52 Wolf, astronomische Mittheüungen. der dem Grewichte V^ entspreclienden Sicherheit die Mini- mums-Epoche vorläufig auf 1877,5 legen. ^) — Zieht mau jede Miuimumsepoche von der folgenden Minimumsepoche, und jede Maximumsepoche von der folgenden Maximums- epoche ab, so erhält man die in die Tafel eingeschriebenen 15 Werthe für die Periodenlänge x und die beigesetzten Gewichte derselben. Aus diesen 15 Werthen wurde in vierfacher Weise ein Mittelwerth für x abgeleitet, und je aus Yergleichung dieses Mittelwerthes mit den einzelnen Werthen der mittlere Fehler einer Bestimmung oder die mittlere Schwankung der Periode und der Fehler des Mittels oder die Unsicherheit des Mittels berechnet, — und zwar wurden die Zahlen I erhalten, indem sämmt- lichen 15 Werthen das Gewicht 1 beigelegt wurde, — die II, indem die zwei ersten Werthe unberücksichtigt blieben, ^) — die III, indem wieder aUe 15 Werthe be- nutzt, aber mit den beigeschriebenen Gewichten in Kech- nung gebracht wurden, — und die IV endlich, indem zwar diese Gewichte ebenfalls berücksichtigt, aber die zwei ersten Werthe wieder weggelassen wurden. Die für I und II an- gewandte Vorschrift (die damit übereinkömmt, dass man sowohl für Minimum als Maximum die erste Epoche von der letzten abzieht, je die Differenz durch die Anzahl der zwischenliegenden Perioden theilt, ^^) und aus den beiden Quotienten das Mittel zieht) hat ihre Berechtigung, sobald für die Bestimmung hinlänglich viele Perioden vorliegen, *) Broun hat die natürlich gegenwärtig als irrig zu hezeichnende Epoche 1875,7?, was aber für Frühjahr 1876, wo er s. Abhandlung vollendete, zu entschuldigen ist. ^) Um Broun die in Note 2 versprochene Concession zu machen. ^°) Die oben nach Broun gegebene Bestimmung der mittleren Variations-Periode ist ebenfalls nach dieser Methode erhalten. Wolf, astronomische Mittheiluiigeü. 53 um eine Aiisgleiohimg aller üngleichlieiteu erwarten zu können, und so liefert sie z. B. für die Sonnenflecken mit ihrer bereits 2 ^ 2 Jahrhunderte beschlagenden Epochen- ßeihe ein ganz gutes Resultat, indem l^^»-" ;- "'"'^ = 11.13 .nd '«^"'^ - '"'""^ = 11,09 also im Mittel a; = 11.11 "Wenn dagegen, wie bei den Yariatioueu, noch eine relativ kleine Anzahl bekannter Perioden vorliegt, so hat die zu- föUig etwas anomale Lage einer der Endepochen noch einen grossen Einfluss, wie sich diess in der grossen Ver- schiedenheit der I und II zeigt, ^^) — und unter allen Um- ständen bleiben bei dieser Methode die sämmtlichen Zwi- schen-Epochen ohne Betracht, während dieselben dagegen bei der für EI und lY befolgten Yorschiift zur Geltung kommen, und so jener grosse Einfluss der Eudepochen ge- brochen wird, wie diess in der nahen üebereinstimmuug von III und lY zu Tage tritt. Immerhin glaubte ich keine der Bestimmungen I, II, III und lY ganz unberücksichtigt lassen zu sollen, legte ihnen der Reihe nach die Gewichte V2, 1, IVa und 2 bei, und fand so das in die Tafel einge- schriebene Gesammtmittel, sowie dessen Schwankung und Unsicherheit. ^-) — Ausserdem wurde aber x auch noch ^^) Die bei Berechnung von II -weggelassenen Epochen 1 und 2 repräsentiren eben, wie von den Sonnenflecken her längst bekannt ist, solche ganz anomale Verhältnisse. ^-) Die dem G-esanimtmittel beigeschriebene Schwankung +. 1,32 ist einfach das, unter Berücksichtigung der Gewichte '^ji, 1, I72 und 2 aus den Schwankungen bei I, II, III und IV berechnete Mittel; dagegen ist die Unsicherheit F = ±. 0,22 aus der Gleichheit ^ (V ■ f)' = {F E p)- berechnet, in welcher die /"die Unsicherheiten I. II, III und IV, die p aber deren Gewichte bezeichnen. 54 Wolf, astronomische Mittheilungen. in folgender Weise berechnet, wobei sich dann zugleich die Werthe E und E' für die mittleren Epochen von Minimum und Maximum ergeben: Es wurde für jede Epoche, entsprechend ihrer Lage zu der entsprechenden mittleren Epoche, eine Gleichung der Form E ± n x ^= V oder E ±. n X = V aufgestellt, und sodann für jede der drei zu bestimmenden Grössen E, E' und x eine Normal- gleichung berechnet, wobei für I alle 17 Gleichungen mit dem Gewichte 1, für II nur die Gleichungen 3 bis 17 mit eben diesem Gewichte, — für III wieder alle 17 Gleichungen mit den Gewichten der Epochen, — und für IV nur die Gleichungen 3 bis 17 mit diesen letztern Ge- wichten benutzt wurden. Die erhaltenen Werthe finden sich in die Tafel eingetragen, und ebenso die aus ihnen mit den frühern Gewichten ^2, 1, IVg und 2 berechneten Mittelwerthe. Der letztere Werth von x stimmt mit dem früher erhaltenen genau überein, und es ergibt sich so- mit aus den Variationsepochen, sobald man nur in einer angemessenen Weise rechnet, für die Länge der Variationsperiode ein Werth, der weit innerhalb seiner Unsich erheit mit der von mir aus den Sonueufle cken abgeleiteten Periode überein- stimmt, womit wohl die Yersprochene Widerlegung der TOu den Herren Broun und Faye publieirteu Bestimmungen und Schlüsse geleistet ist. — Immer- hin habe ich noch Einiges beizufügen: 1. Die sich er- gebende Differenz E — E = 1837,83 — 1833,59 = 4,24 zeigt, dass bei den Variationen durchschnittlich die Maxi- mumsepoche viel näher an der vorhergehenden, als an der nachfolgenden Minimumsepoche liegt, so dass auch in dieser Wolf, astronomische Mittheilungen. 55 Beziehung die YariatioDeu sich entsprechend wie die Sonneu- fleckeu verhalten. 2. Berechnet man unter Annahme der mittlem Werthe von x, E und E' rückwärts nach E ± n x oder E' ± n .r die Variationsepochen , so findet mau die unter V' in die Tafel eingeschriebenen Werthe, deren Differenzen von 7 im Mittel den Betrag ± 2,17 oder +. 1,93 erreichen, je nachdem man den Einzelnwerthen die Gewichte 1 oder die Gewichte der Y beilegt. 3. Vergleicht man dagegen die V, wie es ebenfalls in der Tafel geschehen ist, mit den Sounenflecken-Epochen S, so erhält man die mittlere Differenz ± 0,69 oder + 0,62, je nachdem man den Einzelnwerthen wieder die Gewichte 1 oder die Ge- wichte der V beilegt. 4. Die Differenzen V—S zeigen nichts vorherrschend systematisches , wenn auch die posi- tiven Werthe etwas überwiegen, und das arithmetische Mittel den Werth -h 0,22 annimmt. 5. Da der mittlere Werth von V—S viel kleiner als der vou V—V ist, so lieoft ein eclatanter Beweis für den von Brouu und mir fortwährend angenommenen, von Faye dagegen neuerlich bezweifelten Pai-allelismus der beiden Erscheinungen vor. 6. Dje aus den Sonnenflecken abgeleitete mittlere Perioden- länge 11,11 ± 0,31 ist für die Variationen der direct aus ihnen erhaltenen mittlem Periodenlänge 11,14 ± 0,22 vor- zuziehen, obschon beide Werthe so nahe zusammenfalleu, dass es praktisch keine Bedeutung hat, welcher von beiden angenommen wird. Zum Schlüsse mag noch eine kleine Fortsetzung der Sonnenflecken-Literatur folgen: 363) Bulletino meteorologico dell' osservatorio del collegio romano. Vol. XV— XVI. (Forts, zu 339). Herr Professor Seechi in Rom hat 1876 folgende Zählungen erhalten : 56 Wolf, astronomische Mittheilungen. 1876 1876 1876 1876 1876 1 0.0 IV 8 1.— VI 29 1.— vin 18 1.— X 18 1.— 5 1.1 9 2.— - 30 0.0 - 19 1.- - 14 1 — 6 1.1 - 10 2.- VII 1 1.— - 20 1 — - 15 1.— 8 1.— - 11 1.- 2 2.- - 21 1.— - 16 1.— 16 1.- - 12 1.— 8 2.— - 22 1.— - 17 1.- 17 0.0 - 13 1.— 4 2.— - 24 1.— - 18 1 — 18 2.— - 19 1.- 5 2.— - 27 1.— - 20 1.— 19 2.— - 25 0.0 6 3.- - 28 1,— - 22 1.- 20 3.- - 26 0.0 7 2.- - 29 1.— - 23 1.— 23 2.- - 27 0:0 8 3.— - 30 1.— - 26! 1.— 24 2.— - 28 0.0 9 3.- IX 1 2.— - 28 1.— 31 1 — - 30 0.0 - 10 3.- 2 1.- - 29 1.- 3 1.- V 1 0.0 - 11 2.— 3 1.— - 30 0.0 4 1.— 2 0.0 - 12 2.'- 4 1.— - 31 0.0 9 1.- -3 0.0 - 15 0.0 5 l._ XI 2 1.— 12 1.- 8 1.— - 16 0.0 6 0.0 8 1.— 13 1.— - 11 1,— - 17 0.0 7 1.- 4 1.— 15 1.- - 12 1.- - 18 0.0 9 0.0 5 1.— 18 1.— - 13 1.— - 19 1.— - 10 0.0 6 0.0 19 1.- - 16 1.— - 20 2.— - 11 0.0 7 0.0 20 1.— - 17 1.— - 21 3.- - 13 1.— - 10 1.— 21 1.— - 20 0.0 - 22 3.- - 15 1 — - 11 1.— 22 1.— - 21 0.0 - 23 2.— - 17 1.— - 14 3.— 24 0.0 - 22 0.0 - 24 2.— - 18 2.- - 15 o. — 25 1.— - 23 0.0 - 25 1, - 19 1.— - 16 2.— 26 1.— - 25 1— - • 26 1. - 21 0.0 - 18 1.— 27 1.- - 28 1.— - 27 1. - 22 0.0 - 19 2.— 29 1.— - -30 1— - 28 1. . - 23 0.0 - 22 2. 3 0.0 - 31 1— - 29 1. - 24 0.0 - 24 0.0 4 0.0 VI 2 0.0 - 30 1. - 26 1.— - 25 0.0 6 1— 4 0.0 - 31 1_ - 27 1.— - 26 0.0 8 0.0 5 0.0 VIIl 1 1 - 28 1.— XII 2 1.— 11 1.— 6 0.0 2 0.0 - 30 1.— 3 1.— 14 2— 7 0.0 3 0.0 X 1 2.— - 11 0.0 15 2.— 9 0.0 4 0.0 2 1.— - 12 0.0 16 3.- - 11 1.- 5 0.0 3 1.— - 13 0.0 19 4— - 13 1— 6 0.0 4 1.— - 17 l.~ 21 4.- - 14 0.0 7 ü.O 5 1.— - 20 1.— 22 4- - 16 0.0 9 0.0 6 1.— - 22 1.— 27 2.- - 18 0.0 - 11 0.0 7 1.— - 28 1.— 30 1.-. - 19 0.0 - 12 0.0 8 0.0 - 24 1.-— 31 1.- - 20 0.0 - 13 0.0 9 0.0 - 25 1.— 2 0.0 - 22 1.— - 14 0.0 - 10 0.0 - 27 1.— 3 0.0 - 23 1.— - 15 0.0 - 11 1.— - 28 1.- 5 0.0 - 26 1.- - 16 1.- - 12 1.— - 29 1.— 7 0.0 - 28 1.— - 17 1.— Wolf, astronoiriische Mittheilungen. 57 364) Annalen des physicalischen Centralobservatoriiims. Herausgegeben von H. Wild. Jahrgänge 1872 — 1875. St. Petersburg 1873—1876 in 4". Aus den Differenzen der für 2*" Nachmittags und S^ Mor- gens gegebenen Monatsmittel der in Petersburg erhaltenen Declinations- Variations-Beobachtungen ergeben sich für 1873 bis 1875 folgende Variations-Werthe, welchen ich zur Verglei- chung noch nach Nr. 323 die entsprechenden Werthe für 1872 beifüge : 1872 1873 1874 1875 Januar 5',17 4',59 3',30 l',32 Februar 5,87 4,68 4,84 2,61 März 11,53 10,59 8,67 7,52 April 16,08 15,85 11,37 10,76 Mai 16,87 12,14 11,95 11,77 Juni 15 ,92 ' 11 ,57 11 ,88 11,12 Juli 18,94 12,99 11,11 9,84 August 15,53 11,64 10,54 10 ,35 September 12,32 9,10 9,67 7,05 October 7,47 4,83 5,47 3,04 November 4,36 2,64 2,94 2,31 Dezember 1,45 2,31 1,42 1,89 Jahr 10,50 8,54 7,76 6,63 Vergleicht man hiemit die in Nr. XIX aus der Kupfer'schen Reihe abgeleitete Formel V = 6,18 + 0,040 . r d. h. setzt in derselben successive entsprechend den 4 Jahren r = 101,7, 66,3, 44,6 und 17,1, so erhält man die Variationen 10,25 8,88 7,96 6,86 Es stellt also jene Formel auch noch die neuern Jahx'gänge ganz gut dar. 365) Kudolf Wolf, Beobachtungen der Sonueuflecken auf der Sternwarte in Zürich im Jahre 1877 (Fortsetzung zu 344). 58 "Wolf, astronomische Mittheilungen. Ich habe in Fortsetzungen meiner Beobachtungen im Jahr 1877 folgende Zählungen erhalten: i8!?y isyy i8^y 1877 i8»s' 1 0.0 II 26 1.1 2 0.0 - 27 1.2 3 0.0 - 28 1.2 4 0.0 III 1 2.3 5 1.2 2 2.4 6 1.2 - ' 3 1. - 7 2.5 4 1.- 8 2.5 5 1.- 9 2.3 7 2.4 10 3.6 8 1.1 11 3.6 9 0.0 12 1.— - 10 0.- 13 2.4 - 11 0.0 14 2.4 - 12 0.0 16 2.4 - 13 0.0 18 2.8 - 15 0.0 19 2.8 - 16 0.0 20 2.8 - 17 0.- 22 1.1 - 19 2.3 23 1.1 - 20 1.- 26 0— - 21 1.3 27 0— - 22 1.1 28 1.1 23 0.0 29 0.0 - 24 0.0 30 0.0 - -25 0.0 31 0.0 - 26 0.0 1 0— - 27 0.0 3 0- - 28 0.0 4 0.0 - 29 0.0 5 0.0 - 30 0.0 7 - 31 0.0 10 IV 1 0.0 11 2 0.0 12 3 0.0 15 4 0.0 16 5 0.0 17 6 0.0 18 0.- 71.1 19 0.0 8 1.1 20 0.0 9 0.- 22 0.0 - 100.0 23 0.0 - 12,0.0 24 0.0 - 13' 0.0 IV 14 0.0 VI 4 1.4 - 15 1.7 5 1.4 - 16 1.6 6 1.- - 20 2.4 7 1.2 - 21 1.3 8 1.3 - 24 2.4 9 1.3 - 25 2.7 - 10 1.4 - 26 2.6 - 11 1.2 - 27 2.3 - 12 1.1 - 29 2.3 - 13 1.1 - 30 1.1 - 14 1.1 V 1 2.2 - 15 0.0 2 1.3 - 16 0.0 3 1.2 - 17 0.0 4 2.4 - 19 0.0 5 1.1 - 20 0.0 7 2.2 - 21 0.0 8 1.1 - 22 0.0 9 2.3 - 23 0.0 - 10 2.4 - 24 1.3 - 12 2.4 - 25 1.4 - 13 2.4 - 26 1.3 - 14 2.3 - 27 1.3 - 15 1.— - 28 1.1 - 16 1.2 - 29 1.2 - 17 2.2 - 30 1.2 - 18 1.1 VII 1 1.1 - 19 1.1 2 0.- - 20 1.2 4 1.2 - 21 1.1 5 1.3 22 1.6 6 0.0 - 23 1.8 7 0.0 - 24 1.4 8 0.0 - 25 1.3 9 0.0 - 26 1.2 - 10 0.0 - 27 1.2 - 11 0.0 - 28 i.i - 12 0.0 - 29 0.0 - 13 0.— - 30 0.0 - 14 0.0 - 31 0.0 - 15 0.0 VI 1 0.0 - 16 0.0 2 0.0 - 17 1.3 3 1.1 - 18 1.2 vn 21 0.0 - 22 0.0 - 23 0.0 - 24 0.0 - 26 0.0 - 27 0.0 - 28 0.0 - 31 1.3 vin 1 1.3 2 1.3 3 ■0.- 4 0.0 5 0.0 6 0.0 7 0.0 8 0.0 - 10 0.0 - 11 0.0 - 12 0.0 - 13 0.0 - 14 0.0 - 18 0.0 - 19 0.0 - 20 0.0 - 21 0.0 - 25 1.1 - 26 1.2 - 27 1.2 - 28 1.2 - 29 1.2 - 30 1.1 - 31 0.— IX 1 0.0 3 0.0 4 1.1 5 1.2 6 1.3 7 1.& 8 1.6 9 1.- - 10 1.2 - 11 2.3 - 12 2.3 Wolf, astronomische Mittbeilungen. 59 1877 1877 1877 1877 1877 IX 13 2.4 X 7 0.0 X 22 0.0 XI 6 1.1 XI 30 1.3 14 2.3 9 0.0 - 23 0.0 7 1.1 XII 1 1.2 15 1.1 - 10 0.0 - 24 0.— 8 0.0 2 1.2 17 1.2 - 11 0.0 - 25 0.0 9 0.0 8 0.0 18 1.— - 12 0.- - 26 1.1 - 11 0.0 - 14 0.0 19 2.4 - 13 0.0 - 27 1.3 - 12 0.0 - 15 0.0 20 1.2 - 14 0.0 - 28 1.3 - 20 0.0 - 16 0.0 21 0.— - 15 0.0 - 29 2.6 - 21 0.0 - 19 0.0 23 0-0 - 16 0.0 - 31 2.8 - 22 0.— - 20 0.0 24 0.0 - 17 0.0 XI 1 2.12 - 23 1.2 - 23 0.0 27 1.1 - 18 0.0 2 2.10 - 25 1.5 - 24 0.— 30 0.0 - 19 0.0 3 2.8 - 26 1.7 - 27 0.— 1 0.0 - 20 0.0 4 2.6 - 28 1.4 - 28 0.0 4 0.0 - 21 0.0 5 1.3 - 29 1.4 - 30 0.0 5 0.0 366) Robert Billwiller iiud Alfred Wolfer, Beobach- tungen der Sonnenßecken auf der Sternwarte in Zürich im Jahre 1877 (Fortsetzung zu Nr. 345). Die Herren Billwiller und Wolfer haben in Fortsetzung der frühern Beobachtungen im Jahre 1877 folgende Zählungen gemacht, wobei die mit * bezeichneten Beobachtungen von Herrn Wolfer herrühren: 1877 1877 1877 1877 1877 1 0.0 * I 18 2.54* II 12 1.2 * III 5 1.11* III 26 0.0 2 0.0 * - 19 2.38 - 15 1.5 6 2.15* — 0.0 * 3 0.0 * — 2.49* — 1.3 * 7 2.16* - 27 0.0 4 1.2 * - 20 2.25 - 16 1.1 * 8 2.5 * — 0.0 * 5 2.5 — 2.26* - 17 1.1 * 9 1.3 - 28 0.0 * — 1.5 * 22 1.13* - 19 0.0 * — 1.4 * - 29 0.0 6 1.14* - 23 1.5 * - 20 0.0 * - 10 1.7 * — 0.0 * 7 1.15* - 24 1.4 * - 22 0.0 * - 11 1.8 * - 30 0.0 * 8 3.9 * - 26 1.3 * - 23 0.0 * - 12 0.0 * - 31 0.0 9 2.7 * - 27 1.2 * - 24 0.0 * - 13 0.0 * 0.0 * 10 4.12* - 28 1.5 * - 25 0.0 * - 15 0.0 * IV 1 0.0 * 11 3.9 - 29 0.0 * - 26 1.3 * - 16 0.0 * o 0.0 — 3.15* - 30 0.0 * - 27 1.14 - 17 0.0 * — 0.0 * 12 2.18* II 1 1.2 * — 1.17* - 19 2.7 * 4 0.0 * 13 3.27* 3 1.3 * - 28 1.7 - 21 1.14* 5 0.0 14 3.26* 5 0.0 * . — 1.11* - 22 1.3 * — 0.0 * 16 2.26* 7 1.2 * III 1 2.12* - 23 0.0 * 6 0.0 17 2.35 9 1.2 * 2 2.16* - 24 0.0 * — 0.0 * 18 2.41 - 10 1.3 * 3 5.40? - 25 0.0 * 7 0.0 60 Wolf, astronomisclie Mittheiluugen. 1877 1877 1877 1877 1877 7 1.4 * V 27 1.10* VII 5 1.9 8 1.3 * - 28 1.3 * 6 1.3 9 1.4 * - 29 1.1 * 7 1.5 10 0.0 * - 30 0.0 * 8 1.1 11 0.0 * - 31 0.0 * 9 0.0 12 0.0 * VI 1 0.0 * — 1.1 13 0.0 * 2 0.0 * - 10 0.0 14 0.0 * 3 1.14 - 11 0.0 15 2.9 — 1.6 * — 1.1 — 1.22* 4 1.12 - 12 2.6 20 2.17*- — 1.18* - 13 0-0 21 2.10* 5 1.19* - 14 0.0 23 1.7 * 7 1.14* - 15 0.0 24 2.27* -- 8 1.19* - 16 0.0 25 3.15* 9 1.18* — 0.0 — 2.24* - 10 1.19* - 17 1.9 26 3.14 - 11 1.17* - 18 1.3 - — 2.30* - 12 1.12* - 20 0.0 27 2.18* - 13 0.0 - 21 0.0 29 2.10* — 2.9 * — 0.0 30 1.5 - 14 0.0 - 22 0.0 — 1.4 * 1.3 * - 23 0.0 1 2.8 * - 15 1.1 * — 0.0 2 1.7 - 16 1.2 * - 24 0.0 . — 1.8 * - 17 1.3 * - 26 0.0 3 1.4 - 18 1.3 * — 0.0 — 1.7 * - 19 2.7 * - 27 0.0 4 2.12* - -20 2.7 * . — 0.0 5 1.5 * - 21 0.0 * - 28 0.0 7 2.4 * - 22 0.0 * - 29 0.0 8 2.2 * - 23 0.0 * - 30 0.0 9 2.6 * - 24 1.13* — 0.0 10 2.16* - 25 1.17* - 31 1.2 12 2.9 * - 26 0.0 — 1.4 14 2.6 * — 1.14* VIII 1 1.5 IG 2.5 * - 27 Ml* — 1.9 17 2.9 *' - 28 1.6 2 1.5 18 2.5 * — 1.10* 3 1.2 19 2.4 * - 29 1.8- 5 0.0 20 1.4 * — 1.8 * — 0.0 21 1.5 * - 30 1.9 6 0.0 22 1.27* — LH* — 0.0 23 1.30* VII 1 2.10* 7 0.0 24 1.19* 2 1.7 * 8 0.0 25 1.14* 4 2.11 9 0.0 26 1.7 ^■■ — 1.11* - 10 0.0 VIII IX 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 1 3 4 5 1110.0 '^ 12 0.0 -^ 13!0.0 1.1 ^ 0.0 ^ 0.0 0.0 '■ 0.0 0.0 ^ 0.0 0.0 ^'' 0.0 0.0 ^ 0.0 '^ 0.0 ' 0.0 '^ 1.3 1.2 ^ 1.3 '' 1.12 I.IP 1.12 1.9 ^ 1.11* 1.14 1.10* 1.11* 1.8 * 1.5 * 1.4 * 1.2 * 0.0 * 1.5 * 1.19 1.19* 6!l.l7 -1.16* 7 1.20* 81.15* 91.14* 102.16 — 2.19* ll!2.14* 12|2.13 — 2.15^ 132.10 IX 1312.10* 142.12* 15 3.8 * 16 2.7 * 17 18 19 21 23 24 25 26 27 28 29 30 1 2 3 4 5 6 1.11 2.12* 2.11* 1.14 2.T5* 1.2 * 0.0 * 0.0 * 1.1 * 2.11 2.4 * 1.7 1.3 * 1.5 1.3 * 1.1 * 1.3 * 1.2 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 810.0 * 9 0.0 * 10 0.0 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 0.0 * 0.0 * 0.0 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 1.1 22 0.0 230.0 * Wolf, astronomische Mittlieilungen. 61 1877 1877 0.0 * XI 1 2.30* 0.0 * - 2 2.33 0.0 * — 2.42* 1.9 3 2.11* 1.1 * 4 2.25* 1.21 5 2.5 * 1.14* 6 1.12 3.32 — 1.4 * 2.38* 7 1.- 2.20* - 1.1 * XI 1877 8|0.0 — 0.0 90.0 — 0.0 110.0 120.0 i4;o.o 2i;o.o — 0.0 220.0 1877 XI 23 - XII 25 26 28 29 30 1 1.4 1.10 1.12 1.12 1.23* 1.12* 1.10 1.10* 1.2 1.9 1877 XII 111.3 * 2 1.6 — 1.5 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 0.0 * 20 0.0 * 23 0.0 * 367) Beobachtungen der Sonuenflecken in Madrid, — Schriftliche Mittheilung von Herrn Director x\guilar. Es wurden durch Herrn Adjunkt Ventosa folgende Zäh- lungen erhalten: 1876 1876 1876 1876 1876 II l'O.O 2 0.0 3 0.0 4 1.2 5 1.3 6 1.2 7 0.0 8 2.3 12 1.1 19 8.12 21 4.15 24 2.7 25 2.13 28 1.1 30 2.2 31 1.1 11.1 5 2.6 6 3.8 7 2.11 8 1.5 10 1.1 111.2 13 1.2 14 1.5 15 1.8 16 1.4 17 1.14 II III 192.4 20 1 1.5 2111.4 2211.4 23|0.0 2411.3 25^2.7 26'3.8 27 3.7 28|2.9 292.10 22.8 32.3 41.2 50.0 1.4 1.4 0.0 112.2 12 2.2 14 2.6 15 3.14 1613.26 17|5.44 185.48 19:6.30 225.30 254.16 III IV 3.6 3.4 0.0 0.0 0.0 0.0 1.1 0.0 0.0 0.0 1.4 2.6 2.9 11 1.7 13.2.12 16J1.3 200.0 210.0 220.0 230.0 240.0 260.0 270.0 280.0 301.1 11.1 2 2.- 3'0.0 VI 6 8 9 10 11 12 16 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 1.2 1.7 1.6 1.5 2.4 1.6 0.0 0.0 0.0 0.0 1.1 0.0 '?2 ¥^ 2.5 1.3 1.4 1.1 1.2 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 VI 0.0 0.0 1.1 0.0 1.1 0.0 0.0 2.2 211.1 221.1 232.2 1.4 1.2 1.4 300.0 VII 1.4 2.9 2.13 2.16 3.10 62.8 73.10 83.10 93.8 102.4 113.4 121.1 130.0 62 Wolf, astronomische Mittheiluiigen. 1896 1876 1876 1877 1877 VII 14 - 15 - 16 - 17 - 18 - 19 - 20 - 21 - 25 - 26 - 27 - 29 - 30 - 31 VIII 1 2 3 4 5 6 7 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 1 2 IX 0.0 IX 3 1.16 0.0 4 1.13 0.0 5 1.3 0.0 6 0.0 1.1 7 1.1 2.4 8 0.0 2.3 9 0.0 3.3 - 10 0.0 1.1 - 11 0.0 1.4 - 12 2.3 1.4 - 13 1.2 1.1 - 14 1.4 2.5 - 15 1.3 1.1 - 16 1.4 2.4 - 17 1.2 0.0 - 22 0.0 0.0 - 25 0.0 0.0 - 26 1.10 0.0 - 27 1.11 0.0 - 28 2.10 0.0 - 29 1.10 0.0 - 30 2.23 0.0 X 1 2.11 0.0 2 1.6 0.0 3 1.12 0.0 4 1.5 0.0 6 1.2 0.0 -7 1.2 0.0 8 1.1 1.6 9 0.0 1.5 - 10 0.0 1.7 -o 11 1.8 1.10 -' 14 1.13 1.8 - 15 1.8 1.4 - 16 1.5 1.10 - 18 2.2 1.— - 21 1.9 1.7 - 22 1.7 1.6 - 23 1.8 1.7 - 24 1.6 1.5 - 25 1.7 2.4 - 26 1.1 1.3 - 27 1.2 2.10 - 29 1.1 2.8 - 30 0.0 1.15 - 31 0.0 XI XII 1.3 2.5 2.10 1.3 1.2 0.0 1.1 1.2 2.6 3.5 3.7 3.9 1.5 2.7 2.3 1.8 2.4 2.3 1.2 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 1.3 1.2 9 10 11 14 15 17 18|1.6 201.— 21 1.14 22|l.23 241.16 25|l.4 1877 0.0 1.1 1.3 4.14 4.17 2.8 3.9 2.12 II 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14 - 15 - 16 - 17 - 18 - 19 - 20 - 21 - 22 - 23 - 24 - 25 - 26 - 27 - 28 III 1 2 3 6 7 2.9 2.9 2.6 2.6 1.4 1.2 0.0 1.2 1.2 2.6 1.1 1.1 1.1 1.1 1.1 1.4 1.1 1.1 2.4 1.1 1.1 1.1 2.2 3.4 1.2 1.1 1.3 1.2 1.1 1.1 1.1 0.0 0.0 1.1 0.0 0.0 0.0 1.1 1.5 1.8 2.12 2.13 2.10 3.14 2.6 2.6 IV III 8 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14 - 15 - 16 - 17 - 20 - 21 - 22 - 23 - 24 - 25 - 26 - 27 - 28 - 31 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 13 >14 15 17 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 30 1 2.4 1.5 1.3 1.1 0.0 0.0 1.1 0.0 1.7 1.5 1.2 1.1 0.0 0.0 1.1 1.1 0.0 1.1 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 1.1 1.1 1.1 1.2 1.2 0.0 1.3 2.5 1.10 1.5 1.3 2.9 2.10 3.7 4.10 3.13 2.14 3.16 2.4 3.6 2.5 2.6 Wolf, astronomische Mittheiluiigen. 63 1879 1877 1877 1877 1877 2 1.4 VI 16 0.0 VII 28 0.0 IX 13 2.7 XI 3 2.13 3 2.5 - 17 1.3 - 29 1.2 - 14 3.5 4 2.10 4 3.7 - 18 2.4 - 30 1.1 - 15 3.5 6 1.2 5 2.7 - 19 0.0 - 31 0.0 - 18 2.9 7 1.1 6 2.4 - 20 0.0 VIII 1 1.3 - 19 2.9 9 0.0 7 2.3 - 21 0.0 2 1.5 - 20 1.6 - 11 0.0 9 2.4 - 22 0.0 3 1.2 - 24 0.0 - 12 0.0 11 2.6 - 23 0.0 4 1.2 - 25 1.1 - 13 2.3 12 2.6 - 24 1.12 5 0.0 - 26 2.2 - 14 1.4 13 2,6 - 25 1.9 6 0.0 - 28 1.1 - 15 1.6 14 2.5 - 26 1.5 7 0.0 - 30 1.2 - 16 1.6 15 2.2 - 27 1.6 8 0.0 X 1 0.0 - 17 1.3 16 1.4 - • 28 1.5 9 0.0 2 1.2 - 18 1.2 17 2.6 - 29 1.4 - 10 0.0 3 0.0 - 19 0.0 18 2.3 - 30 1.4 - 11 0.0 4 0.0 - 21 0.0 19 2.8 VII 1 2.6 - 12 0.0 5 0.0 - 22 1.1 20 2.3 2 1.3 - 13 0.0 6 0.0 - 23 2.9 21 2.7 3 2.10 - 14 0.0 7 0.0 - 25 1.7 22 1.19 4 1.4 - 15 0.0 - 8 0.0 - 28 1.7 23 1.20 5 1.6 - 16 0.0 9 0.0 - 30 1.7 24 1.8 6 2.4 - 17 0.0 - 10 0.0 XII 2 1.1 25 1.10 7 2.4 - 18 0.0 . - 11 0.0 3 1.1 26 .3.12 8 0.0 - 20 0.0 • - 12 0.0 4 1.1 27 2.9 9 0.0 - 21 0.0 - 13 0.0 6 0.0 28 1.2 - 10 0.0 - 22 1.2 - 14 0.0 - 11 0.0 29 0.0 - 11 0.0 - 23 1.3 - 15 0.0 - 12 0.0 31 0.0 - 12 0.0 - 24 2.7 - 16 0.0 - 15 0.0 1 0.0 - 13 0.0 - 25 1.4 - 17 0.0 - 16 1.1 2 0.0 - 14 0.0 - 26 1.6 - 18 0.0 - 17 0.0 3 1.2 - 15 0.0 - 27 1.5 - 19 0.0 - 18 0.0 4 2.4 - 16 0.0 - 28 2.6 - 20 0.0 - 19 1.1 5 1.4 - 17 1.3 - 29 1.2 - 22 1.1 - 20 1.1 6 2.8 - 18 1.2 - 30 1.2 - 23 1.1 - 21 1.1 7 2.4 - 19 1.1 - 31 1.4 - 24 0.0 - 22 1.1 8 1.8 - 20 0.0 IX 2 0.0 - 26 1.2 - 23 1.1 9 1.9 - 21 0.0 - 3 0.0 - 27 2.6 - 24 0.0 10 1.8 - 22 0.0 4 1.6 - 28 2.9 - 25 0.0 11 1.7 - 23 0.0 8 1.10 - 29 2.12 - 26 1.1 12 1.2 - 24 0.0 9 2.9 - 30 2.18 - 27 0.0 13 2.4 - 25 0.0 - 10 2.7 - 31 2.18 - 31 1.5 14 1.3 - 26 0.0 - 11 2.4 XI 1 2.19 15 1.2 - 27 1.1 - 12 2.5 2 2.26 Für das zweite Halbjahr liegen auch Flächenmessungen vor, welche Herr Ventosa mit einem Mikrometer gemacht hat. Ich verspare jedoch die Mittheilung und Discussion derselben, bis eine längere Reihe vorliegt. 64 Wolf, astronomische Mittlieiluiigen. 368) Beobaclitimgeu der Sonnenflecken in Athen. — Schriftliche Mittheilimg von Herrn Director Jul. Schmidt. (Fortsetzung zu 347). Es wurden von den Herren Schmidt und Würlisch folgende Zählungen erhalten: 18^7 II IS?? ISffff 1877 1877 1 0.0 II 10 III 21 1.4 IV 28 1.2 VI 5 1.5 3 0.0 - 11 - 22 1.2 - 29 1.4 6 1.4 4 1.1 - 12 - 23 0.0 - 30 1.2 7 1.3 5 1.2 - 13 - 24 0.0 V 1 0.0 8 1.4 6 1.9 - 14 - 25 0.0 2 1.2 9 1.4 7 1.8 - 15 - 26 0.0 3 1.3 - 10 1.4 8 1.5 - 16 - 27 0.0 4 2.7 - 11 1.4 9 1.4 - 17 - 28 0.0 5 1.2 - 12 1.3 10 3.9 - 18 0.0 - 29 0.0 6 2.3 - 13 1.1 11 4.14 - 19 0.0 - 30 0.0 7 2.2 - 14 0.0 12 1.5 - 21 0.0 - 31 0.0 8 1.1 - 15 0.0 13 2.5 - 22 0.0 IV 1 0.0 9 2.4 - 16 0.0 14 2.3 - 23 0.0 2 0.0 - 10 2.5 - 17 0.0 15 2.10 - 24 0.0 3 0.0 - 11 2.6 - 18 0.0 16 2.11 - 25 0.0 4 0.0 - 12 2.5 - 19 0.0 17 2.9 - 26 1.2 5 0.0 - 13 2.5 - 20 0.0 18 2.12 - 27 1.4 6 0.0 - 14 1.2 - 21 0.0 19 2.10 - 28 1.2 7 1.1 - 15 1.2 - 22 0.0 20 2.8 III 1 2.6 8 1.1 - 16 1.2 - 23 0.0 21 2.8 - '2 2.5 9 1.1 - 17 2.4 - 24 1.3 22 1.3 3 2.7 - 10 0.0 - 18 2.3 - 25 1.6 23 1.2 4 1.5 - 11 0.0 • - 19 1.1 - 26 1.4 24 1.1 5 1.4 - 12 0.0 - 20 1.2 - 27 1.4 25 0.0 6 2.4 - 13 0.0 - 21 1.3 - 28 1.1 26 0.0 7 2.4 - 14 0.0 - 22 1.15 - 29 1.2 27 0.0 8 2.3 - 15 1.13 - 23 1.12 - 30 1.2 28 0.0 9 1.1 - 16 1.11 - 24 1.6 VII 1 0.0 29 0.0 - 10 0.0 - 17 1.8 - 25 1.7 2 1.4 30 0.0 - 11 0.0 - 18 1.8 - 26 1.5 3 1.5 31 0.0 - 12 0.0 - 19 1.6 - 27 2.4 4 1.8 1 1.1 - 13 0.0 - 20 1.3 - 28 0.0 5 1.3 3 0.0 - 14 0.0 - 21 1.7 - 29 0.0 6 1.2 4 0.0 - 15 0.0 - 22 1.6 - 30 0.0 -• 7 0.0 5 0.0 - 16 0.0 - 23 2.10 - 31 0.0 8 0.0 6 0.0 - 17 1.1 - 24 2.7 VI 1 0.0 9 0.0 7 1.1 - 18 1.9 - 25 2.9 2 0.0 - 10 0.0 8 1.1 - 19 1.5 - 26 2.7 3 1.1 - 11 0.0 9 1.1 - 20 1.6 - 27 2.4 4 1.4 - 12 0.0 Wolf, astronomische Mittheilungen. 65 1877 1877 1877 1877 1877 VII13 0.0 VIII 16 0.0 IX 19 1.4 X 24 0.0 XI 30 1.5 - 14 0.0 - 17 0.0 - 20 1.4 - 25 0.0 XII 1 1.3 - 15 0.0 - 18 0.0 - 21 1.2 - 26 1.3 2 1.2 - 16 0.0 - 190.0 - 22 0.0 - 28 2.8 3 1.2 - 17 1.3 - 2010.0 - 23 0.0 - 29 2.10 4 1.1 - 18 1.1 - 21 0.0 - 24 0.0 - 30 2.10 5 0.0 - 19 0.0 - 22 0.0 - 25 0.0 - 31 2.25 6 0.0 - 20 0.0 - 23 1.3 - 26 1.2 XI 1 2.14 7 0.0 - 21 0.0 - 24 1.3 - 27 1.1 2 2.11 8 0.0 - 22 0.0 - 25' 1.2 - 29 0.0 3 2.8 9 0.0 - 28 0.0 - 26 1.2 - 30 0.0 4 2.9 - 10 0.0 - 24 0.0 - 27 1.3 X 1 0.0 5 1.4 - 11 0.0 - 25 0.0 - 28 1.2 2 0.0 6 1.3 - 12 0.0 - 26 0.0 - 29 1.1 3 0.0 7 1.1 - 13 0.0 - 27 0.0 - 30 1.1 4 0.0 8 0.0 - 14 0.0 - 28 0.0 - 31 1.1 5 0.0 9 0.0 - 15 0.0 - 29 0.0 IX 1 0.0 6 0.0 - 10 0.0 - 16 0.0 - 30 0.0 2 0.0 7 0.0 - 11 0.0 - 17 0.0 - 31 0.0 3'0.0 8 0.0 - 12 0.0 - 18 0.0 VIII 1 1.3 4il.2 - 9 0.0 - 13 0.0 - 19 0.0 2 1.3 5il.5 - 10 0.0 - 14 1.4 - 21 0.0 3 1.1 61.10 - 11 0.0 - 15 1.3 - 22 0.0 4 0.0 7 1.8 - 12 0.0 - 16 1.6 - 23 0.0 5 0.0 8 1.5 - 13 0.0 - 18 0.0 - 24 0.0 6 0.0 9 1.7 - 14 0.0 - 19 0.0 - 25 0.0 7 0.0 - 10 1.6 - 15 0.0 - 21 0.0 - 26 0.0 8 0.0 - 11 1.3 - 16 0.0 - 22 1.1 - 28 0.0 9 0.0 - 12 2.4 - 17 0.0 - 23 1.5 - 29 0.0 - 10 0.0 - 13 2.3 - 18 0.0 - 24 1.8 - 30 0.0 - 11 0.0 - 14 2.3 - 19 0.0 - 25 1.9 - 31 0.0 - 12 0.0 - 15;2.3 - 20 0.0 - 26 1.9 - 13 0.0 - 16,2.3 - 21 0.0 - 27 1.7 - 14 0.0 - 17i2.2 - 22 0.0 - 28 1.4 - 15 0.0 - 18 1.2 1 - 23 0.0 - 29 1.3 369) Beobacbtimgeu der Sonnenflecken in Moncalieri. — Sctiriftliclie Mittheilung von Herrn P. Denza. (Fort- setzung zu Nr. 348). Es wurden folgende Zählungen erhalten: 1877 1877 1877 1877 1877 0.0 0.0 1.1 1.2 12 1.5 I 17,2.11 I 21 2.13 I 26 1.1 I 30 13 2.9 - 182.13 - 22 1.9 - 27 0.0 - 31 14 2.10 - 192.16 - 23 1.7 - 28 0.0 II 1 16 2.10 - 202.13 - 24 1.5 - 29 0.0 - 2 X%III. 66 Wolf, astronomische Mittheilungen. 1899 1§79 1877 1877 1877 3 0.0 IV 15 1.12 VI 26 1.3 VIII 19 0.0 X 25 0.0 4 0.0 - 20 2.12 - 27 1.4 - 24 1.7 - 28 2.7 5 0.0 - 21 1.6 - 28 1.3 - 25 1.6 - 29 2.17 6 1.1 - 22 2.8 - 29 1.3 - 27 1.3 - 30 2.15 7 1.1 - 24 2.9 - 30 1.2 - 28 1.3 XI 1 2.17 8 1.1 - 25 2.8 VII 2 1.4 - 29 1.2 2 2.18 9 1.1 - 26 2.6 6 1.2 IX 1 0.0 4 2.13 11 1.1 - 27 2.0 7 0.0 2 0.0 5 2.7 14 1.2 - 29 1.6 8 0.0 3 0.0 6 1.4 15 1.2 - 30 0.0 9 0.0 4 1.3 7 1.1 18 0.0 V 1 1.5 - 10 0.0 5 1.6 9 0.0 21 0.0 2 1.3 - 11 0.0 6 1.5 - 16 1.6 22 0.0 9 2.4 - 16 0.0 9 1.5 - 23 1.3 23 0.0 - 10 2.6 - 17 0.0 - 10 1.6 - 25 1.8 24 0.0 - 13 2.4 - 18 1.1 - 13 2.7 - 26 1.9 26 1.1 - 15 1.3 - 19 0.0 - 14 2.6 XII 1 1,4 27 1.4 - 16 1.3 - 20 0.0 - 15 1.3 5 0.0 28 1.3 - 18 2.3 - 21 0.0 - 18 1.2 7 0.0 1 2.6 - 19 1.1 - 22 0.0 - 20 0.0 8 0.0 2 2.5 - 21 1.6 - 23 0.0 - 21 0.0 9 0.0 3 2.4 - 22 1.14 - 25 0.0 - 23 0.0 - 11 0.0 7 2.5 - 23 1.15 - 26 0.0 - 25 1.1 - 12 0.0 9 1.3 - 25 1.5 - 27 0.0 - 27 1.1 - 13 0.0 10 1.1 - 26 2.12 - 28 0.0 - 28 1.1 - 14 0.0 12 0.0 - 27 2.7 - 29 0.0 - 29 0.0 - 15 0.0 14 0.0 VI 1 1.1 - 30 0.0 - 30 0.0 - 16 0.0 15 0.0 2 1.5 - 31 1.3 X 1 0.0 - 17 0.0 21 1.5 6 1.8 VIII 1 1.3 2 0.0 - 18 0.0 23 0.0 6 1.5 2 1.3 6 0.0 - 19 0.0 24 0.0 7 1.3 3 0.0 8 0.0 - 20 0.0 29 0.0 9 1.8 4 0.0 9 0.0 - 21 0.0 30 0.0 - 10 1.10 5 0.0 - 10 0.0 - 22 0.0 31 0.0 - 12 1.5 6 0.0 - 11 0.0 - 23 0.0 1 0.0 - 13 1.2 7 0.0 - 12 0.0 - 24 0.0 3 0.0 - 14 1.1 8 0.0 - 13 0.0 - 25 0.0 5 0.0 - 17 0.0 9 0.0 - 14 0.0 - 26 0.0 6 1.1 - 19 0.0 - 11 0.0 - 15 0.0 - 27 0.0 7 1.1 - 20 0.0 - 12 0.0 - 16 0.0 - 28 0.0 8 1.1 - 21 0.0 - 15 0.0 - 17 0.0 - 29 0.0 12 0.0 - 22 0.0 - 16 0.0 - 18 0.0 - 30 0.0 13 0.0 - 23 0.0 - 17 0.0 - 19 0.0 - 31 0.0 14 0.0 - 25 1.5 - 18 0.0 - 20 0.0 370) Beobachtungen der maguetiscben Declinations- Variationen zu Montsouris bei Paris A. 1877. (Fortsetzung zu 361). Wolf, astronomische Mittheilungen. Mi. 67 Nach den Comptes rendus wurden folgende mittlere monat- liche Bestimmungen erhalten: 1877 Max. 3" 21^ Min. Var. Januar 17° 16',1 15',0 10',7 10',2 5',10 Februar 16,7 15,3 10,6 9,9 5,75 März 18,2 17,0 9,8 8,8 8,30 April 16,9 15,8 8,0 6,4 9,15 Mai . 15,8 15,4 7,9 •5,5 8,90 Juni 15,8 15,8 7,1 4.0 10,25 Juli 15,8 15,8 6,6 4,4 10,30 August 15,4 14,1 6,6 3,8 9,55 September 14,5 12,5 6,7 5,0 7,65 October 12,6 11,1 5,1 5,1 6,75 November 10,5 7,9 5.5 4,9 4.00 December 8,7 7,2 5,6 4,5 2,90 Mittel 7,38 1 wo die Variation von mir nach der in 361 aufgestellten Formel V = -g- (Max. + S*" - 21'' - Min.) berechnet worden ist. 371) lieber die Beziehungen der Sonnenfleckenperiode zu meteorologischen Erscheinungen. Von Dr. F. Gl. Hahn. Leipzig 1877 in 8^ Die vorstehende Arbeit ist in jeder Beziehung so tüchtig, werthvoll und zeitgemäss, dass ich nicht umhin kann sie in meiner Sonnenfleckenliteratur wenigstens dem Titel nach an- zuführen, obschon ich mir immer mehr und mehr vornehme, mich für Letztere auf Mittheilung von Beobachtungen zu be- schränken, da die gegenwärtig immer grösser werdende Aus- dehnung der die Erscheinungen auf der Sonne und ihr Ver- hältniss zu andern Natur- Vorgängen besprechenden Schriften mir ohnehin nicht mehr erlaubt in dem mir zugewiesenen engen Räume Vollständigkeit anzustreben. — Im Anschlüsse an diese kurze Anzeige mag eine bezügliche, schriftliche Mit- theilung folgen, welche ich von meinem 1. Collegen und Mit- 68 Wolf, astronomische Mittheilungen. arbeiter, Herrn Professor Pritz, erhalten habe; derselbe schreibt: „In seiner Schrift gibt Dr. Hahn eine Zusammenstellung der Jahre, in welchen die Wanderheuschrecke zwischen 1800 und 1862 sich verheerend über Europa verbreitete, woraus ihm hervorzugehen scheint, dass die Heuschrecken in der Nähe des Sonnenflecken-Minimums auftreten and erst um das koiumende Maximum wieder auf einige Jahre verschwinden. — Eine nicht uninteressante Ergänzung zu der von Hahn gegebenen Zu- sammenstellung findet sich in einem Artikel: Die Heu- schrecken, von C. V. Riley, Staats-Entomolog von Mis- souri, in dem 29. Jahresbericht der Staats- Akerbau-Behörde von Ohio. — Nach Pater Michael Barco waren in Cali- fornien und an den Küsten des stillen Oceans 1122, 1746, IUI, 1U8, 1149, 1153, 1754 und 1765 Heuschreckenjahre. 1827, 1828 und 1834 vernichteten die Heuschrecken alle Ernten in den Rancheros und Missionen und 1838 und 1848 richteten sie in Ober-Californieu grossen Schaden an. — Die Felsgebirg- spezies (Rocky-Mountain Locust) erschien 1818 und 1819 in Minnesota und im Red-River-Lande von Manitoba, ungeheuren Schaden ani-ichtend; 1820 in Kansas und dem nordwestlich da- von liegenden Lande, 1845 und 1849 in Texas. 1855 war die Verbreitung die grösste bekannt gewordene; sie umfasste die Territorien Washington, Oregon, bis zum östlichen Fusse der Sierra Nevada, Utah, Neu-Mexico, die Grasprärien östlich der Felsgebirge, die trockenen Gebirgsthäler von Mexico, die Län- der von Unter-Californien und Central-Amerika, sowie einen Theil von Texas. In Kansas, Nebrasca und Minnesota ver- anlassten sie viel Elend. Der Sommer 1855 war gleich dem von 1874 ungemein trocken — der trockenste, welchen man seit 10 (zehn) Jahren erfahren hatte. 1856 litt ein Theil von Utah, Californien, Texas, aber weniger als im Jahr vorher; dagegen scheinen sie in diesem Jahre in Minnesota und im westlichen und nordwestlichen Jowa mehr verheert zu haben, als im Jahre vorher. 1857 litt der Nordwesten der Union und die Umgegend der Assiniboine-Ansiedlung in Manitoba ; die ganze Ernte einer Gegend am Fusse des dritten Plateaus bis zum Golfe von Mexico (12,000 engl. Quadratm.) wurde vernichtet und in dem ganzen Thale des Guadeloupe Wolf, astronomische Mittlieilungen. 69 und in dem grössten Theile des Gebietes der Flüsse Colorado und San Antonio wurden alle angebauten Gewächse verzehrt; im Nordwesten ist die Ausdehnung unbekannt geblieben, im Osten reichte sie bis Ceutral-Jowa. In Missouri wurde ein Theil von Wright County sehr geschädigt. 1860 richteten die Heuschrecken nur lokal in der Gegend von Topeka grossen Schaden an. 1864 wurden Manitoba, Minnesota, und Umge- gend von Sioux-City, Jowa, Colorado arg verheert, worauf die Nachkömmlinge im Jahre 1865 nochmals in den gleichen Gegenden grossen Schaden verursachten. 1866 erschienen sie wieder ähnlich wie 1855, in den Gebieten von Kansas, Ne- braska, im nordöstlichen Texas , in den westlichen Counties von Missouri. Ihre Nachkommen schädigten die Gegenden im Jahre 1861 wieder. Zu diesen gesellten sich dann später noch neue Schwärme aus dem Felsgebirge, welche im Missis- sippi-Thale, namentlich aber in Utah arg hausten. 1868 und 1869 nahmen die Reste jener Schwärme rasch ab, so dass 1810 kaum noch Spuren vorhanden waren. 18T3 und 1874 wieder- holten sich die Züge von 1866 und 1867. 1873 wurden ver- heert: nördlicher Theil Colorados, südlicher Theil von Wyo- ming, Nebraska, Dakota, bis zu den südlichen Counties von Minnesota und den westlichen von Jowa; ferner das südliche Californien. 1874 wurden verheert: Colorado, Nebraska, Kansas, Theile von Wyoming, Dakota, Minnesota, Jowa, Missouri, New- Mexico, Indianergebiet und Montana. Der Schaden wurde auf etwa 50 Mill. Dollars geschätzt. In Missouri war in diesem Jahre lang anhaltende Dürre. — In den Atlantischen Staaten (New-Hampshire, Massachusetts, Vermont Maine u. s. w.) trat die Wanderheuschrecke verheerend auf: 1743, 1749, 1754, 1756, 1797, 1798, 1874. — Die nicht wandernden Heuschrecken verursachten Schaden 1868 im Mississippi- Thale und in den Öststaaten; 1869 im Mississippi-Thale, Umgegend von St. Louis, Illinois, Missouri, Jowa und theilweise in Kenntucky, 1871 in den Oststaaten. In Nord- Afrika traten die Wanderheu- schrecken 1866 und 1874 in sehr grossen Massen auf. 1873 wurde Cordoba, argentinische Republik, verwüstet. — Diesen Riley entnommenen Notizen, können noch beigefügt werden: a) Nach A. Pilgram (Untersuchungen über das Wahrschein- 70 Wolf, astronomische Mittheilungen. liehe der Wetterkunde. Wien 1788, 4°): 1613 Heuschrecken- züge in Deutschland, England, Polen und Prankreich, 1648 in Ungarn, Deutschland und Italien, 1655 in Italien, 1690 in Polen, Volhynien, Ungarn, 1709 Bessarabien, 1720 im Vene- tianischen, 1730 in Brandenburg und andern Theilen Europas, 1747 Wallachei und Siebenbürgen, 1748 verschiedene Theile Furopas, 1774 Kirchenstaat und Ungarn, 1778 Gegend von Smyrna, Siebenbürgen und Astrachan, 1779 Algier, 1780 Moldau und Ukraine, 1781 Wallachei, Siebenbürgen, Syrmien, 1782 Syrmien, Ungarn, Steiermark, 1783 Ungarn, 17S4 Ungarn, Rom, Slavonien. — b) Verschiedenen Quellen entnonmmen: 1730—1732 Verheerung durch Heuschrecken in der Umgebung von Frankfurt a. d. Oder, 1738 Oberschlesien, 1760 Umgebung von Frankfurt a. d. Oder, 1846 Gegend von Breslau, 1859 Hinter- pommern, 1875 im Teltower Kreise, 1877 in der Gegend von Berlin und 1874 bis 1877 Heuschreckenperiode in Santa Fe, Pro- vinz Buenos Aires. — Die mit fetten Ziffern gedruckten Jahr- gänge entsprechen dem von Hahn angegebenen Gesetze und namentlich ist dies der Fall bei den grössern und durch grosse Gebiete umfassenden Heuschreckenverheerungen in der alten, wie in der neuen Welt." 372) Friedrich Weber in Peckeloh, Sonnenfleckenbe- obachtungen im Jahre 1877. (Forts, zu Nr. 346). Herr Weber hat, theils nach directer Mittheilung an mich, theils nach der Wochenschrift für Astronomie, folgende Zäh- lungen erhalten: 1877 ISffff isy«" 1S'S7 isyy 1 0.0 I 17 2.41 II 2 0.0 II 17 0.0 III 1 2.35 2 0.0 - 18 2.51 3 0.0 - 18 0.0 2 2.30 3 0.0 - 21 2.30 4 0.0 - 19 0.0 7 2.18 4 0.0 - 22 2.25 5 0.0 - 20 0.0 8 2.9 5 2.6 - 24 1.5 6 0.0 - 21 0.0 - 10 1.8 6 1.19 - 26 0.0 8 1.2 - 22 0.0 - 11 1.3 7 1.12 - 27 0.0 9 1.2 - 23 0.0 - 12 0.0 8 1.9 - 28 0.0 - 10 1.3 - 24 0.0 - 13 0.0 9 1.5 - 29 0.0 - 13 1.4 - 25 0.0 - 14 0.0 14 2.26 - 30 0.0 - 14 1.4 - 26 0.0 - 15 0.0 15 2.39 - 31 0.0 - 15 1.3 - 27 1.13 - 16 0.0 16 2.34 II 1 0.0 - 16 1.3 - 28 1.4 - 17 1.7 Wolf, astronomische Mittheilungen. 71 1S77 1877 1877 1873' 1873 l.U 1.19 1.5 1.3 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 1.2 1.1 1.2 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 1.21 1.41 17J1.30 181.20 191.12 20 21 23 H i7 2^, 2J' 3.15 1.16 1.12 1.16 2.10 1.5 1.6 301.7 1\0 .12 16 216 1.; 2.^ 2.4 V s 2.5 VI 25 1.17 VIII 11 0.0 - 9 2.7 - 26 1.7 - 12 0.0 - 10 2.16 - 27 0.0 - 13 0.0 - 11 2.20 - 28 0.0 - 14 0.0 - 12 2.21 - 30 1.5 - 15 0.0 - 13 2.16 VII 1 2.5 - 16 0.0 - 14 2.9 2 1.8 - 17 0.0 - 15 1.8 3 1.12 - 18 0.0 - 16 2.6 4 1.12 - 19 0.0 - 17 3.10 5 1.9 - 20 0.0 - 18 1.4 6 0.0 - 21 0.0 - 19 1.3 7 0.0 - 22 0.0 - 20 1.5 8 0.0 - 23 1.5 - 22 1.35 9 0.0 - 24 1.11 - 23 1.35 - 10 0.0 - 25 1.10 - 24 1.31 \ 11 i 12 0.0 - 26 1.10 - 25 1.23 0.0 - 28 1.7 - 26 1.10 - 13 0.0 - 29 1.4 - 27 2.8 - 14 0.0 - 30 1.5 - 28 0.0 - 15 0.0 - 31 1.3 - 29 0.0 - 16 0.0 IX 1 1.1 - 30 0.0 - 17 1.3 - 2 0.0 - 31 0.0 - 18 1.5 3 0.0 VI 1 0.0 - 19 1.1 4 1.7 2 0.0 - 20 0.0 5 1.17 3 1.5 - 21 0.0 6 1.16 4 1.15 - 22 0.0 8 1.13 5 1.17 - 23 0.0 - ■ 9 1.11 7 1.10 - 24 0.0 - 10 2.8 8 1.25 - 25 0.0 - 11 2.9 9 1.22 - 26 0.0 - 12 2.9 - 10 1.25 - 27 0.0 - 13 2.8 - 11 1.19 - 28 0.0 - 14 2.7 - 12 1.10 - 29 0.0 - 15 1.2 - 13 1.3 - 30 0.0 - 16 1.4 - 14 1.1 - 31 0.0 - 17 1.3 - 15 0.0 VIII 1 1.7 - 18 1.2 - 16 0.0 2 1.5 - 19 0.0 - 17 0.0 3 1.3 - 20 0.0 - 18 0.0 4 0.0 - 21 0.0 - 19 0.0 5 0.0 - 22 0.0 - 20 0.0 6 0.0 - 23 0.0 - 21 0.0 7 0.0 - 24 0.0 .- 22 0.0 8 0.0 - 25 1.1 - 23 0.0 9 0.0 - 26 1.2 - 24 1.10 - 10 0.0 - 27 1.2 IX XI 28 29 80 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 1 2 3 4 5 7 8 9 10 11 12 1 1.1 1.1 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 1.37 1.40 2.52 2.53 2.51 2.53 2.56 2.47 2.39 2.30 1.1 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 72 Wolf, astronomische Mittheilungen. 18^7 1897 1877 1877 1877 15 1.13 XI 28 1.27 XII 8 0.0 XII 19 0.0 XII 27 16 1.12 - 29 1.21 - 10 0.0 - 20 1.1 - 28 20 0.0 - 30 1.17 - 11 0.0 - 21 1.1 - 29 21 0.0 XII 1 1.15 - 12 0.0 - 22 0.0 - 31 22 1.5 2 1.9 - 13 0.0 - 23 0.0 24 1.35 4 1.1 - 14 0.0 - 24 0.0 25 1.34 6 0.0 - 15 0.0 - 25 0.0 26 1.40 7 0.0 - 18 0.0 - 26 0.0 X 15 1.13 XI 28 1.27 XII 8 0.0 XII 1910.0 XII 27 0.0 0.0 0.0 0.0 373) Memorie della societä degli spettroscopisti italiani raccolte e pubblicate per cura del Prof. P. Tacchini. (Fort- setzung zu Nr. 362). Die Herren Prof. Tacchini und Gr. De Lisa haben in Pa- lermo im Anschlüsse an die frühere Serie folgende Beobach- tungen erhalten: 1877 1877 1877 1877 1877 II - 10 - 15 - 16 - 19 - 26 III 7 - 15 - 16 - 21 - 22 - 23 - 25 - 27 - 28 - 29 - 30 - 31 1 2 3 IV 0.0 IV 4 0.0 V 18 2.4 1.14 5 0.0 - 19 2.8 5.24 6 1.2 - 20 1.4 5.23 7 1.2 - 25 1.10 5.29 9 1.2 - 29 0.0 3.15 - 12 1.2 - 31 0.0 1.2 - 13 1.4 VI 1 0.0 1.2 - 14 0.0 2 1.2 1.3 - 15 1.18 4 2.5 2.6 - 16 1.14 5 1.6 0.0 - 22 2.16 6 2.15 1.6 - 23 3.17 7 1.6 3.14 - 24 2.19 8 1.13 1.1 - 25 2.11 9 1.12 0.0 - 27 2.17 - 10 1.11 1.7 - 28 2.6 - U 1.11 1.2 - 29 3.10 - 12 1.2 0.0 - 30 3.7 - 13 2.4 0.0 V 2 1.4 - 14 1.2 0.0 3 1.8 - 15 1.2 0.0 5 2.11 - 16 0.0 0.0 7 2.4 - 17 1.3 0.0 - 11 2.16 - 20 0.0 0.0 - 14 2.9 - 21 0.0 0.0 - 15 2.3 - 22 0.0 0.0 - 16 1.5 - 23 0.0 0.0 - 17 2.5 - 24 1.13 VI 2511.11 26i2.10 VII - 21 - 23 - 28 - 31 Villi 2 4 6 1.8 1.5 1.7 1.8 2.11 1.6 2.15 1.9 1.7 2.8 7,2.4 8|0.0 100.0 12!0.0 130.0 191.2 20 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 2.6 3.6 0.0 0.0 VIII 7 8 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14 - 15 - 16 - 17 - 18 - 19 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 o.c o.< OJ 00 20if.O 21t).0 221.3 2,11.4 ai2.6 D s 1.2 n 1.8 28 1.12 29 1.4. 30 1.5 31 1.4 1 1.1 2 0.0 3 0.0 Wolf, astronomische Mittheiluugen. 73 1879 1877 1877 1877 1877 IX 1.5 IX 16 2.6 X 11 0.0 XI • 5 2.11 XII 13 1.11 - 21 1.6 - 12 0.0 6 1.2 - 20 1.17 - 28 0.0 - 14 0.0 7 1.2 - 22 1.13 - 24 0.0 - 16 0.0 8 0.0 - 24 1.10 - 29 1.3 - 19 0.0 9 0.0 - 26 1.8 - 30 1.3 - 23 0.0 - 10 0.0 - 27 1.2 X 2 0.0 - 24 0.0 - 24 2.8 - 29 2.6 3 0.0 XI 1 2.19 - 27 1.11 - 30 3.5 - 10 0.0 3 2.23 - 29 1.4 - 31 0.0 1.2 1.2 0.0 0.0 0.0 0.0 1.1 1.3 374) Aus einem Schreiben von Herrn Director C. Horn- stein, datirt Prag den 22. Jänner 1878. Für die freundliche üebersendung Ihrer neuesten interes- santen Abhandlung: „Memoire sur la pöriode commune ä la frequence des täches solaires et ä la Variation de la declinaison magnötique (Memoirs of the roy. Astromical Society "Vol. 43)" spreche ich hiemit meinen verbindlichsten Dank aus. Die Uebereinstimmung im Gange beider Erscheinungen, selbst bis ins Detail, ist in der That höchst bemerkenswerth. Die Decli- nations-Variationen, ohne Hinzuziehung der Relativzahlen für die Sonnenflecken, würden für sich allein ohne Zweifel genau auf dieselbe mittlere Dauer einer Periode T — 11,111 Jahre führen. — Ich übersende Ihnen noch die Werthe, welche wir für die fragliche Variation der Declination im Jahre 1877 für Prag erhalten haben: 1877 Januar 3',61 1877 Juli 8',84 Februar 4,02 August 8,40 März 5,61 September 5,90 April 6,52 October 4,54 Mai 7,40 November 2,56 Juni 9,14 Dezember 2,65 Jahr . . . . 5,77 An das Jahresmittel ist die Correction + 0',I8 anzubringen, wegen der seit 1870 fehlenden Beobachtungsstunde 20''. Daher ist die tägliche Variation der Declination für 1877 V = 5',95 Zur Greologie des mittleren Ligurien etc. Prof. Karl Mayer. Herr Prof. Dr. Karl Mayer weist seine geologische Karte eines Theiles Liguriens, des Tortonesischen und des hohen Monferrat vor und spricht über den geologischen Bau jener Gegenden. Die vorliegende, für die italienische Ahtheilung der pariser Weltausstellung bestimmte Karte besteht aus den Blättern Genua, Rocca- verano, Acqui und Novi der italienischen Generalstabskarte im Fünfzigtausendstel. Ihre geologische Begehung wurde mit den Herbstferien 1865 begonnen und 1877 beendigt. Zu diesem Unternehmen aber wurde der Vortragende durch den Umstand veranlasst, dass die betreffenden Gegenden, wie keine andern in Europa, den grössern Theil der Ter- tiärformation, vollständig, regelmässig und mächtig ent- wickelt, darbieten, da dieser Umstand ihm, wie bei der Feststellung seiner neuen, detaillirten Klassification der Tertiärgebilde, so bei deren Rechtfertigung ganz besonders zu statten kam. Der Vortragende vertheidigt bei diesem Anlasse seine Klassifications-Terminologie. Nachdem er, wie übrigens immer mehr Geologen (so in neuerer Zeit endlich auch Hebert, in Paris) sich zur d'Orbigny'schen Systematik, mit Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 75 ihren geographisclien Namen und gleichmässigen Endungen in ien (lateinisch ianum, englisch ian, italienisch iano) bekehrt, suchte er diese Stufennaraen ebenfalls systematisch zu verdeutschen, schon um der bei vielen deutschen Geo- logen, aus Widerwillen gegen die französischen Ausdrücke, im Brauche stehenden Abkürzung jener Namen (Sinemür statt Sinemurien, Neocom statt Neocomieu), welche ja doch nicht consequent durchzuführen ist (Bajocien, Aptien, Parisien), auszuweichen, vornehmlich aber um auch in der Geologie der kosmopolitischen systematischen Terminologie den Weg weiter zu bahnen. Er hielt nun dafür, dass es vom Sprachgebrauch-Standpunkte vollkommen zulässig sei, in Analogie zu den deutschen Taufnamen Maximilian, Sebastian etc. und Gebäudenamen Bernoullianum, Maxi- milianum, die Stufennamen zu deutsch ebenfalls in ian endigen zu lassen. Er hat die Initiative zu dieser kleinen Keform schon vor bald zehn Jahren ergriffen und sein System seitdem gelegentlich bei sämmtlichen achtundfünfzig Sedimentär-Stufen durchgeführt. Er erlaubt sich daher auch bei seinem gegenwärtigen Vortrage von diesen neuen Termini technici Gebrauch zu machen. Nach diesen Vorbemerkungen geht der Vortragende zur Skizzirung der geologischen Verhältnisse des unter- suchten Gebietes über. Abgesehen von wenigen und kleinen Partien älterer Sediment-Gesteine, unter denen das oberhalb Corona, nördlich von Savona, angetroffene Sernfit (Verrucano, rother Ackerstein) den züroher Naturforscher besonders anheimelt, besteht das ganze circa hundertfünfzig Quadratstunden grosse Gebiet unserer Karte nur aus einer grossen, fast viereckigen Centralmasse ältester üebergangsgebilde und aus dieselbe umlagernden Tertiärgebilden. Vor wenigen 76 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurieu etc. Jahren noch hielt Kedner, mit vielen italienischen und französischen Geologen, den Serpentin, aus welchem jene Centralmasse zum grössten Theile besteht, für eine Art vulkanischen und obereocänen Gesteins. Seine neueren Untersuchungen indessen, wobei ihm das häufige Auftreten von Talk- und Glimmerschiefer in intimer Gesellschaft des Serpentins, ohne dass jene Spuren von Metamorphismus zeigen würden, zu denken gaben, haben ihn nunmehr zu jeuer Geologenschule übergeführt, welche den meisten Serpentin für ein Gestein der ältesten oder laurentischen Formation und vornehmlich ihrer oberen Stufe, des Labra- dorian hält und die metamorphischen und Hebuugs-Er- scheinungen, welche sich, im Ligurischen, an den auflagern- den Gesteinen in seiner Nähe zeigen, für Folgen theils allgemeiner Gebirgshebungen, theils der Ausdehnung ge- nannter Centralmasse bei fortwährenden chemischen Um- wandlungen in ihrem Innern und der Wärmenentwicklung bei diesen Vorgängen, erklärt. Er macht die Geologen auf die betreffenden, höchst interessanten und leicht zu studirenden Contaktverhältnisse bei Genua (Sestri-Ponente, Pegli), Voltri, Voltaggio etc. aufmerksam, da er überzeugt ist, dass die dort beobachtbaren Phänomene es einem zu- gleich in der Chemie, der Mineralogie und der Petrogra- phie bewanderten Geologen Entstehungsweise und Alter des ligurischen Serpentins endgültig festzusetzen erlauben dürften. Ueber dem Serpentin folgt nun zunächst, im Osten in grosser Ausdehnung (fast das östliche Drittel des Blattes Genua einnehmend), im Süden nur als unterbrochener Streifen, die untertertiäre Stufe, welche der Vortragende Ligiirian benannt hat. Diese durch meist rauchgraue Gesteine ge- bildete Stufe, wozu unser Alpeuflysch mitgehört, erreicht Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 77 in Ligurien wohl volle fünfhundert Meter Mächtigkeit und ihre Schichten sind nur in einer gewissen Entfernung vom Serpentin normal und hie und da (so in und nordöstlich von Genua) reich an Fucoiden oder Meeralgen. Nachdem Kedner letzen Herbst einen kleinen Streifen Flysch auf den Höhen von Corona, oberhalb Savona, aufgefunden, ist er zu glauben geneigt, dass die ganze Centralraasse zur Flyschzeit unter Meer gewesen und dass ihre jetzige Entblössung eine Folge kolossaler Auswaschungen während den folgenden Epochen sei, welche Auswaschungen eben das Material zu den Mergelmassen der meisten jüngeren Ablagerungen zum schönen Theile geliefert haben mögen. Als letzte untertertiäre Stufe, tritt über dem Ligurian, einen ebenfalls sehr grossen (durch die grünen Farben bezeichneten) Raum einnehmend, das Tongrian (d'Orbigny) auf. Von dessen drei Unterstufen ist die erste, aus dunkel- grünen Serpentin-Nagelfluh und Sandstein gebildet, die wichtigere, nicht nur wegen ihrer grösseren Verbreitung und ihrer hie und da (östlich von Voltaggio, nördlich von Montenotte) wenigstens fünfhundert Meter erreichenden Mächtigkeit, sondern auch wegen ihrer artenreichen und eigenthümlich gemischten Fauna sowie ihren prachtvollen Corallenbänken rings um Sassello herum. Abgesehen von den dreissig Procent eocäner Arten welche sie zählt, wird diese Fauna schon durch das massenhafte Auftreten zweier Nummulitenarten als untertertiär hezeichnet, wie sie denn überhaupt mit den Faunen von Lesbarritz bei Bayonne und von San Goniui, Gnata etc. bei Vicenza identisch ist. Das mittlere Tongrian besteht auf unserm Gebiete, mit auffallender Einförmigkeit, aus hellgraugrünen, schiefrig- schüttigen Mergeln, deren leichte Verwitterbarkeit die Bil- dung zahlreicher Runsen und kahler Halden veranlasst. 78 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. Gewöhnlich petrefaktenlos, enthalten diese Mergel, in einigen Bucht-Lokalitäten (Cassinelle, Dego, Sassello, S**- Giustina), an ihrer Basis eine reiche Fauna, welche mit derjenigen von Castelgomberto bei Vicenza und zum Theile, in auffallender Weise, mit derjenigen von Jeurres bei Paris übereinstimmt. Im Osten, im Flussgebiet der Scrivia, fallen die Schichten, wo sie nicht durch kleine lokale Hebungen gestört sind, mit circa zwanzig Grad nach Norden ein, und man kann sie hier für wohl dreihundert Meter dick halten. Im Westen hingegen, wo sie eine viel breitere Zone bilden, variirt ihr Fallwinkel zwischen drei und fünf- zehn Grad und messen sie nur noch hundert Meter, im Maximum. Das schmale, smaragdgrüne Band, das von Ost nach West quer durch meine Karte läuft und im Westen, im Flussgebiete der Bormida, eine Menge Fetzen, so zu sagen, gegen den Fluss ausstrahlen lässt, dann aber auch, am Westrand der Centralmasse, den Kamm der meisten tou- grischen Hügelzüge bildet, entspricht in der Natur dem in Europa weitverbreiteten, aber ebenso polymorphen, oberen Tongriau (gleich Glarner Fischschiefer und Sandstein von Fontainebleau). Obwohl hier ebenfalls aus sehr manigfal- tigen Gesteinen, im Osten nämlich aus grobem Serpentin- sandstein, dann aus damit abwechselnden harten Mergeln und Conglomerat, um Acqui, Ponzoue und Spigno zumeist aus weissem oder grauem Nulliporenkalke (gleich Gassiuo bei Turin), mehr im Südosten endlich zumeist aus serpeu- tinösem Saudstein und Conglomerat gebildet, lässt sich dieses Band, trotz seiner geringen Dicke (gewöhnlich um die acht Meter), Dank seiner dunkleren Färbung, seiner Festigkeit und daherigen wallartigen Facies, leicht ver- folgen und bildet dadurch auch hier, als Abschluss des Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 79 Eocänen, einen überaus wichtigen Horizont. Petrefakten finden sich in ihm ziemlich zahlreich oberhalb Garbagna und Ärquata im Osten, südlich von Acqui und von Pon- zone und nördlich von Spigno, gegen Westen hin, dann aber zahlreich nördlich von Santa Griustina, im Süden. Neben den oft massenhaften NuUiporen und dem bezeich- nenden Pecten deletus, zeichnet sich seine Fauna unter An- derm durch grosse Pecten-Arten aus. Dass sie ebenfalls noch eocän sei, beweisen unter Anderem die südlich von Acqui nicht seltenen Nummuliten und Conoclypus Bouei oder anachoreta, der Seeigel der bei uns schon im Parisian von Einsiedeln so häufig ist. Mit der nun folgenden Stufe, dem Aquitanian (Mayer 1857) beginnt, am Nordfusse des ligurischen Apennin speziell durch den erstmaligen Kücktritt des Meeres an- gezeigt, die zweite Hälfte der Tertiärperiode, die soge- nannte neogene Zeit. Mehr noch als in der Schweiz und in Süddeutschland ist das Aquitanian des hohen Monferrat durch zwei Merkmale ausgezeichnet, nämlich durch seine merkwürdige Einförmigkeit, bei ganz ausserordentlicher Entwicklung. Wie aus der vorliegenden Karte erhellt, wo die Stufe durch die rothbrauue Farbe bezeichnet ist, nimmt diese Abtheilung in der That, im westlichen Theile unseres Gebietes eine fast drei Flussthäler und fünf bis sechs Stunden breite Zone ein, und da die Schichten constant nach Nordwesten, unter einem Winkel der nur ausnahmsweise blos fünf, gewöhnlich aber um die zwanzig Grad misst, fallen, so müssen sie wenigstens die von Gümbel für das ober- bayi-ische Aquitanian festgestellte Mächtigkeit (3000 Meter) ebenfalls erreichen. Diese colossale Schichtenmasse nun besteht aus einer unendlichen Serie grauer Sandsteinbänke, nur einen halben Meter dick, und mit ihnen abwechselnder. 80 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. etwas bläulicherer und dickerer, mehr oder weniger schief- riger und weicher Thonmergelbänke. Mit Ausnahme von einigen Stellen (Molo, Acqui, Saliceto), wo, dem Gesteine und einzelnen Petrefakten nach zu urtheilen, nach dem Rücktritt des tongrischen Meeres, marine Lacken verweilt zu haben scheinen, gehören die untern Schichten dieser Molasse einer Süsswasserbildung au, denn Süsswasser- conchylien finden sich hie und da darin, so bei Garbagna und Arquata und die Schichtenoberflächen sind durchgängig dicht mit Pflanzenfragmenten bedeckt. Bald aber muss eine neue Senkungsperiode das Meer immer näher an das alte Ufer gebracht haben, denn schon vor der Mitte der Serie wimmeln die Schichten stellenweise von Fucoiden und enthalten sie nicht selten kleine Gruppen feiner See- igelstacheln. Sehr bezeichnend wäre ferner für diese mittlere Zone und zwar auf der ganzen Länge des Aqui- tanians, ein Horizont eigenthümlicher, netzförmiger Con- cretionen, wenn diese sich nicht hie und da auf den Sand- steinplatten des unteren Helvetian wiederfänden, wo sie merkwürdigerweise von einer zweiten, ganz ähnlichen, nur um mehr als die Hälfte kleinmaschigeren Sorte begleitet werden. Das massige Volumen dieser Netzwerke (sie werden nur teller- bis schüsselgross), die Regelmässigkeit ihrer sechsseitigen Maschen und ihr Auftreten in zwei so ungleich grossen Typen lassen es mir in der That fast bezweifeln, dass sie anorganischer Natur, nämlich ursprüng- lich Sandausfüllungen von Rissen im eintrocknenden Thon- Schlamme eines Ufers seien. Ich benenne sie daher, auf alle Fälle hin die grössere Form mit Maschen von 15 Cen- timeter Durchmesser, Paretodictyum aquitanicum und die kleinere mit 5 Centimeter grossen Maschen, Paretodictyum helveticum. Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 81 In der oberen Hälfte des Aquitanian finden sich dann schon, als Beweise ihrer marinen Facies, an vielen Stellen, in -einzelnen Mergel schichten, die gleichen Tiefsee-Mollusken vrie in der folgenden Abtheilung ; doch möchten die Vagi- nellen einer besonderen, grossen Art angehören und das Balantium, wenigstens als eine kürzere Varietät, vom B. pedemontanum zu unterscheiden sein. Die zweite obertertiäre Stufe, das Laughiau (Mayer 1867), *) wie auf der Karte, so in der Natur, durch blass- blaue Färbung bezeichnet, bildet in petrographischer und zum Theile in orographischer Beziehung einen solchen Contrast mit der vorhergehenden Abtheilung, dass seine untere Grenze bei einiger Aufmerksamkeit rasch genug festgestellt werden kann. Es ist nämlich das piemonte- sische Langhian durch die Bank eine marine, ja eine Tief- see-Bildung mit überwiegend pelagischer Fauna. Es besteht daher, im Gegensatz zum Aquitanian und zum folgenden unteren Helvetian, fast ausnahmslos, im Westen wie im Osten und unten wie oben, aus auffallend homogenen Schichten eines weichen und schüttigen, kalkig-glimmerigen Mergels, in abwechselnd schiefrigen und kompakten Bänken. Endlich bildet es, der Weichheit des Gesteines entsprechend, niedrigere Hügelreihen als die zwei es umrahmenden Stufen und fällt auch das Hauptlängsthal unseres Gebietes, das der mittleren Bormida, in seine Zone. Wenn auch gewöhn- lich erst nach genauerer Untersuchung, zeigt sich das *) Da Pareto's Langhien (Bull. See. geol. France 1866) sämmt- liche Gebilde zwischen dem Tougrian und dem mittleren Helvetian (Pareto's etage serravallin) umfasste, so gehört streng rechtlich der Name der von mir auf ihre natürlichen Grenzen zurückgeführten Stufe, so gut als diese zu meinen Schöpfungen, wie z. B. auch das dreitheilige Aptian, etc. ILlLlll. 1. 6 82 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. Langhian als sehr petrefakteureich und zwar nahezu über- all und in jedem Niveau; nur sind diese Versteinerungen zumeist kleiner Art, nur als deutliche, oft weisse Abdrücke, oder halbe Steinkerne erhalten und in einzelnen weichen Schichten, öfters nesterweise vertheilt. Am häufigsten finden sich Pteropoden und zwar verschiedene Vaginellen in ungeheurer Menge (ähnlich wie im Langhian von Bor- deaux und Dax) , Balantien (B. pedemontanum und B. pulcherrimum, letzteres bezeichnend) und Hyaleen. Ferner sind häufig, Nautilus oder Aturia Aturi, Cassidaria vulgaris und Ostrea ueglecta. Allein es kommen noch eine Menge Muschel- und Schnecken- Arten mit vor, und da, Dank der grossen Verbreitung der Stufe (sie bedeckt gegen achtzig Quadrat-Kilometer, wird stellenweise über tausend Meter dick, und ist überall durch Eunsen blossgelegt) und der gleichmässigen Vertheilung der Petrefakten über ihr ganzes Gebiet, das Sammeln darin sehr erleichtert ist, so wird sie bestimmt noch fleissigen Sammlern eine sehr reiche, vielfach an diejenige des Langhian von Bordeaux und Dax erinnernde Fauna liefern. Die nun folgende Stufe, das Helvetian, auf der Karte durch die drei aufeinanderfolgenden gelben Nuancen wieder- gegeben, wurde ich 1857 aufzustellen veranlasst, um jenen weitverbreiteten Schichtencomplex zu bezeichnen, der im südwestlichen Frankreich unmittelbar auf das Langhian folgt und in der Schweiz bekanntlich die beiden Süsswasser- molassen von einander trennt. Die drei Unter-Stufen in welche diese neue Serie zerfällt finden sich nun aber, wie in der Superga bei Turin, so auf unserem Gebiete, strati- graphisch von den blauen Mergeln des Langhian und den blauen Thonen des Tortonian so schön eingerahmt, dass ihre Altersbestimmung und somit diejenige der berühm- Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 83 ten Fauna der Siiperga eine leichte und völlig sichere wird. Am Fasse des Apennin beginnt das untere Helvetian mit dem Auftreten dicker Bänke einer gräulichen Molasse zwischen den blauen Mergeln, deren Einförmigkeit damit plötzlich unterbrochen wird. Die oft dunkelgraugrüne Färbung dieser Molasse, von ihrem Gehalt an Serpentin- Körnern herrührend, und ihr öfterer üebergang in grobem Serpeutinsandstein und kleiner Nagelfluh Hessen mich ihre Identität mit dem Turiner Serpentinsande vermuthen, schon lange bevor ich zu Avolasca, im Osten der Karte, eine ziemlich reiche, mit derjenigen der Superga identische Fauna darin entdeckte. Zum Ueberfluss für meine Beweis- führung erwies es sich noch, später, dass die kleine Schichtenserie von ganz besonderer Facies, welche an ver- schiedenen Stellen der Superga (so zwischen Turin und Termo-fourä, auf den Höhen südlich von Baidissero etc.) im unteren Helvetian wie eingekeilt vorkommt, längs der Südgrenze des Helvetian meines Gebietes, von Strevi bis Borgomale identisch wieder auftritt. Es sind diess schiefrig- brüchige Platten eines braungrauen, harten, wie gebrannten Mergels, deren OlDerflächen meist mit Vaginellen besät sind und öfters auch, unter Anderem, Balantium pede- montanum, var. longa, Ostrea neglecta und Solenomj^en, in schönen Abdrücken bieten. Leider zeigt freilich diese Faunula dass die Häufigkeit der Vaginellen kein ausschliess- liches Merkmal des piemontesischen und südwestfranzösi- schen Langhiau ist. Nachdem dann, in der Eegel, noch eine Masse blau- grauen Mergels ohne Pteropoden die erste Unterstufe ab- schliessen kömmt, folgt, als mittleres Helvetian, die gelbe sandige Molasse mit Bryozoen und Seeigelstacheln, wie 84 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. sie typisch im niedrigen Monferrat, von der Superga bis Valenza, und im Tortouesischen von Avolasca bis Gavi entwickelt ist. Die paläontologische Aehnlichkeit dieser gelben Molasse, einerseits mit dem Muschelsandsteine des Jurafusses und andrerseits mit der «Mollasse» des Loire- und des Rhone-Thales, ja selbst öfters ihre petrographische Uebereinstimmung mit diesen Gesteinen in einzelnen La- gen und Gegenden, so, mit dem Muschelsandstein des badischen Seekreises, sind aber so gross, dass auch ohne die Hülfe der Stratigraphie , die Nothwendigkeit ihres Parallelismus daraus hervortritt. Im Westen meines Gebietes ändert sich aber die Gesteinsbeschaffenheit des mittleren Helvetian ziemlich rasch bedeutend. Das Gestein wird sandiger, glimmerreicher, gewöhnlich heller, und es bilden sich Lagen grosser Saud- steinconcretionen darin aus, während dünnere Bänder blauen Thones ihrerseits häufiger werden. Auch die Petrefakten, bis auf die allerwelts Teredo norwegica, verschwinden nahezu gänzlich. Hier nehme ich denn, als untere Grenze der Abtheilung, die erste Lage grosser Bomben über der letzten dicken Lage blauen Thones an, indem ich mich auf die gleichen Grenzverhältnisse an den" Uebergangsstelleu beider Facies des mittleren Helvetian, westlich von Gavi, stütze. Am klassischen Profile von Serravalle-Scrivia, wie östlich und westlich davon, von Vargo bis S. Cristoforo, lagern nun zwischen der gelben Bryozoen-Molasse und dem mächtigen blauen Thone des Tortonian jene harten Nulli- poren-Kalke und Conglomerate, . welche mit der Lucina- Schicht von MontaJe, das obere Helvetian des Tortouesi- schen bilden. Die grosse petrographische Uebereinstim- mung dieser neuen Abtheilung mit dem Nulliporen-Kalke Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 85 und Conglomerate des Leitha-Gebirgs bei Wien, wie die Aehnlichkeit der beiderseitigen Faunen und deren beste üebereinstimmung mit der Fauna des Sandes von Salles bei Bordeaux und derjenigen unserer subalpinen Meeres- molasse lassen in der That absolut keinen Zweifel zu, dass wir es hier mit einem bestimmten und weitverbreiteten Niveau zu thun haben, nach welchem erst eine neue, durch ganz neu gestaltete Meere und eine ganz anders zusammen- gesetzte Fauna bezeichnete Epoche beginnt. Auch diese obere Abtheilung des Helvetian unseres Gebietes ändert indessen, von S. Cristoforo nach Westen hin, immer mehr die Facies. Während noch bis gegen Alice, nördlich von Acqui, die harten, oft petrefakten- reichen jedoch kaum mehr Nulliporen führenden Kalke der Basis des Tortonian ausharren, werden sie westlich und südlich von jenem Punkte durch harte, schiefrige Mergel, mit nicht seltenen weissen Muschel- Abdrücken, oder durch weisse, weiche Thonkalke und gelbliche sandige Molasse ersetzt, welche letztere constant ein Paar dünne Lagen kleiner, weisser Thonknollen führt, die eine gewisse Aehn- lichkeit mit Nulliporen zeigen. Da diese Knolleuschichten, auf der Linie Castelrocchero-Case Vecchie, stets die Nähe des Tortonian anzeigen, so betrachte ich sie auch im grossen Massiv des Helvetian zwischen dem mittleren Bormida- und dem Tinella-Thale, wo sie sich überall auf den Höhen bemerklich machen, als den natürlichen Ab- schluss des oberen Helvetian, während mir hier das Auf- hören der grossen Bomben-Concretionen und die Entwick- lung der weisslichen Thonkalke den Anfang dieser Abthei- lung festsetzen helfen. Die unregelmässige azurblaue Zone, die sich auf der Karte nördlich an die eben besprocheneu, durch gelbe 86 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. Tinten bezeichneten Abtheilungen anlehnt, entspricht dem Ober-Miocänen der piemonteser Geologen, dem ich, den klassischen Fundorten des Tortonesischen, welche ihm an- gehören, zulieb, ebenfalls schon 1857, den homophonen Namen Tortonian gegeben habe. Diese in Oberitalien wie im übrigen Em-opa, ja selbst in Algerien (Mascara) und in Klein-Asien, aus homogenen blauen Thonen be- stehende marine Stufe, mit ihrer durch die grosse Anzahl Arten und Individuen der Schnecken-Gattung Pleurotoma, wie durch die Häufigkeit der Ancillaria glandiformis und des Conus canaliculatus auffallenden Fauna, fehlt in dieser Gestalt bei uns, am Nordrande der Alpen. Sie wird aber hier durch jene Bildung vertreten, welche als rothe Heliciten-Mergel und Jura-Nagelfluh einerseits im Jura von la Chaux-de-Fonds bis zum Hehgau unmittelbar auf das Helvetian folgt und anderseits bei St. Gallen, Herisau (Winkeln), Wattwyl (Gurt) und Wädenswyl (Steinbruch) die gleiche Stellung einnimmt und an letzten zwei Orten dieselben Helix- Arten (H. Larteti, inflexa und sylvana) wie im Jura führt.. Es ist in der That diese Bildung offenbar das erste Produkt unserer Flüsse, nach Abfluss des Meeres des oberen Helvetian, und wie sie merkwür- digerweise auch in petrographischer Beziehung mit dem Tortonian verwandt ist, entspricht sie ihm chronologisch desswegen schon, weil unsere zunächst jüngeren Molassen bekanntlich einem wohlbezeichneten höheren Niveau an- gehören. Nachdem ich schon 1866 die Geologen darauf auf- merksam gemacht, dass es zwischen dem Ober-Miocänen und dem typischen Ünter-Pliocänen eine dreitheilige Serie eigenthümlicher Gebilde gebe und diese Serie provisorisch dem Pliocäneu oder Astian einverleibt hatte, entschloss Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 87 ich mich, anno 1868, eine eigene Stufe für sie aufzustellen, der ich nach dem Orte wo sie, ganz unter mariner Facies, das Tortonian vom Astian trennt, den Namen 3Iessmiaii gab. Dieses Messiuian oder Mio-Pliocäne erweist sich nun auch im Gebiete meiner Karte als gut entwickelt und petrefaktenreich, freilich aber auch, hier ganz beson- ders, als von sehr veränderUcher petrographischer Zu- sammensetzung. Die untere Abtheiluug, durch das schmale dunkel- indischrothe Band dargestellt, erscheint im Tortonesischen als gewöhnliche und petrefaktenreich e Meeresstrandbildung, mit starken Anklängen an diejenige von S. Aries bei Bol- lene und von Billowitz etc. bei Wien, und besteht daher aus NuUiporen-Kalken, kalkigem Cerithiensande und Con- glomerat. Nachdem sie unter ähnlicher Facies, nicht ohne ünterbruch, bis nördlich von Acqui ausgeharrt, wird sie von hier an zumeist zu einer aus gelblichen bis schwärz- lichen Schieferthonen bestehenden Tiefseebildung, welche vornehmlich südlich von Nizza ziemlich reich an Foramini-" feren und an interessanten kleinen Conchylieu wird. Die Farbe und Weichheit dieser schiefrigen Thone lassen sie hier genügend gut von den unterlagernden blauen Thonen des Tortonian unterscheiden. Die mittlere Abtheilung des Messinian (die hellrosen- rothe Zone) zeichnet sich bekanntlich von einem Ende des Apennin zum andern, durch das xiuftreten von Gyps- stöcken aus. Auch auf meinem Gebiete fehlen hier die Gypsmassen nur auf kürzeren Strecken und ist daher ihre Zone, selbst für den ungeübteren Stratigraphen , ebenso leicht zu verfolgen als z. B. das Tortonian oder das obere Tongrian. Mit dem Grpse kommen meistens Dolomitkalk- steine vor, welche desswegen besonders erwähnenswerth 88 Mayer, Zar Geologie des mittleren Ligurien etc. sind, weil sie unter identischer Gestalt auch über dem unteren Messinian des Vaucluse auftreten. Daneben ent- wickeln sich bald gelbliche harte Mergel mit Pflanzenab- drücken (Stazzano), welche ausserhalb meines Gebietes, zu Guarene bei Alba und zu Montebello reichlicher vor- handen, mit der Flora von Oeningen übereinstimmen, bald blaue Thone mit marinen, einen Bruchtheil der Fauna des unteren Astian repräsentirenden Conchylieu, Die sonst für dieses Niveau bezeichnenden Congerieu und Cardien fehlen; dafür aber stellen sich doch, bei Nizza, einzelne anderwärts die Congerien begleitende fluviatile Conchylien (Melanopsis Matheroni, Melania Tournoueri, Neritina sp. etc.) ein und helfen so unser Niveau mit dem Congerien- Horizonte parallelisiren. Wie in ganz Mitteleuropa, so ist auch in Oberitalien das obere Messinian eine rein fluviatile Bildung und hier al- lem Anscheine nach das Produkt des damaligen Po-Flusses. Unter der Facies einer Nagelfluh die mit derjenigen des TJetli-Berges völlig übereinstimmt, breitet sie sich im Tortonesischen bedeutend aus und erreicht an der Scrivia über hundertfünfzig Meter Mächtigkeit. Merkwürdigerweise verschwindet von hier an gegen Westen die Nagelfluh sehr rasch und wird sie durch gelbliche, sandige Mergel oder, noch weiter westlich, durch abwechselnd gelbliche, sandige, und grünliche, thonige Schichten ersetzt, deren fluviatiler Ursprung sich in der Nähe von Nizza-Monferrato auch paläontologisch, durch das Vorkommen vonMonodacnen, Cyrenen und ^ithynien verräth.*) *) Das Hinaufreiclieu von Congeria simplex, Cardium Bollenense, C Carnuntinum, Melanopsis Matheroni, Melania Tournoueri, etc. aus dem mittleren ins obere Messinian und die paläontologische Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 89 Die vorletzte Tertiär-Stufe, de Rouville's Astiaii, zer- fällt bekanntlich in zwei paläontologisch wohl getrennte Unter-Stufen, welche am Nord-Rande des ligurischen Apennin auch petrographisch leicht auseinander gehalten werden können, da hier gewisse im piacentiner Gebiete stärker entwickelte Uebergangsschichteu, die blauen Thone mit der Fauna des obern Astian, entweder ganz fehlen oder, wo sie vorkommen, nur sehr schwach entwickelt sind. Wie überall anderwärts, so besteht auch auf unserem Ge- biete das untere Astian aus blauen Thonen, die sich petro- graphisch kaum, wohl aber paläontologisch leicht von denjenigen des Tortonian unterscheiden lassen, und zwar durch die Häufigkeit von drei Muscheln: Ostrea (Gryphea) cochlear, Pecten cristatus und Area diluvii und einer grössern Anzahl Gastropoden, denen man im Tortonian nicht oder nur selten begegnet. Obwohl lauge nicht so mächtig wie im pliocenen Meerbusen von Bacedasco bei Piacenza, sind diese unterpliocenen Thone an der Grenze des Astigiano, im Nordwesten der Karte, besonders stark entwickelt und bedecken sie, bei einem Schichtenfall von acht bis zehn Grad, eine Hügelzone von circa zwei Kilo- meter Breite, bevor sie auf neuen Höhen durch das obere Astian überlagert werden. Sie müssen daher in dieser Region jedenfalls ein Paar hundert Meter dick sein. Das obere Astian, der Farbe des saudigen Gesteins gemäss hier durch die hellchromgelbe Farbe wiedergegeben, bietet auf unserm Gebiete keinen weiteren Unterschied Facies- Analogie des unteren Messinian Oberschwabens einerseits mit den Congerien- und Paludinen-Schichten Oesterreichs , anderseits mit dem obern Messinian Piemonts, zeugen so entschieden für die Einheit der Stufe, auch in ihrer Brack- und Süsswasser-Facies, dass jeder Grund sie in mehrere zu trennen dahinfällt. 90 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. von seinem Typus nördlich von Asti als einen bedeutend geringeren Petrefaktenreichtlium , bei etwas stärkerer, zu Vinchio nördlich von Nizza hundert Meter erreichender Mächtigkeit. In der Mitte seiner Ausdehnung, zwischen dem Scrivia- und dem Bormida-Thale, ist es so vom Saharian verdeckt und meistentheils auch weggewaschen oder umgearbeitet, dass nur hie und da, am Kande der kleinen Plateaux, welche letzteres einnimmt, kleinere Par- tien davon, von wenigen Metern Dicke, noch erkennbar sind, welche einzelne Partien indessen, zusammengehalten, ein genügend deutliches Bild seiner einstigen Verbreitung in jener Gegend geben.*) Aus dem doppelten Grunde der Ermanglung einer allgemein gültigen Wiedergabemethode für die Gebilde der Eiszeit (Saharian, Mayer, 1865) und der UnvoU- ständigkeit meiner Notizen über diese meist nur sporadisch auftretenden Gebilde, habe ich es vorderhand unterlassen sie auf meiner Karte einzutragen. Sie erweisen sich in- dessen auch hier als interessant genug, um wenigstens eine kurze Erwähnung zu verdienen. — Zwar ist es mir annoch weder das untere, noch das mittlere Saharian in unveränderter Gestalt anzutreffen gelungen, und, was die *) Sollte nicht der so radikale Gesteinsunterschied beider Unter- stufen des Astian in ganz Italien, mit Ausnahme des südlichsten Theiles, wo der gelbe Sand durch weissen Kalk oder Mergel ersetzt wird, seine Erklärung in dem Auftreten der römischen und neapoli- tanischen Vulkane mit Beginn der zweiten Epoche finden, indem anzunehmen wäre, dass die titaneisenhaltigen sandigen Theile der Eruptionen, theils durch den Südwind, theils durch Meeresströmungen, über das Land zersteut worden und durch Oxydation ihre jetzige gelbe Farbe erhalten haben? Uebrigens deutet die Uferfacies des oberen Astian auf eine allgemeine Hebung im Apenninengebiet, mit oder ohne Hülfe der entstandenen Vulkane. Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 91 erste Abtheilung betrifft, kann ich nur sagen, dass der von Gastaldi citirte Fund im Schlamme des Belbo's bei Incisa, eines Backenzahnes des Elephas meridionalis, für deren ehemaliges Vorkommen über dem oberen Astiau jener Gegend zeugt, während Spuren des mittleren Saharian erst nördlich von meinem Gebiete, bei Pavia, angetroffen worden sind. Um so schöner ist dafür das obere Saharian im hohen Monferrat entwickelt und wird es hier, wegen seiner verschiedenen Facies oder vielmehr successiven Ge- bilde, trotz des fast vollständigen Fehlens eigentlicher Moränen, besonders interessant und für die Geschichte der Hauptgletscherzeit wichtig. So viel ich weiss, waren bis anhin, den Verhältnissen am Südfusse der Alpen entgegen, keine Moränen vom Nordfusse des ligurischen Apennin bekannt, und dass es überhaupt deren nur wenige und kleine, in den Haupt- thälern gegeben haben könne, ist, bei der geringen Höhe der höchsten Spitzen jenes Gebirgs-Theiles, (bis 1500 Meter) wohl a priori anzunehmen. Ich glaube nun aber endlich eine ächte Moräne auf meinem Gebiete gefunden zu haben, denn als Reste einer solchen muss ich jene Anhäufung loser Blöcke bei Spigno betrachten, welche hinter dem Stationsgebäude sich am Hügel anlehnt, und dann, nach kurzem Unterbruche den halben Kreis vervollständigend, quer über die Bormida setzt. Ob es nun nicht, noch näher am M, Settepani, d, h., im oberen Bormida-Thale , noch mehr solcher und vollständigere Blockwälle zu sehen gibt? Das Diluvium, d. h., glaciäres FlussgeröUe in einer gewissen Höhe über den jetzigen Flussbetten, kömmt be- sonders schön im mittleren Bormida-Gebiete und im Belbo- Gebiete, um Nizza vor. Die Höhe, welche dieses GeröUe auf den Plateaux nordwestlich und westlich von Acqui 92 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. erreicht und die ganz anständige Grösse einzelner Blöcke (bis über ein Kubikfuss) lassen der Vermuthung Kaum^ dass das mittlere Bormida-Thal während der zweiten Gletscherzeit nicht so tief war wie gegenwärtig und einen durch den nun durchbrochenen Kalksteindamm von Strevi- Orsara gestauten, vereisten See enthielt, dessen Abfluss auf der ganzen graden Linie von Bistagno bis Strevi nach Norden stattfand, und der im Sommer zur Bildung von mit Gerollen bedeckten Eisschollen Veranlassung gab (oder wie sonst der Transport jener auf ihre Standorte zu erklären ist). Spuren eines eigentlichen Gletschers sind mir nämlich in dieser ganzen Gegend keine begegnet. Dem Diluvialgerölle unmittelbar aufgelagert, macht sich im neuen Strasseneinschnitt südlich von Strevi ein gelblichweisser, sandiger Lehm mit rundlichen Thoucon- cretionen, ähnlich Adlersteinen, bemerkbar, der dann im Thalwinkel gegenüber, unter Morsasca, in gleicher Höhe ebenfalls vorkömmt. Es bildet nun dieser Lehm, allem an, das gleichzeitige Analogon des Rheinthallösses. Landcon- chylien scheinen indessen darin vollständig zu fehlen. Neben diesen drei wohlbekannten Gebilden des oberen Saharian aber tritt, au unzähligen Stellen meines Karten- gebietes, eine höchst merkwürdige Bildung, als letztes Glied der Sedimentreihe auf. Es besteht diese Bildung aus einem braunen und knolligen, oft fester agglomerirten Eisen- thone , der gewöhnlicher, völlig verwittert, zu einem blut- rothen oder braungelben, weichen, leicht knolligen Thone wird, wovon das unterlagernde Gestein sich gerne durch Infiltrationen röthlich färbt. In der Kegel ist diese Thon- lage nur um zwanzig Centimeter dick, und nur da wo sie an der Stelle des obern Astian lagert, wächst sie, wahr- scheiülich auf dessen Kosten, auf einen halben, einen Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. 93 ganzen, oder ein Paar Meter au (Umgegend von Novi). Das Merkwürdige an dieser Bildung ist aber, dass sie sich auf beiden Seiten des Appennin und in allen Niveaux wiederfindet, nur dort indessen wo Humus sie bis jetzt oder lange beschützt, oder aber zuoberst auf den Bergen, deren Scheitel sie wie ein Käppchen bedeckt. Da näm- lich diese absonderliche Verbreitung sich vernünftigerweise weder durch Quellenabsatz, noch durch eine Senkung des Apennin unter das Meeresniveau erklären lässt, so bleibt nur die Annahme übrig, dass unser eisenhaltige Thon als Staub aus der Luft gefallen sei. Was das aber für ein Staub gewesen, ob es wie wahrscheinlich ein Produkt der römischen und neapolitanischen Vulkane, oder gar, theil- weise vom Südwind hergetragener Saharastaub sei, mögen, wenn möglich, die Chemie und die Mikroskopie uns sagen. Hundert Proben des Gebildes liegen gegenwärtig hier zur Untersuchung bereit. Anschliessend an diese Uebersicht der Sedimentreihe meines Kartengebietes, möchte ich zum Schlüsse auf eine ebenso überraschende, als für die Geologie wichtige That- sache aufmerksam machen, welche aus der Vergleichuug der neogenen Gebilde des Nordfusses des ligurischen Apennin mit den gleichen am Nordfusse der Alpen her- vorgeht. Es zeigt sich nämlich, dass von gegen ein Dutzend in beiden Regionen entwickelten Stufen und Unterstufen, fast jede in der einen um so entschiedener marin ist, als die entsprechende in der anderen Region die gegentheilige Facies trägt. So entspricht, wie wir gesehen haben, dem marinen unteren Aquitanian Oberbayerns und" der Schweiz (Eilten, Hergiswyl, Thun, Vevaise), in Südpie- mont eine Süsswasserbildung. So süsst sichln Oberbayern und bei uns das Aquitanian rasch aus. 94 Mayer, Zur Geologie des mittleren Ligurien etc. während es in Piemont umgekehrt ebenso rasch marin wird. So ist das Laughian hier eine pelagische (Tief- see-) Bildung, bei uns (Lausanne, Hohe-Rhonen) ein L a n d- see-Produkt. Nun wird das Meer in Italien weniger tief, dafür rückt es bei uns in den Jura ein. Im Muschelsandstein-Niveau (Helvetian iL) sind seichte Meere beiderseits vorhanden; wie aber in Piemont die Strand- Facies mit Nulliporen entsteht, vertieft sich am Pusse der Alpen das Meer des Helvetian III. Nun erfolgt bei uns eine gewaltige Hebung: es gibt fast völlig trockenes Land und eine Zeit fluviatiler Bildungen (Jura-Nagel- fluh und Heliciten-Mergel), um so tiefer wird neuerdings in Italien das Meer des Tortonian. Dem noch rein marinen Messinian I. Piemonts entspricht bei uns der fluviatile Glimmersand und Knollenmergel des Jura- fusses; dem meist marinen Gypsniveau Italiens, unsere obere Süsswasse rmolasse ; dem rein fluviatilen GeröUe der Üto-Kuppe, das vielerorts brackische obere Messinian Oberitaliens. Endlich füUt, mit Beginn des Astian, tief'es Meer wieder das Po-Thal; bei uns steigt fortan das Thal allmählig bis auf tausend Puss über Meeresniveau. Notizen. Ans einem Schreiben von Kaplau Stephan Biner in Z er matt vom 86. September 1§59. Nach einer Sage, welche zwar in keinen Urkundschriften sich vorfindet, ist in frühern Jahrhunderten zu Zermatt der jetzt so riesenhafte grosse Gornergletscher in der obersten Grenzwiesen der Berg- schaft Aroleid, einst auf einen angepflanzten Acker gestossen, über denselben ganz vorgerückt, ihn zugedeckt hatte; nach sieben Jahren sieh zurückgezogen, im Frühjahr diesen Acker wieder aufgedeckt, und der Eigenthümer desselben könnten von der seit Jahren lang angepflanzten Fruchterfolg noch sieben Garben (gosen) Roggen benutzbar einährnten. — Letz- teres ist mir nicht leicht begreiflich, alein meine Selbsterfah- rung bestätigt von diesem Gletscher eine merkwürdige Er- scheinung; Es ist nemlich allgemein bekannt, das derselbe seit eines Menschengedenken sich alljährlich mehr oder weni- ger gegen Zermatt herunter nähert, obgleich er' sich jedes Jahr in den hier wenigen Sommermonaten, dem Anscheine nach, zurückzieht, auch im letztverflossenen Sommer, ist er der untersten Mündung nach beiläufig 5—6 Mannsschritte kleiner geworden , Alein etwa 5 bis 10 Minuten oberhalb rechts von diesem Gletscher habe ich im letztverflossenen Maimonat gesehen, das derselbe eine Zunge quar auf die Seite gegen einen Felsblock stösst. Ende Septembers sah ich, das diese Zunge zwar auch kleiner geworden, alein etwa 8 bis 10 Schritte hinunter (vorwärts) gerückt ist. Aus diesem er- gibt's sich klar, das die Sonne in dieser über gewöhnlich warmen Sommerzeit, sehr nahe 15 Schritte weit, denselben seiner untersten Mündung nach abgeschmelzt hat, in dem diese Eismasse, oben an gesagter Stelle nahe 10 Schritte tiefer ge- rückt und denoch zu Unterst bei 6 Schritte kleiner geworden ist, Hieraus lasst sich suponieren, das diese Gletschermasse 96 Notizen. in der Sommerzeit eben stärster voranrückt als zu andern Jahrszeiten. Es hat sich ereignet, das er in einem Jahr 15 bis 16 Schritte vorangerückt ist, dies weiter als er zur Som- merzeit abgeschmolzen wurde, dagegen sind auch Jahre, in welchen er nicht mehr als 5 bis 6 Schritte weit die Wiesen unter sein Gebieth genommen, dies wil sagen seiner untersten Mündung nach. Durchschnittlich nimt dessen Breite und Länge jährlich nache an 2 bis 3000 Klafter Wiese unter sich, man musste auch schon über 50 Menschen- oder "Viehwohnun- gen, Stadel oder Speicher seiner Rache entreissen. Auch der Findel- und der Zmuthgletscher rücken vorwers, alein diese weniger fühlbar, durch Gemeindewälder. Zurück zieht sich hier von Allen den hier so vielen befindenden Eismassen , einzig der Howenggletscher. Vom Gornergletscher lässt sich sehr wenig hoffen, das er je sich hinterziehen werde, weil in den- selben die zwei Monti'osagletscher, Lysgletscher, Zwilinge- gletscher, Breithorengletscher und der grosse Theodulgletscher hineinstossen, so zwai-, wenn auch Einer von diesen bisweilen im Rückzuge begriffen wäre, sind immer Andere, die riesen- haft hineinstosen , so dass das Zurückziehen, auch von Eini- gen, das Vorwärsgehen der ganzen Masse zwar in etwas hem- men, allein das Zurückziehen desselben nicht zu bewirken vermögen. [M. Tscheinen]. Auszüge aus den SitzuugsprotokoUen. A. Sitzung vom. 14. Januar 1878. 1) Herr Bibliothekar Dr. Horner legt folgende seit der letzten Sitzung neu eingegangenen Bücher vor : A. G e s c h e n k e. Von den HH. Prof. Kölliker und Siebold. Zeitschrift f. wissensch. Zoologie. XXX. 1. Von dem Friesischen Fond: Topographischer Atlas der Schweiz. Lief. X u. XIL Notizen. 97 Von Prof. Dr. K. Wolf. Wolf, R. Memoire sur la periode commune aux taches so- laires et ä la declinaison magnetique. 4. Festschrift, dem Andenken an A. v. Haller dargebracht von den Aerzten der Schweiz. 4 Bern 1877. Von Hrn. Melsens in Brüssel. Des paratonneres etablis sur l'hötel de ville ä Bruxelles. 8 Bruselles. 1877. Von der technischen Gesellschaft in Zürich, üebersicht der Verhandlungen. 32. 1875—77. B. In Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Bulletin de Facad. I. de St. Petersbourg- XXIV. 3. Vierteljahrsschrift d. astronom. Geseilschaft. XII. 3. Eigaische Industrie-Zeitung. 1877. 20—23. Eepertorium f. Meteorologie. Herausg. v. d. Akad. v. St. Pe- tersburg, nebst Supplementband. I. Bd. V. 2. Bulletin de la Soc des sciences de Nancy- II. III. 6. Bericht üb. d. Senckenbergische Gesellschaft zu Frankfurt. 1876/77. Bulletin de la societe mathemat. de France. VI, 1. Jahresbericht des naturw. Vereins zu Magdeburg. 7. Zeitschrift d. deutsch, geolog. Gesellschaft. XXIX. 3. Journal of the R. geolog. soc. of Ireland. IV. 3. 4. Monatsberichte d. k. Preuss. Akademie d. W. 1877. Sept. Oct. Atti della soc Toscana di scienze nat. Vol. III. 1. C. VonRedactionen. Naturforscher. 49. 50. 51. 52. 1878. 1. Berichte der deutschen ehem. Gesellschaft. 1877. 19. D. Anschaffungen. Zeitschrift für Krystallographie. Bd. II. 1. Zeitschrift für analytische Chemie. XVII. 1. Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie. 1876. 2. Transactions of the entomolog. society. 1877. 3. Transactions of the zoological society of London. X. 3. ILILIII. 1. 7 98 Notizen. Philosophical transactions of the ß. soc 1877. 1. Denkschriften der K. Akad. der W. (zu Wien). Bd. 37. Palseontographica. Bd. XXIV. 6. XXV. 1. Memoires de Tacademie J. de St. Petersbourg. T. XXIV. 2) Die Herren Dr. Winter und Chemiker Sehöller werden einstimmig als ordentliche Mitglieder der Gesellschaft aufge- nommen. 3) Herr Prof. Grebe meldet sich zur Aufnahme als or- dentliches Mitglied der Gesellschaft. 4) Herr Prof. Fliegner hält einen Vortrag über von ihm ausgeführte Luftausfluss versuche, unter Vorweisung einiger dabei benutzter, theilweise neuer Apparate. 5) Herr Prof. Hermann macht eine Mittheilung „über phy- siologische Beziehungen des ^Telephons." Die durch die im magnetischen Felde schwingende Eisenmembran induzirten Ströme, welche wegen ihrer fortwährend wechselnden Rich- tung an gewöhnlichen Galvanometern nicht nachgewiesen werden können, bringen einen ausgeschnittenen Proschnerv mit Leichtigkeit in tetanische Erregung, die durch Muskel- zusammenziehung angezeigt wird. Der Vortragende zeigte zunächst die Zusammenziehung durch Annähern einer magne- tisirten und angeschlagenen Stimmgabel an eine Induktions- spirale, dann, als Uebergang zu den Verhältnissen des Tele- phons, den gleichen Erfolg, wenn eine unmagnetische ange- schlagene Stimmgabel zwischen einen festen Magnetpol und die Spirale gebracht wird, d. h. wenn eine unmagnetische Eisenmasse im magnetischen Felde schwingt, endlich die Mus- kelzusammenziehung durch Anrufen des Telephons. (Diese Versuche sind sämmtlich vom Vortragenden schon vor den Mittheilungen von Goltz und du Bois-Reymond, am 7. Dezbr. V. J. in seiner Vorlesung gezeigt worden). Von den Vokalen wirkt am stärksten auf das Froschpräparat a, dann o, ou, e, am schwächsten i. Beim Ohr ist die ßeihefolg« eine ganz andere. — Die treue Wiedergabe jeder Klangfarbe am zweiten Telephon beweist, dass das Intensitätsverh ältniss der Partial- töne absolut genau übei'tragen wird. Dies ist bemerkens- werth, insofern von anderer Seite angenommen worden ist, Notizen. 99 die zweite Membran schwinge wegen des Induktionsgesetzes proportional der ersten Derivirten nach der Zeit von den Bewegungen der ersten Membran. Wäre dies wirklich der Fall, so müsste nicht allein jede Sinus funktion in eine Co- sinusfunction sich verwandeln, also das Phasen verhältniss der Partialtöne sich vollkommen ändern (was für die Klangfarbe nach Helmholtz ohne Bedeutung wäre), sondern auch das In- tensitätsverhältniss ein vollkommen anderes werden , weil durch die Differentiirung jeder Partialton eine um so grössere Amplitude erhält, je höher seine Ordnungszahl. Aber der Vortragende hat einen noch auffallenderen Widerspruch ge- funden. Man hört nämlich fast ebensogut, wenn man beide Telephone nicht direkt mit einander verbindet, sondern das erste Telephon mit einer induzirenden Spirale, und eine dieser nahe induzirte mit dem zweiten Telephon (am besten nimmt man hierzu eine doppelt gewickelte Rolle, deren beide CTewinde mit je einem Telephon verbunden wer- den). Auch hier bleibt die Klangfarbe auf's Genaueste er- halten. Ja man kann diese eingeschobenen Induktionen noch mehrfach wiederholen, und der Vortragende konnte noch hö- ren und verstehen, wenn die Induktionsströme fünfter Ord- nung auf das zweite Telephon wirkten. Da aber, wie die Rechnung ergibt, jede weitere Differentiirung das Amplituden- verhältniss der Partialtöne immer mehr ändern müsste, das- selbe aber, wie die Erhaltung der Klangfarbe lehrt, genau er- halten bleibt, so folgt aus den Thatsachen, dass in dem vor- liegenden Fall der Induktion durch Oscillationen das allge- meine Induktionsgesetz nicht in der von anderer Seite behaupteten Weise zur Anwendung kommt. — Der Vortra- gende machte beiläufig auf die grosse Verschiedenheit im Widerstände der im Handel vorkommenden Telephone auf- merksam. Zwei Telephone von Siemens und Halske hatten etwa 55, vier solche von Leppin und Masche nur 10—21 Ein- heiten Widerstand. B. Sitzung vom 28. Januar 1878. 1) Herr Privatdocent Dr. Asper meldet sich zur Aufnahme als ordentliches Mitglied der Gesellschaft. 100 Notizen. 2) Herr Prof. Grebe wird einstimmig als ordentliches Mit- glied der Gesellschaft aufgenommen. 3) In Abwesenheit des Herrn Bibliothekars legt der Ak- tuar folgende wenige seit der letzten Sitzung eingegangene Bücher vor : A. Geschenke. Vom Schweiz. Bisenbahn- und Handelsdepartement. Rapport mensuel sur la ligne du S. Gothard. 59. B. In Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Jahrbuch der K. K. Geolog. Reichsanstalt. 1877. 3. Verband!. 11-13. Bericht 6 des botanischen Vereins in Landshut. Verhandlgn. d. phys.-med. Gesellsch. in Würzburg. XI. 3. 4. öwersigt over det k. Danske Videnskabernes forhandlinger. 1877. 2. Mittheilungen des Vereins f. Erdkunde zu Halle. 1877. Rigaische Industrie-Zeitung. 1877. 24. C Von Redactionen. Der Naturforscher. 1878. 2. 3. Berichte d. deutschen chemischen Gesellschaft. 19. D. Anschaffungen. Bert, P. La pression baromötrique. Recherches de physiologie experimentale. 8 Paris. 1878. Annalen der Chemie. Bd. 190. 1. 2- 4) Herr Prof. Schär hält einen Vortrag „über Anfangs- und Zwischenstadien bei chemischen Verbindungen". — Mit einigen allgemeinen Erörterungen beginnend, bemerkte der Vortragende, dass es sich keineswegs darum handeln könne, eine theoretische Diskussion über das Wesen der chemischen Verbindung herbeizurufen, da diess Gebiet speziellen Fach- männern überlassen bleiben müsse. Dagegen sei es lediglich seine Absicht, auf eine Anzahl von chemischen Thatsachen hinzuweisen, welche, theils bekannt , theils in Vergessenheit gerathen, theils auch neu, bis jetzt in sehr untergeordneter Weise Aufnahme und Verwerthuncj in der chemischen Lite- Notizen. 101 ratur, d. h. in Lehr- und Handbüchern gefunden haben, ob- wohl solche in nicht geringem Maasse zu weiterer Forschung und Meditation über chemische Fragen anzuregen scheinen. — In denjenigen Gebieten , wo die Chemie sich vorwiegend als Grundlage und Hülfswissenschaft anderer bedeutsamer Disziplinen bethätigt, offenbart sich öfters in hervorragender Weise die Wichtigkeit derjenigen Fragen der Chemie, welche sich nicht sowohl auf Wesen und Eigenschaften fertig vor- liegender, durch die Natur oder menschliche Kunst erzeugter chemischer Verbindungen beziehen, als vielmehr auf die nä- hern, räthselhaften Bedingungen und umstände, die bei der Verbindung und Zersetzung der Körper auftreten. — Ganz besonders wichtig erscheinen diese Fragen sowohl für die philosophischen Gesichtspunkte in der chemischen Wissen- schaft, als namentlich zur Erklärung vielfacher Thatsachen auf biologischem Gebiete, d. h. im Bereiche der Pflanzen- und Thierphysiologie. Ist auch das Verhältniss der Physiologie zur Chemie nach einer längeren Periode der Indifferenz, an der wohl beide Fächer gleiche Schuld trugen, ein wesentlich innigeres geworden, so muss immerhin zugestanden werden, dass in den gegenseitigen Beziehungen beider Wissenschaften noch vielfache unbefriedigte Punkte zu finden sind, und dass auch jetzt noch die Chemie manchen Desidex-aten der Physio- logie nur höchst unvollkommen zu entsprechen vermag. Dür- fen wir auch das Studium der Verbindungen der Elemente, die Erkenntniss der Verwandtschaftsverhältnisse und Zer- setzungsweisen der Stoffe, die Auffindung der Verbindungs- und Zersetzungsbedingungen, die Erforschung der Struktur der Verbindungen und die Erklärung von Allotropie und Isomerie als Hauptaufgaben der Chemie betrachten, welche durch Verfolgung solcher Ziele insbesondere ihre theoretischen Wissensgebiete zusehends fördert, so bleibt es doch nicht we- niger wahr, dass diess allein nicht überall für eine richtigere Erkenntniss der Lebenserscheinungen genügen kann. Viel- mehr erscheint es in hohem Grade wüsnchenswerth, dass von Seiten der Chemie, insoweit dieselbe auf das Feld der Biologie sich begibt, eine nicht geringe Zahl weiterer Punkte wieder an die Hand genommen und erneuerter sorgfältiger Beob- 102 Notizen. achtung unterworfen werden. — Unter solclien Fragen wur- den von dem Vortragenden namentlich drei hervorgehoben, nämlich erstens : Die Betrachtung der sog. chemischen Mas- senwirkungen, zumal diejenigen Fälle, wo das verschiedene Verhältniss der auf einander wirkenden Körper entgegen- gesetzte chemische Wirkungen bedingt ; zweitens : das Studium der Molekularverbindungen, als des wichtigsten gemeinsamen Grenzgebietes der Physik und Chemie; drittens endlich: die Berücksichtigung der sogen. Anfangs- und Zwischenstadien bei der chemischen Verbindung. — In Hinsicht auf das Erst- angeführte wurde auf die Bedeutung hingewiesen, die ein weiteres Studium der Massenwirkungen in dem vom franzö- sischen Chemiker Berthollet entwickelten Sinne für manche physiologische Vorgänge, namentlich für Erklärung toxikolo- gischer Erscheinungen haben müsste, wie diess schon bei frühern Mittheilungen von Dr. Luchsinger hervorgehoben worden war. Zugleich wurde an die zahlreichen schon be- kannten hieher gehörigen Erfahrungen erinnert, wie z. B. an das Verhalten von Essigsäure zu Bleikarbonat und von Koh- lensäure zu Bieiacetat, an die Fällung vieler Salze durch ge- wisse Säuren (wie Alkaloidsalze durch Gerbsäure (bei gleich- zeitiger Löslichkeit der erhaltenen Niederschläge in der über- schüssigen Säure des ursprünglichen Salzes; endlich auch an die eigenthümliche Zerlegung der farblosen Verbindungen des blauen Cyanins mit Säuren durch organische Substanzen, die als spezifische Lösungsmittel des freien blauen Farbstoffs bekannt sind. — Von Wichtigkeit müsste bei weiterer Ver- folgung dieser Phänomene besonders die Frage sein, in wie weit bei sog. Massenwirkungen Anziehungen von Atomen fertig gebildeter sog. geschlossener Moleküle auf Atome in andern benachbarten Molekülen als Ursachen chemischer Ak- tion zu betrachten sind. — In Betreff der Molekularverbin- dungen wurde, gestützt darauf, dass diese Frage schon in einem frühern Vortrage des Sprechenden erörtert worden war, lediglich des Umstandes erwähnt, dass namentlich mit Rücksicht auf die nothwendig gewordene Annahme zahlreicher Hydrate gewisser Verbindungen, die Zahl chemisch darstell- barer Molekularverbindungen eine weit gi'össere als nach Notizen. 103 früherer Annahme zu sein scheine und dass üherdiess eine Theorie der Lösungen mehr und mehr davon ausgehen dürfte, letztere als variirende Gemenge' von Molekularverbindungen aufzufassen. — Zu dem letzten Punkte und Haupttheile des Vortrages, den Zwischenstadien chemischer Verbindung über- gehend, wurde zunächst auf die Unmöglichkeit hingedeutet, das Zustandekommen der chemischen Verbindungen, resp. die hierauf bezüglichen chemischen Fakta in vollständiger und befriedigender Weise durch die Annahme unmittelbaren Zu- sammentretens der Atome nach den Gesetzen der chemischen Werthigkeit (Valenz) und spezifischer Intensität der chemi- .schen Anziehung zu erklären. Eine Eeihe von Beispielen des Auftretens von Zwischenstadien bei chemischen Reaktionen ist wohl längst bekannt, doch sind die denselben entsprechen- den Verbindungen meist als chemische Individuen von be- stimmter Zusammensetzung bekannt und als verschiedene Verbindungsstufen gewisser Elemente mit andern aufzufassen, so bei der Nitrifikation die Nitrite und Nitrate, bei der Be- handlung alkalischer Lösungen mit Chlorgas die Hypochlorite und Chlorate, bei der Einwirkung von Untersalpetersäure auf organische Substanzen die verschiedenen Nitrirungsstufen u. s. f. — Weit sonderbarerer Natur und gewissermassen aus- serhalb des Rahmens der gewöhnlichen chemischen Anschau- ungen stehend, sind zahlreiche in der Hauptsache von C. F. Schönbein in Basel entdeckte und vom Voi'tragenden durch wiederholte Versuche bestätigte Thatsachen, welche sich auf eigenthümliche Zwischenstadien bei der chemischen Verbin- dung einerseits des Sauerstoffes, anderseits der sog. Haloide (Chlor, Brom und Jod) mit unoi'ganischen und organischen Stoffen beziehen. Unter diesen Beobachtungen, über deren Besprechung wegen unvermeidlicher spezieller chemischer Er- örterungen an dieser Stelle kaum referirt werden kann, seien unter Hinweisung auf die entsprechenden Abhandlungen von Schönbein, sowie einige spätere chemische Publikationen des Vortragenden, kurz hervorgehoben: 1) Das Verhalten des Sauerstoffs zu insolirten ätherischen Oelen, die Uebertragbarkeit des gebundenen Sauerstoffs auf Wasser und dessen allmälige feste Verbindung mit dem Mo- leküle des Oeles. 104' Notizen. 2) Das Verhalten ozonisirten Sauerstoffs gegen Guajak- harz und harzartige Stoffe in manchen , namentlich den sog^ selbstbläuenden Pilzen. "■ 3) Die lockere Verbindung von Sauerstoff mit pflanzlichen und thierischen Substanzen unter dem ozonisirenden Einfluss von Fermenten. 4) Das Verhalten des Sauerstoffs zu gewissen organischen Verbindungen bei der sog. langsamen Oxydation in erhöhter Temperatur. 5) Die vorübergehende Verbindungsweise des Ozons mit (blauem) Cyanin-Farbstoff zu farblosen Körpern. 6) Die Wirkung der flaloidsalze auf die durch Quecksilber- oxydsalze entfärbten Lösungen von Chlor, Brom und Jod. 7) Das Verhalten der löslichen Haloidsaize zu farblosen Gemischen von gelösten kaustischen Alkalien und Jod, sowie der schützende Einfluss der Haloidsaize gegen die Bindung des Jodes durch Alkalien. 8) Die Wirkungen von Chlorwasserstoff und einigen Ha- loidsalzen auf unvollständig entfärbte Gemenge von Chlor- wasser und Indigolösung, sowie auf die Bleichkraft des Chlors überhaupt. Nach Ausführung einiger an diese Erfahrungen sich an- knüpfender theoretischer Bemerkungen schloss der Vortragende in der Hoffnung, es werde auf dem besprochenen Gebiete weiter beobachtet und so neues Material zu späterer besserer Beantwortung einiger theoretisch-chemischer Fragen gewon- nen werden. 5) Herr Prof. Hermann macht einen Versuch, welcher die treue Reproduction des Geräusches eines Inductionsapparates durch das Telephon zeigt. 6) Die Herren Obertelegi'aphist Keller und Apotheker Müller- Strickler erklären ihren Austritt aus der Gesellschaft. C. Sitzung vom 11. Februar 1878. 1) Herr Bibliothekar Dr. Horner legt folgende seit der letzten Sitzung neu eingegangenen Bücher vor : Notizen. 105 A. Geschenke. Von den HH. Prof. Siebold u. Kölliker in Würzburg. Zeitschrift f. wissensch. Zool. XXX. 2. Von dem Eidg. Baudepartement. Rapport mensuel sur les travaux du St-Gothard. 60. B. Durch Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Verhandlungen des naturhist. Vereins d. Preuss. Rheinlande. xxxni. 2. XXXIV. 1. H a y d e n , F. V. Report of the U. S. geol. survey of the territories. Vol. XL H a y d e n , F. V. Ninth annual report of the ü. S. geolog. and geogr. survey. 1875. Miscellaneous publications. Nr. 8. Furbeaving animals. Annual report of the board of regents of the Smithsonian In- stitution. 1876. Bulletin of the U. S. geological and geographica! survey. Vol. III. 4. Mittheilungen der naturforsch. Gesellsch. Bern. 1875 — 1877. Mittheilungen aus dem naturw. Vereine von Neuvorpommern u. Rügen. 9. Bericht des naturw. Vereins in Innsbruck. VII. 1. Zeitschrift des Ferdinandeums f. Tirol u. Vorarlberg. III. 21. Sitzungsberichte der math.-phys. Klasse der Akademie der Wissensch. zu München. 1877. 2. C. Von Redactionen. • Naturforscher. 1875. 4. 5. Berichte d. deutsch, ehem. Gesellsch. 1878. 1. Technische Blätter. IX. 4. D. Anschaffungen. W i 1 d , J. J. Thalassa. 8 London 1877. Annalen der Chemie. Bd. 190. 3. 2) Herr Dr. Asper wird einstimmig als ordentliches Mit- glied der Gesellschaft aufgenommen. 3) Die Regierung von Zürich ei'klärt sich bereit, unserer 106 Notizen. Gesellschaft zunächst für das Jahr 1878 den sehr verdankens- werthen Beitrag von 500 Franken zu geben. 4) Herr Prof. Hermann hält einen Vortrag „über den muskulären Aktionsstrom der menschlichen Muskeln". Alle früheren Versuche litten an dem Fehler, dass nach bestän- digen (tetanischen) Aktionsströmen gesucht wurde, welche durch ebenfalls beständige Nebenwirkungen (der Haut etc.) sehr gestört werden. Dagegen gelang es dem Vortragenden durch Rheotanversuche den phasischen Aktionsstrom am Vorderarm mit voller Sicherheit festzustellen. Das Resultat ist folgendes : Nach jeder Reizung des Armnerven verhält sich zuerst die Nei'veneintrittsstelle des Muskels negativ gegen dessen beide Enden, dann die beiden Enden negativ gegen jene. Es läuft also eine negative Erregungswelle über den Muskel ab. Die Geschwindigkeit derselben ergab sich zu 10 bis 13 Meter per Sekunde. Von grösster Wichtigkeit aber ist die Feststellung, dass die Intensität der Welle im ganz normalen Muskel beim Ablauf nicht wie beim ausgeschnitte- n8n Froschmuskel abnimmt. Jene Abnahme ist eine Absterbe- erscheinung. Durch heftige, ermüdende Reizung kommt sie auch beim Menschen zu Stande. Diese Versuche beweisen zugleich unmittelbar, dass der nach du Bois-Reymond bei willkürlicher Anspannung eines Armes oder Beines aufti*e- tende aufsteigende Strom kein muskulärer Aktionsstrom sein kann; denn bei normalem Ablauf der Erregungswellen er- reichen alle Theile eines Muskels einen gleichen mittlei-en galvanischen Zustand, weil die Welle beim Ablauf ihre Grösse behält. 5) Herr Prof. Karl Mayer hält den oben (pag. 74 u. f.) in extenso mitgetheilten Vortrag über Ligurien. D. Sitzung vom 25. Februar 1878. 1) Herr Bibliothekar Dr. Horner legt folgende seit der letzten Sitzung neu eingegangenen Bücher vor : A. Geschenke. Von dem Bureau geologique von Schweden, Carte geologique de la Suede. Feuille 57—62. Notizen, 107 Von Hrn. Prof. Plantamour in Genf. Plantamour, E. Recherches sur le mouvement simultane d'un iDcndule et de ses supports. 4 Geneve 1878. Von der Kommission f. d. Hallerfeier in Bern. Katalog der Haller-Ausstellung 11.— 13. Dez. 1878. Von Hrn. Prof. Dr. R. Wolf. Wolf. Astronomische Mittheilungen. 45. B. In Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Stettiner entomologische Zeitung. 1878. 1—6. Bulletin de la soc. I. des naturalistes de Moscou. 1877. 3. Monatsberichte der Akademie d. W. zu Berlin. 1877. Nov. Atti della R. accademia dei Lincei. Serie terza. Transunti. Vol. II. 1. 2. Rigaische Industrie-Zeitung, Beil. za Nr. 24 u. Jhrg. IV. 1. Verhandlungen der naturforsch. Gesellsch. in Basel. VI. 3. Transactions of the Connecticut academy, IV. 1. Verhandlungen des naturf. Vereins in Brunn. XV. 1, 2. Acta horti Petropolitani. T. V. 1. Bulletin de la societe math. de France. Tom. VI. 2. Abhandlungen d. naturhist. Gesellsch. zu Nürnberg. Bd. VI. C. Von Redactionen. Naturforscher. 1878. 6. 7. D. Anschaffungen. Journal des Museum Godeffroy. Heft XIII. Memoires de l'academie des sciences de l'institut de France. T. XXXIX. Figuier, L. L'annee scientifique. T. 21. 2) Herr Dr. med. Vogler, ehemals in Wetzikon, jetzt in Schaifhausen , erklärt in Folge dieses Umzugs seinen Aus- tritt aus der Gesellschaft. 3) Herr Prof. Culmann hält einen Vortrag „über die Ein- führung einheitlicher algebraischer Zeichen bei wissenschaft- lich-technischen Untersuchungen". 108 Notizen. 4) Herr Dr. Baltzer macht eine Mittheilung „über die Marmorvorkommnisse am Nordrand der Centralmasse des Finsteraarhorns". Längs der ganzen Nordgrenze der Central- masse des IPinsteraarhorn treten Marmorlager auf, die der Vortragende in den letzten 4 Jahren bei G-elegenheit seiner Aufnahmen für Blatt XIII der geologischen Karte der Schweiz näher untersucht und verfolgt hat. Er stellte sich dabei die Aufgabe, das Material dieser Marmore, ihre Lagerungsver- hältnisse, Vertheilung und ihre muthmassliche Entstehungs- weise zu studiren. Besonders war zu prüfen, ob diese Mar- more als umgewandelter oberer Jura zu betrachten seien und wenn dies der Fall, welche Kräfte die Umwandlung hervor- gebracht haben. — Der Vortragende unterscheidet drei Mar- morarten : 1) Weisse und graue, regelmässige Einlagerungen bildende. (Neue Lagerstätten : Schönalphorn, Lager beim lau- teren See, Dossenhorn und Brandegg). 2) Bunte Marmor- schiefer, mit bunten, talkig-thonigen Zwischenlagen. (Neue Fundorte: ürbachthal, Erstfelderthal , Gstellihorn, Krähen- bühl). 3) Schön bunt gefleckte Marmorbreccien, vorwaltend dem Berneroberland angehörig. Eine solche wurde am untern Grindelwaldgletscher, wie Grüner berichtet, noch 1760 ausge- beutet, verschwand in den Siebenzigerjahren unter dem vor- rückenden Gletscher und gerieth in Vergessenheit. Da kamen 1865 in Folge des grossen -Rückzuges der Gletscher behauend und gezeichnete Marmorblöcke und ein ganzes Marmorlager nach fast hundertjähriger Eisbedeckung wieder zum Vor- schein. Man hat den Grindelwaldner Marmor zu Grabsteinen, Tisch- und Kaminplatten und Consolen verwendet. Ein neues, ähnliches Vorkommen ist das von Seitenwängen bei der gros- sen Scheidegg. In den Hypothesen über Marmorbildung spie- gelt sich der ganze Entwicklungsgang der Geologie ; der Vor- tragende gibt eine kurze üebersicht derselben und hebt be- sonders diejenige Anschauung hervor, wonach dichter Kalk durch Berührung mit Eruptivgestein in körnig-krystallini- schen Marmor übergeht. Dana betonte 1843 ins Besondere noch, dass die Wärme des Eruptivgesteins eines Vehikels be- dürfe, um auf den Kalk einzuwirken, und fand diesen in den Eruptivwassern, welch' letztere demnach unter erhöhtem Notizen 109 Druck die Umwandlung hervorbrachten. Es fragt sich nun, ob diese für viele Fälle richtige und weit verbreitete Ansicht auch die hier besprochenen Marmore zu erklären vermag. — Da der Marmor nicht selten Begleiter des Kontaktes von kry- stallinischem und Sedimentgestein ist, so setzten schon Escher und Studer ihn in Beziehung zum benachbarten Gneissgranit und fassten ihn als umgewandelten Hochgebirgskalk (oberer Jura) auf. Da letzterer Forscher diesen Gneissgranit als teig- artig-eruptiv emporgedrungen betrachtet, so schien es die Hitze desselben zu sein, welche die Umwandlung bewirkt hätte. Es scheint nun, dass letztere Ursache der Marmorisi- rung für die besprochenen Marmore nicht angenommen zu werden braucht, oder mindestens zur Erklärung nicht aus- reicht. — Folgenden geognostischen Thatsachen muss von der Theorie Rechnung getragen werden: Marmorbreccien und bunte Marmorschiefer sind durch petrographische Uebergänge mit dem obern Jura verbunden. Zum Beleg weist der Vor- tragende 2 Reihen solcher Uebergänge vor. Instruktiv für die Erklärung der Marmorbreccien ist unter anderm eine noch wenig verwandelte Oberjurakalkbreccie am Nordabsturz des Titlis, deren Bruchstücke durch Kalkspath cementirt sind. Solche Breccien entstanden durch Zerquetschung und Zer- splitterung tbonfreier, brüchiger Kalklagen ; die Trümmer wurden später durch ein Cement fest mit einander verbunden und umgewandelt. Auch das Cement selbst erlitt gewöhnlich eine Metamorphose. Ferner finden sich die deutlichsten Ueber- gänge aus Versteinerungen führenden Kalklagen in wirk- lichen Marmor. — Es sind aber die Marmorvorkommnisse keineswegs ausschliesslich an den Contakt von Gneiss und Sediment gebunden. Im Gegentheil kommen sie in grösserer Zahl an der äussern Grenze des obern gegen den mittlem Jura und zum Theil sogar mitten im obern Jui*a vor. Diese Thatsache gestattet nicht den teigartig-eruptiven Gneissgra- nit im Sinne von Studer oder Dana als Ursache der Umwand- lung zu betrachten, denn dann müssten sich die petro- graphisch identischen Marmorvorkommnisse auf die Gneiss- kalkgränze beschränken. — Denkt man sich nun den durch Erosion getrennten Zusammenhang der Schichten wieder her- 110 Notizen. gestellt, so kommt man zu dei- Ei'kenntniss, dass die Marmor- bildung in der Tiefe stattgefunden hat, wo Druck anzunehmen ist und die Kohlensäure (bei Annahme hoher Temperatur) nicht immer entweichen konnte. — Oft (wiewohl nicht aus- nahmslos) stellt sich die Marmorisirung dort ein, wo die Schichten stark gefaltet und die Contaktlinie besonders auf- fallende ündulationen zeigt (Gstellihoi'n). Sie zeigt sich fer- ner dort, wo die Kalkschichten am Ende der C-förmig um- gebogenen Kalkkeile sich ausspitzen und geringe Mächtigkeit haben (Dossenhorn, Pfaffenkopf etc.). — Im Ganzen ist doch der Marmor nicht allzuhäufig. Hätte Bischofs Theorie der Umkrystallisation sedimentärer Kalke durch kohlensäurehal- tiges Wasser bei gewöhnlicher Temperatur (wie solche bei der Eildung der Kalkspathadern der Gesteine stattfindet) die beanspruchte allgemeine Gültigkeit, so müsste, da Wasser fast überall zirkulirt, die Erscheinung der Marmorbildung hier viel häufiger vorkommen, — Auf obige Thatsachen ge- stützt, schlägt der Vortragende eine mechanische Hypo- these für die Entstehung der Marmorarten vor. Man weiss, welch grossartige Faltungsprozesse in Folge von Seitendruck bei der Hebung der Alpen stattfanden. Durch, sie wurden die Schichten in der ausserordentlichsten Weise gebogen, ge- knickt, überstürzt. In diesem Druck erhalten wir eine Kraft allgemeiner Art, welche Marmor bildend wirkte. Mar- morlager bedeuten Stellen stärkeren Druckes, die Bildung fand in der Tiefe , also selbstverständlich unter Belastung statt. Die ßolle, welche eine gewisse Temperaturerhöhung dabei spielte, lässt sich nicht näher definiren. Möglich, dass der Druck allein schon Marmor erzeugte. — Die thonig-kal- kigen Zwischenlagen der bunten Marmorschiefer und die Zwi- schensubstanzen der Marmorbreccien tragen das Gepräge der chemischen Umwandlung. Dies ruft einer Mitwirkung des oberflächlichen Wassers, der Bergfeuchtigkeit und besonders des aus der Tiefe emporsteigenden Wassers. Dadurch wurden Substanzen zugeführt, die aber wohl nur bei einer, wenn auch geringen Temperaturerhöhung jene ungewöhnlichen Me- tamorphosen hervorbringen konnten. Diese Temperaturerhöh- ung stammt aber zum Unterschied von Dana's Anschauung nicht von der Erhitzung durch Eruptivgestein her, sondern Notizen. 111 kann hier der Friktionswärme und innern Erdwärme zuge- schrieben werden. — Sowie die Geologie den Boden der geo- gnostischen Beobachtung verlässt und tiefere genetische Fra- gen zu lösen versucht, büsst sie den exakten Charakter mehr oder weniger ein. Obgleich daher die obige Hypothese die er- mittelten lokalen Thatsachen besser erklärt als es die andern Anschauungen thun, so kann sie doch nicht als abschliessende Theorie gelten. Denn bei der Entstehung der fraglichen Mar- more haben gewiss mehrere Ursachen und lokale Umstände mitgewirkt, die sich weder genau übersehen noch einzeln kontroliren lassen. Indem einzelne derselben fehlten oder ge- wisse der Marmorisirung ungünstige Umstände ihnen das Gegengewicht hielten, trat die Marmorbildung nicht ein, wo man sie theoretisch erwarten könnte. — Man würde sich näm- lich täuschen, wenn man "nun in jeder Falte der Contaktlinie oder überall, wo die Belastung eine grosse war, Marmor an- nehmen wollte. So ist die Marmorbildung im Roththalprofil der Jungfrau eine auffallend geringe und nicht jedes Keilende ist in Marmor verwandelt. Ausserdem soll auch die Mög- lichkeit nicht geleugnet werden , dass einzelne Marmorvor- kommnisse der Finsteraarhorngruppe primäre Sedimente seien oder sich durch Umwandlung bei gewöhnlicher Temperatur auf nassem Wege gebildet haben könnten. Doch spielen je- denfalls diese Bildungsweisen neben der oben angeführten eine untergeordnete Rolle. — Fassen wir kurz die gewonnenen Resultate zusammen. Eine Reihe neuer Marmorvorkomm- nisse, zum Theil von bedeutenden Dimensionen, konnte auf der Karte verzeichnet werden. Dieselben sind meist umge- wandelter dichter oder äusserst feinkörniger oberer Jurakalk, welcher in krystallinischen Marmor überging. Aber nicht durch Eruptivgestein (weder direkt noch indirekt) erfolgte die Umwandlung, auch nur selten durch kohlensäurehaltiges Wasser von gewöhnlicher Temperatur. Vielmehr ist es wahr- scheinlicher, dass sie mechanisch durch Druck bei der Biegung und Auswalzung der belasteten Kalkschichten her- vorgebracht wurde. Als weitere Faktoren wirkten eine ge- wisse massige Temperaturerhöhung (Eigenwärme und Frik- tionswärme des Gesteins) , sowie Wasser von wahrscheinlich etwas erhöhter Temperatur mit. 112 Notizen. E. Sitzung vom 11. März 1878, 1) Herr Bibliothekar Dr. Homer legt folgende seit der letzten Sitzung neu eingegangenen Bücher vor : A. G-eschenke. Von der Gesellschaft „Natura artis magistra". Linnseana in Nederland. 10. Jan. 1878. 8 Amsterdam. Oudemans. Eede ter herdenkening van de sterfdag of Linnseus. 8 Amsterdam 1878. Von Hrn. Prof. E. Schär. W e d e 1 1 , St. A. TJebersicht der Cinchonen. 8 Schaffhausen. 1871. Hagenbach, E. Christian F. Schönbein. 4 Basel 1878. Von der Redaction der Alpenpost, Neue Alpenpost. Bd. VII. 4 Zürich 1878. Von Hrn. L. Struckmann in Hannover. S t r u c k m a n n , L. üeber die Fauna d. untern Korallen- Ooliths, unweit Hannover. 1877. B. In Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Memoires de la societe des sciences physiques et naturelles de Bordeaus. T. IL 2. Annuario della soc. dei Naturalisti in Modena. Anno XL Fase. 3, 4. Proceedings of the London mathemat. soc. 122. 123. Verhandlungen des naturwissensch. Vereins v. Hamburg-Al- tona. N. S. I. Comptes rendus de la sociöte entomologique. Serie II, 21 — 25. Rigaische Industrie-Zeitung. 1878. 2. Processi verbali della societä Toscana di scienze naturali. Geu- naio 13. 1878. C. Von Redactionen. Der Naturforscher. 1878. 8. 9. D. Anschaffungen. Memoires de la societe royale des sciences de Liöge. Serie IL T, IV et VI. Notizen. 113 2) Herr Prof. Hermann maclit einige Mittheilungen über neue Untersuchungen, welche die Ströme der Froschhaut be- treffen. Bei der Erregung der Hautnerven erleidet der von innen nach aussen gerichtete Strom nicht, wie frühere Be- obachter angeben, eine Schwächung (welche in die damaligen theoretischen Anschauungen der Präexistenzlehre gut zu pas- sen schienen), sondern im Gegentheil eine Verstärkung, eine positive Schwankung, welcher nur an gewissen Hautstellen eine weit schwächere negative Schwankung als Vorschlag vorangeht. Es ist vor der Hand das Wahrscheinlichste, dass die negative Schwankung den Secretionsstrom einer besondem Hautdrüsengattung darstellt, welche in sehr ungleicher Weise vertheilt ist, und vielleicht nach Thiergattung, Jahreszeit etc. variirt, während die positive Schwankung den überall gleich- massig vertheilten kleinsten Drüsen angehört. Der Ruhestrom ist möglicherweise der beständige Secretionsstrom dieser Drüsen. Der Vortragende erwartete nun einen analogen Secretionsstrom auch in der Haut der Warmblüter zu finden, und diese Vermuthung bestätigte sich auf das Schönste in Versuchen, welche er in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Luch- singer an Katzen anstellte. Jede Erregung der Hautnerven bewirkt einen in der Haut von aussen nach innen gerichteten Strom, der durch das secretionslähmende Atropin beseitigt wird. Zweifellos ist dieser Strom auch, wie der Vortragende schon früher vermuthet hat, die wahre Ursache der electro- motorischen Erscheinungen bei einseitigen Anspannungen menschlicher Glieder, welche Dubois-ßeymond auf muskuläre Actionsströme bezogen hatte (letztere Deutung war durch die neuen Untersuchungen des Vortragenden schon widerlegt) und es klären sich eine grosse Anzahl von Erscheinungen, auch von gewissen früheren Misserfolgen einzelner Beobach- ter, in vollkommenster Weise auf. 3) Herr Dr. C Keller weist eine Anzahl lebender Meeres- thiere aus dem adriatischen Meere vor. Dieselben machten die Reise von Triest nach Zürich in Glasgefässen mit natür- lichem Meerwasser ohne Schaden. Es waren zunächst einige grosse See- Anemonen (Sagai'tia troglodjtes), über deren ana- tomischen Bau der Vortragende referirte. Sodann ein ent- XILIII. 1. 8 114 Notizen. fernter Angehöriger derselben, der ziemlich seltene Cereanthus,. der in besondern Höhlen lebt und auf seiner Körperfläche während der Reise eine coconähnliche Hülle ausschied. E ben- falls lebend wurden eine Anzahl Bohrmuscheln (Lithodomus) vorgewiesen nebst einem grossen Stück Kalkfels, der nach allen Richtungen von diesen Thieren durchbohrt war. Ob diese Bohrarbeit auf mechanischem oder chemischem Wege geschieht, ist noch immer nicht mit genügender Sicherheit festgestellt. Herr Keller suchte mit diesen lebend vorgeführten marinen Organismen den Nachweis zu führen, dass seit Er- richtung zoologischer Beobachtungsstationen an den europä- ischen Meeresküsten man auch im Binnenlande für wissen- schaftliche Institute und für öffentliche Bildungszwecke über- haupt leicht in den Besitz lebender mariner Organismen gelangen kann und betonte im Fernern, dass statt des Projectes eines zoologischen Gartens die Erstellung eines marinen Aqua- riums in Zürich weit wünschenswerther wäre- 4) Die Herren Dr. Keller und Prof Schär bringen hieran knüpfend die Bildung eines maritimen Aquariums in Anregung. 5) Zum Schluss unterhielt Herr Photograph Ganz die Ge- sellschaft durch Vorweisung einer Auswahl von Projections- bildern für den Anschauungsunterricht mittelst seines Pina- koskopes. ' [A. Weilenmann]. Dfotizen zur Schweiz. Knlturgesclüclite. (Fortsetzung.) 269. (Forts.) H. W. Brandes an Horner, Breslau 1819 VIII 31. (Forts.) Sollte dir nach der Michaelismesse mein alsdann erscheinendes Buch über Gegenstände der Meteo- rologie in die Hände fallen, so bitte ich dich doch über die dort von Barometer-Beobachtungen, — Beobachtungen auf Bergen u. s. w. — vorkommenden Bemerkungen und Fragen etwas nachzudenken und mir Anmerkungen eines Alpen- bewohners hierüber, über Wolkenbeobachtungen etc. mitzu- theilen. Mir scheint es immer als müsste man in der Schweitz, Notizen. 115 wo man doch gewiss oft auf den Bergen (wenn auch oft zwischen den Bergen) lebt, ungleich mehr von der Meteorologie wissen, als wir arme Bewohner der Ebene wissen können. — Wenn du Zeit und Neigung hast, so schreibe mir doch ; vor allem aber schenke auch du der Meteorologie, die so ganz im Argen liegt und in schlechten Händen ist, gelegentlich ein Jahr Deines Fleisses, damit doch ein und andrer Stein des grossen Baues zusammengeordnet werde. Homer an Trechsel, Zürich 1819 XI 7. Wir (Herr Pestalutz und ich) sind nur durch das schlechte Wetter des Okto- bers in unsern geodätischen Arbeiten unterbrochen worden ; es fehlen uns noch die Winkel am Lägerberge. Wann die Signale nur noch ein paar Wochen lang halten, so hoffen wir mit Prof. Huber's Dreyecken angeknüpft zu haben. Im nächsten Früh- jahr soll wieder ein Signal auf dem ßigi entstehen, und dann wollen wir mit Ihren Dreyecken Bekanntschaft machen. — Noch muss ich Sie sehr um Nachsicht bitten, dass wir Ihr Metre so lange zurückbehalten. Unser Mechanicus Ori ist, wie alle, immer mit Nebensachen beschäftigt; das Wissen- schaftliche muss zurückstehen. Horner an Krusenstern, Zürich 1820 120. Gautier hat allerdings Recht, wenn er die Bedingung des guten Er- folgs schwierig findet*). Wenn ich auch hoffen darf, dass meine Frau nach und nach jener grossen Schwäche entrinne, die ihren Zustand bei jedem neuen Zufall lebensgefährlich macht, so kann ich nie daran denken, länger als höchstens 6 Wochen abwesend zu sein. Ich habe in zwey Collegien, in dem einen wöchentlich 7, in dem andern 4 Stunden Unterricht zu geben ; im erstem befinden sich 58, im letztern 30 Studen- ten. Dabey sind es nicht freyTvillige , sondern gesetzliche Vorlesungen, die für mich, wie für die Studirenden obligato- risch sind. Wegen der früheren Vernachlässigung der mathe- matischen Studien findet sich zur Zeit hier Niemand, der meine *) Bezieht sich auf die von Maurice ausgesprochene Meinung, dass es für das Zustandekommen einer französischen Ausgabe von Krusenstern's Eeise absolut nothwendig wäre, dass Horner die Sache in Paris persönlich betreiben und sogar leiten würde. 116 Notizen. Stelle vertreten könnte; sonst hätte ich schon lange einen Theil wenigstens abgegeben, da das Dociren meiner Brust beschwerlich wird. Zudem sind unsere Lectionen im Jahr so vertheilt, dass sie vom neuen Jahre bis Mitte July beinahe ununterbrochen fortlaufen (es sind zwischenein nur wenige Tage um Ostern frey), währenddem das zweite Halbjahr be- trächtliche Lücken und Perientage zulässt. Es wäre mir also auf jeden Fall unmöglich vor der Mitte Juny's (wenn ich auch die Lectionen eines Monats allenfalls später nachzuholen suchte) hinwegzukommen. — Was mir nun nach den Um- ständen zu thun scheint, ist Folgendes : Ich schreibe dem Buchhändler Gide Fils in Paris, trage ihm das Werk nach den vorgeschlagenen Reductionen gratis an, erwähne ihm die zu machenden Schritte beim Seeminister und verweise ihn an Hrn. Maurice. Sollte ich es nicht wagen dürfen ihm zu schreiben, dass Sie sieh in Russland verwenden werden, damit auch der Russische Kaiser eine gute Anzahl Exemplare über- nehme ? Dann würde ich, im Falle der Verleger sich gefunden hätte, trachten im July 1820 nach Paris zu kommen, und mit demselben die Besorgung der Ausgabe Jemandem zu übergeben suchen. Sollten Sie selbst die Reise nach Paris machen kön- nen, so gäbe das ein herrliches Rendez-vous. Natürlich muss ich bey diesem Versprechen die /göttliche Zulassung vorbehal- ten, da mich eine traurige Erfahi'ung belehrt hat, dass man nicht so unbedingt versprechen kann. Doch hoffe ich das Beste. Horner an Krusenstern, Zürich 1820 IV 12. Ich habe den Versuch gemacht an den Buchhändler Gide Fils zu schreiben und der hat die Sache sogleich angenommen. Frey- lich durfte ich unter solchen Umständen keinen Preis machen, da die frühern Verleger gar nichts von der Sache wissen wollten. Ich begnügte mich 12 Exemplare der französischen Ausgabe zu fordern . . . Ich werde dem Himmel danken, wenn diese Angelegenheit deren Misslingen mir sehr ent- muthigend war, und die mir ein schweres Kreutz, nemlich das Abfassen französischer Briefe, zu denen ich sehr unbeholfen bin, auferlegte, einmal in Ordnung ist. — Prof. Gilbert hat unsere Beobachtungen über die Saltzigkeit und über die Tem- Notizen. 117 peratur des Meerwassers mit denen, welclie bei den Eeisen nach dem Nordpol angestellt wurden, zusammengestellt. Es ergibt sich, dass sie an Zuverlässigkeit und Vollständigkeit die Neuern übertreffen. Ich sehe wohl, dass eine Instruction zur Anstellung physikalischer Beobachtungen zur See noch immer ein Bedürfniss ist, da dieser Theil nicht in den Unter- richt der Seeleute aufgenommen wird. Könnte ich nur vor anderweitigen Arbeiten, die mir noch auf dem Halse liegen, Zeit gewinnen ein solches Werk auszuarbeiten! Komme ich einmal dazu, so kann es geschwinde gehen, da ich die Materien vollständig im Kopfe habe. — In Gilbert's Annalen habe ich die Beschreibung eines Messtisches (ohne Stativ) gegeben, welcher für leichte Aufnahmen den Militärs sich empfehlen sollte. Herrn v. Zach schicke ich die Beschreibung eines neuen Logs zu. Es ist ein kleiner Wegmesser nur mit zwey Rädern, den man am Schiffe nachschleppt. Er gibt jedoch eine Länge von nahe 100000 Füssen an. An der Schmalkalder- Boussole habe ich eine kleine Verbesserung angebracht, die darin besteht, dass eine Hülse um die Gnomonspitze die Nadel beständig von der Spitze abhebt, so dass sie nur im Moment des Beobachtens durch einen leichten Druck des Fingers an einem Hebel auf die Spitze zu liegen kömmt. — Meine Frau, die diesen Winter sich leidlich befand, ist seit 272 Monaten wieder ins Bett gebannt. Das ist auch für mich nieder- schlagend, dabei zeitraubend und wegen Mangel an der nöthi- gen körperlichen Zerstreuung meiner Gesundheit nachtheilig. Die Zeit wird, hoffe ich. Besseres bringen. Mögen Sie mit den Ihrigen sich stets wohl befinden! Homer an Krusenstern, Zürich 1820 VII 13. Ich begreife die Rücksichten, die Ihnen eine bessere Anerkennung zum Bedürfniss machen, und ich theile die unangenehmen Ge- fühle, die Sie bey einem solchen Kampfe, der Ihrer Bescheiden- heit sowie Ihrem Hang zur philosophischen Ruhe ganz entgegen ist, empfinden müssen.*) Nur getrost ! Ehrlich währt am läng- *) Es geht aus diesem Briefe, und überhaupt aus der ganzen Correspondenz hervor, dass Krusenstern unter den höheren Marine- officieren viele Neider und Gegner hatte. 118 Notizen. sten. Personen von so unfreundlicher Denkungsart wie Ihre Geg- ner können auch nicht sonderliche Freude haben und das Zusam- menhalten solcher Herren währt nicht länger als der Vortheil, den der eine oder andere dabey findet. Ich habe schon manche Hundsfötterey zerfallen sehen, und heutzutage ist die Nemesis oben auf. — Bey alle den Beeinträchtigungen, die Sie erleiden müssen, können Sie, glaube ich, denn doch auf das persönliche Wohlwollen des Kaisers zählen. Denn das ist eine seiner vor- trefflichen Eigenschaften, in dem einmal geschenkten Ver- trauen sich nicht abwendig machen zu lassen. Bey seiner Bereitwilligkeit 'alle guten Endzwecke zu unterstützen, muss ich es um so mehr bedauern, für meine Expedition nach dem Südhimmel einen so nachlässigen Verwender wie N. gehabt zu haben. Es wird • nun in Abo eine Sternwarte errichtet, welche mit derjenigen, die England am Cap aufstellen wird, zusammenarbeiten soll. Von der Astron. Gesellschaft, welche in England unter Lord Sommersets Vorsitz sich gebildet hat, werden Sie schon wissen. — Wie glücklich wäre auch ich, wenn es Ihnen vergönnt wäre zu uns in die Schweiz zu kommen. Da ist doch Freyheit, Gutmüthigkeit, Ehrlichkeit, Naturgenuss und wissenschaftliches Treiben so viel als irgend- wo in der Welt. Es würde Ihnen gewiss bey uns gefallen. — Mit der Gesundheit meiner Frau geht es etwas besser. Zach hat mir sehr angelegen ihn in Genua zu besuchen. Ich werde es bis übers Jahr verschieben müssen; sonst würde es mich sehr freuen diesen alten lieben Freund einmal wieder zu sehen. W. Struve an Homer, München 1820 VIII 29. Es thut mir sehr leid Ihnen so nahe zu sein, und doch nicht das Vergnügen haben zu können Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, die hohen Alpen nur aus der Ferne begrüssen zu können. Eine wissenschaftliche Reise hat mich von Dorpat bis hieher gebracht. Ich habe Hamburg, Göttingen, Gotha besucht, befinde mich jetzt hier um die neue Sternwarte kennen zu lernen, die herrlichen mechanischen Anstalten von Reichenbach und von Liebherr, die optischen des vortrefflichen Frauenhofer, auch um bei Reichenbach die Vollendung des seit längerer Zei,t bestellten Meridiankreises für Dorpat Notizen. 119 möglichst zu befördern, endlich um ein neues Instrument zu einer mir übertragenen Arbeit geodätisch astronomischer Art zu bestellen. Diess ist nemlich eine Breitengradmessung vom 56 Breitengrade an durch Curland, Liv- und Estland über den Finnischen Meerbusen nach Pinnland, so weit hinein als die Natur es zulässt. Mit dieser Breitengradmessung soll eine Längenmessung unter dem 60. Breitengrad auf dem Parallel von Petersburg verbunden werden. Die Ausführung dieser Arbeit ist dem Aboer Astronomen Herrn Dr. Walbeck und mir übei'tragen worden. — Ich benutze die Gelegenheit Ihnen von so nahe her durch die Post ein Exemplar des 2. Bandes Dorpaterbeobachtungen zu übersenden. Auch diesen Band hat das Universitäts-Conseil auf seine Kosten drucken lassen, und die Exemplare zur Vertheilung an die Astronomen und Sternwai-ten bestimmt. Ich hoffe dass die den Originalbe- obachtungen angefügten Reductionen über Doppelsterne, Parallaxe und Aberrationsconstante von nicht geringem Inter- esse für die Astronomen sein werden. — Von Hrn. Ertel, dem Associe von Reichenbach, habe ich Hoffnung zur baldigen Vollendung des Meridiankreises erhalten. Nach dem was diese Instrumente in Königsberg, Gröttingen und hier leisten, sehe ich ein, dass sie in jeder Rücksicht den Forderungen, die die Wissenschaft an sie machen kann, entsprechen. Auch einen Theil der zur Gradmessung nöthigen Instrumente er- halte ich bis zum nächsten Frühling, so dass die Messungen im Sommer beginnen werden. Es wird jetzt in Russland noch eine Sternwarte erbaut werden, in der Krimm. Ein Schüler von mir, HerrKnorre, kommt als Astronom dorthin, und soll zugleich Lehrer der Nautischen Astronomie für die Steuer- leute der k. Flotte sein. — Von hier gehen wir, nämlich Prof. Walbeck, der die ganze Reise mit mir macht, und ich, nach Holstein, um bey der Messung der Grundlinie für die Dänische Gradmessung gegenwärtig zu sein, die Schumacher im September vornimmt. Auch Herr Hofrath Gauss wird sich dort einstellen, sowie vielleicht Prof. Nicolai aus Mannheim. Krusenstern an Homer, Ass 1820 IX 14. Ich habe das sehr unverdiente Compliment gelesen, das Zach und Sie mir über meine Hydrographie gemacht haben. So sehr ich 120 Notizen. es fühle, dass Sie zu günstig geurtheilt haben, so ist es mir doch unendlich schmeichelhaft von solchen Männern gelobt zu werden. Ich möchte ihm gerne einen Aufsatz für seine Correspondanee französisch schicken, nämlich eine Analyse der Kotzebue'schen Entdeckungen, die einen eigenen Aufsatz in Kotzebue's drittem Bande ausmacht. Nicht nur die wenigen Personen die jin Russland über Seecharten sprechen wollen, behaupten, dass die von K. entdeckten Inseln schon fi-üher entdeckt waren, sondern auch K. eigener Reisegefährte Worms- kold schickt mir ein Blatt durch Löwenörn, zu beweisen dass die Kutusoff Inseln die Percedores sein müssten. In P. hat Jemand gesagt, die von Kotzebue entdeckten Inseln wären zu klein und zu unbedeutend als dass sie die Engländer hätten entdecken wollen. Es ist doch gut wenn Unwissenheit mit Unsinn gepaart ist. Ich habe also jede einzelne Entdeckung discutirt und gezeigt was neu und was nicht neu ist, um Jeden in Stand zu setzen ein Urtheil über den armen K. zu fällen. Scherer an Homer, St Gallen 1821 III 30. Unser Freund Feer hat mir geschrieben, dass Sie gerade beschäftigt waren, eine Tafel zu berechnen (nach Littrow's Formeln), wo- Toit man bei jeder Höhe und jedem Stundenwinkel des Polar- sternes mittelst einer beobachteten Zenithdistanz die Polhöhe herleiten könne. Wenn Sie ^mi^ dieser Tafel fertig sind, so bitte ich Sie inständig mir eine Kopie davon besorgen zu lassen, denn eine solche Tafel wird einen ganz besondern Werth für mich haben, und ich gedenke sie gleich diesen Sommer in Ober-Kastel zu gebrauchen, — Die Idee eine Reise in Ihrer Gesellschaft nach Genua zu machen und dort 14 Tage ä 3 Wochen bey dem Baron von Zach ganz der Astronomie gewidmet zu verleben, hätte einen solchen Reiz für mich, dass ich nur mit einem tiefen Seufzer Ihnen ein Nein aussprechen kann; möchten mir meine Verhältnisse eine solche Freude gestatten ! Buzengeiger an Homer, Tübingen 1821 VI 18 Ich habe endlich das Vergnügen Ihnen hiemit die Seconden- zähler zu übersenden, und hoffe sie werden dem Endzweck und Ihrer Erwartung vollkommen entsprechen. Sie haben Notizen. 121 freie Hemmung nach Emery, Compensations-Unruhe , gehen über 24 Stunden und wärend dem Aufziehen fort, sind aber nur in den ersten 6 — 8 Stunden nach dem Aufziehen sehr nahe auf mittlere Zeit regulirt. Vor dem Gebrauch ist es also am Besten sie etwa 2 Stunden vorher aufzuziehen, wo sie sodann einige Stunden lang die Zeit genau halten werden ; aber auch nach dieser Zeit werden Sie finden, dass sie immer noch sehr genau Zeit halten, und das wenige Zurückbleiben der Zeit mit der Kraftabnahme der Feder sehr regulär und im Verhältniss ist. Regulirt wird die Uhr, auch wie bei den Chronometern, mittelst der Schraubenmassen der Unruhe. Die Regulation der Compensation konnte ich nicht vollenden, so viel ich mir auch Mühe gegeben habe, weil es mir am Ende an anhaltender Kälte fehlte, und überhaupt da sehr lange Zeit dazu gehört, und die allerschwerste und langweiligste Arbeit und bei diesen Instrumenten doch von keiner grossen Bedeu- tung ist, da sie doch unmittelbar vor und nach dem Gebrauch zur Sicherheit mit der Pendeluhr verglichen werden. Das Angeben der geraden und ungeraden Seconden durch Ver- schiedenheit des Tons ist bei der einen besser gerahten als bei der andern, inzwischen fehlt es blos an eigentlichen guten Gläschen, die ich aber bei uns nicht bekommen konnte. Den Preis dieser Uhren setze ich zu 100 Gulden das Stück. — Die noch in Händen habende Secundenuhr bitte mir gelegentlich wieder zugehen zu lassen. Horner an Schumacher (Zürich etwa im Juni 1821).*) Ew. haben mich in Kurzem mit zwei Mittheilungen beehrt, die mir beide ungemein schätzbar sind: Erstlich mit Ihrer trefflichen Ephemeride für 1821, die ich durch Hrn. Prof. Wurm erhielt, und dann mit dem Einladungsschreiben zur Theilnahme an Ihrer neuen Zeitschrift für Astronomen. Ihre Ephemeride für 1821 füllt ein gewiss so oft empfundenes Bedürf- niss der practischen Astronomie aus, dass man einzig sich ver- wundern muss, es so spät erfüllt zu sehen. Um so grösser ist Ihr Verdienst der Erste zu seyn, welcher das, was alle wünschten, in's Werk setzte. Unsere astron. Zeitbücher, selbst ") Nach einem noch vorhandenen Concepte. 122 Notizen. die Bessern, haben eine so gemischte Tendenz, dass es unum- gänglich nothwendig wird diese verschiedenen Zwecke zu sondern, und der heutigen Astronomie solche Angaben zu liefern , die ihrer Genauigkeit entsprechend sind. Einen Wunsch kann ich bei dieser Gelegenheit nicht unterdrücken, dass es Ew. gefallen möchte, eine Sammlung der mancherley astronomischen Hülfstafeln von der permanenten Gattung zu veranstalten, wozu Ihnen theils eigene Erfahrung, theils die Ihrer gelehrten Freunde , manchen noch nicht gekannten Beytrag liefern könnte. Dahin würde z. B. von Ihrer im vorigen Jahre herausgegebenen Sammlung die Tafel zur Ver- wandlung der Sternzeit, die Tafel zur Reduction auf den Meridian, die für Aberration und Nutation und die verschie- denen neuen Eefractionstafeln gehören, für welche letztere ich dann unmaassgeblich um den alten Pariser Fuss für Baro- meter und die 80 theilige Thermometerscala ein Fürwort ein- legen möchte; ich thue diess nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil diese Maasse in Deutschland vorzüglich gebraucht sind, weil ich Ihre Unternehmung als eine deutsche betrachte, und weil es mir nicht unwesentlich scheint, dass bey den Verwendungen welche der Astronomie in England vorbereitet werden, bey der Selbstsucht, mit welcher die franz. Gelehrten den Vortheil ihrer Sprache zu einer Art von Dietatur benutzen wollen, die deutsche Nation ihren ßuhm nicht selbst in Schatten stelle, den Kaufleuten gleich, welche mit unedler Selbstverläugnung ihr eigenes besseres Fabricat mit dem Stempel von London oder Paris bezeichnen. — Ich habe zwar kein Bedenken ge- tragen, einige meiner Arbeiten in Hrn. v- Zachs französischem Journal in fremder Zunge zu geben, allein ich that das erst- lich, weil damals keine andere Zeitschrift für solche Mitthei- lungen existirte, zweitens, weil ich gegen Herrn v. Zach, den ich in zweijährigem sehr nahem Umgang bey allen Fehlem, die er haben mag. durchaus nur von der edelsten und besten Seite kennen • gelernt habe, persönlich grosse, unauslöschliche Verpflichtungen habe, — und drittens, weil ich es nicht hätte wagen dürfen, neben so gewichtigen Aufsätzen, wie Hr. V. Lindenau's Zeitschrift sie enthielt, mit meinen gei'ing- fügigen Sachen aufzutreten. Die letztere Betrachtung ist es Notizen. 123 besonders, welche mich ungemein schüchtern macht, der von Ew. erhaltenen Einladung zu folgen. Meine Schwäche in der höhern Analyse verbietet mir tiefgehende theoretische Unter- suchungen, meine Berufsgeschäfte machen mir zusammen- hängende langwierige Rechnungen unmöglich, und zu be- deutenden praktischen Arbeiten, für welche ich noch einiges Geschick hätte, fehlt es mir an hinlänglicher Ausrüstung. Da ich indessen gute Uhren und ein gutes Frauenhofer'sches Fernrohr von 4 Fuss Brennweite besitze, so hoffe ich ausser ■der Beobachtung der Sternbedeckungen und der Cometen, noch etwas für die Bestimmung der kleinen Fixsterne und Doppelsterne thun zu können, und da würde ich mir es aller- dings zu grosser Ehre rechnen die geringe Ausbeute meiner Arbeiten in Ihrer Zeitschrift niederlegen zu dürfen. Hier ist auch wieder eine, wegen schwacher Unterstützung sehr lang- sam fortschreitende Triangulation der Schweiz in Gang ge- setzt worden, deren Detail vielleicht mit der Zeit auf diesem Wege dem Publikum vorgelegt werden könnte, weil nach meiner Meinung hierinn die Publicität allein den Werth der Arbeit verbürgen kann. Ihre eigenen ausgedehnten geodäti- schen Arbeiten, von denen mir Repsold schon Verschiedenes mittheilte, werden hoffentlich die Eröffnung Ihrer Astrono- mischen Abhandlungen bilden, auf welche ich mich im Voraus freue. Dass Sie die Mittheilungen in ihrer Ursprache bekannt machen wollen, scheint mir ganz passend. Die Natio- nalität, auf welche zu halten uns unsere beydseitigen Nach- barn nöthigen, trittet dabey desto besser hervor, und wird auch die Ausländer mit dem deutschen Idiom vertrauter machen. Als man im Jahr 1807 in der Petersburger Aca- demie über die Sprache, in welcher die Abhandlungen abge- fasst werden sollten, sich berieth, fand man für gut, das Latei- nische und Französische dafür aufzunehmen, indem hoffentlich kein Academiker wäre, der diese Sprachen nicht gut inne hätte. Mit dem Lateinischen dürfte es jedoch bey Manchem schlecht bestellt gewesen sein . . . Einer meiner Freunde hatte bey Gelegenheit der Engl. Astron. Gesellschaft den Ein- fall, dass man diese gleich der Bibelgesellschaft durch Filial- anstalten und allgemeine Geldbeyträge über die ganze Welt 124 Notizen. verbreiten sollte, um dadurch eine Gasse zu bilden, aus wel- cher fleissige Beobachter mit Instrumenten versehen, müh- same Rechnungen honorirt, an wichtigen Plätzen neue Stern- . warten angelegt werden könnten u. s. w. Allein der Zweck einer astron. Gesellschaft ist denn doch nicht so einfach wie der des Bibelaustheilens. — Wenn es häusliche Verhältnisse mir nicht ganz unmöglich machen, so hoffe ich im nächsten Monat Herrn von Zach in Genua zu besuchen, den ich seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen habe. Wie sehr wünschte ich auch der Einladung unseres Freundes ßepsold folgen zu können, um Zeuge Ihrer so trefflich unterstützten, so geschickt und thätig geleiteten Arbeiten zu sein. Aber der Weg ist leider etwas weit, und so hoffe ich auf das Ver- gnügen, Sie in unserer Gegend zu sehen, wenn Sie etwa die süddeutschen und die italienischen Sternwarten und ihre Astronomen besuchen. Dies würde mich unendlich freuen. Homer an Krusenstern, Zürich 1821 IX 18. Das Andenken an meine Freunde, unter denen ich Sie, Krug und Zach obenansetze, hat mir schon manche frohe Stunde ge- macht, indem es mir ein Gefühl Innern Werthes gibt, das der Selbstliebe schmeichelt, und bey den öftern Erfahrungen meiner Unzulänglichkeit in manchen Dingen, mich tröstend erhebt. Ich habe soeben auch von Zach, den ich, der unver- änderlichen Krankheit meiner Frau wegen, diesen Sommer nicht besuchen konnte, so sprechende Aeusserungen der un- eigennützigsten Freundschaft erhalten, dass ich selbst das üebel, das mich schon so lange niederhält, für eine Quelle wohlthuender Empfindungen halten muss. Krug schreibt frey- lich nichts ; aber ich weiss, dass er nicht minder theilnehmend ist, als Sie oder Zach. — Zach fürchtet, Sie könnten vielleicht Ihre Hydrometrie nicht beendigen, weil der trotz aller Gegen- wirkungen dennoch unvermeidliche, allgemeine Krieg Sie in's Feld, d. h. zu Schiffe rufen werde. Ich glaube, das ist nicht zu besorgen; doch möchte ich gern darüber Ihre Ansicht hören. — Kotzebue's Reise ist endlich vor ein paar Wochen hier angekommen; sie gefällt mir sehr wohl und enthält recht viel Interessantes. Ich bitte ihm dafür mein Compli- ment zu machen. Schade, dass der Corrector seine Sache Notizen. 125 nicht besser gemacht hat . . . Kotzebue's einfache, anmaassungs- lose Darstellung hat mir unendlich viel besser gefallen als des Dichters Chamisso abgebissener, geschraubter und dadurch undeutlicher Styl. Krusenstern an Homer, Ass 1821, XII 31. Ich bin in Verlegenheit an Zach deutsch zu schreiben ; da er vielleicht manche Notizen aus meinem Briefe in die Corr. astron. auf- nimmt, so würde es ihm weniger Arbeit machen, wenn ich ihm französisch schriebe, das ich freilich auch nicht fehlerfrey schreiben kann, — aber das sähe zu gleicher Zeit so aus, als ob ich prätendirte meinen Brief durchaus in die Corr. aufge- nommen zu wissen, und Zach vielleicht nur die Absicht hat einen Auszug aus demselben zu liefern. — Im Jahre 1811 machte mir die Kaiserin Marie ein Cadeau mit einer mit ei- gener Hand gearbeiteten Medaille des Kaisers Paul ; der Brief, den sie mir dabey schrieb, ist so niedlich und so zart abge- fasst, dass, so schmeichelhaft er auch mir ist, er noch ehren- voller für die Gesinnungen meiner Gönnerin ist ; ich habe ihn nicht abdrucken lassen, weil ich fürchtete , man könnte es für eine Prahlerey auslegen, aber ich ich würde der Kaiserin Unrecht thun, wenn ich ihn dem Publikum länger vorent- hielte. Sollte Zach, etwa bey Gelegenheit der französischen Ausgabe meiner Eeisen, nicht diesen Brief, den er von Ihnen bekommen kann, abdrucken lassen? — Im Jahre 1815, wie der Grossfürst Nicolaus die Reise nach England antrat, so bat mich die Kaiserin einen Aufsatz über England zu machen, der dem Grossfürsten als Leitfaden zu s. Aufenthalt daselbst dienen könnte ; sie war mit meiner Arbeit ausnehmend zu- frieden, und schrieb mir einen sehr verbindlichen Brief dar- über. Ich übersende Ihnen das Memoire bei einer andern Ge- legenheit. Nach meinem Tode können Sie es drucken lassen, wenn Sie glauben, das es mir keine Schande macht. H. W. Brandes an Horner, Breslau 1822. II. 23. Du wirst mir verzeihen, dass ich mein vielleicht fast bei Dir erloschenes Andenken einmal wieder zu erneuern suche, und nachdem ich anscheinend seit Jahren keinen Theil an Deinem Wohlergehen genommen habe, mich jetzt an Dich wende, da es eine meteorologische Frage gilt. Indess vergessen habe 126 Notizen. ich Dich nicht, obschon eine schriftliche Mittheilung nicht unter uns stattgefunden hat, und zu hören dass es Dir wohl gehe würde mich immer freuen, so wie ich mich auch immer freue Deine Arbeiten, z. B. in Zach's Corr. astr. zu sehen. — Meine meteorologischen Exercitien in den Beiträgen zur Wit- terungskunde hast Du vielleicht gesehen , und dann wirst Du Dir erklären können, warum ich die niedrigen Barometer- stände so wichtig finde. Diese sind es auch jetzt, die mich veranlassen Dich um etwas zu bitten. Ich sammle alle Nach- richten über die niedrigen Barometerstände am 24. u. 25. Dez. 1821, und bitte Dich recht sehr mir aus der Schweiz Beiträge zu verschaiFen. Am liebsten wären mir fortgehende Beobachtungen vom 20.— 30. Dez. und Angabe der mittleren Barometerhöhe jedes Ortes, sodann auch Nachrichten von der Richtung und Heftigkeit der Winde. Könnte ich dies von recht vielen Orten, von Orten, die recht hoch und recht tief in jenen Gegenden liegen, erhalten, so wäre das ein höchst erwünschter Beitrag zu meinen Untersuchungen- — Von mir selbst muss ich Dir doch sagen, dass es mir sehr wohl geht, dass ich in meinen Vorlesungen glücklich bin, und eine sich jährlich mehrende reiche Anzahl von Zuhörern habe. Auch im Aeusserliclien habe ich alle üi^sache zur Zufriedenheit. Ich wünsche dass es auch bei Dir der -Fall ist. Krusenstern an Horner, Petersburg 1822 II 28. Ich muss Ihnen von mir eine Nachricht geben, die Sie inter- essiren wird. Der Contre-Admiral Moller, mit dem ich im- mer in freundschaftlichen Verhältnissen gestanden habe, hat gestern dem Kaiser eine Vorstellung über meine Arbeit ge- macht, und mein Atlas der Südsee wird trotz der Sarytscheff etc. gestochen werden. Ich werde daher ganz nach Peters- burg ziehen um die Charten unter meiner eigenen Aufsicht stechen zu lassen. Meine Familie wird mich vielleicht be- gleiten, d. h. wenn ich eine kleine Zulage bekomme. Vorerst hat man mir bloss 1200 Rbl. Tafelgeld bestimmt ; ich habe zwar die Aussicht bald zu avanciren, d. h. Contre-Admiral zu werden, aber das gibt mir keine Zulage zu meinem Ge- halt. Unter 12000 Rbl. ist es mir aber ganz unmöglich hier mit meiner Familie zu leben, und ich kann von meiner eige- NotizeD. 127 nen Eente höchstens 3000 Rbl zulegen, da mein ältester Sohn über 3000 Rbl. jährlich wenigstens bis jetzt gekostet hat. Sie sehen es sind noch manche Schwierigkeiten zu überwinden, ehe ich Petersburg ganz- bewohnen werde. D. Rytz an Horner, Leipzig 1822 IV 8. Die vielen und unvergesslichen Beweise, die Sie mir in Zürich fortwäh- rend von Ihrem Wohlwollen und Ihrer Theilnahme in Wort und That gegeben haben, und die Zuversicht mit der ich, durch Ihre eigenen gütigen Versicherungen aufgemuntert, auf die Fortdauer Ihrer unschätzbaren Freundschaft zu bauen wage, entschuldigen nicht nur, wie ich hoffe, sondern machen es mir zur Pflicht, mein verehrtester väterlicher Freund, Ihnen Nachricht von einer Veränderung zu geben, die ich in Rück- sicht auf den Ort meiner Studien zu machen gesonnen bin. Da mein Plan Ihrem Rathe, den sie mir über meine Studien zu ertheilen die Güte hatten, gemäss ist, so glaube ich Ihnen denselben um so eher darlegen und auf Ihre Genehmigung hoffen zu dürfen. — Von mathematischen Vorlesungen konnte ich in diesem Winter eine einzige über Algebra (Theorie der höheren Gleichungen und unbestimmte Analysis) anhören; eine zweite Einleitung in die Analysis des Unendlichen, war zwar angeschlagen, kam aber aus Mangel an hinlänglichen Zuhörern, nicht zu Stande ; die einzige astronomische, die ge- halten wurde, über die Berechnung der Finsternisse und Be- deckungen, ein populäres Collegium, worin bloss auf Tage, kaum auf Stunden, in der Berechnung Rücksicht genommen wurde, glaubte ich nach den ersten paar Stunden ohne grossen Verlust verlassen zu dürfen. Zu diesem Mangel an Collegien für mein Hauptfach kam noch der an den nöthigen mathema- tischen Büchern, wovon auf der hiesigen Universitäts-Bibliothek durchaus nichts Erhebliches zu finden ist, und in einer Privat- Bibliothek Eingang zu finden, hatte ich bis jetzt weder Geschick noch Gelegenheit. Sie werden nun wohl begreifen, vererthester Herr Hofrath, dass ich ungeachtet Hrn. Px'ofessor Gilbert's be- lehrenden und schätzenswerthen Vorlesungen über Physik und Chemie, die ich anzuhören das Glück hatte, bei solchen, für meinen Zweck und besonders in Hinsicht auf meine kurze noch übrige Studienzeit, sehr ungünstigen Umständen, und 128 Notizen. bei keiner bessern Aussicht auf den Sommer-Curs, so früh als es mit Erfolg geschehen konnte, nach Göttingen schrieb, und mich sorgfältig erkundigte, was ich dort zu hoffen hätte. So erfuhr ich, vor einem Monat ungefähr, dass zwar Gauss wegen Messungen künftigen Sommer nicht zu Hause sein, dagegen Thibaut unter Anderm Differential- und Integral- Rechnung und Harding Theoretische Astronomie vortragen werde, Dass gerade der berühmte Mathematiker Gauss, um dessen Vorlesungen willen Sie mir riethen, nach Göttingen zu gehen, im folgenden Sommer kein Collegium halten werde, war mir allerdings eine unangenehme Nachricht. Ich tröstete mich aber darüber theils mit der Betrachtung, dass ich, aus Mangel an den nöthigen Vorkenntnissen, von den Vorlesungen des Hrn. Professor Gauss doch nicht den erforderlichen Nutzen gehabt hätte, theils mit der Berücksichtigung jener beiden andern Collegien, die mir nicht nur als Vorbereitung, im Fall ich im Winter Gauss anhören könnte, sondern an und für sich als Beförderungsmittel für mein Studium der Mathematik wichtig genug schienen, um mich, in Verbindung mit den wichtigen Hülfsmitteln an Büchern, die sich von der Göttinger Üniversitäts-Bibliothek erwarten lassen, zum Besuche jener Universität bewegen zu können. Um sicher zu seyn, dass die an- gekündigten Collegien auch gelesen^ werden, dass ich mich also nicht auf das Ungewisse hin nach Göttingen begebe, erkundigte ich mich auch darüber, und erhielt gestern die befriedigende Antwort, dass ich darauf zählen dürfe : Herrn Professor Thibaut habe es befremdet zu hören, wie man zweifeln könne, dass Vorlesungen, die ein Göttinger Professor angekündigt, auch gehalten werden ! — Auf den angeführen Gründen beruht nun mein Entschluss von dem Rathe, den Sie mir früher die Güte hatten zu geben, jetzt Gebrauch zu machen und nach Göttingen zu ziehen. Dass Sie mir hierin Ihren Beifall nicht versagen mögen, ist mein lebhaftester Wunsch, den ich mit der schüch- ternen Bitte zu verbinden wage, dass Sie mich ferner Ihres Wohlwollens, Ihres Rathes, Ihrer so unschätzbaren Freund- schaft würdigen mögen. (Fortsetzung folgt). [R. Wolf.] Einleitung in die Hydrodynamik von Jacob Müller. Bearbeitet und herausgegeben von L. Henneber; Die vorliegende Arbeit ist den Schriften des in der Blüthe seiner Jahre gestorbenen Jacob Müller entnommen und sollte nach dem Plane desselben das erste Capitel zu einem Lehrbuche der Hydrodynamik bilden. Der Herausgeber, dem die betreffenden hinter- lassenen Manuscripte von Herrn Professor Fiedler freundlichst an- vertraut sind, hat über die Fortsetzung des Werkes abgesehen von einem kurzen Programme nichts vorgefunden und hat sich daher entschlossen, dieses erste Capitel, welches ihm theils der eigen- thumlichen Auffassung, theils der Behandlung desjenigen Falles wegen, in dem die Componenten der Eotation ein Potential besitzen, von Werth zu sein schien, für sich als Fragment der Oeffentlichkeit zu übergeben. Zürich, im Mai 1878. L. Henneberg. lü den Problemen der Hydrodynamik ist das beweg- liche Element ein räumlich ausgedehntes Ideines Theilchen der Flüssigkeit, das immer noch eine grosse Anzahl von Atomen enthält. Ein Punct des Eaumes fällt im Allgemeinen nicht immer mit einem Atome zusammen und benachbarte Atome können in einem gegebenen Momente ganz verschiedene Bewegungen haben. Daher werden in einem Systeme von Puncten die Geschwindigkeiten zwar Functionen der Zeit XXIII. 2. 9 130 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik, und der Coordinateu, aber die letzteren müssen immer auf denselben materiellen Punct bezogen werden. Wenn aber das bewegte Element selber noch viele solclie Puncte enthält, so nimmt seine Geschwindigkeit die Bedeutung einer mittleren Geschwindigkeit an. Diese nun kann mit Recht als Function der Zeit und der Coordinaten schlecht- hin, d. h. abgesehen von der Erfüllung des Raumelementes, betrachtet werden. In einem bestimmten Raumelemente ist also die Geschwindigkeit eine Function der Zeit und in einem gegebenen Momente eine Function der Coordi- naten. In diesem Sinne wird im Folgenden die Geschwindig- keit aufgefasst werden. Eine punktuelle Natur des Elementes bedingt, dass seine Bewegung nur eine Translation sein kann, die räum- liche Ausdehnung desselben führt zu einer grösseren Mannigfaltigkeit von Bewegungsformen. Wird von der Translation, die im letzteren Falle, wie beim materiellen Punct-e möglich ist, abgesehen, so ergibt die Anschauung für das Flüssigkeitstheilchen sofort noch Drehungen um einen festen Punct, Verschiebungen der kleinsten Theilchen gegen einander etc. Diese Mannigfaltigkeit der Bewegungs- formen soll untersucht werden; die Betrachtungen stützen sich auf die definirte Auifassung der Geschwindigkeiten und sehen vollständig von den die Bewegung hervor- rufenden Kräften ab. 1. Es sei ein kleines Theilchen der Flüssigkeit gegeben; wie sind die unendlich kleinen Aenderungen beschaffen, welche dasselbe infolge seiner Bewegung im Zeitelemente erleidet ? Das gegebene Element sei zerlegt in unendlich kleine Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 131 Theilchen höherer Ordnung. Zur Zeit t seien die Coordi- naten eines solchen kleinen Theilchens x, y, z, die Com- ponenten der Geschwindigkeit u, v, lo. Dann werden die Coordinaten zur Zeit t-{-cU X -\- udt, y -\- vdt , z + iJoät. Ein zweites Theilchen höherer Ordnung habe zur Zeit t die Coordinaten x -\- a, y -{-h, z -\- c, wo a,b,c unend- lich kleine Grössen bedeuten. Dieses Theilchen hat zur Zeit i 4- dt die Coordinaten + c , ,. / . üzo . dio ^ . ÜW \ Es sei jetzt ein zweites Coordinatensystem eingeführt, dessen Axen dieselbe Richtung haben wie die des ursprüng- lichen und dessen Anfangspunkt in dem Puncte (x y z) des alten Systemes liege. Bezogen auf dieses neue Coordi- natensystem sind die Coordinaten des zweiten Plüssigkeits- theilchens zur Zeit^ a,&,c; zur Zeit t-\-dt seien sie a',b',c'. Dann ist (nach einer kleinen Veränderung der Schreibweise) a'= udt-h{^l + -^dt^a + ^dtb + -^dtc, c ^u;dt-h^dta-^^dtb+(l + -^dt}c. Diese Ausdrücke sind lineare Functionen von a,b,c, die 12 von einander unabhängige Coefficienten enthalten. 132 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. Die grösste Zahl solcher Coefficienten in einem Systeme dieser Art ist in der That 12; daher werden in (1.) a', h', c' durch die allgemeinsten linearen Functionen von a, h, c ausgedrückt. Die kleinen Th eilchen höherer Ord- nung erhalten also durch die Bewegung des Ele- mentes neue Goordinaten, welche lineare Functi- onen der allgemeinsten Form von den ursprüng- lichen sind. Dies ist eine Folge der unendlich kleinen Grösse, welche die auf das Zeitelement dt sich beziehende Bewegung des Elementes hat. Die Coefficienten in (1.) sind unendlich klein bis auf den von a in a', von & in &' und von c in c', wo der Coefficient je um eine unendlich kleine Grösse von 1 ver- schieden ist. Die Bedeutung dieser Coefficienten hat die folgende Untersuchung zu lehren. Es seien x,y,z die Goordinaten des Elementes irgend eines Systemes von Puncten. Dieses System soll Ver- änderungen erfahren, welche in unendlich kleiner Zeit entstehen und darum selber unendlich klein sind. Nach diesen Veränderungen seien die Goordinaten des gegebenen Elementes x',y',z'; es sind solche Veränderungen gesucht, bei denen x\ y', z' lineare Functionen von x, y^ z werden. Eine Veränderung dieser Art ist erstens die Ver- schiebung des Systemes. Die Gleichungen der Verschiebung sind x' = x + a, y' = y-\-^, z'=z-\-c. In diesen einfachsten linearen Functionen haben die drei Coefficienten a, h, c die geometrische Bedeutung der Ver- schiebungen nach den Coordinatenaxen; die ganze Ver- schiebung ist y^a' + b' -{- cK Müller, Eiuleitung iu die Hydrodynamik. 133 Eine zweite Veränderung der gesuchten Art ist die Drehung des Systemes um den Anfangspunkt der Coordi- naten. Hier ist a!' = a, rc + ^i2/ + yi2, wobei zwischen den neun Coefficienten die Relationen bestehen: C^\-\-ß\+7l = 'i-, «1 «2 +^1^2+^1^2 = 0, 4 + ß\.-\- yl = 1, «2 ^S + ß2ßs + V2Yz=0, OC% + ßl + Yl = l, «3 «1+^3/31+73 71=0. ^ Die Bestimmung dieser Coefficienten ist für die dem Zeit- elemente dt entsprechende unendlich kleine Drehung folgende : Bei einer unendlich kleinen Drehung sind auch die Ortsveränderungen aller Puncte unendlich klein, d.h. x' — x, y' — y, z' — z sind alle drei unendlich kleine Grössen, welches auch die Werthe von x, y, z seien. Bildet man sich diese Differenzen nach den angegebenen Gleichungen der Drehung, so ergibt sich sofort, dass für ihre unendliche Kleinheit nach einander unendlich klein sein müssen «1 — 1 . ft . yi , , «2, ^2 — 1. 72. «3 , ^3 , 73 — 1- Bei der unendlichen Kleinheit von |3i und y^ werden nun in der ersten Relationsgleichung «i + ßi -f- y? = 1 der zweite und dritte Summand unendlich Idein gegen den ersten; die Gleichung reducirt sich daher auf «! = 1. Da nun weiter «i — 1 unendlich klein, also a^ unendlich wenig grösser als 1 sein soll, so kann nur gesetzt werden «1 - + 1. 134 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. Ebenso folgt aus den beiden anderen Gleichungen derselben Eeihe ß,=^l und 73= + !. Bei der unendlichen Kleinheit von y^ und y^ wird ferner in der ersten Gleichung der zweiten Keihe : «j «3 + ß^ ß^ -\- + ^1 ^2 =0 das dritte Glied unendlich klein von höherer Ordnung, und daher die Gleichung selber cc^cc^ -\-ßiß2 = 0; aber da a^ und ß^ je nur unendlich wenig von 1 ver- schieden sind, so wird dies «2 + ^1 = 0. Analog ergeben die beiden letzten Relationen /^s + 72 = und «8 + Vi = 0. Diese Werthe der Coefficienten substituire man in die Ausdrücke für x', y', z' und setze dabei 72 = — (^3 = qc , 1 «3= —Vi =1/), \ (a.) ^1 ^ — «2 = ;!;• i Dann gehen die Gleichungen für die Rotation über in die folgenden y' = — Xx-\r y -\-cpz, \ {-x.) z' = Tpx — g)y -\- z. I Werden in den Producteu der rechten Seiten dieser Glei- chungen für x,y,z die Grössen x',y' z' gesetzt, wobei sich dieselben nur um unendlich kleine Grössen höherer Ordnung ändern, und werden dann die Gleichungen nach x,y,z aufgelöst, so entsteht die analoge Form x= x' — xy' +'\pz' , 1 y= xx'+ y' —cpz', \ {a') = — ^ x' -\- cp y' -\- z' . J Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 135 Die Termen (a) und («') lassen sofort die geometrische Bedeutung der Coefficienten q),tp,x erkennen. Ist t^ = % = 0, so ergibt die erste Grruppe x' = x, y' = y-\- ^3, z' = — cpy + z. Soll jetzt weiter jj = z — sein, so wird x' = X, y' = 0, z' ^ d. h der auf der x Axe gelegene Punct {x, 0, 0) erleidet keine Verschiebung. Die Drehung muss also um die x Axe geschehen sein. Dabei ist tp der Winkel der Drehung. Ist allgemein 9 ein solcher Drehungswinkel, so ist x' = X, y' = y cos Q- -{- 2 siu 9 , z' ^ z cos & — y sm O'. Bei einer unendlich kleinen Drehung wird aber cos d- = 1, sin ^ = ■9- und infolge davon in Uebereinstimmung mit den obigen Formeln x' = x, y' = y-\-zd-, z' ^= — y & -\- z- Ebenso ergibt sich, dass g? = j^ := einer Drehung um die y Axe mit dem Winkel t/; und dass q) = ip = einer solchen um die z Axe mit dem Winkel % entspricht. Dabei 180 ist natürlich die Grösse als Einheit angenommen, wo r den Radius der Rotation bedeutet. ' Wenn keiue der Grössen ^, t/;, % verschwindet, so ist gleichzeitig g? der Drehungswiukel um die x Axe, ^ der um die y Axe und % der um die s Axe. In diesem Falle hat die Drehung um eine durch den Anfangspunkt gehende Gerade stattgefunden, welche mit den Axen Winkel bildet, deren Cosinus sich verhalten wie q) :il) : %■ Die genannte Linie ist nämlich dadurch charakterisirt, dass für ihre Puncte x' ^= X, y' =^ y, z' ^ z. 136 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. Wird dies in (a.) eingesetzt, so ergibt sich sofort die Doppelproportion x:y:z = (p:ip:x; wie die Coordinaten der Punkte verhalten sich aber immer die Cosinus der Geraden, die durch den Anfangspunct geht. Die unendlich kleine Strecke, welche der Punct x, y, z bei der Drehung zurücklegt, ist gleich der geraden Ent- fernung der Puncto x, y, z und x', y', z' c''=:{x'-xy-j-{y'-yY-\-{z'-zy. Setzt man hierin für die Differenzen ihre Werthe aus (a) ein, so bekommt man (^^ = ixy — '^ ^y -+ iv 2 — X ocY -^ (rp X — cp yf. Der Punct x,y,z sei so gewählt, dass die ihn mit dem Nullpunct verbindende Gerade senkrecht auf der Drehungs- axe steht ; dann ist (f X + "ip y -\- %z =^<). Addirt man das Quadrat dieser Gleichung zu der vorher- gehenden, so erhält man 0^ = (i+x) oc-^ b^y 4- (&3 — «"P) 3, & = (Ci — ^) X + (C2 — qp) 2/ + Ca 3. Dies sind die Coordinaten des Punctes x, y, z nach der Dehnung; diejenigen vor der Dehnung sind die ur- sprünglichen X, y, z. Daher gelten für die Coefficienten der letzten Gleichungen die Kelationen (ß) y] ocf zf yf xj z\ Es muss also z. B, a^ — % = &i + Z» ^- ^' %=^ Daraus entspringen die Gleichungen &3 — C2 «2 - &1 , ,;,== Ci «?! 2 «2 — &1 2 (y-) welche die Kotationen bestimmen. Setzt man die Werthe von gj, i/^, jf aus (y) ein in die obigen Gleichungen, so folgt für die ZAveite Gruppe von Unbekannten «2 + &1 I = (Tj X + y+'-^3. V = g 2 Ci + Ös a; + X + Co -(- &3 + 2 &3+C2 2/4- C32, (d.) 2 ' 2 woraus sich Schlüsse über die Dilatation ziehen lassen. Hierzu wähle man den Punct x,y,z auf einer Kugel- fläche, welche mit dem Eadius 1 um den Ursprung der Coordinaten beschrieben ist, d. h. es soll sein x^ + y- + 2- = 1. 142 Müller, Einleitimg In die Hydrodynamik. Lässt man die Axen der x, y, z mit den drei zu einander senkrechten Richtungen s^^s^^s^ der Dehnung zusammen- Mlen, 30 sind nach derselben die Goordmaten | = (l + l)x, sf = (l-ffi)y, S = (l + ,)2. Werden die aus diesen Gleichungen bestimmten Werthe von x,i/y2 in die Torhergehende Gleichung eingesetzt, so bekommt man -^ i L = i (1 -i- ly vi -r m/ il — v;' d. h- der Pnnct |, 17, ^ li^ auf einem Ellipsoide, dessen Hauptasen die Bichtangen s^tS^tS^ haben und beziehlich l-f-Ä, 1+^ 1-j-v sind- Diese Hauptaxen sollen be- slammt werden. Sie werden geftmden, indem man die Minima und Manma Ton 1* -h 1/* -4- 1* sucht unter der Bedingung, dass a;^ -f- y* 4- s* = 1 . Aus den Gleichungen (d.) ergibt sich bei Vernach- lässigung der unendlich kleinen Grössen zweiter Ordnung r - ij' - r = a\ a^ -f 6»^ + c|«»+ 2(a,+&Jxy + 2(&3 -f c)yÄ -{- 2 (ci + a,) s X. Die Bedingung för die Grenzwerthe dieser Grosse ist daher (c^x + [<% + My+rc.+a,]s)da;H-(6| y + fe + 6,] a^ Diese Gleichung ist an die Beschränkung geknüpft x^-i-y- — z- = 1. Daraus ergibt sich för die Differen- tiale dXjdy^dz die Bedingung xdx — y dy -r zdz = 0. (w.) Vermittelst der Gleichung {m.) kann man eines der Differentiale aus der Gleichung (Z.) eliminiren ; wenn dann die übrigbleibenden unabhängig Ton einander gesetzt werden. Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 143 SO zerfällt die Gleichnng (l.) in die Grleichungen des Pro- blemes. Statt dessen kann man aber die Gleichung [m.) auch mit einem Factor A multipliciren, von (?.) subtrahireu und die Coefficieuten der Differentiale einzeln gleich Xull setzen. So entstehen die Gleichungen {bi+(h)x-hm-Ä)y-^{b3-{-c,)z = 0, i (n.) (Ci 4-03)0; + (Ca + &3) 2/4- (c|-.i) 2 = 0. J Für eine Bestimmung des Multip licators A ergibt sich nun zunächst aus diesen drei Gleichungen die Elimi- nationsgleichung dritten Grades A^ - A' (fl2 4- II + c|) + A (ai c\ + hl c| -f a\ &| ) - a\ h\ c% = 0, in welcher wieder die unendlich kleinen Grössen zweiter Ordnung vernachlässigt sind. Die Wurzeln dieser Glei- chung sind ^1 = a\ , Ao = &| , As = c% . Eine zweite Bestimmung von A erhält man durch Multiplication der Gleichungen (».) mit x, y, z und Addition unter der Berücksichtigung von x^ -\- y^ -\- z^ = 1. Es kommt heraus A = a\ X- -i-bly- + cr3z'--i-2xy{ch-rbi)-{-2yz (63 -f Cj) + -i^2zx{c,+a,) oder in Hinsicht auf die obige Gleichung für |^ -}- 7;^ -h ^^ Die gefundenen Werthe A^, A^, A^ stellen also jeden- falls die Quadrate von Radii vectores des Ellipsoides dar. Da sie aber der Bedingung des Maximums und Minimums genügen, so sind sie die Quadrate der di'ei Halbaxen, d. h. Ol = 1 -f A , fcj = 1 -i- ^ , C3 = 1 -r- 1". 144 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. Daraus folgt für die räumliche Ausdehnung A4-^ + t; = a^ — 1 + &2 — I + C3 — 1. (8.) Damit ist die Grösse der drei elementaren Veränder- ungen, welche die allgemeinste Veränderung zusammen- setzen, bestimmt. Diese Vereinigung und Zerlegung der Veränderungen ist wesentlich an die Bedingung unendlicher Kleinheit geknüpft und bildet einen speciellen Fall des allgemeinen Principes der Superposition unendlich Meiner Bewegungen. Die gewonnenen Eesultate, welche sich auf irgend ein System beziehen, sollen jetzt auf das Flüssigkeits- theilchen angewendet werden. Die unendlich kleine Ver- änderung eines solchen war definirt durch die Grleichungen(l .) a' = u dt -\- { 1 -\- fr- dt] a + c^ äth + ^:r' ^i c , \ ox / 02/ dz h' = vdt+ fr- dt a -\- (1 + -^ dt) h + K- dt e , ox \ oy I dz c = 1« cZi + K~dta-\--F—dto-\-\i.-\-7r-dt\Cy dx dy \ dz J lineare Functionen von den Eigenschaften derer, die hier zerlegt wurden. Nach den Entwicklungen können daher sofort die drei elementaren Veränderungen des Flüssig- keitstheilchens angeben Averden. Es sind die Componenten der Translation nach den Axen im Zeitelemeut dt udt, V dt , w dt, die der Drehungen T\9^-9^)^'' Tfe-y^^^' -2\dy-¥z)^'' die räumliche Ausdehnung endlich /9m ,dv diü\ \9^ + % + dxj'**- Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 145 (2.) Die Componenten der Trauslationsgescliwindigkeit sind also U, V, w, die der Drehungsgeschwiudigkeit J_/9v _ djc\ _ 1 /dio du\ ^~ 2 [dy dx)' und die räiimliclie Dilatation ist "^9^ + % + 97- ^^-^ Die VerscMebiingen nach den Coordinatenaxen werden hierin dem ganzen Flüssigkeitstheilchen zugeschrieben. Da dieses nun unendlich klein ist, so sind die Verschie- bungen seiner kleinen Theilchen höherer Ordnung, die von der Eotation und Ausdehnung herrühren, unendlich kleine Grössen zweiter Ordnung. Dies ist in üebereinstimmung damit, dass tidt, vdt, ivdt strenge die Componenten der ganzen Bewegung nach den Coordinatenaxen darstellen. 2. Aus den Componenten der ganzen Geschwindigkeit u, V, IV leitet man die der Rotation eines Flü^sigkeits- theilchens ab, indem man setzt 'dv dw^ J_/9ü _^\ ^~ 2 \d3 dyj' _ l tdw 9m\ 1/^ _ ^\ 2 \dy ö«/' Die Differentialquotienten beziehen sich hierbei auf die XXIII. 2. 10 146 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik, unendlich kleinen Theilcheu höherer Ordnung der Elemente. Aus diesen Grleichungen ergibt sich sofort Diese Relation gilt' unter allen Umständen und ist eine wesentliche Consequenz der linearen Natur der Functionen, welche die aus der unendlich kleinen Aenderung hervor- gehenden neuen Coordinaten durch die alten ausdrücken. Beschränkt man die Untersuchung jetzt auf die incom- pressibeln Flüssigkeiten, so hat man die zu der letzten Gleichung analoge Relation für die Grössen u, v, w 8^ "^ % "^ öi" ~ In diesem Falle lassen sich nun die Translationsverschie- bungen der Elemente als Rotationen auffassen, die von Theilchen zu Theilcheu höherer Ordnung variiren. Die Translationen lassen sich darum hier umgekehrt aas den Rotationen bestimmen. Dazu bilde man die zu den Glei- chungen der Rotationen analogen Atisdrücke ^^ = M9^~8^) und suche zunächst die Bedeutung der Grössen ^(;^ , Wg , «(;3 . Die Differentiation von |, ^, ^ führt unter Beachtung der obigen Relation du dv_ . dw_ _ Q "äi" ~*~ "9^ "^ 9^ ~ sofort auf die Gleichungen Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 147 [dz dy) ~ dx' "^ V 9^' ' _ 9 (K __9|^\_9!«,9!!!.,9^ \ 9a; 9^ j 9:c2 "^ 92/' "^ 9^' ' _ 9 /M _ ^\ ^ 9^ , 9^ , 9^ \dy dxf 9x2 + 9^2 + 9^2 • Bezeichnet man die Summe der zweiten Differentialquo- tienten von u,v,w mit z/w, z/v, z/iy, so hat man ^ U = — lOi , ZJ V = — lOi, 'd tO = — Ws 1.) Relationen, welche die gesuchten Grössen ty^ , i^a , i(;3 durch die Componenten der Geschwindigkeit n, v, w ausdrücken. Es können daher umgekehrt die letzteren sofort durch die Grössen w^,iv^,iVi dargestellt werden. Die Integration, welche dazu führt, wird im Folgenden entwickelt. Es sei ein System von materiellen Puncten voraus- gesetzt, welche mit bestimmten nur von ihrer Lage d. h. ihren Coordinaten abhängenden Kräften auf einander wirken. Dann steht ein Punct x, y, z dieses Systemes unter der Einwirkung aller übrigen Puncto Xi, y^, Zi. Jede der hier- aus entspringenden Kräfte ist eine Function der Entfer- nung t\ des Punctes x, y, z von dem betreffenden anderen Puncte a?i, ?/i, Si imd kann daher durch /; (r;) dargestellt werden. Ihre rechtwinkligen Componenten nach den Coordinatenaxen sind ^i = /"iC'-i) cos(?-ia?) , 7?i = flxi) cos{mj) , ^i = /•i(ri) cosinz). Aber die Entfernung Vi wird durch den Ausdruck bestimmt n = y(x, - xf + {y, - yf + {z, - zf , dessen Differentiation ergibt 9ri Xi — X , , 9ri Vi — y , s — K- = = cos{riX), — p— = -^ — — ^ = cos(i\y), 9ri Zi — z . . = cos(ris); %z 148 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. daher werden die Componenten ^'==-^^^"^^8^' ''^^-^^("^^ö^' ^^=-^^^97- Setzt man nun so wird , __ 8FiO-i) _ 8-Fi(ri) _ 8Fi(n) ^•~ 8^ ' '^'~ 8 2/ ' ^'~ 80 Diese einzelnen in x, y, z angreifenden Kräfte setze man zu einer Kesultante zusammen. Die Componenten derselben werden sein ^_ ^ 8JPi(n) ^^ 8FM) 8^^ '*-^~8^'' ~8ir' ^^"^' oder wenn gesetzt wird cp^ZFiin), a? 82/ 0'2 Die so definirte Function tp nennt man die Potentialfunction des Sjstemes x^, y^, z-,. Nach den Gleichungen (a.) ist die Resultante -=l/(^:r+(^:r+(^:r und ihre Richtuugscosinus werden 89 8(p 89 8^ ^ 8^ 87 ^=^' ^=E-' ^ = ^- Nach irgend einer Eicbtung s genommen, deren Cosinus dx . - dy dz ''~ds' ^~d's' '^~d's sind, wird die Componente von B •r./ , 7,3 , N 89 8ic , 89 82/ , 8q3 8^ dcp ^ ' r ■ // dx OS dy OS ÖS OS ds Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 149 Die Potentialfunctiou hat daher die Eigenschaft, dass ihr Differentialqiiotient nach irgend einer Richtung gebildet, die in die letztere fallende Componente der Gesamratkraft R darstellt. Die Gleichung stellt eine Fläche dar, in welcher die Potentialfunction überall den nämlichen Werth hat. Man nennt eine solche Fläche eine Fläche constanten Potentiales oder das Poten- tialniveau. Die Differentiation der Gleichung ergibt öic 02/02 und die Division dieses Ausdruckes durch R und ds Öqj öqp 9qp "dx dx .dy äy ,00 dz^ ^ ~B Ts '^ 'B ~ds ^ ~B Js ~ ' eine Relatiou, die aussagt, dass der Winkel zwischen der Resultante und der Verschiebung in dem Potentialniveau ein rechter ist. Die Kraft wirkt somit an allen Puncten des Potentialniveau senkrecht zu letzterem. Es wird daher sein dn d. h. der Differentialquotient der Potentialfunction nach der Normale des Potentialniveau stellt die ganze in dem betreffenden Puncto wirkende Kraft dar. Linien, deren Richtung in jedem Puncto senkrecht zu dem entsprechenden Potentialniveau steht, nennt man Kraftlinien; dieselben besitzen die Eigenschaft, dass die Tangente in jedem Puncto die Richtung der Kraft liefert. Wirkt das System Xi, i/i, z-, auf eine Reihe von Puncten x^,y^,Z],-, so sind die Componenten der auf den Punct a^k, 2/k, z^ wirkenden Kraft 150 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. ^ _ 89'k rr _ 8(Pk „ _ öqJk t^k — ö j -"k — S } •^k — K • öaJk ö t/k ^fk Hierin hängt die Function (p^ nur von iCt, z/k, ^k ab, nicht aber von Xy,-, y^., %.; bei der Differentiation können somit je alle übrigen Functionen tp^. hinzugefügt werden, ohne dass dies das Kesultat änderte. Setzt man daher $ = 2 qOk, so wird ^ _ 9* rr _9* -7 _ 9^ '^k — ä ' -"k — 5 , ■^k — 5 • OiCk 0?/k ö^k Die Componeuten der verschiedenen Kesultirenden sind also die partiellen Differentialquotienten derselben Grösse ^, die aber jetzt eine Function ist von so viel Variabein als Coordinaten für alle Puncte x^,y^,z^ zusammen vorkommen. Diese Function O heisst die Potentialfunction des Systemes der Xi, yi, z^ auf das System der x^, z/k, ^t- Ein specieller Fall ist der, in dem beide Systeme identisch sind. Dann ist die Potentialfunction des Systemes auf sich selbst. Die Potentialfunction eines Systemes enthält die Function /(?-;), welche die zwischen den Puncten aji, z/i, ^i und x, y, z wirkende Kraft als abhängig von der Distanz r; dieser Puncte gibt. In dem speciellen Falle, in welchem die Kräfte sich umgekehrt wie die Quadrate der Entfernung verhalten, soll die Potentialfunction das Potential von Massen schlechthin genannt werden. Bei passender Wahl der Einheit der Kraft wird dann wobei die Masse des angezogenen Punctes x, y, z als Eins angenommen ist. Erfüllen die Massen m-^ den Raum stetig, so geht (p über in -^^^^ äx\ dyi dZi, («'•) Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 151 wenn q die Dichtigkeit der Masse im Puncte Xi, y-,, Zi be- deutet. In dem Integrale ist q nur von Xi, y-,, ^i, nicht aber von x,y,z abhängig; r^ dagegen ist eine Function von X, y, z. Berücksichtigt man dies und die specielle Form dieser Function r, = Y{x, - xf + (2/i - yf + {z, - z)\ so werden die Differentialquotienten von 9) nach x^ y, z -IIJ 'dx / / / r\ Q{Xi — x) dxi äyi dSi , ~ 1 1 1 — '^ ^^' ^^' ^^'' ' ia'.) 80 JJJ r\ Wir betrachten die zweiten Differentialquotienteu dieses Potentiales von Massen. Es sei ein Eaum T mit Massen, die im umgekehrten Quadrate der Entfernung auf einen Punct x, y, z von der Masse Eins wirken, erfüllt derart, dass die Dichtigkeit q eine Function f(xi,yi,z-^ des Ortes Xi,yi,Zi in dem Eaume T ist, deren Werth sich in T überall stetig ändert, ausser- halb T aber gleich Null ist. Die Grenzfläche dieses Raumes T werde parallel der x Axe um e rückwärts bewegt und so zur Grenzfläche eines zweiten Raumes T'. T^ sei der Raum, welcher T und T' gemeinschaftlich bleibt; dann ist r=T° + 0, r' = T°+0', wenn und ®' die nicht gemeinschaftlichen Theile bedeuten. Es sollen die drei Integrale untersucht werden 'f{Xi,yi,Zi) [Xi — x] Iß {{Xi-xY' + iyi-yY + iz.-zfY dXidyidZi, {l.) 152 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik ■ fi^Xi , yi , Zij {xi — X — e) {{Xi - xr + (2/i - yr 4- {Zi - zyy fixi + e, yi, s{) (Xi — x) dxi dyi dZi , (m.) dxi dy-i dZi . {«.) ffl JJJ {{xi - xy + (yi - rjY + {Zi - 2fY Das Integral (l.) über T ausgedehnt ist der Werth von ^ in dem Puncte x, y, z. Das Integral (m.) über T ausge- dehnt ist der Werth von ^ in dem Puncte x + e,y, z, welcher Werth = -^ -\- l gesetzt werde. Das Integral(w.) über T' ausgedehnt ist mit (w.) identisch. Ist also das Integral (Z.) ausgedehnt über T° gleich Z, über & gleich A und das Integral [m.) ausgedehnt über T° gleich l\ über &' gleich A', so wird 11=,+.. »1+1=.+.. Setzt man daher f{Xi -{-e,yi,Zi) — f(xi, yi , ^-j) = Jq , SO ergibt sich e — {Xi — x) dXi dyi dSi -,, , (0.) {{X, - xr + (yi - yr + (2i -z)'y wobei das Integral auf der linken Seite über den Raum T° ausgedehnt werden muss. Dies gilt allgemein für jede Lage von x, y, z. Bei der weiteren Entwicklung soll der Fall, in dem x, y, z auf der Oberfläche der Masse liegt, ausgeschlossen werden. Lässt man e unendlich klein werden, sa sind die Räume 0, 0' zwei unendlich dünne an der Oberfläche von T liegende Raumschichten; zerlegt man diese Oberfläche Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 153 in Elemente ds und bezeichnet mit a den Winkel, welchen die in ds nach Innen gerichtete Normale mit der x Axe bildet, so wird a überall spitz sein, wo die Oberfläche von T an grenzt, stumpf dagegen, wo sie an 0' grenzt. Die Eaumelemente von werden also ausgedrückt durch e cos a ds, die von 0' dagegen durch — e cos a ds. Daher wird /f(xi , i/i , Zi) {xi — x) cosads r^ {xi - x) cosads l-X' " i ~ / ~s T' wobei die Integrale über die ganze Oberfläche auszu- dehnen sind. Unter Voraussetzung eines unendlich kleinen Werthes von e geht ferner — über in ^^^''^'' — 5-^ und das ° e dxi öcTi Integral (0.) wird 09 /// dxi^^' *^ ^ ^ ^ i'-i dXi dyi dZi = r-i e Schliesslich ist für ein unendlich kleines e l' — l i — V - = 7 ^^^^^^^•^^^^^^^l^^l^j^S' e e es ergibt sich somit das einfache Resultat: 9^2 =JJJ ^^i äxi dyi dzi - J — ^^ ds . Ganz entsprechend bekommt man ds = M-N. 154 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. Die Summation dieser Ausdrücke unter Berücksichti- gung, dass dg Xi — X .dg yi — y , ÖP ^i — ^ dg "öxi Ti dyi n dzi n ~ dvi ' Xi — X , y-i — y „ , Zi — s cos a 4- — cosp + cos y = cos li» , Ti Ti n ' wo i\) der Winkel ist, welchen die nach Aussen gerichtete Normale mit der Geraden rj bildet, ergibt ^x^ ^02/2^ 9^^ Jj) r^ ' y^ ' J Vi' Das erste Integral M ist hierbei über den ganzen Kaum T, das Integral iV über die gesammte Oberfläche von T auszudehnen. um die erste Integration auszuführen, beschreibe man um den Punct x, y, z mit dem Radius 1 eine Kugelfiäche und zerlege dieselbe in Elemente d<5. Die von x, y, z durch alle Puncte der Peripherie von dö geführten und unbestimmt verlängerten Linien bilden eine Kegelfläche, durch welche aus dem ganzen Gebiete T ein Raum (nach Umständen aus mehreren getrennten Stücken bestehend) ausgeschieden wird und von dem Vi^dödri ein unbestimmtes Element ist. Derjenige Theil von ili, welcher sich auf diesen Raum bezieht, ist folglich durch dd l-^'dn J dVi gedrückt, wenn di^ Integration über alle in T fallenden Theile einer durch x, y, z und einen Punct von d6 gehenden, so weit als nöthig verlängerten geraden Linie erstreckt wird. Es schneide nun die gerade Linie die Oberfläche von T der Reihe nach in 0\ 0", . . . , und es sollen dann mit r', r", . • • die Werthe von r; in diesen Puncten, mit ds\ ds'\ ... die entsprechenden durch den Elementarkegel aus der Oberfläche von T ausgeschiedenen Elemente, mit aus- Müller, Einleitung in die Hydrodynamik, 155 q\ q", ... die Werthe von q, mit #»', ip", ... die Werthe von ip an diesen Elementen bezeichnet werden. Für den Fall, dass x, y, z innerhalb T liegt, ist die Anzahl jener Puncte P ungerade und die Integration von ~- di\ von ri = bis r-^ = r\ dann von rj = r" bis ars. r; = r'" etc. auszuführen. Wenn die Dichtigkeit von x, y, z mit q ^ y ^ bezeichnet wird, so hat man daher /: / Cin= - Q^yz + Q —Q -\-Q — Ferner ist, da die Winkel ip\tl)'\... abwechselnd spitz und stumpf sind ds' cos rp' = r'^ do, ds" cos ip" = — r^ da, etc. Folglich bekommt man für den ganzen im Elementarkegel gelegenen Theil von T j, r dg , j . q' cos xi)' , . q" cos ip" „ dö / — - dfi = — Pxyz do -I — ds' -\ -ijz — ds" -f . . . J dri r ' r ' _ , ^ Q COS 1/» , = — exyzaö-f-2, 5— «s, WO die Summation auf alle ds auszudehnen ist, welche dem Elemente dö entsprechen. Dm'ch Integration über sämmtliche ds ergibt sich M ^ . r Q COSIj) , . , ^-^ = — 4 TtQ^yz -\- 1 1— ds — — 4: nQ:^yz -+- N, da das Integral über die ganze Oberfläche zu erstrecken ist. Somit wird 8^^+8? + 8F=-*'^^-- (^-^ Für den FaU, dass x,y,z ausserhalb fliegt, hat man nur diejenigen ds in Betracht zu ziehen, für welche 156 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. die durch x,y,z und einen Punct von d^ gelegte gerade Linie den Eaum T wirklich trifft. Die Anzahl der Puncte 0', 0", ... wird hier immer gerade sein, die Winkel t^'^ ^",... abwechselnd spitz und stumpf und die Integration ist von n = r' bis r; = r", dann von r^ = r'" bis n = Y^ etc. aus- zuführen. Daher hat man */Ä*'=^*'+^^*" n und nach der Integration über alle in Betracht kommen- den ds /Q cos l/> M = 5:^^^ ds - N. Folglich ist hier In dieser Ableitung wurde angenommen, dass die Dichtigkeit sich in dem ganzen Eaume stetig ändere. Diese Bedingung ist jedoch zur Gültigkeit des Resultates nicht nothwendig, sondern es ist blos erforderlich, dass in dem Puncte x, y, z die Dichtigkeit nach allen Seiten zu sich nach der Stetigkeit ändere , oder dass x, ?/, z inner- halb eines, wenn auch noch so kleinen, dieser Bedingung genügeleistenden Raumes liegt. Setzt man nämlich das Potential der in diesem Räume enhaltenen Masse gleich g?', das Potential der übrigen ausserhalb desselben befindlichen Masse gleich gj", so wird das ganze Potential qo = qp' _|- g," . Aber nach dem Entwickelten ist 8V , 9V , ÖV _ Müller, Einleitung in die Hydrodynamik 157 Daher wird wieder Felilt dagegen die genannte Bedingung in dem Puncte X, y, z, liegt dieser also in der Scheidungsfläche zwischen zwei Räumen, in welchen, jeden für sich genommen, die Dichtigkeit stetig, aber beim üebergange aus dem einen in den anderen sprungweise sich ändert, so haben daselbst die Summen der zweiten Diiferentialquotienten verschiedene Werthe. *) Ein Potential von Massen genügt somit für jeden Punct innerhalb der Massen der Gleichung wo Q die Dichtigkeit der Massen im Puncte x, y, z ist, und es befriedigt für jeden Punct ausserhalb der Massen die Gleichung ^(p = 0. Hat man daher umgekehrt eine Function 9) der Coordinaten x^ y, z, welche in einem Räume überall der Differentialgleichung ^ q) — — k genügt, unter k eine Function von x,y,z verstanden, so wird diese Gleichung befriedigt durch die Annahme, dass gj das Potential von Massen ist, die mit der Dichtigkeit k -. — in diesem Räume ausgebreitet sind, d. h. '^ = -4^///|-^^^"^^2/i^^ '} Gauss. Werke. Bd. 5, pag. 206. 158 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. Genügt aber die gegebene Function q) der Coordinaten X, y, z in dem ganzen Gebiete der Diiferentialgleichung z/ (j) = 0, so kann sie als das Potential von Massen betrachtet werden, welche ausserhalb des Raumes liegen. ^-Wl dxi dyi dZi , falls die Dichtigkeit k so bestimmt werden kann, dass die Grenzbedingungen erfüllt werden. In beiden Fällen ist die Integration über alle Massen enthaltenen Theile des Raumes auszudehnen. Dieses Resultat soll jetzt auf die Gleichungen (1.) angewandt werden. Die Geschwindigkeiten u, v, iv des Flüssigkeitstheilchens genügten den Gleichungen zJu= — w^ , ^v = — tu^, ^iü——iv^. Diese Gleichungen werden befriedigt durch die Annahme, dass u, v, tu die Potentiale -1/5 on 0/1 von mit den Dichtigkeiten t^ i 7^ ? 7-^ über die Plüssig- 43E 4:3t 4tJt keit ausgebreiteten Massen sind, und 'es wird daher durch **' ^ ~ ^^jjj ^ ^''' ^^' ^'' ' «1 = - T^JjJ ?r ^""^ ^y ^'' ' ^ dXi dyi dZi (2.) jedenfalls eine specielle Bewegung der Flüssigkeit dargestellt sein. Wenn nun für die nämlichen Werthe der Rotationsge- schwindigkeiten I, r], t, eine zweite Flüssigkeitsbewegung ti^,V2,iV2 existirte, so würden die Differenzen tll — «2 J f^l — 1^2 } Wi — W2 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 159 ebenfalls eine mögliche Bewegung der Flüssigkeit ergeben. Bei letzterer würden aber infolge der Gleichungen (2.) des ersten Abschnittes keine Rotationsbewegungen vor- kommen. Es ergibt sich somit, dass allgemein für eine incompressibele Flüssigkeit T" I — dxi dyi dzi -f v^ , -. — / — äxi di/i dZi -f- zco , iTt J n (2.) 4i wo U2,v^,iV2 eine Flüssigkeitsbewegung bezeichnet, die ohne Rotationen vor sich geht. Diesen Gleichungen, welche die Translationsgeschwin- digkeiten aus den Rotationsgeschwindigkeiten bestimmen, entsprechen phj'sikalisch die Relationen (2.) des ersten Abschnittes, Avelche die Rotationsgeschwindigkeiten durch die Grössen «, v, w ausdrücken. Abwesenheit von Rotationen ist nach jenen Gleichungen gegeben durch die Bedingungen dv dw 8m? _ du du _ 8y ,., . "ö7~"%' 'di~Ji' "9^~9^' ^ ^^ Analog hierzu kommen für den Fall, dass dri^dl ^__9|_ H__dri dz 9?/ ' 9a; dz ' dy ~ dx ' ^ '' nur Translationen ?6, v, iv vor, für welche die Gleichungen (3.) bestehen. Diese ganze Untersuchung war wesentlich an die Be- dingung der lucompressibilität geknüpft, und die Differen- tialgleichungen beziehen sich auf Elemente zweiter Ordnung. Auf Elemente erster Ordnung bezogen brauchen sie nicht erfüllt zu sein, damit dort keine Rotationen oder nur Translationen, welche den Gleichungen (3.) genügen, vor- kommen. (Fortsetzung folgt). Snr Tage stratigraphiqne de la zone gypsifere alpine Bex — lac de Thoune, par Hanrice de Tribolet. Lors de la reunion de la Societe helvetique des sciences naturelles ä Fribourg, en 1872, M. Chavanues a expose sa maniere de voir au sujet de Tage geologique et de Torigine des gypses des Alpes suisses et en particulier de ceux des Alpes vaudoises ^). En partant du point de vue adopte par ce savant et en admettaut avec lui Torlgiue metamorpliique de ces gypses — et uu graud nombre de faits semblent vouloir le prouver — , 11 est tout uaturel que Ton doive des lors en reucontrer des depots, non-seulemeut dans uue seule, mais aussi dans toutes les formations" geologiques que uous offrent les Alpes suisses. Et, en effet, plusieurs geologues out deja decrit un certain nombre de depots de gj^pses alpins qui se rat- tacheut aux terrains carboniferes, jurassiques, cretaces et surtout tertiaires inferieurs (eocene). II me suffit de mentionner ces faits pour moutrer que la theorie de certaius savants qui ne veulent assiguer aux gypses des Alpes suisses qu'un seul äge geologique bien determine, c. a. d. Tage triasique, commence ä ne plus etre admise par chacun. ^) Acta helvettca, p. 52. De Tribolet, Sur Tage stratigrapliique etc. 161 Je ii'ai pas Fintention d'entrer ici dans les details et de discuter le pour ou le contre de l'origine de ces gypses. M. Chavannes Ta dejä suffisamment traitee dans de nombreuses notices ^). Je me bornerai simplement ä dire que je partage completement la maniere de voir de mon savant confrere ^). A peil pres ä la meme epoque, M. Chavannes ^) et moi *) avons decrit les depots extremes de la zone gypsi- fere qui s'etend depuis le lac de Tboune ä Bex et que l'on rencontre fort bien developpes, d'un cote entre Spiez et Leissigen, de l'autre dans toute la region situee au nord et au nord-ouest de Bex. Comme on le sait, nous avons assigne un äge tertiaire (eocene) ä ces deux depots. Gräce ä cette communaute de travail et d'idees, nous avons fait durant l'ete passe une course geologique de plusieurs jours, dans laquelle nous avons etudie avec sein les gisements de gj^pse intermediaires qui relient ces deux grands depots ^). La zone gypsifere dont il est question dans cette note, 1) Acta helvet. 1872, p. 52; 1875, p. 49; 1877, pp. 57 et 215. Bull Soc. vaud. sc. nat. XII, 69, p. 109, 1873; 71, pp. 465 et 478, 1874. 2) Ärch. sc, p. 308, Geneve 1877; Act. helvet. 1877, p. 58. =>} Bull. Soc. vaud. sc nat. XII, 69, p. 109, 1873. *) Vierteljahrsschrift naturf. Gesell. Zürich 1874; Zeitschr. deutsch, geolog. Gesell. 1875, p. 9 ; Bapp. presoite ä M. Studer au sujet de ma colläborat. ä la carte geol. Suisse pendant l'ete 1874, in Bull. Soc. sc. nat. Neuch. 1875. *) M. Chavannes a publie tout recemment une description de cette course sous le titre: „Note sur le gypse et la corgneule des Alpes bernoises" {Acta helvet. 1877). Son travail, quoique fait k un point de vue dififerent du mieu, se resume cependant dans des resultats identiques. ILXIII. 2. 11 1Ö2 De Tribolet, Sur Tage stratigrapMciue etc. est la plus considerable de toutes les zones semblables des Alpes suisses; eile s'etend sur une longueur de 240 kilometres, depuis Bex a Dornbirn (Vorarlberg). Elle com- meuce dans les Alpes fran^aises, ä Thones (Savoie), se retrouve ä Samoens sur les deux flaues de la vallee du Giffre, puls se continue en Suisse par le val d'Illiez, Bex, les cols de Pillon, Krinnen, du Trüttlisberg et de Hahuen- moos, la vallee de l'Engstligen, la rive sud du lac de Thoune, les Ralligstöcke, le Giswylerstock, Stanz et Tberg. Enfin, on la retrouve dans le Vorarlberg, aux envirous de Dornbirn et Hohenembs. De tous les affleurements de cette zone, ceux d'Yberg, des Alpes d'ünterwalden, des bords du lac de Thoune, du col de Pillon et de Bex, ont seuls ete mentionnes et decrits comme tertiaires par Esclier de la Linth, M. Kauf- mann, M. E. Favre, M. Chavannes et moi. Daus les travaux que j'ai mentionnes precedemment, j'ai traite en detail les depöts de gypse de la rive sud du lac de Thoune. Je me bornerai donc ,ä remarquer ici que, sur ses propres observations, M. Chavannes s'est aussi pleinement convaincu de leur äge tertiaire et de leur ori- gine metamorphique. En eflfet, nous avons observe tous les deux de nombreuses preuves de la transformation de ces gypses de masses essentiellement calcaires, dans lesquelles l'acide sulfurique a ete substitue ä l'acide carbonique (Burg- fluh, entre Spiez et Faulensee; Krattigen — Halden). Comme l'a fait remarquer mon savaut confrere, ces preuves consistent surtout dans un etat de la röche qui fait toucher au doigt ses arrets de transformation. La carte geologique de la Suisse (edit. Bachmann) indique un petit gisement de gypse sur le flanc du Niesen, au-dessus de Mühleuen. Malgre nos recherches et toutes De Tribolet, Sur Tage stratigraphique etc. 163 informations prises, uous n'avons pii le decouvrir; aussi croyons-nous qu'il y a ici une erreur d'indication. Dans la partie inferieure de la vallee de TEugstligen, nous avons constate sur les deux rives du torrent, entre le pont couvert situe ä la cote 866 de la carte Dufour et Linter, plusieurs affleurements de gypse accompagne de corgneule. En poursuivant uos recherches dans la direction du sud-ouest, entre Adelboden et la Lenk, nous avons de nouveau rencoutre la merae zone de gypse en cinq endroits differents, c. a. d. au-dessus de la premiere de ces loca- lites (cote 1357 de la carte Dufour), ä Gilbach, sur Silieren, ä gauche et non loin du col de Hahnenmoos (1952 m.), a Lavey. Depuis la Lenk au col du Trüttlisberg (2040 m.) qui conduit ä Lauenen, on rencontre sur le cote gauche du Wallbach, depuis Kohrbühl, tout un long affleurement de corgneule parallele ä la direction de la vallee. Ce n'est qu'au haut du col qu'apparait le gypse qui forme entiere- ment les sommites de Tauben (2198 m.) et de Stüblenen (2198 m.) et coustitue un des gisements les plus consi- derables de la zone en question. Dans la continuation de cette meme'zone, nous avons constate entre Lauenen et Gsteig (Chätelet), deux autres gisements de gypse. Le premier qui est assez considerable, commence sur la gauche du chemin, au-dessus de Brüchli et se continue jusque derriere le col de Krinnen (1660 m.); le second plus petit, se rencontre au-dessus de Gsteig (entre Fluhweid et Kohr). Au sud-ouest de cette localite, notre zone gypsifere se continue presque iniuterrompue le long du vallon du Reuschbach, jusque bien au-delä du col de Pillon. Ici eile 164 üe Tribolet, Sur Tage stratigraphique etc. se bifurque et entoiirant le vaste massif jurassique du Chamossaire, se dirige sur Bex, d'une cote, par la Croix d'Arpille et Grriou; de l'autre, par les Ormonts, Plambuit, Panex et OUon. Au Sepey, une zone secondaire, c. a. d. celle qui s'etend depuis l'Etivaz ä Diemtigen (Bas-Simmenthal) , se detache de la grande zone principale que je decris ici, tout en gardant une direction qui lui est parallele. Cette zone commence par un affieurement de corgneule auquel succedentles depots de gypse delaLecherette, de l'Etivaz, etc. M. Chavannes et moi avons dejä precise Tage geo- logique que nous croyons devoir attribuer, sinon ä l'en- semble, du moins aux depots extremes de la zone gypsi- fere Bex — lac de Thoune. Les observations que nous avons eu l'occasion de faire ensemble l'annee derniere au sujet des gisements intermediaires qui relient ä intervalles plus ou moins reguliers les affleurements sud-ouest et nord- est, ont ete une pleine confirmation de nos etudes ante- rieures. En effet, tous les gisements dont il vient d'etre question, sont regulierement accompagnes par les roches du Flyscb, auxquelles ils se trouvent intimement lies. II suffit de jeter un coup d'oeil sur la carte geologique de la Suisse, pour s'assurer des relations mutuelles qui existent entre eux et les terrains qui les renferment. Dans la vallee de l'Engstligen et sur les cols de Hahnenmoos, du Trüttlisberg et de Krinnen, nous avons constate, non une superposition du Flysch sur le gypse, comme cela parait etre le cas pour les gisements de la rive sud du lac de Thoune, mais plutot une intercalation du premier dans le second. C'est surtout ä Lavey, au nord- ouest du col de Hahnenmoos, que nous avons observe au milieu des rochers qui forment le contre-fort du Thierberg De Tribolet, Sur Tage stratigrapbique etc. 165 (2375 m.) du cote du col, un affleuremeut de gypse tres distinctement intercale dans le Flysch. En general, les faits multiples qua uous avons eu Toccasion de decouvrir ä ce sujet, contribuent tous ä nous faire regarder la zone gypsi- fere dout il est question ici, comme appartenant au terrain eocene. Nous avons vu plus haut que la continuation imme- diate de cette zone au nord-est du lac de Tlioune, etait formee par les depots des Kalligstöcke, du Giswylerstock, de Stanz et d'Yberg. Or comme ceux-ci out dejä ete decrits comme eoceues par Escher de la Liuth, M. E. Favre et M. Kaufmann, il n'est pas etounant que ceux qui sont situes au sud et sur la meme ligne qu'eux, possedent un meme horizon stratigraphique et par consequent aussi un meme äge geologique. NB. — Dans un de ses derniers travaux ^), M. Eenevier insiste beaucoup sur le fait que les depots gypseux de la contree salifere de Bex, doivent etre ranges dans le Trias. II est vrai de dire que M. Chavannes, qui a fait de cette contree l'objet d'etudes aussi suivies que detaillees, ne parait pas vouloir faire rentrer dans le terrain eocene tous les gyi)se3 qui s'y rencontrent; car ceux de la partie inferieure de la vallee de la Grrionne (Coulat, le Bouillet) appartiendraient, selon lui, au Lias ^). Neuchätel, avril 1878. ^) Note sur ma carte geolog. de la partie siid des Alpes vau- doises, in Ärch- sciences, Geneve 1877. ^} II en est probablement de meme de ceux d'Arveves, Villars et Chesieres. Astronomische Mittheilungen Dr. Rudolf Wolf. XL VII. Controlbestimmung der Polhöhe von Züricli durch Herrn Alfred "Wolfer ; Fortsetzung des Verzeichnisses der Instrumente, Apparate und übrigen Sammlungen der Zürcher-Sternwarte. Während ich mit der in Nr. XLIV mitgetheilten Polhöhenbestimmung beschäftigt war, kam mir der Ge- danke, es möchte von Interesse sein, wenn unter Anwen- dung derselben Methode durch einen andern Beobachter und an einem andern Instrumente eine zweite Bestimmung durchgeführt würde, und beauftragte dann wirklich im Sommer 1875 meinen jetzigen Assistenten, Herrn Alfred Wolfer, der damals schon einige Zeit als Praktikant auf der Sternwarte arbeitete, die betreffende Operation am Ertel'schen Meridiankreise zu unternehmen. Er führte sie vom 9. Juni 1875 bis zum 3. Mai 1877, ohne wie ich im Winter zu sistiren, mit Geschick und Ausdauer durch, und ich gebe im Folgenden die Hauptresultate dieser bemerkenswerthen Controlarbeit, für den Gang derselben auf das in jener frühern Nummer Mitgetheilte verweisend. Herr Wolfer benutzte zur Polhöhenbestimmung die in Tab. I aufgeführten 116 Sterne des Nautical Almanac, und erhielt in 220 von einander unabhängigen, d. h. je eine neue Bestimmung des Zenithpunktes besitzenden Serien, welche zur Hälfte bei normaler Zusammensetzung des Fernrohrs, zur andern Hälfte nach Vertauschung von Objectiv und Ocular gemacht wurden, im Ganzen 2089 Zenithdistanzen; die Tab. II gibt, unter Beifügung der Tab. I. Wolf, astronomische Mittheilungen. Terzeichniss der Sterne. 167 Stern m z/ d z/qp ±F Stern tn ^d z/ (p + F a Androm. 1 24 —1.07 9.83 0.52 Y Gemin. 15 41.92 9.52 0.54 y Pegasi 24 42.16 9.76 0.66 a Can.maj * 11 a Cassiop. 23, -4.80 9.66 0.86 5lCeph. 9 -5.80 10.62 1.58 ^Ceti* 17 £ Can.maj * 9 f Pisc. 24 +1.18 9.90 0.53 Y Can. maj* 7 a Urs. min. 27 -4.14 8.98 0.76 8 Gemin. 15 -1.24 9 84 0.67 öCeti 19j -2.33 9.80 0.69 a- Gemin. 15 41.15 9.87 0.80 rj Pisc. 23 —1.10 9.89 0.49 a Can. min. 16 42.19 9.64 0.69 V Pisc. 25 42.96 9.83 0.43 ß Gemin. 9 40.21 10.07 0.89 ß Ariet. 26 —0.55 9.89 0.35 ilUrs.min.ü 11 —4.60 8.61 0.99 a Ariet. 25 —0.79 9.88 0.42 6 Cancri 12 40.16 9.94 0.97 67 Ceti 18 41.84 9.90 0.48 15 Argus * 14 I^Ceti 18 41.23 9.81 0.62 7] Cancri 16 —0.70 9.81 0.54 Y- Ceti 16 41.68 10.16 0.65 £ Hydrae 19 —0.92 9.62 0.69 a Ceti 17 42.61 9.98 0.56 t Urs. maj. 20 41.09 10.22 49 8 Arietis 17 —0.85 9.95 0.27 83 Cancri 27 —0.23 9.66 0.45 a Persei 21 40.01 10.60 0.50 « Ceph. U.* 4 25 t] Tauri 20 -0.39 9.66 0.42 a Hydrae 16 —1.11 9.40 0.94 y- Erid. * 18 6 Urs. maj. 11 —0.37 9.94 0.94 o' Erid. 20 42.63 9.40 0.64 ß Ceph. U.* 7 £ Tauri 22 —0.30 9.61 0.58 £ Leon. 22 40.01 9.76 0.20 a Tauri 22 —1.07 9.57 0.42 n Leon. 23 41.47 9.19 0.59 i Aui-igae 25 —0.87 9.76 0.51 a Leon. 24 41.88 9.82 0.48 aUrs.min.U 17 —5.26 10.41 0.72 y' Leon. 26 41.20 9.80 0.26 £ Lepor * 7 Q Leon. 27 40.63 9.57 0.38 a Aurigae 11-0.95 9.82 0.83 l Leon. 24 41.14 9.55 0.39 ß Orion 13| 4-2.55 9.38 0.69 et Urs. maj. 19 -0.52 10.09 0.52 ß Tauri 23 40.26 9.79 0.67 X Leon. 14 40.82 9.52 0.40 8 Orion. 17 42.96 9.54 0.64 8 Leon. 26 —0.84 9.63 0.44 a Lepor. * 7 8 Crater. * 22 £ Orion. 8 40.91 9.58[ 0.75 V Leon. 8 40.70 9.58 0.83 a Columb.* 14 y Ceph. U 13 —3.17 10.27 0.65 a Orion. 21 43.41 9.56 0.55 ß Leon. 17 40.43 9.62 0.47 V Orion. 14 40.47 9.51 0.49 y Urs. maj. 17 —1.24 10.03 0.59 öUrs.min.U 13 —6.69 9.40; 0.72 £ Corvi * 15 /i Gemin. 3 41.30 10.12 1.73 T] Virgin. 16 40.75 9.37 0.48 168 Wolf, astronomische Mittheilungeu. Stern m ^d z/ cp ±F Stern m ^d dcp ±F ß Corvi * 14 " " " cc Lyrae 22 +1.32 9.68 0.65 cc Cass. U * 6 ß Lyrae 19 +2.15 10.39 0.66 y Virg. m. 13 +0.46 9.28 0.50 ^ Ac[mlae 26 +2.25 10.37 0.55 ex Can. ven. 22 -fO.56 9.89 0.62 CO Aquilae 21 +1.24 9.70 0.69 e Virg. 20 -fl.05 9.81 0.42 8 Aquilae 22 +1.45 9.67 0.58 aUrs.m. U 21 —1.68 10.45 0.49 h^ Sagitt. * 19 cc Virg. 18 -fO.94 9.83 0.57 y Aquilae 20 +1.13 9.68 0.59 gVirg. 20 —0.04 9.33 0.39 0; Aquilae 13 +3.30 9.74 0.82 7] Urs. maj. 25 —2.01 10.04 0.39 ß Aquilae 15 —0.33 9.86 0.61 77 Boot. 18 —0.45 9.56 0.62 l Urs. min. 13 —7.63 9.73 1.12 r Virg. 20 +1.53 9.42 0.41 «2 Capr. * 19 a Boot. 15 —2.71 9.62 0.51 Q Capr. * 19 Q Boot. 18 +1.61 9.71 0.38 cc Cygni 19 +0.05 9.99 0.45 8'^ Boot. 16 +0.63 9.74 0.64 32 Vulp. 19 +0.31 9.79 0.62 «2 Librae * 12 61' Cygni 18 +0.56 9.85 0.57 ß Urs. min. 17 —1.19 10.07 0.58 t Cygni 16 —1.65 9.93 0.48 ip Boot. 17 +0.54 9.77 0.50 0; Cepb. 19 -5.46 9.41 0.55 /3 Librae 21 —0.47 9.91 0.69 öUrs.majU* 4 a Coron. 25 +0.64 9.86 0.55 ß Aquar. 10 —0.76 9.88 0.73 a Serp. 26 —0.22 10.04 0.35 ^^Ceph.- 8 —3.87 9.57 0.87 jUrs. min. 24 +1.44 9.42 0.60 £ Pegasi 14 +0.95 10.02 0.66 ß' Scorp. * 21 16 Pegasi 14 +2.21 9.95 0.79 dOph. 20 +0.36 10.40 0.70 cc Aquar. 14 +1.22 10.19 0.77 a Scorp. * 4 Aquar. 16 +0.25 10.24 0.49 T]^ Dracon. 17 —3.44 8.74 0.69 7] Aquar. 18 +1.70 10.11 0.68 ^ Herc. 18 +0.69 10.24 0.73 g Pegasi 18 -1.32 10.84 0.85 xOpb. 18 +2.81 10.35 0.68 aPisc.austr* 17 £ Urs. min. 20 —5.99 9.28 0.69 aUrs.majU* 7 a Herc. 18 +5.77 10.28 0.57 a Pegasi 13 —0.06 9.93 0.65 ö Oph. * 10 y Pisc. 16 +3.58 10.05 0.94 ß Dracon. 12 4.48 8.65 1.30 K Pisc. 20 +3.31 10.02 0.46 aOph. 2 +1.20 10.32 5.83 i Pisc. 14 +0.36 9.83 0.88 |ti Herc. 16 +0.89 8.95 0.65 y Cepb. 10 —2.86 9.58 0.96 y Dracon. 13 —1.11 10.15 1.25 8 Sculpt. * 16 ^' Sagitt * 17 yUrs.majU* 11 8 Urs. min. 19 —5.95 9.38 0.68 OD Pisc. 22 —0.46 9.80 0.61 Wolf, astronomische Mittheilungen. 169 Tab. IL Verzeichniss der Serien. 1875 n Nad. Az z7 qo ±F 1875 n iVacZ. ^z z/qs +F VI 9 8 102.53 +1.1^ 9.69 1.05 X 26 19. 116.95 +1.34 9.68 0.79 13 5 100.10 4-1.26 9.58 1.82 XI 1 5. 115.74 -1.07 9.58 1.48 14 7 104.85 +0.90 9.75 1.40 3 8. 109.85 —2.98 9.97 1.84 21 6 100.13 —2.73 9.60 1.21 15 10. 127.21 +6.77 9.70 1.79 22 7 99.10 —2.10 9.74 1.47 xni3 6. 125.38 +0.17 9.94 0.74 23 3 97.90 +1.50 9.77 1.63 1876 ' 24 2 97.53 +2.80 10.01 2.60 I 17 3. 129.42 +1.83 9.90 1.61 26 3 98.48 +0.97 9.64 2.19 20 7. 123.55 —0.31 9.71 0.79 30 11 96.82 +2.06 9.79 0.65 20 3 128.27 -0.67 10.02 1.35 VII 2 9 95.92 +2.08 9.94 1.05 21 7 134.67 +3.80 9.80 1.52 6 10 94.46 +0.95 9.57 0.95 n 7 9 130.69 +0.77 9.81 1.23 7 8 96.80 +0,48 9.08 1.51 11 2 126.37 -5.58 9.84|2.3l|| 12 4 96.07 +4.87 10.43 1.81 12 9 136.46 +1.31 9.66 1.62 13 8 98.69 +1.91 8.52 1.44 18 10 134.98 -1.32 9.80 1.01 14 9 96.26 +1.15 9.52 1.22 21 2 136.65 +1.72 9.34 0.96 17 3 97.36 +2.83 9.07 1.07 23 5 130.53 —1.63 9.94 1.84 22 8 93.59 +0.40 9.43 0.79 in 4 7 130.37 +2.11 9.66 1.23 24 6 92.20 -1.33 9.62 0.95 10 5 125.05 —0.99 9.44 0.70 27 9 92.94 +1.87 9.54 1.69 18 3 120.57 —0.13 9.44 3.19 29 8 92.41 +2.46 9.83 0.66 14 6 119.74 +2.15 9.45 1.49 30 7 91.42 —0.16 9.84 1.01 16 4 120.94 +1.69 9.73 1.43 vnii 3 95.18 +0.89 9.52 1.62 20 6 120.39 +0.19 9.45 1.67 2 3. 126.30 —7.26 9.82 2.58 21 10 122.32 -1.45 10.86 1.42 8 2. 126.73 -1.09 9.45 0.41 24 5 125.22 + 1.03 9.82 0.87 7 6. 127.24 +1.62 9.82 0.62 28 12 125.61 —0.70 9.83 0.78 10 6. 125.68 —1.59 10.39 1.52 80 10 124.49 —1.32 9.82 0.74 11 8. 125.55 —2.57 9.90 1.86 IV 1 12 122.19 —3.04 9.86 1.24 14 9. 125.43 +1.00 9.94 0.90 4 6 121.85 -2.18 9.91 1.30 16 11. 124.92 +1.03 9.72 1.09 5 12 121.51 + 0.89 10.36 0.72 17 9. 12192 -0.16 9.85 1.09 6 6 119.89 -1.87 9.90 1.57 19 7. 126.43 —1.36 9.56 1.62 7 6. 110.59 —0.62 9.83 1.56 IX 3 7. 124.03 +2.86 9.84 1.18 19 7. 108.99 —1.09 9.89 0.75 6 6. 123.73 +0.90 9.81 0.86 V 6 8. 103.82 —2.93 9.91 0.42 7 7. 123.19 +0.14 9.51 1.70 7 4. 106.42 +4.46 9.66 0.69 8 9. 123.01 +0.45 9.83 0.65 14 12. 106.80 +0.87 9.79 0.59 21 8. 113.05 —1.98 9.73 0.62 15 11. 106.78 -0.23 9.88 0.44 23 12. 116.95 +1.68 8.84 0.93 16 13. 107.78 +0.92 9.85 0.58 170 Wolf, astronomische Mittheilungeu. 1876 n Nad. ^z ^ qp ±F 1876 n Nad. ds z/ cp +F V 17 14. 110.39 +1.46 9.84 0.72 1X20 5 55.34 —0.45 9.21 1.89 18 11. 109.32 -0.27 9.68 0.91 21 9 57.39 +1.62 9.52 0.44 19 10. 109.04 +2.75 9.86 0.54 29 10 53.66 +0.45 9.80 0.85 21 13. 108.50 +0.52 9.81 0.51 X 2 5 53.54 —0.78 9.79 1.58 22 u. 108.31 + 0.09 9.83 0.67 3 5 49.82 +0.19 9.83 1.61 23 10. 108.51 +0.03 9.80 0.83 4 14 51.99 —1.49 10.05 0.70 '28 2. 103.68 —2.76 9.64 3.09 5 22 52.71 —2.28 9.93 0.51 29 15. 103.69 —2.64 9.82 0.42 9 11 57.11 +0.32 9.58 0.64 30 16. 104.96 -1.62 9.72 0.62 10 2 56.08 —1.16 10 16 0.67 31 15. 106.80 -0.71 9.80 0.67 11 12 55.43 +0.09 10.28 0.51 VI 1 16. 104.08 —1.20 9.73 0.57 12 9 55.47 +2.32 10.28 0.64 2 11. 105.14 —1.18 9.70 0.67 14 7 54.62 +2.15 10.35 0.87 6 13. 105.49 -0.96 9.71 0.40 17 4 54.93 +1.36 9.62 0.31 7 13. 10483 -1.68 9.76 0.67 18 2 30.86 —0.50 10.56 0.11 14 12. 102.46 —1.14 9.62 0.46 19 11 31.28 -1.69 9.85 0.85 18 13 103.52 + 1.44 9.61 0.63 31 3 30.02 —6.65 8.73 1.99 19 7 102.34 -2.31 9.62 0.82 XI 1 9 34.68 + 3.97 10.08 1.05 20 11 103.98 —1.00 9.65 0.71 2 5 33.69 —1.05 10.23 0.72 25 9 104.13 —2.05 9.56 0.85 7 3 34.98 +6.02 9.68 1.25 27 10 104.47 +0.52 9.76 0.68 8 5 36.27 +2.20 9.89 2.13 28 10 103.40 —0.57 9.78 0.63 9 4 35.08 +8.04 9.93 1.41 29 10 105.94 +1.16 9.79 0.85 10 10 35.39 +4.65 10.03 1.03 vn 3 11 103.72 —0.48 9.69 0.72 11 13 36.52 +2.11 9.84 0.86 5 8 103.76 —2.24 9.72 0.90 13 15 38.40 +4.37 9.92 0.59 6 11 105.08 +0.60 9.63 0.91 14 13 38.33 +0.10 9.90 0.58 VIII 10 6 98.43 -0.89 9.73 1.10 15 15 38.92 -1.22 10.10 0.39 11 8 105.31 -5.80 10.27 1.09 16 24 40.29 +1.34 10.04 0.59 16 7 104.82 -1.59 10.05 0.63 17 9 40.29 -0.03 10.00 1.15 17 8 106.71 -0.10 10.27 0.69 17 2 41.81 +2.85 9.91 1.87 18 11 106.59 -0.48 9.95 0,66 22 5 41.63 + 1.57 9.61 1.09 19 5 107.19 —2.63 10.02 0.85 24 13 40.26 +2.50 9.91 0.80 28 3 51.57 -0-95 9.25 1.07 25 13 40.11 +2.45 9.76 0.64 30 5 52.33 —0.02 9.35 0.43 28 17 41.82 +3.32 10.35 0.38 31 5 51.37 —2.63 9.37 0.60 28 9 40.67 +3.06 9.85 0.78 IX 4 4 51.29 -2.32 9.80 1.27 29 19 41.19 + 1.55 10.03 0.43 15 6 50.15 —1.27 9.64 0.31 30 12 40.14 +0.94 9.71 0.58 19 3 52.73 -3.73 9.97 0.48 XII 1 16 40.64 +2.18 9.97 0.67 Wolf, astronomische Mittheiluiigen. 171 1876 n Nad. ^ z z/(jp +F 1877 n Nad. ^z /i cp ±F xn 2 4 41.63 H-2.98 9.75 1.25 n 16 3. 22.55 —1.22 9.53 1.75 2 13 39.65 +1.33 9.93 0.69 18 8. 18.16 +1.36 9.82 0.65 4 7 39.25 +2.43 9.87 1.11 19 9. 20.26 +0.31 9.57 1.25 5 4 38.77 +4.08 9.59 0.47 20 3. 22.75 +1.80 9.74 1.50 6 24 39.92 +0.07 9.95 0.57 22 10. 23.98 -0.90 9.89 0.36 8 5 39.76 +1.09 9.59 1.14 23 13. 22.48 +0.22 9.63 1.08 10 13 40.11 +1.43 9.98 0.66 28 7. 19.70 -0.42 9.98 1.14 11 2. 04.00 —1.01 9.81 2.25 in 1 13. 19.19 +0.76 9.57 1.23 12 11. 02.02 —0.27 9.53 1.26 2 8. 18.92 -2.17 9.44 0.90 12 13. 1.23 —1.20 9.72 0.98 7 8. 19.75 —2.20 9.63 0.88 13 6. 4.24 -2.09 9.26 2.07 9 12. 20.03 —112 9.67 0.73 14 6. 4.63 +1.33 9.69 0.35 10 5. 21.44 —0.18 9.88 0.79 15 3. 6.83 —5.00 9.51 1.13 11 6. 20.85 —0.11 9.80 0.51 16 2. 10.36 +3.46 9.13 2.67 12 2. 21.64 —0.47 9.69 166 19 19. 10.20 +0.89 9.72 0.73 16 6. 22.44 -0.50 9.44 0.39 22 19. 10.05 +2.68 9.65 0.59 17 2. 20.62 +0.06 9.82 3.58 28 5. 21.52 -2.92 10.21 0.61 21 15. 21.01 —0.21 9.85 0.41 29 9. 15.86 +0.58 9.81 1.81 23 24. 20.74 +0.15 9.71 0.45 31 16. 16.41 +0.54 9.88 0.70 25 4. 20.09 —1.84 9.91 1.79 1877 26 18. 20.78 —0.03 9.74 0.63 I 2 12. 16.48 +1.60 9.41 0.48 29 16. 14.10 +0.08 9.76 0.46 2 10. 17.94 +1.12 9.87 0.43 31 4. 7.41 —3.40 9.47 1.03 3 10. 15.37 +2.85 10.64 0.59 31 8. 10.39 —2.00 9.87 0.97 5 21. 15.18 +1.24 9.81 0.38 31 4: 14.32 —4.14 9.90 110 6 26. 14.86 +0.32 9.74 0.61 IV 3 12. 16.23 +2.36 9.84 0.42 14 19. 15.65 +1.45 9.64 0.47 4 14. 23.29 —1.79 9.85 0.48 16 13. 14.35 +0.90 9.82 0.63 5 28. 24.14 —0.03 9.80 0.34 18 22. 12.39 +0.16 9.76 0.60 7 14. 40.66 40.13 9.80 0.48 19 12. 12.95 —0.52 9.73 0.97 9 16. 37.77 —0.70 9.78 0.25 20 11. 12.83 —1.20 9.69 0.77 12 30. 37.15 —0.63 9 88 0.41 24 12. 13.95 —1.27 9.74 0.85 15 10. 36.49 +0.56 9.90 0.44 27 10. 14.37 -0.56 9.700.60 20 6. 33.62 -0.35 9.85 0.97 29 12. 16.01 +0.37 9.86 0.78 25 18. 34.19 —1.53 9.82 0.45 n 5 12. 18.06 +0.13 9.66 0.78 26 18. 36.21 —0.59 9.69 0.48 15 8. 18.39 -1.14 9.78 0.79 27 15. 29.94 —1.93 9 76 0.52 15 8. 16.96 —0.53 9.55 0.72 V 2 12. 27.30 -2.22 9 53 0.39 16 7. 19.48 +0.88 9.45 2.04 3 17. 32.51 —3.51 9.93 0.55 172 Wolf, astronomisclie Mittheilungen. Anzahl u der in jeder Serie erhaltenen Bestimmung ^) und des dieser Serie zukommenden Nadirpunktes ^), das Verzeichniss der Serien. Ausserdem wurden die mit * bezeichneten 28 Sterne möglichst häufig als Kefractions- sterne beobachtet, und so noch weitere 348 Zenithdistanzen bestimmt. Als vorläufige Biegungsconstante wurde aus 5 ümlegungen h = -\- 0", 63 + 0",09 erhalten, während die Kefractionssterne die Formel a = 1 — 0,000901 .zH— 0,002289 . ^ t ergaben, für deren Ableitung, Bedeutung und Verwendung auf die frühere Nummer verwiesen werden kann. — Nach- dem durch Verbindung der für Biegung und Refraction corrigirten Zenithdistanzen mit den Declinations-Angaben des Nautical Almauac erste rohe Werthe für die Polhöhe abgeleitet, und 8 derselben als ersichtlich falsch ausge- schlossen worden waren, während das Mittel der übrigen 2081 Werthe cp = 47° 22' 39", 724 ± 0",085 - ergab, wurde die successive Ausgleichung derselben nach der in Nr. XLIV weitläufig auseinandergesetzten Methode vorgenommen, wobei sich ergab, dass die Biegungscon- stante um z/ & = — 0",48 zu vermehren sei, — dass den ^ d und ^ z die in Tab. I und II eingetragenen Werthe zukommen, — dass von den benutzten 2081 Bestimmungen noch weitere 10 als unzulässig verworfen werden müssen, ^) Folgt der in Columne n enthaltenen Zahl ein Punkt, so ist die Serie mit vertauschten Köpfen beobachtet. ^) Die Columne Nad. enthält die Anzahl Sekunden, welche bei normalem Fernrohr zu 175° 21', bei vertauschten Köpfen zu 355° 21, zu addireu sind, um die -wirkliche Nadirablesung zu erhalten. 1,99 4 18,00 18,99 2,99 7 17,00 17,99 3,99 21 16,00 16,99 4,99 28 15,00 15,99 5,99 49 14,00 14,99 6,99 98 13,00 13,99 7,99 155 12,00 12,99 8,99 252 11,00 11,99 9,99 326 10,00 10,99 Wolf, astronomische Mittheilungen. 173 — dass von den übrig bleibenden 2071 Bestimmungen des üeberschusses ^ g? der Polhöhe über 47° 22' 30" 1 zwischen 0,00 und 0,99 und 1 zwischen 19,00 und 19,99 2 1,00 14 2,00 21 8,00 51 4,00 59 5,00 118 6,00 199 7,00 305 8,00 360 9,00 Sekunden fallen, und ihr einfaches Mittel ^ 9 = 9",786 4: 0",057 wird, während der mittlere Fehler einer Bestimmung + 2",591, also der wahrscheinliche Fehler + 1",748 be- trägt. — Für die definitive Berechnung von A qp wurden nun einerseits die erhaltenen Einzelwerthe serienweise zusammengestellt, und so die in Tab. II eingetragenen Mittelwerthe A q) ±.F erhalten , aus welchen sich nach durchgeführter Gewichtsbestimmung das Mittel Jcp = 9",797 ± 0",015 ergab. Anderseits wurden die Einzelwerthe nach den Sternen zusammengestellt, und so die in Tab. I einge- tragenen Mittelwerthe A cp ±. F erhalten, aus welchen sich entsprechend das Mittel Jtp = 9",789 + 0,028 ergab. Im Mittel dieser beiden letztern Werthe findet sich sodann endlich unter Berücksichtigung ihrer Gewichte der Schlusswerth z/ (p = 9",795 ± 0",003 oder also die Polhöhe von Zürich nach Wolfer 9 = 47° 22' 39",795 + 0",008 174 Wolf, astronomische Mittheilungen. während ich in Nr. XLIV cp = 47° 22' 39,991 ± 0",004 gefunden hatte, so dass sich die zwar nicht beträchtliche ^), aber doch die Unsicherheiten der Bestimmungen wesentlich übersteigende Differenz von 0",196 ergibt, welche ich vorläufig ^] als eine Art Personaldifferenz auffassen möchte. Ich behalte mir jedoch vor, theils auf diese Differenz, theils auf die beidseitigen Reihen der zld und ^z und einige andere Nebenergebnisse, welche sich aus Vergleichung der beiden Serien ableiten lassen, bei einer spätem Gelegenheit zurück zu kommen. Für heute füge ich noch eine kleine Fortsetzung des in Nr. XXIX begonnenen, dann wiederholt und zuletzt noch in Nr. XLV fortgesetzten Verzeichnisses der Instru- mente, Apparate und übrigen Sammlungen der Zürcher Sternwarte bei: 211) Porträt von Leonhard Euler. — Geschenkt von Herrn Rathsherr Peter Merian in Basel. Es ist das auf Kosten von -Basel zum Schmucke der „Com- mentationes arithmeticse" gestochene Bild von 30 Cm. Höhe und 22 Cm. Breite, welches die Unterschrift „Leonardi Euleri Basiliensis imaginem aeri incidendam curavit grata civitas 1851", und die Signaturen „Em. Handmann Basil. pinxit. — Frid. Weber Basil. sculpsit" zeigt. 212) Denkmal Regiomontan's und Porträt Michael Mästlin's. — Geschenkt von Prof. Wolf. Es sind zwei Holzschnitte, von welchen der Erstere „Das am 12. September (1871) enthüllte Denkmal Johannes Müller's ^) Andere Beobachter erhielten weit grössere Differenzen, so z. B. Laugier und Mauvais (v. Conipt. reud. 1853 1 10 und 17) volle 0",66. *) Vergl. das bereits in Nr. XLI bei ähnlicher Veranlassung Ausgesprochene. Wolf, astronomische Mittheilungen. 175 (genannt Regiomontanus) zu Königsberg in Franken" zeigt, eine auf einem Brunnenstocke aufgestellte Standfigur, — der Zweite das Brustbild des berühmten Lehrers Kepler's, wie es in der von Reitlinger, Neumann und Grüner herausgegebenen Schrift „Johannes Kepler. Stuttgai't 1868 in 8" erschien. 213) Gedenktafel au Kepler. -- Zusammengestellt und geschenkt von Prof. Wolf. Eine Tafel auf welcher ich das Porträt Kepler's (nach dem Strass burger-Original von T. Bauer gestochen) mit seinen Wappen, den Ansichten von Weilderstadt, seinem dortigen Geburtshause, seinem Aelternhause in Leonberg, der Kloster- schule in Maulbronn, von Tübingen und Graz, und dem bei letzterer Stadt gelegenen Schlösschen Mühleck, und endlich der bekannten, sein Mysterium cosmographicum darstellenden Figur umgab, — die sämmtlichen Abbildungen der unter 212 citirten Schrift entnehmend. 214) Abbildung des Meteoriten von Rittersgrün. — Von der k. Bergakademie zu Freiberg geschenkt. Eine Tafel von circa 50 Cm. Breite auf 40 Cm. Höhe, welche in natürlicher Grösse einen Hauptschnitt des Eisen- Meteoriten in Farbendruck zeigt, der 1833 zu Rittersgrün im sächsischen Erzgebirge von einem Waldarbeiter beim Acker- roden zufällig aufgefunden wurde. Das Hauptstück von 110 Pfund, welches, nach dem zwei Monate in Anspruch nehmenden, dux'ch Hörnes in Wien beaufsichtigten Schnitte, übrig blieb, wurde der Sammlung der Bergakademie in Freiberg einver- leibt, — die Abfallstücke von zusammen 48 Pfund wurden theils verschenkt, theils (das Loth zu 2 Thlr.) auf den Markt gebracht. Etwa '^/lo des Volumens betrugen Meteoreisen, die übrigen V'o eine unmetallische, zumeist aus Bronzit bestehende braune Masse. 215) Abbildungen der Sonnenfinsternisse von 1706 und 1724. — Angekauft. Es sind zwei Tafeln von circa 42 Cm. Breite und 33 Cm. Höhe, welche beide die Signaturen „Joh. Melchior Füesslin Tigur. ad vivum del. — G. Balth. Probst, Haered. Jerem, Wolffij exe. Aug. Vind." tragen, und die Finsternisse „in einem an- genehmen Prospect des berühmten Zürcher See" vorstellen. 176 Wolf, astronomische Mittheilungen. 216) Darstellung der Sonnenflecken, welche Peter Saxonius 1616 beobachtete. — Angekauft. Eine Tafel von 32 Cm. Breite und 26 Cm. Höhe, welche die Ueberschrift „Maculae solares ex selectis observationibus Petri Saxonis Holsati Altorfii in Academia Norica factis ad magnificum senatum inclitse Reipublicae Norinbergensis" zeigt, von Odontius herausgegeben worden sein soll, und 12 Sonnen- bilder von 5 Cm. Durchmesser enthält, welche den Sonnen- fleckenstand vom 24. Februar bis 17. März 1616 darstellen. 217) Porträt von Gabriel Doppelmayr. — Geschenkt von Prof. Wolf. Kupferstich von 26 Cm. Breite auf 36V2 Cm. Höhe mit der Unterschrift: „Johannes Gabriel Doppelmaierus , Math. Prof. publ. etc. Natus D. 29. Sept. 1677". Zeichner und Stecher sind nicht angegeben. 218) Porträt von Descartes. — Geschenkt von Prof. Wolf. Kupferstich von 2272 Cm. Breite und 32 Cm. Höhe mit der Unterschrift : „Renatus Descartes, Nobilis Gallus, Perroni Dominus, Summus Mathematicus et Philosophus: Talis erat vultu Naturse Filius: unus — Qui Menti in Matris viscera pandit iter. — Assignansque suis qusevis miracula causis, — Miraculum reliquum solus in orbe fuit. — F. Hals pinxit. — J. Suyderhceff sculpsit. — P. Goos excudit". Oben liest man: „Natus Hagse Turonum pridie Cal. Apr. 1596. Denatus Hol- mise Cal. Febr. 1650". — Als Beigabe ist eine Lithographie von H. Formant „Le cräne de Descartes" zu sehen, welche 1872 der ersten Nummer des „Journal de Zoologie" beigelegt wurde, in welchem der Brief abgedruckt ist, mit welchem Berzelius 1821 die Sendung des muthmasslichen Schädels von Descartes an Cuvier begleitete. 219) Graphische Darstellung der Sonnenfinsterniss vom 28. Juli 1851. — Geschenkt von Prof. Wolf. Eine lithographirte Karte von Europa von 45 auf 36 Cm., in welcher die Zonen der totalen Verfinsterung und der par- tialen Verfinsterungen bis auf 7 Zoll herunter eingetragen sind. 220) Sonnenflecken- und Sonnenfackeln-Beobachtungen Wolf, astronomische Mittlieilungen. 177 von Gottfried Schweizer im Juli 1860. — Geschenkt von Prof. Wolf. Es sind Abbildungen der Sonne vom 15. — 20. Juli 1860, welche Gottfried Schweizer seiner Abhandlung im Jahrgänge 1860 des Bulletin der Gesellschaft in Moskau beigab. 221) «Ptolemeisch General Tafel, die halbe Kugel der Welt begreiffeude.» — Geschenkt von Prof. Wolf. Ein Holzschnitt von 36 auf 31 Cm., welcher die alte Welt bis zum Wendekreis des Steinbocks nach Climaten und Winden darzustellen sucht. 222) Porträt von Jean Alphonse Borelli. -— Ange- kauft. Lithographie von circa 25 auf 32 Cm. Als Maler ist Vigneron, als Lithograph G. Engelmann genannt. 223) Abbildung einer «Standuhr mit Krystallmantel». — Geschenkt von Herrn Telegrapheuinspector Kaiser. Stich von 23 auf 32 Cm., welcher die von mir in Nr. 38 meiner Mittheilungen nach Schreiben von Professor Eduard Weiss beschriebene Bürgi'sche Prachtuhr zeigt, und dem zur Zeit der Wiener- Ausstellung herausgekommenen Pracht- werke über die k. k. Schatzkammer entnommen ist. Signaturen trägt er, ausser dem angeführten Titel, keine. 224) Abbildungen der Sternwarten in Zürich und Ogyalla. — Geschenkt von Prof. Wolf. Die erstere Abbildung ist Nr. 21 meiner Mittheilungen, die zweite der Zeitschi'ift Sirius entnommen. 225) Porträt von Joh. Kudolf Meyer. — Geschenkt von Prof. Wolf, Es ist dieses Porträt des um die Topographie der Schweiz so hochverdienten „Vater Meyer" in Aarau, der bekannten „Gallerie berühmter Schweizer" entnommen. 226) Abbildung eines Sonnenfleckeus. — Geschenkt von S. P. Langley, Director des Allegheny-Observatory. Es ist der von Langley im Dezember 1873 gezeichnete, von ihm als „A Typical Sun-Spot" angesehene, und von S. Sartain gestochene grosse Flecken. XXIll. 2. 12 178 Wolf, astronomische Mittheilungen. 227) Abbildungen von Sonnenflecken nnd Protnberanzen im Apiil 1870. — Geschenkt von Prof. Tacchini in Palermo. Es ist eine der Tafeln, welche mit dem „Bulletino meteo- rologico di Palermo'^ ausgegeben worden sind. 228) Abbildungen von Mars und Jupiter. — Ge- schenkt von Dr. Terby in Löwen. Es sind 23 Abbildungen des Mars von 1864 XI. 18, 19, 22, 26, 30, XII 5, 7 (2), 14, 15, 22 (2) 23; 1865 I 2, 6. 7; 1866 XII 19, 30; 1867 I 5, II 2, 3, 9, 11, - und 2 Abbüdungen des Jupiter von 1872 I 30 und II 2, mit welchen Terby seine betreffenden Notizen in Bd. 31 und 34 des Bulletins der bel- gischen Academie begleitete. 229) Kalender der alten Mexikaner auf einem antiken Basalt-Eelief. — Geschenkt von Prof. Wolf. Es ist die dem Januarheft 1813 der Allg. geogr. Ephe- meriden beigegebene Abbildung. 230) Darstellung der Sonnenfinsterniss von 1860 VII 18 für Zürich. — Mss. Eine zur Zeit von mir entworfene, ganz approximative Bestimmung der Hauptmomente. durch Construction. 231) Spectren der Sonne- und einiger Sterne. — Ge- schenkt von Prof. Wolf. Es sind zwei Tafeln, von welchen die Eine, Sonne, Alde- baran und Betelgeuze betreffend, mit dem 7. Bande von Falb's Sirius ausgegeben wurde, — die Andere, welche ausser dem Sonnenspectrum und 5 Sternspectren noch das Spectrum des Orion-Nebels und 5 Metallspectren gibt, bei Bequet zu Paris erschien. 282) Porträte von Sautini und Secchi. — Geschenkt von Prof. Tacchini in Palermo. Zwei Photographien in Visitenkarten-Format. 233) Porträt von Kepler. — Geschenkt von Prof. Strasser in Kremsmünster. Eine Photographie von 207^ Cm. Breite auf 26 Cm. Höhe nach dem schönen Originalbilde nahe gleicher Grösse, welches die Sternwarte in Kremsmünster besitzt. Wolf, astronomische Mittheüungen. 179 234) Ein Astrolabium. — Geschenkt von Herrn Maler Ludwig Vogel in Zürich. Das Astrolabium zeigt die Aufschrift _Martel ä Geneve". hat 10 Cm. Kadius und ist in Halbgrade getheilt. Muth- masslieh konnte an dasselbe eine, jetzt nicht mehr vorhandene Boussole angeschraubt werden. 235) Astronomische Uhr von Zöpfel. — Im Jahre 1865 durch den seither verstorbenen Spitalverwalter Frei in Zürich geschenkt. Die Uhr. welche ein ziemlich rohes und jedenfalls nicht mehr ganz vollständiges Werk hat. dürfte nicht leicht wieder in Gang zu bringen sein; dagegen ist das aus einer vergol- deten, quadi-atischen Kupfeitafel von 32 Cm. Seite bestehende, ziemlich hübsch gravirte Zifferblatt nicht ohne Interesse. Abgesehen von den die Ecken ausfüllenden Emblemen der vier Jahreszeiten, zeigen die äussersten Kjeise die zwöK Monate mit ihren einzelnen Tagen: dann folgen nach innen. unter Beigabe der entsprechenden Tageslänge, die zwölf Zeichen des Thierki'eises , die ganz hübsch gi-avii-t und je in ihre 30 Grade eingetheilt sind, so dass 0" Arietis dem 20. März ent- spricht ; noch weiter nach innen kömmt ein Kreis, der in 29^ 2 Theile getheilt ist, also offenbar den synodischen Mondumlauf darstellt; nachher folgen Theilungen in 60 und 12, den Mi- nuten und Stunden entsprechend, und der innerste Raum endlich zeigt theils die Wochentage, theils die Figui-en tmd Xamen der Tagesregenten. — Es geht aus'diesem Ziöerblatte, über welchem man „Jacob Zöpfell Costantz" liest, wohl mit ziemlicher Sicherheit hervor, dass die Uhr dazu bestimmt war, ausser der gewöhnlichen Zeit, auch noch den Monats- und Wochen-Tag. sowie das Alter des Mondes zu zeigen. Wie gut sie diese Aufgabe erfüllte, lässt sich jetzt kaum mehr mit Sicherheit bestimmen; dagegen will ich zum Schlüsse noch einige Notizen über ihren Terfertiger beifügen, welche ich mir zur Zeit der Schenkung aus Constanz erbat, und dann auch durch Vermittlung von Herrn J. Marmor daselbst in freundlichster Weise erhielt: Jakob Zöpfel oder Zepfel, der am IS. Dezember 1770 im Alter von SS^ 2 Jahren starb , also im Frühjahr 1682 geboren wurde, wird sogar in den Kirchen- 130 Wolf, astronomische Mittheilungen. büchern der Beiname „Automatarius" beigelegt, wodurch wohl so ziemlich bewiesen ist, dass er von seinen Zeitgenossen als ein in dieser Richtung hervorragender Künstler betrachtet wurde. Aus seiner Ehe mit Katharina Winter von Stokach erhielt er, neben einer Tochter, vier Söhne, von welchen wenigstens zwei, Georg Andreas (1709—1772) und Johann Jakob (1711—1787), ein höheres Alter ex-reichten; ob der eine oder andere derselben den Beruf des Vaters fortsetzte, wird nicht gesagt. Gegenwärtig scheint das Geschlecht der Zöpfel, deren Stammhaus das Haus zum Korb (Nr. 581) in der Au- gustinergasse gewesen sein soll, in Constanz vollständig aus- gestorben zu sein, 236) Zwei Planisphärien , — das Eine von Herrn Mechanikus Repsold in Hamburg, das Andere von Prof. Wolf geschenkt. Das von Herrn Repsold geschenkte Planisphärium hat 11 Cm. Durchmesser, und wurde 1602 von Christof Magnus construirt, über den ich keine Nachrichten finden konnte, der aber der Zeit nach etwa der Vater des 1679 verstorbenen Cessius Magnus, Professor der Mathematik in Upsala, sein könnte. Es hat die gewöhnlichen Theilungen, wobei 0^ Arietis mit März 11 correspondirt, so dass es dem damals in Nord- deutschland und Schweden noch gebräuchlichen alten Kalender entspricht, — ist natürlich , wie es bei dem geringen Durch- messer kaum anders möglich war, sehr überladen, — und zeichnet sich eigentlich nur dadurch etwas aus, dass es ganz complet und überhaupt in allen Theilen ganz gut conservirt ist. — Das von mir geschenkte Planisphärium hat 21 Cm. Durchmesser, zeigt aber weder Jahrzahl noch Name des Ver- fertigers. Es wurde von mir Anfangs der 50er Jahre in Bern in einer Rumpelkammer gefunden, und dann, da die nöthigen drehbaren Radien und Dioptern fehlten, durch Goldschmid in Zürich so gut als möglich completirt. Im üebrigen ist es gut conservirt, und viel sorgfältiger gearbeitet und getheilt als das Ersterwähnte, was natürlich auch schon der fast doppelte Durchmesser ermöglichte. Die Theilungen und Netze sind im Allgemeinen die gewohnten, jedoch sind einige Eigen- thümlichkeiten hervorzuheben: Für's Erste ist der Kalender auf der Mater doppelt; zunächst an der Theilung in Zeichen Wolf, astronomische Mittheilungen. 181 und Grade findet sich eine Theilung in die Monate und ihre einzelnen Tage, die so gestellt ist, dass März 10 etwa V*° unter, März 11 dagegen etwa V* ° über die mit Arietis übereinstimmende Horizontale fällt, — und dann folgt nack innen eine zweite, aber nur die Zehner der Monatstage zeigende Theilung, deren März 20 mit dem frühern März 9 correspondirt. Es sind also der julianische und gregorianische Kalender repräsentirt , und zwar entsprechend dem mit dem Eintritte in das 18. Jahrhundert bestehenden Unterschiede von 11 Tagen. Auffallender Weise zeigt sich jedoch diese Differenz nur vom 31. Januar des neuen Kalenders bis und mit dem 25. Juli desselben, — für den Rest des Jahres beträgt sie nur 10 Tage, — was dadurch bewirkt ist, dass sowohl am Schlüsse des neuen Januar als am Schlüsse des alten Juli je ein Tag weg- gelassen ist; wahrscheinlich geschah diess in der Absicht um zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert zu vermitteln, und es düx'fte daraus der Schluss zu ziehen sein, dass dieses Plani- sphärium gegen das Ende des 17. Jahrhunderts construirt wurde, und zwar in einer Gegend, wo, wie z. ß. in der Schweiz, die beiden Kalender nebeneinander florirten. — Die Monat- namen sind in französischer Sprache beigeschrieben, wobei die eigenthümlichen Schreibweisen „Juing, Aoust, Novenbre" vor- kommen. Auf der Rete sind dagegen die lateinischen Benen- nungen der Zeichen des Thierkreises und der Sterne beigesetzt. — Eine fernere Eigenthümlichkeit besteht darin, dass die in die Mater einzulegende Seheibe dreifach vorhanden ist: Auf der Einen ist die Projection auf der einen Seite für 42°, auf der andern für 48 ° Polhöhe gemacht, — auf der Andern für 45 ° und 49 °, — und auf der Dritten ist sie für 51 ° ausge- führt, während auf der Rückseite nur der Equator und die beiden Wendekreise verzeichnet sind, und die offenbar beab- sichtigte weitere Construction noch nicht ausgeführt ist, wahrscheinlich weil der Verfertiger vor Vollendung seines Instrumentes starb. Den Grund der Mater füllt eine Wind- rose aus, und die Rückseite derselben, aufweiche der Dorsum Astrolabii mit seinen bereits besprochenen Theilungen auf- gelegt wird, zeigt ein Hülfsnetz in stereogi-aphischer Equa- torealprojection, dessen Bestimmung mir nicht ganz klar geworden ist. (Fortsetzung folgt.) Notizen. Nacb einem fliegenden Blatte von Horner's Hand. In 54,° nördl. und 192. östl. von Greenwich, 67^ deutsche Meilen im Westen von der Nordspitze von ünalaska und im Norden von dem nordwestlichen Theil der Insel Dmnack liegt ein Fels, auf welchem von den ältesten Zeiten her die Aleuten viele Seelöwen und Seehunde erlegten. Im Jahre 1795 be- merkte man einen beständigen Nebel in der Nähe dieses Felsens, welcher selbst bei dem heitersten Wetter stehen blieb, so dass man es für Rauch hielt. Ein Einwohner von üna- laska, welcher endlich dahin fuhr, kam mit der Nachricht zurück, dass das Meer daselbst koche. Der Rauch dauerte indessen ohne grosse Abänderung fort bis endlich im Jahre 1800 bei aufheiterndem Wetter den erstaunten Insulanern eine kleine nie gesehene Insel in der Nachbarschaft des Felsens sich entdeckte. Es war ein kleiner Pik, der unaufhörlich Flammen und Rauch ausspie. Nur 1802 zur Zeit eines starken Erdbebens auf ünalaska, brannte dieser Pik nicht; desto stärker der Vulkan auf ünalaska. Einige Insulaner, welche im April 1806 die neue Insel besuchten, sagten Folgendes aus : Sie hätten in etwa sechs Stunden die Insel umrudert, welches für den umfang derselben 4 deutsche Meilen, etwa 30 Werste giebt. um den Pik zu ersteigen, wenn dieses seines jähen Abhanges wegen möglich wäre, würde man ihrer Meinung nach wohl sechs Stunden nöthig haben. Sie landeten an dem flachen südlichen Ufer, weil von der steilen Nordseite eine weiche Materie vom Gipfel des brennenden Vulkans herunter ins Meer floss, und die Erde dort zu heiss war. Mit grosser Beschwerlichkeit gelangten sie endlich nicht völlig bis zur halben Höhe des Piks. Hier war die Erde merklich wärmer, und aus mehreren Höhlen des Berges drang Rauch und Hitze hervor. Mit einem Erstaunen, das sie selbst in der Erinnerung noch mit Freude erfüllte, fanden sie Seelöwenfleisch, welches sie beim Ausruhen in eines dieser Löcher gehängt hatten, sehr gut gebraten. Mangel an Wasser, das sie auf der Insel Notizen. 183 zu finden gehofft hatten, nöthigte sie bald zur Rückkehi*. Ausser einigen Stückchen gediegenem Schwefel brachten sie nichts von da zurück; die Steine, sagten sie, wären wie die auf Unalaska. [R. Wolf.] Aaszüge ans den SitznngsprotokoUen. Hauptversammlung den 27. Mai 1878. In Verhinderung des Präsidenten und Yicepräsidenten leitet der Aktuar die Geschäfte. 1) Vorlage der Rechnung für das Jahr 1877 durch Herrn C. Escher-Hess, Quästor: Ausgaben: Bücher .... Buchbinder . . . Neujahrsstück . . Viertel Jahrsschrift Katalog .... Miethe, Heizung, Be- leuchtung . . Mobilien .... Besoldungen . . Verwaltung . . . Steuern .... Passivzinse . • . Allerlei .... Summa Wenn von den Fr. Ct. 3213. 10 686.- 348. 28 2454. 60 379. 50 186.- 500.- 267. 35 Einnahmen: Alte Restanz v. Jahr 1876 . . . Jahreszinsen Marchzinsen Eintrittsgelder Jahresbeiträge . Neujahrsstück . Katalog . . . Viertelj ahrsschrift Legate Beiträge v. Behörden u. Gesellschaften Allerlei .... Fr. ct. 75556. 46 8498. 50 167. 30 100.- 2875. — 281.- 20.- 186.64 815. 8029. 83 Summa . 82999. 90 Einnahmen von Fr. 82999. 90 Cts. abgezogen Averden die Ausgaben von 8029. 83 so bleibt als IJebertrag auf 1878 Fr. 74970. 07 Cts. Er betrug 1877 „ 75556. 46 „ Somit ergibt sich für 1877 ein Rückschlag von Fr. 586. 39 Cts. Die Gesellschaft besitzt ferner fünf erratische Blöcke, nämlich 2 bei Wald, 1 bei Ringweil (Hinweil), 1 bei Embrach, 1 bei Wytikon. 184 Notizen. Die Rechnung wird unter bester Verdankung gegen den Quästor, Herrn C. Escher-Hess, genehmigt, mit dem Wunsche, derselbe möge auch ferner die mühsame Verwaltung des Gesellschaftsvermögens übernehmen. 2) Herr Bibliothekar Dr. Homer erstattet folgenden Be- richt über die Bibliothek: Bericht über die Bibliothek der Naturforschenden Gesellschaft über d. J. 1877. An Geschenken erhielt die Bibliothek 39 Nummern und zwar 12 von den HH. Prof. Clausius, Prof. Dedekind von Prag, G. Escher, Favaro in Venedig, Pavre in Genf, Heer, Melsens von Brüssel, Dr. Schoch, Plantamour von Genf, Schwedoff von Odessa, Siebold und Kölliker in Würzburg, Wolf. Ferner von nachfolgenden Behörden und Korporationen : von der British association, von dem Department of the United Stat. of America, v. d. Eidg. Baubureau, v. d. Eisenbahn- u. Handelsdep., v. d. Genfer Sternwarte, v. d. Geologischen Com- mission, v. d. Schweiz, naturforsch. Gesellschaft, v- d. Natur- forsch. Gesellschaft in Basel, v. d. Smithsonian institution, V. d. Technischen Gesellsch. in Zürich, v. d- Friesischen Fond. Durch Ankauf vermehrte sich die Bibliothek um 121 Bände. Darunter befinden sich 27 Bände neue Anschaffungen und 94 Fortsetzungen. Für Bücher wurden insgesammt ausgegeben Fr. 3213. 10, davon Fr. 432. 90 für neue Anschaffungen. Eine bedeutende Vermehrung der Bibliothek erAvuchs auch dieses Jahr wieder durch Tausch gegen unsere Viertel- jahrsschrift. Wir tausehen gegenwärtig mit 177 Gesellschaften und erhalten einen werthvollen Ersatz für das von uns Geschickte. Was den Gebrauch der Bibliothek betrifft, so sind im verflossenen Jahre 1642 Bände ausgeliehen worden. Leider kommt es immer noch vor, dass etwa einzelne Bände von dem Entlehner als längst zurückgegeben nicht mehr aner- kannt werden. Unser Local füllt sich immer mehr an, so dass es immer Notizen. 185 schwieriger wird die Bücher auf eine befriedigende Weise aufzustellen. Dazu kommt noch der Uebelstand, dass während der Hälfte des Jahres die Kälte den Aufenthalt in der Bi- bliothek sehr erschwert. Das Manuscript für den neuen Katalog bedarf nun bloss einer nochmaligen Durchsicht und der nöthigen Ergänzung, was nun im Laufe des Sommers ausgeführt werden soll- 3) Herr Bibliothekar Dr. Homer legt folgende seit der letzten Sitzung neu eingegangene Bücher vor: B. Sitzung vom 27. Mai 1878. A. Geschenke. Von den HH. Prof. KöUiker und Siebold. Zeitschrift f wissensch. Zoologie. XSX, 3. 4. Suppl. 1. 2. Von dem astronom. Observat. von Edinburgh. Astronom, observations. Vol. XIV. Von der technischen Gesellschaft in Zürich. Jubiläumsschrift. Uebersicht d. Verhandlungen. Heft XXXHI. Von der Schweiz. Geologischen Commission. Beiträge zur geolog. Karte d. Schweiz. Lief. 13. Von dem Herrn Verfasser. Seh och, Dr. Emil, Praktische Anleitung zur Bestimmung der Käfer Deutschlands u. d- Schweiz. 8°. Stuttgart. 1878. Von dem Herrn Verfasser. Schindler, E., Beiträge zur Kenntniss d. Malpighischen Ge- fasse der Insekten. 8°. Leipzig 1878.' Von der Allgem. Schweiz. Gesellschaft für Natur- wissenschaft. Actes de la soc. Helvetique des sc. naturelles. Session 60. Von der R. philosoph. Society. Catalogue of scientific papers. Vol. VII. B. In Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Sitzungsberichte d. k. k. Akademie d. Wissenschaften (in Wien). Abth. L Bd. LXXIV. 2-5. LXXV. 1-5. „ II. ., ., 3-5. „ 1-5. „ IIL „ „ 1-5. ., 1-5. 186 Notizen. Bulletin de la societe mathematique de France. T. VI. 3. Bericht der naturwissenschaftl. Vereins in Aussig a. d. Elbe. Bericht über die Senckenberg. naturf. Gesellschaft. 1875 -77. Abhandlungen d. naturforsch. Gesellschaft zu Nürnberg. Bd. 6. Bericht 24 d. naturhist. Vereins in Augsburg. Jahrbücher d. Nassauischen Vereins zu Wiesbaden. Jg. 29 u. 30. Bericht 19 — 25 des Vereins f. Naturkunde zu Kassel. Annuario della societä dei naturalisti in Modena. XII. 1. 2. Verhandlungen d. k. k. Zoolog. Botan.- Vereins in Wien. XXVII. Proceedings of the Royal soc. 175 — 183. Greenwich observations. 1875. Memoirs of the R. astronom. soc. Vol. XLIII. Tennant, J. F. Report on the Transit of the Venus. 4°. Cal- cutta 1877. Mittheilungen der k. k. Mährisch-Schlesisch. Gesellsch. Acker- bau u. s. w. Brunn. 1877. Jaarboek, Nederlandsch meteorolog. XXIV. 2. XXVIII. 1. Observations meteorol. des stations du second ordre dans les Pays-Bas. 1876. Hayden, Report of the Ü. S. geolog. survey. Vol. VII. Observations de Poulkova. Vol. VII. Jahresbericht der Nicolai-Hauptsternwarte. 1877. Annalen des physical. Central observat. von H. Wild. 1876. Atti della R. accademia dei Lincei III. Vol. IL 3. 4. 5. Schriften d. physical. Ökonom. Gesellsch. zu Königsberg. XVII. 1. 2. XVIII. 1. • Proceedings of the Zool. soc. of London. 1877. 3. 4. Bulletin de la soc. I. des naturalistes de Moscou. 1877. 4. Bulletin de la soc. Vaudoise des sc. nat. 79. Abhandlungen vom naturw. Vereine in Bremen. Bd. V. 3. 4. Beilage 6. Proceedings of the R. geogr. soc. Vol. XXII. 2. 3. Monatsbericht d. k. preuss. Akad. d. W. 1877. Dec. 1878. 1. 2. Notizblatt des Vereins f. Erdkunde zu Darmstadt. III. 16. Mineralogische Mittheilungen, Gesammelt v. G. Tschermack. 1877. 1-4. Zeitschrift d. deutschen geologischen Gesellschaft. XXIX. 4. Mittheilungen d. naturwissensch. Vereines f. Steiermark. 1877. Notizen. 187 Zeitschrift f. d. gesammten Naturwissenschaften. 1877. 1 (XLIX). Jahrbuch d. geolog. Eeichsanstalt. 1877. 4. Verhandl. 14-18. Sitzungsberichte d. Naturforsch. Gesellschaft zu Leipzig. 1877. 2—10. Korrespondenzblatt d. Naturforscher- Vereins zu Eiga. XXII. Jahrbücher d. Nassauischen Vereins f. Naturkde. XXIX. XXX. Nachrichten von der K. Gesellsch. d. W. zu Göttingen. 1877. Abhandlungen d. geolog. Reichsanstalt. Bd. VIII. 2. Memoires de la soc. des soc. nat. de Cherbourg. T. XX. Vierteljahrsschrift d. Astronomischen Gesellschaft. XIII. 1. Proceedings of the London mathematical soc. 124. 125. Bulletin de l'acad. I. de l'acad, de S. Pötersbourg. XXIV. 4. C. VonRedactionen. Der Naturforscher. 1878. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. D. Anschaffungen. Abhandlungen der Schweizer, paläontol. Gesellschaft. Bd. IV. Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie. 1876. 3. Berliner Astronomisches Jahrbuch f. 1880. Schweiz, meteorolog. Beobachtungen. XIII. 6. XlV. 4. Palasontographica. XXV. 3. Suppl. III, Lief. 1, Heft 2. General- register 3. The transactions of the Entomological society. 1877. 4. Liebig's Annalen d. Chemie. 191. Moleschott, Untersuchungen XII. 1. Jahrbuch über die Fortschritte d. Mathematik. Bd. VIII. 1. 4) Kurzer Bericht des Aktuars über 1877/78, von der Hauptversammlung vom 4. Juni 1877 bis und mit der Sitzung vom 11. März 1878. „In 10 Sitzungen werden 10 Vorträge gehalten von den Herren Prof. Fr. Weber, Prof Weilenmann, Prof. Cramer, Prof. Hermann, Dr. Luchsinger, Prof. Fliegner, Prof. Schär, Prof. Hermann, Prof. K. Mayer, Prof. Culmann und zehn kleinere Mittheilungen gemacht von den Herren R. Bill willer, Dr. Schoch, Dr. Keller, Prof. Gramer, Prof. Hermann (2), Prof. Baltzer, Prof. Hermann, Dr. Keller, Pho- tograph Ganz. Als ordentliche Mitglieder wurden in die Gesellschaft aufgenommen die Herren Architekt Mollet, Privat- docent Dr. Gröbli, R. Brunner, Chemiker in Küsnacht, Privat- 188 Notizen. dozent Dr. Winter, Chemiker Schöller, Prof. Grebe, Privat- docent Dr. Asper, im Ganzen 7 Mitglieder. — Ausgetreten sind die Herren Obertelegraphist Keller, Apotheker Müller, Dr. med. Vogler, im Ganzen drei Mitglieder. *— Durch den Tod verlor die Gesellschaft zwei Mitglieder: Herrn Privat- docent Dr. H. Weith und Herrn Dr. phil. Wiser (Legat von 200 Fr.). — Somit haben wir jetzt 164 ordentliche Mitglieder, 33 Ehrenmitglieder (von denen vielleicht ein Theil gestorben ist), 12 correspondirende Mitglieder. Zu Comitemitgliedern wurden ernannt die Herren Prof. Lunge, Dr. Kleiner, Prof. Schulze, Prof- Frobenius. 5) Es wird die Anzeige gemacht, dass Herr a. Rechen- schreiber Dr. Nüscheler vom Comite zum diessj ährigen Schuld- titelrevisor gewählt wurde. 6) Es sind der Präsident u,nd Vicepräsident der Gesell- schaft neu zu wählen. Im dritten Scrutininum wird zum Präsidenten Herr Prof. Wolf, im zweiten Scrutinium zum Vicepräsidenten Herr Prof. Fr. Weber gewählt. 7) Herr Prof. Weber hält einen Vortrag „Neue Unter- suchungen über die electromotorischen Kräfte chemischen Ursprungs". Derselbe wird im nächsten Hefte in extenso mitgetheilt werden. 8) Es wird angezeigt, dass das Desiderienbuch in jeder Sitzung aufgelegt wird. (A. Weilenmann.) Notizen zur Schweiz. Knlturgescliiclite. (Fortsetzung.) 269. (Forts.) K r u s e n s t e r n a n H o r n e r , Ass 1822 IV 20. Ich freue mich unendlich, dass Sie Ihren Freund und Lehrer, den braven Zach, besuchen werden. Empfehlen Sie mich ihin aufs freundlichste und aufs verbindlichste. Sagen Sie ihm von mir alles Mögliche Gute, wie sehr ich seine Liberalität erkenne, sowie seinen Eifer ein Buch gedruckt zu sehen, das es gewiss nicht verdient, so sehr von ihm protegirt zu werden. In mei- ner Vorrede habe ich es zwar öffentlich gesagt wie sehr ich ihm verpflichtet bin, und sollte ich zu wenig gesagt haben, so ist gewiss nicht Mangel an Dankbarkeit daran schuld. Notizen. 189 Buzengeiger an Homer, Tübingen 1822 VI. 11. Vor einigen Wochen haben wir endlich den grossen Sfüssigen Meridiankreis von Reichenbach in einem schon vor 4 Jahren erbauten steinernen Häuschen mit kupfernem Dach auf dem Schlosswall hier aufgestellt ; es ist ein prachtvolles Instrument und die Fernröhre daran vorzüglich, am hellen Mittag zeigt sie Sterne der 4. Grösse noch sehr schön. Ebenso vorzüglich ist das neue üniversalinstrument von Reichenbach, welches voriges Jahr schon für die hiesige Sternwarte angeschafft wurde. — Zur Regulation meiner Uhren habe ich so genau wie möglich in dem Meridian und in der Richtung gegen den Sirius in meinem Zimmer die Wand durchbohrt und eine kleine achromatische Fernröhre fest eingemauert. In der Fernröhre habe ich 9 verticale Spinnefäden. Mit dieser sehr einfachen Vorrichtung bekomme ich die Zeit immer auf eine halbe Seconde genau. Ist eigentlich ein festes Passage-In- strument, welches blos gegen den Sirius gebraucht werden kann. Diesen Stern kann ich das ganze Jahr beobachten, und ob er gleich gegenwärtig ganz nahe bei der Sonne ist, so sehe ich ihn wirklich heute um Mittag P 10"" 55' prächtig glänzend den ersten Faden passiren. H. W. Brandes an Homer, Breslau 1822 VI 15. Dop- pelten Dank bin ich dir für deine zwei Briefe und für deine theilnehmende Verwendung für meine Untersuchungen schul- dig. — Sehr schmerzlich ist es mir zu hören, dass dein lan- ges Stillschweigen so grossentheils von häuslichem Leide und Krankheiten herrührt und dass du so sehr viel trübe Tage zu ertragen gehabt hast. — Auch ich habe freilich von man- chen trüben Tagen zu erzählen; doch geht es jetzt meiner Frau und 4 Kindern recht leidlich, und ich selbst halte mich noch immer am gesundesten ; aber fi-eilich wer ein sechsfaches Ich hat, ist selten lange von allen Leiden frei. Möge dir nun wenigstens von Seiten der Kinder soviel Glück beschie- den sein, als wir durch die unsrigen geniessen. — Die me- teorologischen Untersuchungen machen jetzt nur einen Ne- benzweig meiner Beschäftigung aus. Ich schreibe au einer höhern Geometrie, deren erster Theil soeben fertig erschienen ist. Meine Vorlesungen machten es mir zur Pflicht diese 190 Notizen Gegenstände fleissig zu bearbeiten, und das geschieht nicht besser als wenn man es zum Druck bearbeitet. Wenn Ge- sundheit und sonst günstige Zeiten es unterstützen, so wird in 172 Jahren der 2'. Band fertig. — lieber die Angriffe auf Zach habe ich sehr wenig bis jetzt erfahren. Arago's Schrift habe ich noch nicht gesehen und nur durch Olbers erfahren, dass sie sehr heftig ist. Zu bedauern ist es allerdings, dass die Astronomen Zach's Verdienste verkennen; es mag jetzt frei- lich mancher weiter sehen als Zach, aber doch nur indem er auf seinen Schultern steht. — Von Benzen berg weiss auch ich wenig. Ich sah ihn voriges Jahr in Berlin und zuletzt noch in Göttingen. Seine Thätigkeit für die Physik ist fast ganz hin, daher ist auch unsere Correspondenz fast ganz zu Ende. Krusenstern an Homer, Ass 1822 VII 4. Sie erhal- ten hiebey meinen Aufsatz über die Strömungen im Süd- meere; so unvollkommen er auch seyn mag, so will ich es doch wagen ihn in die Welt zu schicken; er kann wenigstens Jemand als Aufforderung dienen Etwas Besseres dieser Art zu leisten. — Die zufällige Entdeckung einer Insel in der Nähe der B. . . . - Bay *) scheint wohl das ganze Resultat der Entdeckungs-Expedition des Capitain Wasiliefl' zu seyn. Es ist so schade dass man dem Kotzebue nicht das Commando gegeben hatte; sicher wäre sie besser ausgefallen, und wenn er auch nicht um das Eis-Cap hätte herumkommen können, was auch dem Wasilieff nicht gelungen ist und vielleicht kei- nem gelingen wird, so wäre doch unter seinem Befehl die Un- tersuchung der Küste zu Lande zu Stande gekommen, wie es Kotzebue in seiner Instrukzion vorgeschrieben war; daran scheint man aber nicht gedacht zu haben, und doch ist es das Einzige was man thun kann und thun muss, um mit dem Problem der nördlichen Durchfahrt ins Reine zu kommen. Gott erhalte den unternehmenden Parry, er mag nun reussi- ren oder nicht die Behrings-Strasse zu erreichen. Jetzt wird wohl nicht sobald eine neue Expedition nach jenen Gegenden unternommen werden, und trotz aller Kosten sind wir in un- *) Der Name der Bay ist absolut unlesbar; überhaupt sind manche der Krusenstern'schen Briefe fast gar nicht zu entziffern. Notizen. 191 sern Versuchen von Westen nach Osten nicht weiter gekom- men als Cook- — Kotzebne ist in Nr. 52 der Quaterly Review stark mitgenommen worden, besonders dafür dass er 1816 die Behrings-Strasse so bald, d. h. gegen das Ende des August, verlassen hatte; allein Kotzebue durfte sich nicht ins Eis wagen, dazu war sein Schilf zu schwach gebaut (Wasilieff hat die Behrings-Strasse den 8. August verlassen); auch war es ihm nicht in seiner Instruczion vorgeschrieben nach Nord und Osten um das Eis-Cap vorzudringen ; er sollte nur 1816 vorläufig recognosciren , weil er im folgenden Jahr die Land-Expedition längs der Küste unternehmen sollte, von welcher er durch seine Krankheit abgehalten ward. Hätte Hoffmann die Instruczion mit aufgenommen, so wäre K. dieser Vorwurf nicht gemacht worden, der sehr nachtheilig für ihn wirken kann, da ich Ursache habe zu glauben dass der Kaiser diesen Artikel gelesen hat; wenigstens auf andere Personen kann das Urtheil der Engländer einen grossen Eindruck ma- chen. Ich tadle Kotzebue 1° dass er zu früh seine Reise nach Unalaska antrat; er hätte noch einen Monat zum Aufsuchen der Kette Ralick anwenden sollen, und wäre immer noch zei- tig genug in die Behrings-Strasse gekommen ; 5° dass er, nachdem sein Schiff in Manilla aufs Beste und Kostbarste re- parirt worden war, nicht noch einmal einen Versuch nach der Behrings-Strasse machte, und statt dessen nach Hause zu- rückeilte; 3° sich Monate lang in der Nähe der Kette Ralick aufgehalten und sie nicht aufzusuchen und diess einem An- dern zu überlassen war nicht Recht. Man wird indess aus meinem Memoire der Marshall-Inseln sehen, dass die Kette Ralick bereits entdeckt worden ist, wenigstens die Meisten der von Kotzebue angeführten Inseln. Der Artikel im Qua- terly Review hat eine diplomatische Wichtigkeit bekommen, des Ausfalls wegen über Russland, in Betreff der NW Küste von Amerika. Unser vortrefflicher Kaiser vei'dient nicht die Vorwürfe, die man sich erlaubt hat ihm zu machen. Den Her- ren Protectoren der Russisch- Amerikanischen Compagnie wird man es allein zu verdanken haben, wenn zwischen uns und Amerika und England Differenzen über diesen Gegenstand ent- stehen sollten. Ob wir von einer Küste, an der wir uns we- 192 Notizen. der ansiedeln, noch die wir vertheidigen können, ein paar Grad mehr oder weniger besitzen, ist wahrlich gleich viel; doch es gehört mit zum Patriotismus viel haben zu wollen. H. W. Brandes an Horner, Breslau 1822 VII 24. Für die vielen Lobsprüche, die du mir machst, bedanke ich mich demüthigst. — Gegen die Abgöttereien in Beziehung auf die Analysis bin ich auch, und obgleich ich es für Pflicht halte die glücklichen Entdeckungen zu rühmen, die Euler u. a. ihrem unbegrenzten Vertrauen auf die Analysis (im Rechnen mit unmöglichen Grössen, Weglassen von Grössen bei unendlich gesetzten Werthen, etc.) verdankten, so zeige ich doch immer die Nothwendigkeit auf dem Wege des ver- nünftigen Ueberlegens zu dem Resultate zu gelangen und die analytischen Sprünge nicht zu leicht zu wagen, — es geht mir da freilich, wie es gewöhnlich geht, ich warne vor den Sprüngen, wozu ich mich nicht im Stande fühle. — Unter drei Büchern, die eine unerträgliche Allgemeinheit in ihren Darstellungen und Schlüssen zu erreichen suchen, ist mir ei- nes der unerträglichsten „Grelle, über die Rechnung mit ver- änderlichen Grössen" gewesen. Vor lauter Gelehrsamkeit ist es unmöglich aus dem Buche etwas zu lernen. Selbst La- grange ist traitabler, aber ich finde doch, dass man lange Commentare machen muss, ehe man sagen kann, man ver- stehe ihn. — Ich wünschte auch wohl ich wäre dir näher : denn einen sich recht anschliessenden Freund finde ich hier doch auch nicht. Ob ich aber je eine Reise nach der Schweiz machen kann, das steht sehr dahin. Ich mag nicht von Frau und Kindern entfernt sein, und habe überhaupt mit der Er- ziehung der Kinder zu viel zu thun, als dass ich fort könnte; ehe die also nicht gross sind, kann ich an so weite Reise ohne Nothwendigkeit nicht denken. Sonst möchte ich die Schweiz wohl sehen! Wenn du 'uns besuchen willst, so sollst du eine gute Aufnahme finden, so wie jeder deiner Freunde. Muncke an Horner, Heidelberg 1822 X 27. Wenn ich so frey bin in einer für mich wenigstens und wie ich hofi'e auch im Allgemeinen sehr bedeutenden Angelegenheit an Euer Hochwohlgeboren zu schreiben, so zweifle ich keinen Augenblick desswegen gütigst entschuldigt zu werden. Seit Notizen. 193 geraumer Zeit habe ich nämlich mit dem. Buchhändler Schwi- ekert in Leipzig über eine neue Ausgabe des Wörterbuches der Physik von Gehler unterhandelt, ein Unternehmen wovor sich schon andere Gelehrte scheuten und an welches ich gleich- falls mich nicht gewagt hätte, wäre mir nicht das Yerspre- chen einer gütigen Mitwirkung von bedeutenden Gelehrten zugesichert. Obgleich nämlich Einheit des Ganzen bey einem solchen Werke Hauptsache ist, so halte ich es doch bey dem jetzigen Bestände der Wissenschaft für einen einzelnen Ge- lehrten für ganz unmöglich etwas so vollendetes, als in dieser Art mit Recht erwartet werden muss, zu liefern. Um aber mit der Theilnahme verschiedener Gelehrten die Einheit des Ganzen zu vereinigen, habe ich nicht artikelweise, sondern fächerweise vertheilt. Es übernimmt nämlich mein College G m 6 1 i n alles Chemische und Mineralogische, — Brandes in Breslau alles Astronomische und Optische, mit Ausnahme des zu letzterem gehörenden Physiologischen und der neuesten Erweiterungen, — P f a f f in Kiel, wie ich bestimmt erwarte, Electricität und Wärme, — alles übrige und die Zusammen- stellung des Ganzen bleibt mir, und ich hoffe hiermit in der bestimmten Frist von vier Jahren fertig zu werden, obgleich nur die Form und Anlage nebst wenigem der alten Ausgabe bleibt, und alles neu nach dem gegenwärtigen Bestände der Wissenschaft ausgearbeitet wird. Nun ist noch ein ganz für sich bestehender, in sich abgeschlossener und daher interes- santer Abschnitt übrig, nämlich Magnetismus*), und da Euer Hochwohlgeboren gerade mit diesem Gegenstande sich vertraut zu machen viele Gelegenheit gehabt haben, so frage ich gehorsamst an, ob Sie nicht geneigt sind die Bearbeitung desselben gefälligst zu übernehmen. — Die Bedingungen des Vertrages sind zwar nicht auffallend glänzend, aber doch nach meinem Dafürhalten billig. Derselbe zahlt nämlich an jeden Mitarbeiter nach dem Abdrucke jedes Bandes für den gedruckten Bogen zehn Reichsthaler baar und ein Freyexem- plar auf Schreibpapier., — Ich empfehle Euer Hochwohlge- *) Homer übernahm später noch eine Reihe anderer Artikel, — vergl. das Bd. 2 pag. 401 der Biographien gegebene Verzeichniss. HLXIII. 2. 13 // 194 Notizen. boren diese gute Sache angelegentlich und bitte um eine bal- dige geneigte Antwort. Krusenstern an Homer, Zarsko 1822 XI. Bey mei- ner Ankunft hier habe ich die Freude gehabt Ihre Briefe vom 14. Sept. und 14. Octob. vor mir zu finden. Dass aus dem Drucke meiner Hydrographie in Genua nichts werden kann, thut mir nur insofern leid, dass ich schon zu viel damit ge- prahlt habe. Ich erkenne nichts desto weniger den guten Willen des braven Zach, der an der Indolenz der Italiener ge- scheitert ist. Mit dem Vorschlag 100 Exemplare zu nehmen war es ihm gewiss Ernst, und ich müsste sehr undankbar seyn diesen Beweis seiner Freundschaft nicht sehr zu erken- nen. Wo gibt es denn jetzt Leute, die bloss aus Eifer für eine Sache, die nützlich zu werden verspricht, solche Opfer zu bringen so bereit sind. Ich werde mich herzlich freuen den guten Zach in Zürich etablirt zu sehen ; in Ihrer Nähe wird er sich glücklich finden, — auch mir wird er dadurch näher, und ich werde mit Sehnsucht der Nachricht entgegen- sehen, dass der Entschluss das herzlose Italien zu verlassen bey ihm zur Reife gekommen ist. Horner an Trechsel, Zürich 1822 XI 29. Eine Ein- ladung der Direction der allg. Gesellsch. Schweitz. Naturfor- scher, mit Ihnen, mein hochgeschätzter Freund, und mit Hrn. Prof. Pictet mich in Rapport zu setzen, giebt mir eine ange- nehme Gelegenheit mit Ihnen wieder einmal einige freund- schaftliche Briefe zu wechseln. Meine schnelle Abreise nach Genua hat mich diesen Sommer um das grosse Vergnügen gebracht, Sie und meine übrigen ßerner-Freunde zu sehen und Ihre schöne Sternwarte zu besichtigen, deren Beschrei- bung ich in der Bibl. univers. mit vielem Interesse gelesen habe. Vielleicht führt das kommende Jahr mich einmal durch Bern. Da Sie sich nun so geschickt und fleissig mit Astro- nomicis abgeben, so werden Sie auch mit allen litterarischen Hülfsmitteln dieser Wissenschaft sich vertraut halten, wor- unter ich vorzüglich die Astronomischen Zeitschriften rechne, als Schumacher 's Astronomische Nachrichten und Zach 's Correspondance astronomique et geographique. Gerne würde ich auch die Publicationen lesen, die Young, Brinkley und Notizen. 195 Pond von Zeit zu Zeit in dem Journal of the Royal Institu- tion bekannt machen, wenn es nur anginge dieses zu erhal- ten. Sollten nicht in Bern ein paar Englisch lesende Phy- siker seyn, mit denen man zur Haltung dieses Journals in Allianz treten könnte ? Prof. Huber in Basel wäre dann ge- wiss auch dabey. — Nun ein paar Worte über unser Ge- schäft. Dieses besteht vorerst im Einsammeln von Notizen über den gegenwärtigen Bestand von Maassen und Gewichten in allen Cantonen der Schweitz. Hier scheint mir folgendes zu thun nöthig : i** dass wir uns vertheilen, welche Cantone Jeder von uns drey Comittirten übernehme. 5° dass wir das Normalmaass und Gewicht festsetzen, in welchem die Werthe der gebräuchlichen Maasse evaluirt werden sollen. 5° dass wir für die Correspondenten derjenigen Cantone, deren Maasse und Gewichte wir nicht selbst untersuchen können, nöthigen- falls eine Art Instruction aufsetzen , wie sie z. ß. bey Mes- sung der Hohlmaasse etc. zu verfahren haben. Erst nachdem wir alle Angaben beysammen haben, wird von ihrer Redac- tion und Zusammenstellung die Rede seyn können. — Den ersten Punkt betreffend glaubte ich genug zu thun, wenn ich die Cantone Tessin, Graubündten, St. Gallen und Appenzell, Schwytz, Glarus, Zug, Thurgau und Zürich übernähme, und Ihnen überliesse sich mit Hrn. Pictet in die Uebrigen zu thei- len. Für das 2te würde ich unmaassgeblich den franz. pied de Roy. den franz. zwölftheiligen Cubiczoll und das poids de Marc vorschlagen, von welchen man genaue Copien hat. Zum Behuf des 3t. Puncts sollte wobl das Wasser, selbst zur Mes- sung hölzerner Maasse, deren Fugen man mit Wachs ver- strichen hat, das zuverlässigste Erforschungsmittel seyn. Vor- schläge und Grundsätze über neue Maasse werden uns dann noch genug zu thun geben. Hierüber möchte ich mich wol unter Anderm auch auf das beziehen, was ich über die neue Maassordnung des Cantons Waadt in einer Vorlesung der hies. Naturforsch. Gesellschaft gesagt habe, und was unser Staatsrath üsteri in die üeberlieferungen d. J. einrücken Hess. Einen besondern Werth würde ich darauf setzen, dass man vom Meter abstrahire, und das neue Maass in ein pas- sabel rationales Verhältniss zur Länge des Pendels, das im 196 Notizen. luftleeren Raum unter 45° Breite mittlere Zeit-Secunden schwingt, bringe. — So viel für einmal über den Gegenstand. Es würde micb sehr freuen, Ihre und Hrn. Pictet's Gedanken über die Sache zu erfahren. Schumacher an Horner, Ahrensburg 1822 XII 12. Ich habe Ihnen, mein verehrter Freund, schon lange schreiben wollen, allein bei Vermessungsarbeiten (noch immer bin ich im Felde) wo man des Abends ermüdet zurück kommt, und bei manchen andern kleinen Arbeiten die auf mir liegen ist das bisher unterblieben. — Diesen Sommer habe ich. Ihnen 4 Exemplare der Hülfstafeln gesandt, 1 für Sie und die 3 an- dern mit der Bitte sie an Oriani, Carlini und Plana zu be- fördern. Ich hoffe Sie haben mir meine Freiheit verziehen, da Sie selbst mir erlaubten Ihre Güte für Italien in Anspruch zu nehmen. — Bekommen Sie meine A. N. richtig ? es ist jetzt schon Nr.. 24 mit mehreren Beilagen heraus. — Noch immer warte ich auf Ihre mir gütigst versprochenen Bei- träge. — Repsold befindet sich wohl, und geht seinen stillen und sichern Gang zur Vollkommenheit. Er theilt jetzt nach Reichenbachs Manier eine Bfüssige Theilmaschine. — Verges- sen Sie mich nicht ganz, Horner an Trechsel, Zürich 1823110. Hiebey, mein hochgeschätzter Freund, folgen die Entwürfe eines Schreibens an die Schweitz. Cantonsregierungen und eine Anleitung, wie die Maasse und Gewichte unserer Commission mitzutheilen seyen *). Sie sind ermächtigt. Alles und Jedes nach Belieben *) Der erste der beiden Horner'schen Entwürfe liegt dem Briefe noch bei, und lautet wie folgt: „Das grossmüthige Interesse, mit welchem Hochdieselben jede Bestrebung zum Besten des Vaterlandes aufzunehmen gewöhnt sind, ermuthigt die Endesunterzeichneten Ihre geneigte Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand hinzulenken, der, wenn er auch an sich nicht von dringender Wichtigkeit ist, uns dennoch in Beziehung auf das Ganze Ihrer Theilnahme nicht un- werth zu seyn scheint: er betrifft die Maasse und Gewichte in unserm Vaterland und ihre Verbesserung. — Es ist keinem Zweifel unterworfen, dass die möglichste Gleichheit der Maasse und Gewichte zu den wohlthätigsten Einrichtungen eines Landes ge- Notizen. 197 daran zu ändern, zu bessern, hinzuzusetzen, abzuschneiden, soffar das Ganze zu unterschlacren. Die Instruction ist etwas höre. Durchdrungen von der Wahrheit dieser Bemerkung haben bereits mehrere unserer vaterländischen Regierungen sich bemüht, wenigstens in dem eigenen Canton jene Uebereinstimmung zu Wege zu bringen. So nützlich diese Verbesserungen sind, so würde doch ihr Werth noch bedeutend erhöht werden, wenn sie umfassender wären, wenn alle oder doch mehrere Cantone der Schweitz zur An- nahme einer gemeinsamen Maass- und Gewichts-Ordnung sich ver- einigen könnten. Ob und in wie weit dieses möglich sei, lässt sich erst dann beurtheilen, wenn man sich eine umständliche Kenntniss von dem gegenwärtigen Bestand der Maasse und Gewichte in der Schweiz verschafft hat. Die allgemeine Gesellschaft Schweitzeri- scher Naturforscher, bemüht ihre Thätigkeit vorzüglich practisch nützlichen, dem Vaterland erspriesslichen Gegenständen zuzuwenden, hielt es ihrer Stellung für angemessen mit dieser Vorarbeit sich zu beschäftigen, und sie hat daher in ihrer letzten Sitzung vom Juli 1822 in den Endesunterzeichneten Mitgliedern ein Comite an- geordnet, welches hierüber die nöthigen Data einsammeln soll. Die Beauftragten glauben bey einem Gegenstand von polizeylicher Na- tur der geneigtea Unterstützung der betreffenden hohen Cantons- Regierungeu vorzugsweise zu bedürfen, und in dieser Hinsicht wa- gen sie es Hochdenselben folgende ehrerbietige Bitten vorzulegen : 1" dass es Hochdenselben gefallen möchte, einen Mann des betref- fenden Faches uns anzuweisen, welcher mit einem von uns über die fraglichen Gegenstände in schriftliche oder andere Mittheilung träte, die Grösse der in Ihrem Canton gesetzlichen und gebräuchlichen Längenmaasse, Peldmaasse, Gewichte, der trockenen und nassen cubischen Maasse in möglichster Vollständigkeit nach der beylie- genden Anleitung, uns bekannt mache. 2^ dass Hochdieselben ge- ruhen möchten zu erlauben, dass alle über diesen Gegenstand in Ihren Archiven vorhandenen Schriften, Verordnungen, Untersuchun- gen, etc. uns raitgetheilt werden. — Ueberzeugt von der edeln Theilnahme, welche Hochdieselben allem demjenigen widmen, was unserm Vaterlaude zum Lobe oder Nutzen gereichen kann, nähren wir die angenehme Hoffnung, dass Sie auch diesen, an sich zwar geringen, doch durch seine tägliche Anwendung wichtigen Gegen- 198 Notizen. weitläufig gerathen : allein ich glaubte, dass es für Manchen, der sie erhält, nicht undienlich sein möchte, vollständiger untei-richtet und in den Gesichtspunkt der Sache gestellt zu werden. Auch schien mir z. B. die wohlbekannte Methode des Ausmessens der Hohlmaasse durch Abwägen mit Wasser noch zu grossen Schwierigkeiten unterwoi'fen, um sie als ein- zige und absolute Norm aufzustellen- Uebrigens sollte es nicht schwer seyn, aus meinem Versuch eine kürzere und mehr reglementarische Instruction abzuleiten. In Betreff der Vervielfältigung dieser Scripturen , für deren Besorgung ich Ihre Gefälligkeit in Anspruch nehmen möchte, glaube ich, sey es schicklich, das Schreiben an die Regierungen durch ge- schriebene Copien, die Instruction dagegen durch Steindruck zu vervielfältigen. Auch die Uebersetzung ins Französische muss ich Ihüen aufladen, da meine geringe Kenntniss dieser Sprache eine solche Arbeit mir allzuschwierig machen, und der Erfolg meinen Wünschen nicht entsprechen würde, — Ich bin leider mit allen meinen Arbeiten so ziemlich im Gedränge ; die Hauptursache ist, weil ich seit ein paar Monaten auf Freyersfüssen bin. Nachdem ich nemlich vor einem Jahre meine geliebte, durch mancherlei Vorzüge theure Gattinn nach mehrjährigen Leiden verloren hatte, schien mir meine ganze Lage, vornehmlich die Erziehung meiner zwei Kinder,' die Herstellung eines glücklichen häuslichen Verhältnisses zu er- heischen, und ich habe das Glück gehabt eine Wahl zu tref- fen, die alle meine wesentlichen Wünsche in vollem Maasse erfüllen wird. Der Gegenstand meiner Hoffnungen ist ein Frauenzimmer von 30 bis 40 Jahren, seit 13 Jahren Wittwe, Mutter eines wohlerzogenen Sohnes, die Schwester eines un- serm altern Schenk wohlbekannten Freundes, Hrn. Escher in der Neumühle. Einfachheit, Treue und Geradheit des Cha- rakters, eine seltene Güte des Herzens, mit Verstand und stand Ihrer geneigten Aufmerksamkeit würdigen, und mit gefälliger Beschleunigung unsern ehrerbietigen Wünschen entsprechen werden. — Genehmigen Hochdieselben die Versieb erung der Ehrfurchtsvollen Ergebenheit, mit welcher wir die Ebre haben zu seyn, Ihre gehor- samsten Diener, die Professoren Pictet, Trecbsel, Homer. Notizen, 199 häuslichem Sinne verbunden, sind die Vorzüge, die mich zu ihr hinzogen, und die gute Meinung, welche das Publikum mir schenkt, half mir die Schwierigkeiten überwinden, welche anfangs meinem Gesuch entgegenzutreten schienen. Sollte ich im Frühling oder Sommer vielleicht auf einer kleinen Hoch- zeitsreise über Bern kommen, so sollen Sie, wie ich hoffe, mir es ansehen, dass ich glücklich und zufrieden bin. — Um noch auf ein unerfreuliches Capitel zu kommen, — was sagen Sie, mein theurer Freund! zu dem neuen Aarauer Präsiden- ten der Allg. Schweitz, Naturf. Ges., dem Expater Xavei'ius Bronner? Da wäre denn Zschokke, den man vermeiden wollte, doch noch vorzüglicher gewesen. — Nun noch Ant- wort auf Ihre Frage wegen unserm theuren, unersetzlichen Linth-Escher. Ich habe, im Vertrauen gesagt, wenig Hoffnung für seine Genesung. Das Uebel sitzt tief und eingewurzelt. Ausserordentliche Abzehrung, Mangel an Appetit, Unordnung in den Verrichtungen des Magens und der Eingeweide, schei- nen eine innere bedeutende Verderbniss dieser Theile anzu- deuten. Der Umstand, dass der Kranke beim Stehen einen unerträglichen Schmerz in den Eingeweiden empfindet, lässt daselbst innere Geschwulsten und Verhärtungen von mehr oder weniger entzündlicher Art vermuthen, und die Hämor- roidalgeschwulst im After, so grosse Schmerzen sie auch dem Patienten verursacht, ist dagegen nur etwas äusserliches, un- gefährliches. Der Patient, der seine Leiden als wahrer Phi- losoph erträgt, setzt nun seine Hoffnung auf den Frühling. Möchte doch diese erfüllt werden ! ! Trechsel an Homer, Bern 1823, I. 19. Von ganzem Herzen, von ganzem Gemüth und aus allen Kräften wünsche ich Ihnen Glück zu Ihrer bevorstehenden neuen glücklichen und weisen Verbindung, Nicht nur, was Sie mir selbst über den Gegenstand Ihrer in jeder Hinsicht vortheilhaften Wahl mitzutheilen die Freundschaft erwiesen, sondern auch das, was ich seither noch von andern Seiten, namentlich von Hrn. Kanzler Mousson von Ihrer zukünftigen Gattin in Erfahrung bi-achte, giebt mir eine so vortreffliche Meinung von der- selben, dass ich von Herzen spreche: Sie ist Ihrer würdig, und Gott erhalte sie Ihnen recht lange zu Ihrem vollen häus- 200 Notizen. liehen Glück und Segen, und zu demjenigen Ihrer so hofi- nungsvollen Kinder, von denen mir Hr. Mousson gleichfalls nicht Vortheilhaftes und Erfreuliches genug sagen konnte. Eins aber wünsche, mahne und bitte ich noch, dass der Herr Bräutigam den loblichen Entschluss, die Hochzeitsreise über Bern zu nehmen, nicht vergesse. Den Hochzeitsknoten zu knüpfen und recht fest zu knüpfen, kann ich sogar meine Dienste anbieten, maassen ich, wie Euer Wohlehrwürden, geistlich bin, und hier zu Lande in dem Rönommöe stehe, dass die Knoten von mir geschürzt, recht tüchtig halten! — Was mir nun nach dieser Herzens-Ergiessung billig das Zweyte seyn soll, ist Dank, verbindlicher Dank : Erstens für die schon früher übersandten opera astronomici argumenti, die ich mit allem Fleiss und Eifer zu studiren angefangen habe, und für welche Ihnen auch die Herren Studer an Ihrem Theil ver- bindlich danken. Sodann für die mit so viel Sorgfalt, Gewandt- heit und genauer Sachkenntniss verfassten zwei Schriften in unserm Maassgeschäfte. Das Schreiben an die Regierungen ist ein wahres diplomatisches Meisterstuck, an dem kein jota zu ändern ist. In der so klaren und gehörig ausführlichen Instruction habe ich nur ein Wort hinzugesezt, nemlich den ßath die hölzernen Stäbe eine Zeit lang vor Auftragung der Pussmaasse erst mit heissem Leinöl, dann mit Oelfarbe zu bestreichen, und an der Sonne wohl austrocken zu lassen. — Seit dem Neujahr ist mein Observatorium wie eingeschneit; ich muss mir jedesmal durch tiefen Schnee hindurch erst Weg bahnen. Auch ist mir die Uhr in einer kalten Nacht, wo das Thermometer auf — 14 ° gieng, stehen geblieben. Es ist hohe Zeit, dass ich sie wieder flott zu machen versuche um der Mondfinsterniss am 26. aufzupassen. — Auch mir ist die Wahl von X. Bronner zum Präsidenten der naturforschenden Gesellschaft nicht ganz recht. Indessen es war nicht wohl anders zu machen, nachdem Zschokke gegen Rengger früher zurückgesetzt worden war. Uebrigens sage ich Ihnen im Vertrauen, dass mir persönlich der ehrliche, geschwätzige, rüstige, heitere und in Naturwissenschaft wohl bewanderte Greis, der letzten Sommer zu Fuss und wohlbestaubt in vollem Enthusiasmus von Aarau hergekommen war, und herrlich Notizen. 201 und in Freuden an allem herzlich Theil nahm, wenigstens ebenso lieb und achtungswerth ist, als der hochglänzende, viel- gewandte , aber — auf jeden Fall und gelinde gesagt — un- schweizerische Zschokke, welcher ebenfalls in letztem Sommer bey seiner Anwesenheit in Bern der Gesellschaft nicht ein- mal die Ehre anthun wollte einer Sitzung beizuwohnen. — Es bleibt mir nur noch so viel Zeit übrig um mit dem auf- richtigen, herzlichen, innigen Wunsche zu schliessen: Gott erhalte unsern Linth-Escher ! Bohnenberger an Homer, Tübingen 1823 I 30. Ich ergreife diese Gelegenheit auch einige Zeilen an Sie zu schreiben und Sie zu fragen, wie sich unser alter Freund v. Zach be- findet, der nun doch ziemlich alt seyn muss. Dass er noch immer sehr thätig ist, schliesse ich aus seiner Corresp. Astr., die ich übrigens noch nicht habe zu Gesicht bekommen können. Unsere Buchhändler stehen mit Italien in gar keiner Ver- bindung und es ist daher immer schwer sich von daher Schriften zu verschaffen. Vielleicht haben Sie die Güte mir einen Weg anzuzeigen, auf welchem ich die Corresp. astr. erhalten könnte. — Buzengeiger hat sich schon sehr viele Mühe mit den Chronometern gegeben. Sein Echappement war entweder das von Emery oder das von Howels, letzteres mit zwey auf der Ebene der Platinen senkrechten an einer gemeinschaftlichen Axe befindlichen Steigrädern, welche ihre Zähne gegeneinander kehren, und dann den gewöhnlichen Taschenuhren ähnlich sind. Beyde Echapp. sind übrigens nicht wesentlich verschieden. Erst seit einiger Zeit hat er auch einen Versuch mit einem von Breguet angegebenen (eigentlich von Berthoud erfundenen) Echappement gemacht, bei welchem der Balancier nur bei dem Schwung nach der einen Seite durch das Räderwerk einen Stoss erhält, bei dem Schwung nach der andern Seite aber bloss eine feine Feder mit einem kaum hörbaren Geräusch auslöst, so dass die ULr halbe oder ganze Sekunden zu schlagen scheint, je nachdem der Balancier in einer Sekunde 4 oder 2 Schwin- gungen macht. Die bisherigen Versuche zeigen übrigens, dass gute Chronometer immer werden hoch zu stehen kommen. Indessen kann man um einen billicren Preis auf Reisen sehr 202 ISotizen. brauchbare Chronometer verfertigen, insofern man nicht Längenbestimmungen damit machen, sondern nur in der Geschwindigkeit ein Observatorium aufschlagen will, wo die Chronometer doch viel bequemer, und wenn man kein festes Gebäude findet, sicherer sind als Pendeluhren. Durch solche tragbare Uhren wäre nun doch schon vieles gewonnen, indem man sich auf ein paar Tage, wenn sie ruhig bleiben, ziemlich auf ihren Gang verlassen kann. Vielleicht können wir Ihnen bald bestimmtere Nachrichten hierüber geben. — Das Uni- versal- Instrument des Herrn von Zach habe ich in ]^[ünchen halbfertig, und zwei oder drei Jahre hernach arg zugerichtet, nachdem es Herr v. Zach wieder zum Eepariren zurück- gesendet hatte, gesehen. Ich besitze ein vertreffliches Instru- üient dieser Art, eine der letzten Arbeiten Eeichenbach's selbst und kann jetzt ganz gut ohne Gehülfe damit beob- achten, was anfänglich nicht recht gehen wollte. Es erfordert eine äusserst sorgfältige Behandlung, gibt aber alsdann sehr gute ßesultate. Die Fernröhre daran ist vortrefflich, und zeigt Sterne der zweiten und dritten Grösse am hellen Tage. Homer an Trechsel, Zürich 1823 II 10. Den innig- sten Dank Ihnen, mein theurer, hochverehrter Freund ! für Ihren herzlichen, theilnehmenden Brief. Mögen Sie mit der Zeit gelegentlich sich selbst von der unbezweifelten Erfüllung aller Ihrer guten Augurien bev mir überzeugen. Gerne würde ich mir auch noch Ihren priesterlichen Segen dazu erbitten, wenn ich nicht einen Bruder hätte, der sich dieses Werk nicht gerne nehmen liesse. — Nun von andern Sachen: Vor AUem aus bitte ich Sie dringend mir auf irgend einem Wege sobald als möglich zu berichten, was es mit der Beschädigung, die Sie durch die Explosion eines Flintenlaufs erhalten haben sol- len, für eine Bewandtniss hat. Ich hörte vor einigen Tagen eine unbestimmte Aeasserung darüber, und bin nun sehr be- unruhigt über Ihren Zustand, da Zufälle dieser Art oft mit gar heftigen Wirkungen begleitet sind. Lassen Sie mir durch irgend eine Hand doch nur ein paar Worte darüber zuschrei- ben. — Unser herrliche, unersetzliche, von allen Guten und Verständigen, vom Vaterland und den Wissenschaften zu be- weinende L i n t h - E s c h e r ist nicht mehr. Er entschlief Notizen. 203 gestern (Sonntag) Mittags um 1 Uhr ohne sichtbare Leiden. Seine Schwäche hatte in den letzten Tagen so zugenommen, dass der sonst so kräftige Geist den Körper nicht mehr zu den bisherigen Anstrengungen zu erheben vermochte, und das Aufstehen aus dem Bette ihm unmöglich ward. Sonntag Morgens nach einer, scheinbar leidlichen Nacht, schlief er lange und erwachte dann ohne Bewusstseyn ; der dumpfe Schlummer endigte mit einem letzten Aufblick um 1 Uhr. Seine Familie ist untröstlich, und sein Tod ist auch denen noch schmerzlich, die schon lange darauf sich verfasst hatten. Krusenstern an Horner, Ass 1823 III 4. Ich muss Ihnen melden, dass ich seit der Rückkehr des Kaisers auf Vorstellung des Ministers wirkliches Mitglied der Admiralität geworden bin, und zugleich die Oberaufsicht über die Biblio- thek habe, die seit 12 Jahren in einem verwaisten Zustande gewesen ist ; dieser letztere Auftrag wird mir vors Erste viel zu schaffen machen; indess ich werde es gerne thun um dem Zutrauen zu entsprechen, das der Minister zu mir hat. — Ferner kann ich Ihnen die frohe Nachricht geben, dass Kotzebue das Kommando einer kleinen Fregatte von 24 Kanonen be- kommen hat, das bestimmt ist eine Keise in die Südsee zu machen; er wird wahrscheinlich den Befehl bekommen drey Jahre wegzubleiben um alle Lücken auszufüllen, deren es noch mehrere in dem Süd-Meere gibt; dazu rechne ich die Salomon-Inseln, den Archipel der Ralick-Inseln, die Carolinen, die Nord-Küste von Neu-Irrland, die Navigator-Inseln, zuletzt die Aleutischen Inseln und die Ost-Küste von Kamtschaka. Es wäre schön wenn Kotzebue den Versuch wiederholte die Küste desPolar-Meers zwischen dem Eis-Cap und dem Mackenzie- Fluss *) zu untersuchen; vielleicht begegnet er Parry, oder kann dazu beitragen, sollte P. gescheitert oder vom Eise ein- geschlossen seyn, ihn und s. Mannschaft zu retten; ob diess geschehen wird, das melde ich Ihnen in meinem nächsten Brief. Ich habe ein kleines Memoir dazu entworfen, das der Admiral Miller, sollte er die Idee approbiren, dem Kaiser gewiss unterlegen wird, und da den Kaiser Entdeckungs- *) Wenn ich richtig lese. 204 * Notizen. reisen sehr interessiren, so ist es nicht unmöglich, dass auch er sie genehmigen wird. — Der Admiral Moller hat beschlossen, was der Kaiser auch sogleich approbirt hat, einige Gelehrte mitgehen zu lassen, aber keine Schmetterlings-Fänger und Mollusken-Fischer ; wiewohl keine Branche der Wissenschaften verachtet werden darf, so muss man doch gestehen, dass man auf solchen ßeisen fast nur für die Naturgeschichte gearbeitet hat, d. h. für Botanik und Zoologie; für Mineralogie, d. h. für G-eognosie ist auf keiner Reise etwas geschehen; da nun Kotzebue hoffentlich eine Reise ins Innere von Amerika machen, die Küsten von Kamtschaka untersuchen wird, sowie auch die Aleutischen Inseln und Alaska, so lässt sich wohl einige Ausbeute auch für diese Wissenschaft erwarten. Unser geschickte Engelhardt hat bereits angefangen einen jungen Mann vorzubereiten diese Untersuchungen auf der Reise zu machen, sowie Parrot und Struve einen jungen Physiker vor- bereiten, der diese Reise mitmachen wird ; da Pendel-Versuche zu den delicatesten und auch zugleich zu den wichtigsten Beobachtungen gehören, die man auf solchen Reisen machen kann, so wird auch ein Astronom mitgehen; er ist mehrere Jahre Struve's Gehülfe auf der Sternwarte gewesen und in Pendel-Beobachtungen geübt. — Sagen Sie mir, theurer Freund, wie sind Sie mit der Anordnung zufrieden? Wiewohl Struve und Parrot die Instruczion schreiben werden, so wäre es mir lieb, wenn Sie mir einige Winke zukommen Hessen. Parrot ist nicht praktisch genug und hängt zu sehr an Hypothesen und Theorien; darüber könnte manches andere versäumt werden. Ich wünschte sehr Humboldt's und Biot's Instruczion zu Freycinet's Reisen zu haben; wo kann man die haben? Trechsel an Horner, Bern 1823 III 12. Mit meinem Unfall, mein theurer hochverehrter Herr und Freund, verhält es sich so: Samstag den 22. Febr. experimentirten Schenk d. alt. und ich im hiesigen Zwingelhof über die Detonation des Salpeters mit Kohle. Wir hatten eine Portion des Ge- menges in einen Flintenlauf (mit angebrachter kupferner Entbindungs-Röhre) eingefüllt, den Flintenlauf geneigt auf einen Rost gesezt, etc., alles nach Vorschrift. Wir erwarteten (ebenfalls der Beschreibung des Versuches gemäss) eine Reihe kleiner Detonationen, und eine reichliche, zu beobachtende» Notizen. 205 Gas-Entwicklung. Statt jener Reihe hatten wii- eine einzige füx-chterliche Explosion I welche sich vorn und hinten am. Gewehrlaufe Raum machte. Die Schwanzschraube und die Enthindungsröhre wurden mit ungeheurer Gewalt herausge- sprengt, und tief in Mauern und Wände hineingetrieben, letztere zum Theil zerrissen. Mir selbst, der seitwärts stand, drang ein zackiges Stück IV2 Zoll tief in den obern inwen- digen Theil des linken Schenkels, wo er glücklicher Weise seitwärts abwich, und im Muskelfleisch sich einwühlte, ohne weder die ganz nahe grosse Arterie, noch bedeutende Nerven oder Sehnen zu zerreissen. Die Wunde ist immerhin gross und bedeutend genug, und wird mich noch eine Zeitlang an's Bett fesseln; sie hätte aber weit gefährlicher werden können. Den Umständen nach befinde ich mich ganz leidlich, Schmerz und Fieber waren nie stark. Aber das Bettliegen bei übrigens gesundem Leib verursacht mir nicht nur ünbe- haglichkeit, sondern selbst körperliche Beschwerden. Ausser mir ward Gottlob niemand verlezt. — Aber den Schenk als Chirurgus! hätten Sie sehen, oder auch nur hintenach erzäh- lend hören sollen, — wie er mit zwei seiner Finger die Wunde sondii-te, dann das Metallstuck hervorlangte, und wie er Anstalten traf den Schenkel mit einem gewaltigen Seil zu unterbinden, etc. Ich hoffe mit Zeit und Weile ohne weitere Folgen curirt zu werden. — Doch genug und mehr als genug von mir selbst. Ach! ich hätte anfangen sollen mit meinem, mit unser aller Schmerz über den grossen unersez- lichen Verlust dessen, den wir alle so unendlich vermissen. So hat er denn vollendet sein grosses irdisches Tagewerk, — ach 1 und wohl auch überstanden seine Leiden und Schmerzen, — der grosse, edle, reine Escher von der Linth. Ja mit Fug trauern schwer und tief Verwandte und Freunde, Vaterstadt, Vaterland, Wissenschaften, — arme und hülflose Wittwen und Waisen, und wer immer Sinn und Herz hat für reine, hohe, seltene Menschenwürde ! Krusenstern an Homer, Ass 1823 HI 16. Bey meiner Rückkehr aus Petersburg fand ich Ihren Brief vom 2. Febr. vor mir. Die Nachricht, die er enthielt, hat mich und meine Frau tief betrübt. Keine grössere Prüfung kann uns wohl das Schicksal auflegen, als wenn es das Band zerreisst, das 206 Notizen. uns an eine Gattinn band, die unsere innigste Liebe und Ach- tung verdient. Das rührende Bild, das Sie in Ihrem Briefe von den vielen schönen Eigenschaften der Verstorbenen machen, lässt mich die Grösse Ihres Verlurstes ganz übersehen. Wir haben sie wie eine Schwester beweint. Möge die Vorsehung Ihnen Ihre Kinder erhalten, in deren Besitz Sie den Trost finden werden, den Sie nur zu sehr bedürfen. Ach, was gäbe ich darum, wenn ich in diesem Augenblick bey Ihnen seyn könnte; vielleicht würde das Wiedersehen eines Freundes, von dem Sie wohl überzeugt sind, wie innig er Ihnen ergeben ist, Sie ein wenig aufheitern. Sie haben selbst es mir gesagt, dass ich zu der Zahl der Personen gehöre die Sie lieben, und wenn Sie es mir auch nicht gesagt hätten, — darin, dass Sie mir gerade an dem Tage, an welchem Ihr Schmerz am hef- tigsten seyn musste, gesehrieben haben, finde ich den eviden- testen Beweis, dass Sie mich für einen Ihrer besten Freunde halten; ich bin stolz darauf mir die Freundschaft eines solchen Mannes 20 Jahre erhalten zu haben, und ich bin sicher, dass Sie nie aufhören werden mein Freund zu seyn. — Da der Stich der Karten nur unter meiner eigenen Aufsicht geschehen kann, so ziehe ich auf ein paar Jahre nach Petersburg, da aber dazu (mit Familie) 12000 ßbl wenigstens erforderlich sind, und meine Gage mit den mir bewilligten (1200 Ebl) Tafelgeldern nur 3000 Rbl beträgt, so habe ich beschlossen eine kleine Wohnung in Zarsko zu beziehen, die im Winter wohlfeil sind, und im May wiederum nach Ass zurückzugehen, es sey denn dass ich eine freie Wohnung bekomme. Unge- achtet dieses öconomischen Plans bin ich nicht ganz ruhig über meine Zukunft, da mein Sohn mir seit einem Jahre das Doppelte meiner Pension gekostet hat. Ich hoffe aber weiter- hin nicht nöthig zu haben ihm so viel zu geben. Die Zeiten haben sich sehr geändert; 3000 Rbl sind sehr wenig bei uns, besonders für einen Gardeoffizier. — ' Der Admiral Moller scheint sehr freundlich gegen mich gesinnt zu seyn. Ich weiss aus guter Quelle dass er die Absicht hat, mich zum Director des Cadetten-Corps und zum Hydrographen der Marine zu machen; allein damit wird es noch eine Zeitlang dauern, da der Kaiser keine Veränderungen liebt, was sehr weise ist. Gewöhnlich bringen neue Minister auch new men and mea- Notizen. 207 sures, und die sind nicht allemal zum Nutzen des Reiches. Ich habe freilich die Eigenliebe zu glauben, dass ich ein besserer Director des Corps seyn würde als der jetzige, und wohl auch ein besserer Hydrograph als der elende S., indess bescheide ich mich gerne zu warten. Als Chef eines grossen Erziehungsinstitutes würde ich vielleicht dem Kaiser und der Marine von einigem Nutzen seyn; auch sind meine Freunde, die Admirale Moller und Grey davon überzeugt. Letztern habe icb in Petersburg gesehen ; auch ist er noch in diesem Augenblicke da. Als Chef der Flotte im Schwarzen Meer ist er ein Mann von der grössten Wichtigkeit auf den Fall es zum Kriege gegen die Türken kommen sollte. Er ist ein ganz herrlicher Mensch, voll Eifer für alles Gute und Nützliche und dabey noble; man beschuldigte ihn der zu grossen Par- theylichkeit für die Engländer; er ist freylich partheyisch für Englische Künstler und Englische Gediegenheit ; aber darf man ihn deshalb tadeln ? tJeberdem ist er Engländer, wiewohl der Kaiser keinen bessern Unterthan hat als ihn. — üb ich gleich die vorzüglichsten Officiere der Marine unter meinen Freunden zähle, so vermag doch Bosheit und Tücke viel, und bald war es um mich geschehen. Ich muss das Ihnen doch erzählen: Wer zum Contre-Admiral avancirt, über den muss ballotirt werden. Mehrere, unter denen ein paar Eng- länder, hatten schwarze Bälle bekommen , weil sie es in der That nicht verdienten zu avanciren; die nächste Folge war, dass auch nun die Reihe an mich kam ballotirt zu werden, und siehe da, auch mir hatte man zwei schwarze Bälle ge- geben; und durfte folglich weder avanciren, noch konnte ich nach einer solchen Beschimpfung im Dienst bleiben. Obgleich der Kaiser mir wohl will, so hätte er, nichts Arges ver- muthend und an Formen streng festhaltend, geglaubt dieses bestätigen zu müssen, und mit mir wäre es dann aus gewesen; der Triumpf von S. und Consorten schien gewiss zu seyn. Da trat Admiral Moller und der Admiral Crown, ein alter braver Engländer (der kein Wort gesagt hat wie das Schicksal seiner Landsleute entschieden ward), auf; Ersterer behauptete, es könne nur durch einen Missgriff der Bälle geschehen seyn, dass man mir schwarze Bälle gegeben hätte , und er wäx'e nicht sicher ob er sich nicht selbst in den Bällen geirrt habe. 208 Notizen. und verlangte ein zweites Ballotement über mich; Letzterer sprach von der Schande mich aus dem Dienst zu jagen; ich würde dadurch nicht beschimpft, sondern die Flotte sey be- schimpft, geschähe das; kurz er unterstützte den Vorschlag des Admiral Moller das Ballotement zum zweitenmale vorzu- nehmen; S. protestirte allein dagegen, allein der Admiral Moller setzte seinen Willen durch ; man balottirte zum zweiten- male und wagte es nicht mehr mir schwarze Bälle zu geben; es ist daher sehr wahrscheinlich, dass ich zum Contre- Admiral avancire, wenn nicht die Machination von S. und s. Helfers- helfern mein Avancement hintertreiben. Sie können leicht denken wie der Umstand, dass meine Charten nun doch herausgegeben werden sollen, nachdem die weisen Männer sie für unnütz erklärt hatten, sie geärgert haben muss. H. W. Brandes an Homer, Breslau 1823 V 22. Dass Muncke uns zu Allirten bei der Bearbeitung des Gehler gemacht hat, macht auch mir Freude; aber es ängstigt mich auch, dass ich eine so schwere und weitläufige Arbeit über- nommen habe. Doch der Himmel gebe nur mir t^nd allen die um mich sind, Gesundheit, so will ich mein Bestes thun- Aber sage mir doch, wie kömmst du und wie kömmt Muncke dazu zu glauben, dass ich so viel von der Optik verstehe? Ich hoffe nach und nach etwas zu lernen; aber was ich weiss ist in der That ziemlich aphoristisch, und da ich nur über einige wenige Gegenstände bis jetzt selbst gearbeitet habe, so wird mir mein Antheil an Gehler sauer genug werden. An- genehm aber ist mir — das läugne ich nicht — die Veran- lassung mich einmal ordentlich in diese wichtigen Gegen- stände hineinzuarbeiten, und dieser Eifer wird mir die saure Arbeit süss machen. — Ueber die Astronomie sollten wir billig noch berathen wie weit man da im Aufnehmen der Formeln gehen soll? Etwas von Formeln mitzutheilen ist nöthig, aber wo ist dann die richtige Grenze? Bei diesem Formelnwesen möchte ich gern deinen, als eines praktischen Astronomen, ßath benutzen. Sage mir doch gelegentlich" wie dir Piazzi gefällt : mir scheint er für das Bedürfniss der prak- tischen Beobachter in den nicht zu schwierigen Fällen gut gesorgt zu haben ; ich weiss aber nicht, ob ich richtig urtheile. (Fortsetzung folgt.) [R. Wolf.] Das Wärmeleitnngsvermögen von Gneiss and seine Ab- hängigkeit von der Temperatnr. Von Robert Weber. Fourier ist in seiner klassischen Untersuchung' über die Wärmeleitung von der Voraussetzung ausgegangen, dass die 4 Grössen: Dichte, specifische Wärme," äusseres Wärmeleitungsvermögen, inneres Wärmeleitungs- vermögen von der Temperatur unabhängig sind. Die Grössen der Wärmeleitungsvermögen sind bis jetzt hauptsächlich nach zwei Methoden bestimmt worden. Die eine ergiebt das Verhältniss des Wärmeleitungsvermögens irgend eines Körpers zum Wärmeleitungsvermögen eines bestimmten (indessen willkürlich angenommenen) Körpers. Die andere Methode liefert die Werthe für beide Wärme- leitungsvermögen in absolutem Maass, d. h. sie giebt an, welche Wärmemenge in der Zeiteinheit (1 Sekunde) durch die iFlächeneinheit (1 Q. Cm.) strömt, wenn die Differenz der Temperaturen an zwei parallelen um 1 Cm. von ein- ander abstehenden Flächen constant gleich 1° ist. In diesen Einheiten ausgedrückt sollen die im Nachfolgenden ge- gebenen Zahlen verstanden sein. Die wenigen Untersuchungen über Veränderlichkeit des inneren Wärmeleitungsvermögens k sind diejenigen von Angström, und diejenigen von Forbes, ausgeführt an Kupfer und Eisen, ausgeführt also für gute Wärme- leiter. Diese Untersuchungen ergaben, dass k laugsam mit steigender Temperatur abnimmt. — Es be- nutzte nämlich Angström ^) einen langen Metallstab von 1) Pogg. 114. XSIII. 3. 14 210 Weber, Wärraeleitungsyermögen. parallelepipedischer Form.' Diesen erhitzte und erkältete er während bestimmten Zwischenzeiten T. Die entstehenden Temperatur-Max. und -Min. pflanzen sich im Stab fort, werden aber nach einiger Zeit constant. Theoretisch geht Angström aus von der allgemeinen Formel, welche für so geformte Stäbe gilt, nämlich von 9t c .8 ö.r^ c .8 .w worin u die Temperatur, p den Perimeter, iv den Quer- schnitt, ö die Dichte des Metallstabes bezeichnet. Für zwei Querschnitte x = o und x = l beobachtet er die Tem- peratur jede Minute, und zwar an Hg. Thermometern, welche in Quecksilber getaucht, in aequidistanten Löchern des Stabes stecken. Diese Beobachtungen genügen, um Beziehungen aufzustellen, welche bald auf den einfachen Ausdruck Ic = C.8 . — p— aal führen. Aus den Beobachtungen können auf Grund der vorangegangenen Theorie für a und a' die Werthe be- rechnet werden. Die ihnen zugehörigen l und T, sowie c und 8 geben dann k. — In dieser Weise fand Angström für Kupfer k = 0,9103 (S'\ Eisen k = 0,1629 F r b e s *) untersuchte das Leitungsvermögen der Metalle vermittelst Stäben, indem er den stationären Tem- peraturzustand verband mit der Erkaltungsgeschwindigkeit des betreffenden Metalles. — Wenn nämlich ein Stab am einen Ende auf T° über die Temperatur der Umgebung erhitzt wird, während sein anderes Ende in Folge seiner *) Philos. Transactions. Weber, WärmeleitungsvermÖgen. 211 Länge doch keine andere Tenaperatur als diejenige der Umgebung annimmt, so ist die Temperatur an der Stelle x — ax a=|/- T und a lassen sich berechnen, wenn man die Temperaturen an verschiedenen Stellen x des Stabes beobachtet. Die durch einen bestimmten Querschnitt gehende Wärmemenge wird hinter ihm ausgestrahlt. Diese Wärmemenge ist" fit — ax W = — lcq^= hqaTe dx Dieselbe ist aber auch in anderer Ausdrucksweise i i vdx Tr= Iqdevdx = qö c 1 Vi worin v die Erkaltungsgeschwindigkeit an irgend einer Stelle des Stabes bezeichnet. Die Grösse v bestimmte Forbes dadurch, dass er die Art der Abkühlung eines gleich beschaffenen Stabes beobachtete, welcher Stab zu Anfang in allen seinen Theilen die Temperatur der Stelle x an- genommen hatte, und welcher auf die Temperatur der Um- z gebung sich abkühlte. Den Werth von / vdx = F bil- « X !dete Forbes auf graphische Weise. Nun war also — ax Tcqa Te = qöcF oder S.c.f' . k = — ax a. T.e entsprechend einem bestimmten Querschnitt mit bestimmter Temperatur. Da verschiedene Querschnitte verschiedene Temperaturen haben, so musste sich k ändern, wenn über- 212 Weber, Wärmeleitungsvermögen. haupt k mit der Temperatur sich ändert. — Forbes fand, dass für Eisen bei 0° k = 0,2070 /'^'^A 50° = 0,1772 UcJ 200° . =* 0,i357 . Neumann giebt für Eisen k = 0,163 /*=™-\ Kupfer k = 1,108 \Sj Für Substanzen mit sehr kleinem Leitungsver- mSgen ist bisher weder die Grösse des inneren Wärme- leitungsvermögens sehr genau bestimmt worden, noch ist eine Untersuchung auf die Grösse der Veränderlichkeit der Wärmeleitung solcher Substanzen angestellt worden. Es soll die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, erstens ge- naue Werthe für die beiden Leitungsvermögen k und h' zu finden, welche Werthe der mittleren Temperatur eines bestimmten kleinen Intervalls entsprechen,- zweitens sollen diese kleinen Temperaturintervalle in möglichst verschie- dener Höhe genommen werden, um eine allfällige Verän- derlichkeit der Werthe für k und h sicher zu constatiren. Die Untersuchung wurde an Gneiss vorgenommen, weil dieser in der Erdmasse in grosser Menge vorkommt, und daher die Resultate in geologischer Beziehung Interesse haben. Darstellung der Methode. A. Theoretischer Theil. Zur Bestimmung der Wärme- leitungsvermögen wurde der variable Temperaturzustand des betreffenden Körpers benutzt. Der Körper wurde in Kugel form gebracht, weil diese Form für die Unter- suchung die einfachste ist. Eine Beziehung zwischen den Wärmeleitungs vermögen, der Temperatur, der Zeit u. s. f. für einen in Kugelform Weber, Wärmeleitungsvermögen. 213 gebrachten Körper veröffeutliclite im Jahr 1811 M. Fourier in seiner «Theorie du mouvement de la chaleur daus les Corps solides». Wenn nämlich für eine bestimmte Zeit die Temperatur eines Punktes t ist, welcher Punkt den Abstand r vom Mittelpunkt der Kugel mit dem Radius R hat, wenn die Kugel aus einem Zustand ganz gleichmäs- siger Temperatur zur Zeit z = in eine Umgebung von anderer constanter Temperatur Tu, von welcher an t ge- zählt ist, gebracht wird, wenn h das äussere, k das innere Wärmeleitungsvermögen, D die Dichte, c die specifische Wärme des festen Körpers bezeichnet, so ist nach Fourier a. a. 0. die Wärmeleitung im Innern der Kugel durch die Differentialgleichungen bestimmt ds "^ cP l dr' "^ r dr J ^ ^ ^i. + lt=o fürr = i^ (2) Ausserdem ist. nach obiger Angabe für s = dann auch ^ — T = C für alle r 3) Die Gleichung (1) gilt für das Innere; Gleichung (2) für die Oberfläche. In beiden Gleichungen ist k, h, c, D als constant angenommen.- Diese Gleichungen werden jedoch auch noch gelten für den Fall, dass k, h, c, D variabel sind, insofern die Veränderlichkeit eine sehr kleine ,ist, und man unter k, h, c die mittleren Werthe von den- jenigen versteht, welche ihnen innerhalb eines kleinen Tem- peraturintervalls von etwa 10° eigentlich zukämen. Die Differentialgleichung (1), welche dem Zustand im Innern entspricht und die Oberflächengleichung (2) werden leichter integrirt durch Einführung einer neuen Variabein s, welche mit den alten Variabein t und r in der Bezie- hung steht tr = s. Die beiden Gleichungen (1) und (2) ' (4) 214 Weber, WärmeleitungSTermögen gehen dann über in dz ' cD dr Hr:)-7(^-7) = " «-»^ (5) Ausserdem ist für r = o dann auch s = o für alle z (6) und bleibt für 2 = o ^ = y = c für alle r (3) Die Gleichung (4) wird erfüllt durch die Annahmen • s ^ Ae " sin (ßr) s = Ae~ " cos ißr) Von diesen lässt aber die Bedingung (6) nur zu s = Äe sm {ßr) Es sind noch die Bedingungsgleicbungen (Grenzglei- chungen) (5) und (3) zu erfüllen. Dieses geschieht durch passende Wahl der Constanten in s = J. e~ " sin (ßr) Damit die Differentialgleichung (4) erfüllt sei, müssen die Constanten a und ß in der Beziehung stehen cD ^ wodurch man als particuläre 'Lösung von (4) erhält s — Ae sin (ßr) Damit femer auch die Oberflächengleichung (5) er- füllt sei für dieses s. muss 7^ = "'"^^' • (7) Die Wurzeln dieser transcendenten Gleichung seien, der Grösse nach geordnet Weber, Wärmeleitongsvennögen. 215 Dann ist die allgemeine Lösung Ton (4) gegeben in c^^- (8) s ^ SAf. sin iß-r) . e In dieser Summe lassen sich die Constanten JL,- aus dem Anfangszustand des Körpers, d. i. für s = o be- • stimmen. Es wird nämlich (8) mit Hülfe von (3) Z^,..siii(^,r) (9) C = — r Multiplicirt man hier beide Seiten mit r . sin {ßk.r).dr und integrirt von ;• = o bis r = B. so verschwinden rechts, da nach [7j hR ^ ß,E ^ ß,E _ l- tg[ß,R) tg(ß,R) ' ' ' ist, alle Glieder mit Ausnahme des fcten: R JA^ sin^ {ß^r)dr Hiernach wird aus (9) R R C Ir sin y3^ r) dr = ^^/ sin^ {ß.^ r) dr o o oder C —=A —l— -sm(/3 B)cos(/? E)\ also f ^ — ßyE cotgiß.^E) 1 ' -. — 5-^ — cos {ß E) I sm (ß^R) ^y- oder nach (7) 2hE A = l p^ [ß.^ E cosec {ß^E - cos {ß,E)] 216 Weber, Wärmeleitungsvermögen. Schliesslich ist deniuach die allgemeine Lösung fe ßir [ßiB cosec {ß,R) - cos (ß,B)] ^ (9) worin die ßi sich bestimmen aus (7) ßR ^ ^ 7tE tgißB) Tc (10) Die Gleichung (9) enthält h und Ä:. Diese lassen sich also bestimmen, wenn die übrigen vorkommenden Grössen bestimmt sind. Vor allem aber ist zur Bestim- mung von h und k sehr wünschbar, dass aus (9) eine einfachere, immerhin vollkommen genügende Form herge- leitet werde. Die Wurzeln (ßR) der tran^cendenten Gleichung (10) liegen abwechselnd im 2. und 4. Quadranten und ihr Unterschied nähert sich asymptotisch der Grenze n. Mehr als irgend zwei aufeinander folgende Wurzeln (ßJS) unter- scheiden sich die beiden ersten von einander. Dasselbe gilt also auch für ß^ und /Sg. Diese ßi ändern sich etAva wie z. B. 0,9408 : 2,054 : 3,126 : Sie bewirken daher in doppelter Weise eine rasche Convergenz von (9). Einmal weil sie im Exponenten er- scheinen und dann weil sie mit r multiplicirt das Argu- ment des sinus sind. Es würden demnach schon 2 bis 3 Glieder von (9) genügen. Man kann sich aber geradezu auf das erste Glied von (9) beschränken, wenn man die seit Anfang verflossene Zeit z bedeutend gross nimmt. Für diesen Fall bleibt k ß,r[ß,B cosec (ß,R)— cos (ßiB)]^ ^ ^ Ob dieses erste Glied wirklich genügen kann, wird Weber, WärmeleitimgrsvenDögen. 217 durch den Versuch entschieden werden können. Bestimmt man in gleichen Zeitahständen die Temperaturen an einer und derselben Stelle der Kugel, bleibt also r constant und entsprechen den Zeiten ^^ . £3 ^^^ Temperaturen f-i. ^3, . . . .; bildet man dann die Quotienten dieser Tem- peraturen, so ergiebt die Formel (11) für diesen Fall 11 = e «^^ = Const. (12) Da die Differenzen z^ — z^. . . . . , z^^ — z^^^^. . . nach Voraussetzung gleich sein sollen, so ist der Exponent, also auch die Potenz constant. Wenn nun auch, nachdem von Anfang au eine genügend lange Zeit yerstrichen ist, die Beobachtung ergibt, dass der Quotient von je zwei sich folgenden Temperatm-en constant ist, so wird die in (11) gemachte Reductiou gerechtfertigt sein. — Die gemachten Messungen lieferten vollkommen befriedigende Resultate. Eben diese Beziehung (12) ergiebt nun durch Um- kehrung A- = ■ '^ • ^ . 2,302585 . log com ^ (13) eine zur Berechnung von l: sehr bequeme Formel, wenn ^1 bekannt wäre. Auch ßi ergiebt sich leicht. Sind Tc und U die Tem- peraturen von zwei Punkten der Kugel, welche bezüglich die Abstände Vc und r,, vom Centrum haben, beide zu der- selben Zeit £, so ist nach (9), wenn man noch zur Ab- küi*zung JSr. = [ß.B . cosec {ß^ B) — cos (ß. B)] setzt, T-r^^^ ^'^^^ -^^'' c 'ÜB ^«^M^ ^;^ 218 Weber. WinaelciniiigsTermögai. und 5i«:«mit ihr Qnetient dB fjg, r;> sin j> ft^i -^(Ä'-A*).^ l Immer noch gilt die Yoraussetzang, es soU z sehr gross ^in. Em grosser Weith yöü z aber bewirkti dass in (14) nur das erste GKed der unendlichen Reihe in Betracht kommt, da sieh für diesen Fall (14) reduzirt r^ dDi^r^i sin ijJir,! T- = — : . d- i. Const. (15) Xoch ein&eher wird die Beziehung, wenn man an- nimmt, es sei Te = ö und sei r^ nahezu R-, also Tc und to die Temperaturen am Centrum und bezüglich dicht unter d« Oberfläche. Dann wird (15,i zu = Cr- (16) J Die Erfahrung zeist übereinstimmend, dass -^ =^ ConsL - - - t» • wird, sobald eine gOiügend lange Zeit z verstrichen ist. T Diese aus einer Tersuchsreihe entnommene Const. — ^ muss «» also ^ . ■■ ^ — sein. Hieraus ergiebl' sich /l . Nachdem S'i* nach (16) das ^, d^m nach (13) das li bestimmt ist, ergiebt sich ohne weiteres auch noch li. Durch Umformung von (7) AB l-kB wird näiülich = tgiß-^B = |{'-^ (17) B. Exj*erimente.Uer JlteiL Dit- Berechnniig xon ^. h. h na<-h den Formt'lii <16), (13). <17| Terlangt die Kenut- niss Ton r«,. Ä: derselt^en Z«it eBt?j)re>fiieiide Werthe ron Te nnd 4; entsprechende Wertlie töü ;t imd £. niid noeh e vnd 2>. Y(« diesen Gröas^i hmea sidi die Dkkte D, die Engehadien J^ und r« ohne Sdivierigfaeil genaa besümm^i. Grössere Schwiffiigfceitffli Irietel die genane BestinuBong der apecifiadie& Wanne e, aovie die genaue aof beasüimnite Zeit eilende T^npentorbestimmiDig im Coinim nnd der Obeiflädie der EJngeL 1) Fnr d^ späJter bamftzten sehr feinkräni^iea ^a- nitiscBen Gneiss exgib isäxh die Dichte 2> = 2;i&S8. 2) Zor Bestimmung der speeißseh'en Wärme i; diente das Wa^eicaloiimeter. Das ((^«rimdteigeiKS ivar aos dünnem Knj^erbledt gefertigt, und ebeteo der Bafaro'. Das Gewiss (dme Böhier) wog 27,3S6 gr. Bei d^ mcäffiten Bestimmungen Ton c wurde dann so viel Wmaet geaammcai, da^ Wasser und GeSss zmammwi J^O gr. wogen. Der Wasaerwertb m y des £i^eigeSisies sanunt Bihr^ be- trag 3,272 Caloiien. Bevor eine Ten^pentur ahgeksNi wurde, nnd auch nachdem da K&rper eingewoifia war, wurde das Wa^er im Galnimeter stetig gexihit. Die Tempeiaturen wurd^ Tsec. / ' Diese k und h entsprechen einer Temperatur von etwa 91°. Ausführung der Beobachtungen zur Bestimmung des Wärmeleitungs- vermögens für öneiss, und Resultate. Aus einem sehr feinkörnigen Stück Granit wurde eine Kugel hergestellt von 2,982 Cm. Radius. In sie, nach dem Centrum hin, wurde ein Loch gebohrt von etwa 2 mm. Durchmesser. Dieses musste die eine Löthstelle eines Thermoelementes einlassen, um durch dieses die Tempe- ratur im (Zentrum der Kugel bestimmen zu können. Die ^eber, "Wärraeleitungsvermögen. 229 Berührung der Löthstelle mit der Kugel dauerte je nur während der kurzen Zeit, welche zu einer Ablesung nöthig war. Durch Wegheben der Löthstelle um 1 bis 2 mm. wurde ein allfälliger Wärmeentzug, oder eine Wärmezu- fuhr durch das berührende Metall möglichst reducirt. Die Kugel hieng an 4 Faden an der Decke eines cylindrischen Kupfergefasses. Dieses hatte etwa 11 Cm. Durchmesser und 14 Cm. Höhe. Nach aussen hin war sein oberer Rand versehen mit einer 1,5 Cm. breiten und 8 Cm. dicken am Gefäss festgelötheten, eisernen Flansche. Der ebene Deckel hatte ebenfalls eine Flansche von denselben Dimensionen. Deckel und Gefäss waren auf einander ge- passt und konnten durch 8 Schrauben fest zusammenge- halten werden. Eine zwischen beide Flauschen gelegte Kautschuklamelle machte den Verschluss luftdicht. Um im Inneren trockene Luft zu haben, also den störenden Ein- fluss allfällig eindringender Wasserdämpfe zu beseitigen, wurden noch einige Stücke Chlorcalcium hineingelegt. In den Deckel wurden zwei Messingröhren von 1 Cm. Durchmesser und 12 Cm. Länge eingelöthet,- in diese ein Glasrohr ge- steckt (um die Thermoelemente nicht mit gut leitendem Metall in Berührung zu bringen); dann durch die Glas- röhren nach dem Centrum der Kugel sowie nach ihrer Oberfläche die einen Löthstellen zweier Thermoelemente geführt. Die anderen Löthstellen dieser Thermoelemente wurden auf constanter Temperatur T^^ erhalten , und zwar entweder durch Eis, oder durch eine grosse Masse Wasser, oder endlich durch Wasserdampf. — Die freien Kupferenden der Thermoelemente giengen nach 2 Queck- silbernäpfen von grossem Querschnitt, und von diesem gieng eine Leitung nach den Drahtenden des Wiedemann'- schen Galvanometers. Um aber nicht störende Neben- 230 Web^r, Wärmeleitungsvermögen. Schliessungen zu erhalten, ist darauf zu achten, dass keine andern Drahtenden in die beiden Näpfe tauchen als die- jenigen, welche die gewollte Schliessung eines Strom- kreises vermitteln. Die Leitung war in der Regel unter- brochen, und wurde dieselbe nur hergestellt etwa 10 See. (nach Bedürfniss bis 30 See.) vor dem Zeitpunkt, für wel- chen .man die Temperatur im Innern der Kugel haben wollte. Sofort nach dieser Bestimmung wurde die Leitung wieder unterbrochen. Kurz vor und nach Herstellung der geschlos- senen Leitung wurde die Ruhelage des Magneten abge- lesen. Der Ausschlag für die Temperaturen am Centrum wurde abgelesen zu den Zeiten 0", 5". 10™, ... und da- zwischen zur Kontrolle oder zur Auswahl zu den Zeiten 2'", 7", 12", ... Bei einer ersten Gruppe von Beobachtungen wurde das Gefäss mit der Kugel in der angeführten Anordnung aus der Zimmertemperatur in die Dämpfe von siedendem Wasser gebracht. Diese Dämpfe wurden nämlich in einen hölzernen Kasten geleitet, an dessen Deckel das Kupfer- gefäss festgemacht war. Nachdem einmal die Dampfeut- wicklung lebhaft im Gang war, wurde dieser hölzerne Deckel aufgesetzt und fest geschraubt. Dadurch wurde eine Temperatur der Umgebung T^ = 97 bis 98" erzielt. Nach beinahe einer Stunde konnte die Beobachtung solcher Werthe beginnen, für welche die Formeln (16), (13), (17) anwend- bar sind. Nach Verlauf einer weiteren Stuijde betrug der Ausschlag immer noch 50 bis 60 Scalentheile. Kleinere Ausschläge wurden nicht mehr abgelesen, weil kleine Stö- rungen verhältnissmässig grosse Fehler bewirkt hätten und die bezüglichen Resultate nicht zuverlässig geworden wären. Die auf Grund sol9her Beobachtungen berechneten Resul- tate sind für k und h ausgedrückt in Zehntausendsteln und den Mag,sseinheiten Cm., Gr. See: Weber, Wärmeleitungsvermögen. 231 K ICq K Jiq t 4,6880 5,1090 4,0046 4,3642 91° 3,1678 3,1080 3,2456 3,1840 94 4,0380 3,9364 4,5646 4,4500 92 4,1590 3,9060 3,6334 3,4130 93 4,3435 3,8350 3,2290 2,8510 93 5,1658 4,4552 3,2247 2,7811 93 .4,6872 4,5562 2,9310 2,8500 93. 4,4837 4,4372 3,6404 3,6027 92 4,7279 4,0988 4,3855 3,8020 92 Iffl Mittel 4,3845 4,1602 3,6510 3,4776 93 Bei der folgeaden Gruppe wurde die Kugel durch Dämpfe siedenden Wassers in jenem Kasten zuerst auf die constante Temperatur 98° gebracht und dann in ein grosses etwa 80 Liter haltendes Gefäss mit Wasser ge- stellt, dessen Temperatur T diejenige des Zimrhers war K ko K h t 5,2680 5,0623 3,2435 3,1168 26° 5,9229 5,6026 3,1462 2,9760 24 5,7980 5,5505 3,1324 2,9990 24 5,3856 5,21-95 3,4223 5,3170 27 5,4836 5,4500 3,4415 3,4200 26 5,6204 5,6000 3,0942 3,0830 23 6,1646 6,2372 2,9387 2,9734 25 4,3340 5,2570 2,6713 3,2400 25 5,2068 5,1620 3,2134 3,1854 26 5,0003 5,1420 3,2978 3,3910 25 4,9188 4,8217 3,2870 3,2221 25 Im Mittel 5,3730 5,3743 3,1717 3,1749 25 Aus diesen Versuchen geht somit hervor, dass sowohl das innere als auch das äussere Wärmeleitungsvermögen für G^ieiss von der Temperatur abhängig ist, und zwar ist in erster Annäherung für Temperaturen von 0° bis 100° Je = (5,7786 — 0,0162 i) • 10""^ /''^:\ h =- (3,0293 + 0,00575 t) • lO"^ ^"""'^ 232 Weber, Wärmeleitungsvermögen. Die Veränderlichkeit des inneren Leitungsvermögens ist somit ungefähr die dreifache von derjenigen des äussern Leitungsvermögens, und ausserdem von entgegengesetztem Vorzeichen. Diese Untersuchung führte zu ziemlich unerwarteten Eesultaten, so dass es als wünschenswerth erscheint, durch Vergieichung dieser Resultate mit früher veröffentlichten einen Anhaltspunkt über ihre Richtigkeit zu gewinnen. Wie Eingangs angeführt wurde, sind aber exacte absolute Mes- sungen nur in geringer Anzahl gemacht ' werden. Von den mir bekannt gewordenen theile ich mit Peclet: für Marmor k = 0,0048. Despretz: feinkörnigen Marmor k = 0,0097, grobkörnigen Marmor k — 0,0077. Ang ström^)giebt für thouhaltigen Sand fc=0, 0000 194. feuchten Thon k=- 0,0000215. Diese sind berechnet aus gemessenen Erdtemperaturen W. E. Ayrton und J. Perry') in Tokio, für einen japanesischen Stein im Mittel /,■ = 0,00579 /z. = 0,00316 Everett aus Beobachtungen von Erdtemperatureu im Garten der Greenwicher Sternwarte für « Gravel of Green- wich Observatory Hill » k = 0,0025. G. Forbes^) für schwarzen Marmor fc = 0,00177. weissen Marmor /t = 0,00115. Quarz senkrecht zur Axe k = 0,0042. » parallel » ^ k = 0,0009. Stefan'^) für Luft A; = 0,000058. . 1) Pogg. Bd. 114. 2) Phil. Mag. (5) IV. 1878. ") Procedings of the Roy, Soc. of Edinbourg. 1873. *) Wiener Sitzungsberichte. Bd. 65. Abt. 2. 1872. Weber, "Warna eleitungs vermögen. 233 Tait hat Berechnungen angestellt, welche schliessen lassen, dass das Leitungsvermögen der Metalle für Wärme ihrer absoluten Temperatur umgekehrt proportional ist. Diese Zahlen stimmen viel zu wenig mit den für Gneiss gefundenen überein, als dass man einen sicheren Schluss auf ihre Richtigkeit machen könnte. Wenn auch die ersteren besser unter sich als mit denjenigen für Gneiss übereinstimmen, so sind letztere doch desswegeu nicht zu verwerfen, weil viele mit Sorgfalt ausgeführte Beobach- tungen sich gegenseitig unterstützen. Dieses drängt zu einer Prüfung der Methode. Um eine Prüfung der Methode anstellen zu können, wurde 1) k und h für Paraffin nach der obigen Methode bestimmt. Die Resultate waren / cm. V li ^ (1,697 + 0,0475 t) ■ lO"' [^.'J h = (2,294 + 0,1455 t) • 10~^ 2) wurde für Paraffin h auch nocli nach ganz anderer Methode clirect bestimmt. Dieses geschah nach dem Vor- schlage des Herrn Prof. Dr. H. F. Weber, meines hoch- verehrten Lehrers, in folgender Weise: Bezeichnet die Oberfläche einer kleineu Kupfer- kugel, M ihre Masse, dz und dt bezüglich die Elemente der Zeit und der Temperatur, t die Temperatur der Ober- fläche, T^^ die constante Temperatur der Umgebung, • so ist die im Zeitelement nach aussen abgegebene Wärme- menge in doppelter Weise ausgedrückt h {t—T^) dz — — Mcdt (22) Dabei ist die Voraussetzung gemacht, dass die Tempera- tur in allen Massenelementen denselben Werth hat. 234 Weber, Wärmeleitungsvermögen. Wie nahe diese Voraussetzung für die kleine Kupfer- kugel zutrifft, ergiebt sich in folgender Weise: Die Tempe- raturen irgend zweier Punkte der Kugel sind um so weniger von einander verschieden, je kleiner der Quotient dieser Temperaturen ist. Den grössten Werth für diesen Quotienten erhält man offenbar aus der Temperatur am Centrum und derjenigen dicht unter der Kugeloberfläche; also für Kugel- radien r^ = und r^ = 2, 40. Für den Quotienten solcher zwei Temperaturen zu irgend einer aber nämlichen Zeit z giebt .(14^ Tcz 5_ I ß^ I ß2Mßiro)-ß^sm{ß,ro) ß,N, -^iß^'-ß^'\ \ Sobald nun z nur 2 bis 3 Minuten beträgt, so sind aUe nach dem ersten folgenden Glieder gegen dieses verschwin- dend klein und daher to sin(^iro) oder t,_ siu{ß,ro) _ 1 f iß.ur I (ßiUY \ T~ roß, ~roß,V'' 3! '^ 5! - / = 1 _(^iroI'4_i^?i^ Oll r I Hierin ist (ß^ro) zu bestimmen. — Zunächst ergiebt sich ißR) aus (10) ßR _ hB tg ißR) fc oder, da i? = 2,42 cm. war, ferner für Kupfer k = 0,75, h = 0,00018 ist, aus -&. = 0,99942 tgißB) Es wird (ß^R) = 0,04189 ; ß^R = 4,4935 ; .... somit ß^To = 0,04154 und demnach ^ = 0,99971 Weber, Wärmeleitungsvermögen. 235 Weun die Kugel also auch aus der Anfangstemperatur in eine um 30° von ihr verschiedene Temperatur T^ der Umgebung gebracht worden wäre, so wäre doch der Unter- schied der Temperaturen am Centrum und dicht unter der Oberfläche nicht 0,0 1'^. — Durch Integration der Differentialgleichung (22) er- hält man — 4^ 2 i= + log. nat. {t—TJ + Const. M c Wenn dann z^ und t-^ sich ebenso entsprechen wie z und ■t so ist auch --^ ^1= +log.nat.(ei-rj + Const. Aus beiden folgt durch Subtraction -^ (2i -z) = log. nat also Mc h — >»«■-'• (<^:) <2^' {z,-2) Der Radius der Kupferkugel betrug 2,42 cm. Um direct das äussere Wärmeleitungs vermögen für Paraffin zu bestimmeo, wurde die Kupferkugel mit einem dünnen Ueberzug von Paraffin versehen. Zu diesem Zweck wurde die Kupferkugel bis nahezu auf die Schmelztempe- ratur des Paraffin erwärmt; dann einen Augenblick in heisses Paraffin getaucht und durch Wenden verhütet, dass beim Erkalten das Paraffin sich ungleich dick an der Kugel festsetze. Als Dicke eines solchen üeberzugs Avurde theils durch Messung, theils durch Rechnung gefunden d = 0,28 mm. — Nach dem Centrum der Kupferkugel gieng ein Loch von 1,5 mm. Durchmesser. In die Kugel waren ausserdem zwei Hacken eingebohrt, um erstere durch letztere wieder am Deckel eines Kupfergefässes auf- 236 Weber, Wärmeleitungsvermögen. hängen zu können. Die ganze Anordnung zur Bestimmung der nöthigen Temperaturen war dieselbe, wie sie früher beschrieben wurde. Entsprechend der Formel (23) wurde als Temperatur t und Zeit z irgend ein entsprechendes Werthepaar ge- nommen, als t^ und % dann gewöhnlich dasjenige Werthe- paar, welches 1200 See. später auftrat. In der nachfolgend angegebenen Beobachtungsreihe war die eine Löthstelle eines Thermoelementes (wie immer) nach dem Centrum der Kupferkugel geführt, die andere Löthstelle hingegen wurde in Eis auf der constanten Tempe- ratur T = 0° gehalten. Es bezeichnet z die Zeit, R. und jRa die Ruhelagen des Magneten vor und nach der Ablesung, S die Scalenablesung (beobachteten Ausschlag), A den berechneten Ausschlag, t die aus letzterem berech- nete Temperatur, endlich li den nach (23) berechneten Werth des äussern Leitungsvermögens, z B, S Jx^ A t° h 10.52 476 773,4 476,6 297,1 17,9356° 57 481 ■ 744 483 262 15,9030 11. 2 488,2 725,8 490 237 14,4356 7 488 704,2 489 215,7 13,1770 11.12 492,4 690,1 498,6 197,1 12,0728 2,2497.10"' 17 496,8 '677 497,2 180 11,0517 2,0696 11.22 497 659,8 496.2 162,2 9,9832 2,0973 27 492 640,1 491,8 148,2 9,1402 2,0802 11.32 , 493,8 631 495 136,6 8,4392 2,0363 37 493 618 494,2 125,2 7,7477 2,0200 11.42 497 611,4 497,6 114,2 7,0783 1,9555 47 492,4 598 494 104,8 6,5047 1,9345 11.52 493,6 590 493,4 96,5 5,9966 1,9433 57 ■ 492,8 581 493 88,1 5,4817 1,9680 12. 2 498,2 580 498,2 81,8 5,0942 1,8708 7 501,9 578,1 502,3 76,9 4,7362 1,8085 Weber, Wärnieleituiigsvermögen. 237 Zur Berechnung von li sind noch folgende Angaben nothwendig: Für die Kupferkugel M = 523,494 gr. ; für den Paraffinüberzug M= 2,592 gr.; nach Messungen im phy- sikalischen Laboratorium des eidgen. Polytechnikums für Kupfer c = 0,0925; für Paraffin c = 0,695; — 4.2,42 ^jt. Wenn daher Sg — Si = 1200 genommen wird, so ist nach (23) ]i — Nutii. log. 3,11709 log. com. i _y I Ausserdem waren a = 15,86076 ; ß = 0,03859 Nach der eben mitgetheilten Beobachtungsreihe ist somit im Mittel, ausgedrückt in Zehntausendsteln und in Cm., Gr., See: für Temperaturen von 0° bis 5° 5° bis 10° 10° bis 15° h = 1,808 1,9895 2,25.. In derselben Weise ergaben sich aus den Beobach- tungen, die im Temperaturintervall J gemacht wurden, in Zehntausendsteln ausgedrückt J . 0° bis 5° 5° bis 10° 10° bis 15° 15° bis 20° + 18° bis +4,7° 1,808 1,9895 2,25.. +15 bis +5 1,9895 2,25.. +19,4 bis +5,8 . 2,0086 2,2504 +22,7 bis +6 2,1046 2,1912 2,3454 Mittel 2,0231 2,2354 Ferner : / -10°bis-5° -5°bis0° 0° bis +5° —10,2° bis —5,1° 1,3668 —9,1. bis —4,4 1,3907 1,4722 —8 ,bis— 4,6 1,3706 —10,3 bis -4,5 1,3017 —11,3 bis— 5,1 ■ 1,3844 +1 bis +10 1,9031 —3,1 bis +5,1 1,9014 —0,4 bis +5,2 1,9216 Mittel 1,3628 1,9087 238 Weber, AVärmeleitungsvermögen. Aus diesen Mittelwerthen folgt, dass mit erster An- näherung für Paraffin das äussere Wärmeleitungsver- mögen li sich ändert in folgender Weise h = (1,6930 + 0,0438*) 10~* /'"^"A \sec. ' Es bleibt noch zu bemerken, dass die Kugel auf eine negative constante Anfangstemperatur gebracht wurde durch Anwendung einer Kältemischung aus Schnee und Salz,- dass ferner die constanten Temperaturen der Um- gebung T^ hergestellt wurden durch Eis und Schnee, oder durch das Wasser in einem etwa 80 Liter haltenden Ge- fäss, welches Wasser die Temperatur des Zimmers ange- nommen hatte. Die Bestimmung von ^, also auch von k, für Paraffin nach der ersten Methode geschah folgen dermaassen: Sie erfordert die Herstellung einer Kugel aus Paraf- fin. Nun hat aber Paraffin die ungewöhnliche Eigenschaft, dass es beim fest werden sich mit einer Menge von Blasen füllt, sobald es in Formen von mehr als 1 Cm. Dicke ge- gossen 'wird; — eine Eigenschaft, welche für die beab- sichtigten Versuche sehr störend ist. Nach mehreren Ver- suchen gelang es auf folgendem Wege eine homogene Kugel aus Paraffin herzustellen: Ein nahezu kugelförmiges Fläschchen von etwa 6 Cm. Durchmesser und langem Hals wurde mit geschmolzenem, heissem Paraffin ganz gefüllt und dann etwa 30 Minuten auf einer Temperatur von 100® erhalten. Hierauf wurde das Fläschchen etwa 2 Cm. tief in eine Kältemischung von — 20'' gesenkt. Der heraus- ragende Theil wurde durch die Leuchtgasflamme beständig erwärmt, und so die oberen Schichten des Paraffin ge- Weber, Wärmeleitungsvermögen. 239 schmolzen erhalten. Nur im tiefsten Theile des Fläscb- chens wurde das Paraffin langsam fest. Sobald dieses ein- getreten war, wurde das Fläschchen tiefer in die Kälte- raischung getaucht, und dann wieder das fest werden einer neuen Schichte abgewartet, u. s. f. Von Zeit zu Zeit wurde es nöthig, neues flüssiges Paraffin zum Auffüllen nachzu- schütten. Die entstandene homogene Masse Avurde durch Zerschlagen des Gefässes von diesem befreit, dann durch Abdrehen in Kugelform gebracht, und ein Loch nach dem Centrum gebohrt. Ein Ring von Nähfaden, der von drei eben solchen Faden an dem Deckel des Kupfergefässes 'gehalten wurde, trug die Kugel. Die eine Löth stelle eines Thermoelementes gieng wieder nach dem Centrum der Kugel und wurde durch etwas zugegossenes Paraffin hier festgehalten. Die andere Löthstelle aber wurde auf constanter Temperatur T,^ erhalten. Eine Löthstelle eines zweiten Thermoele- mentes wurde etwa Vs mm. tief in die Oberfläche der Kugel eingestossen, die ändere Löthstelle ebenfalls auf constanter Temperatur T^^ erhalten. Die Anordnung war im ganzen die früher angegebene. Die Bestimmung der Temperatur T^ im Centrum, und t^ der Oberfläche zur Zeit P 25°' z. B. wurde in folgender Weise ausgeführt: Um 24" 40' (nöthigenfalls 24" 20') wurde R^ abgelesen, genau um 25" 0' das T, in Scalen- theilen, um 25" 10' das t^ in Scalentheilen, dann T^, und um 25" 20' das R^. Der Radius der Paraffinkugel war B = 2,685 cm. (später i^ = 2,51 Cm.); für die Kugelfläche dicht unter der Oberfläche wurde der Radius angenommen zu ro = 2,65 cm. Noch wurde bestimmt, dass für Paraffin D = 0,818. 240 "Weber, Wärmeleitungsverraögen. Die zur Berechnung von k und h angeführten Formeln verlangen die Verwendung nur solcher entsprechender T Werthe von T und t, für welche — = const. ist. Dieser Quotient ist 45 bis 60 Minuten nach dem Eintauchen der Kugel in T^^ so gut wie constant, die Temperatur aber immer noch um so weit von T^^ verschieden, dass noch während mehr als einer Stunde entsprechende Werthe von i, T und z bequem bestimmt werden können. Bei ganz gleicher Behandlung der Beobachtungsreihen mit Paraffin wie beispielsweise für Gneiss ausgeführt wurde, ergab sich in Zehntausendsteln und in den Masseinheiten Cm., Gr., See. : K fl/'o \ K mittl. Temp, 2,1480 2,6125 2,0050 2,4380 4-8° 3,4080 3,3290 1,9060 1,8620 +8 •4,7534 4,8925 1,9664 2,0240 +8 3,6100 3,5505 2,0374 2,0034 ' +7,6 4,6060 4,6120 1,9980 2,0000 +7,3 2,9297 3,2394 2,1?42 2,3483 +6,1 Mittel 3,4007 3,7060 2,0.580 2,0845 +7,6 Ferner: 3,544 3,640 ■ 1,867 1,917 +2° Ferner : 1,5966 1,4360 1,4560 1,3100 -3,3° 1,8965 1,4922 1,0220 0,7595 —3,5 1,5207 1,5581 1,7260 1,7684 —5 1,2522 0,7674 1,3134 1,6354 1,4598 1,0023 -8,4 Mittel 1,5665 1,2150 -5,05 Da die Messung der Temperatur am Centrum eine sicherere Avar, und weil jene Temperaturen durch äussere Einflüsse, z. B. Wasserdämpfe nicht so gestört werden konnten wie die Temperaturen der Oberfläche, so ver- dienen die Werthe Ji und h mehr Zutrauen als die Werthe "Weber, Wärmeleitungsvermögen. 241 h und k^. 'Ersterer Werth von h stimmt auch besser über- ein mit dem direct gefundenen Werth, Aus den gefundenen Mittelwerthen folgt, dass für Paraffin sowohl das innere als auch das äussere Wärmeleifungsvermögen mit der Temperatur veränder- lich ist; und zwar ist in erster Annäherung / cm. \ h = (L697 + 0,0475 f). 10"' \^^-) k = (2,294-1- 0,1455 #). 10"' Die Veränderlichkeit der inneren Wärmeleitung ist bei Paraffin also etwa das di'eifache der äusseren Ver- änderlichkeit. Die oben angeführte directe Bestimmung von h ergab h = 1,3628 für Temperaturen zwischen — 10° und — 5° 7t = 1,9087 , „ „ -f 5° und -f 10° Für jeden der beiden Körper Gneiss und Paraffin ist die Veränderlichkeit der Wärmeleitungsvermögen mit der Temperatur sehr deutlich ausgesprochen. Da ausserdem die Körper von sehr verschiedener Natur sind, so ist wohl anzunehmen, dass im allgemeinen das Wärmeleitungsver- mögen eine Function der Temperatur ist. Zahlreiche mit andern Stoffen vorgenommene Versuche haben indessen dieses noch zu bestätigen. Nachdem einmal festgestellt ist, dass k und h Func- tionen der Temperatur sind, so sind die Differentialglei- chungen (1) und (2) entsprechend zu ändern, und auch zu berücksichtigen, dass die specifische Wärme c und die Dichte D verschieden sind bei verschiedenen Temperaturen. Dann ergiebt sich die weitere Aufgabe, diese neuen Diffe- rentialgleichungen zu integriren. X.XIU. 3. 16 Einleitung in die Hydrodynamik von Jacob Müller. Bearbeitet und herausgegeben von L. Henneberj (Schluss.) 3. Die Geschwindigkeiten der Translationen und Kota- tionen in einer incompressibeln Flüssigkeit haben die Eigenschaft, dass, sobald die Translationen ?(, v, tv allein vorkommen 9v _ 'dw 'div _ 9i« 'du _ ö-y %z "dy ' dx dz' "dt/ dx ' und dass, sobald die Rotationen |, rj, t allein vorhanden sind Ö^^ÖS; 9|^9| 91^9^ 9^ 9?/' dx 9ä-' dtj 9.t' wobei die Differentiationen auf unendlich kleine Grössen zweiter Ordnung bezogen sind. Es sollen umgekehrt diese Relationen durchweg gelten, d. h. mag die Differentiation auf unendlich kleine Grössen erster oder zweiter Ordnung bezogen werden. Dann können jedenfalls keine Rotationen oder keine Translationen, für welche nicht die Gleichungen (3.) des vorigen Abschnittes bestehen, vorkommen. Die obigen Gleichungen drücken aus, dass im ersten Falle u, V, tu, im zweiten |, t], t, als die partiellen Diffe- rentialquotienten einer Function der Coordinaten aufgefasst werden können Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 243 9m öqo dcp ^~dx' '^~'dy' ^ dz' Diese beiden Functionen cp und il) werden infolge der . Relationen 8^ "^ "% "^ 97 ~ ' 91 + Ö^ + ÖS ^ 9.r ^ -dy ^ dz an die Bedingungen ^cp — 0, z/i/) = geknüpft sein. Sind also die Gescliwindigkeitscotnponenten der Trans- lation oder Rotation die partiellen Differentialquotienten einer Function der Coordiuaten, so. kommen nur Trans- lationen oder nur Rotationen (d, b. abgeseben von einer Bewegung, bei welcber keine Rotationen stattfinden) vor. Diese Functionen 9) und 1^ werden als die Gescbwin- digkeitspotentiale und die Fläcben cp = const. und tp = const. als Niveauflächen bezeichnet. Ebenso wie sich oben herausstellte, dass bei einem Potentiale tp von Massen diie resultirende Kraft mit der Normale der Niveaufläche zu- sammenfällt und die Grösse 5^ besitzt, so wird sich auch on hier ergeben, dass die resultirende Geschwindigkeit resp. die Richtung der Rotationsaxe normal zur Fläche cp = const. resp. ^ = const. steht und dass die resultirende Geschwindigkeit die Grösse —- resp. -^ besitzt. Die Linien, welche überall senkrecht zur Niveaufläche des Geschwindigkeitspotentiales stehen, also mit der Richtung 244 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. der Strömung oder der Rotationsaxe zusammenfallen, werden beziehlich Stromlinien oder Wirbellinien genannt. Es sollen im Folgenden die Consequenzen der Existenz eines Geschwindigkeitspotentiales entwickelt werden. Es ist hierzu die Herleitung eines allgemeinen für alle der- artigen Untersuchungen dienenden Theoremes erforderlich. Es seien TJ und Y zwei Functionen der Coordinaten. ic, y, z, die innerhalb eines gegebenen zusammenhängenden Bereiches überall einwerthig, stetig und endlich sind nebst den ersten Differentialquotienten. Dann ist «^/ 8F\ öü'ÖF 9^F 02/ 1^02/ j ~ 9y by^^ 'by' ' A / uil-\ — M ^ ^ §:!£ 02 \ ö0 ; ~ d^ 9^ "^ ^ 80^ ■ Die Summe dieeer drei Gleichungen multiplicirt mit dem Volumenelement dt = dx dy dz und integrirt über den ganzen Raum ergibt Das letzte Integral rechts lässt sich sofort in ein Ober- flächenintegral verwandeln. Bezeichnet dö das Oberflächen- element und n die nach Innen gerichtete Normale, so ist jjj h{^^-^)^''^y^' = -j] ^^^ '''^''''^^'' jjj^ [U^^)äxdydz= -fju^^cos(ny)do, Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 245 Demnach wird /// /öF ÖF ÖF \ illö- cos(na;) + ö- cosfny) + ^^ cos(ji5;)j dff oder JJJ [^ 8T + öT 57 + S- 8T ) * = - i/j ^^ ^* -/// ZJ 1^ de. (a.) on Da die linke Seite dieser Gleichung sich bei Ver- tauschung von ü mit V nicht ändert, so muss sein in welcher Gleichung wie überall die dreifachen Integrale über das ganze Innere und die zweifachen Intregale über die ganze Oberfläche des gegebenen Raumes auszudehnen sind. Die Gleichungen {a.) und {h.) bilden das gesuchte Green'sche Theorem. Die gewonnenen Relationen sollen dazu verwandt wer- den, eine Anzahl Sätze über eine Function, welche der Be- dingung ^U= genügt, und damit eine Reihe merkwür- diger Eigenschaften der behandelten Translations- und Ro- tationsbewegungen herzuleiten. Setzt man zunächst in (&.) V = const. und nimmt ferner an, däss ^Z7 = 0, so bekommt man // äV * = «■ c^) 246 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. Es sei U = (p das Potential einer Translatiousbe- wegung und das Intregal über eine Niveaufläche (p = const. ausgedehnt. Dann ist -^ die Resultante der Translations- geschwindigkeit, -^ clö somit das Volumen der durch das Flächenelement dö eintretenden Flüssigkeit und (c.) sagt aus, dass in einen von einer Mveaufläche begrenzten Raum ebensoviel Flüssigkeit eintritt wie austritt, ein Satz, der wegen der vorausgesetzten Incompressibilität von vornherein als evident erscheint. Wird dagegen F = t^ in (c.) eingesetzt und das Intregal über eine Niveaufläche des Rotationspotentiales i? ausge- dehnt, so ist die resultirende Geschwindigkeit der Rotation und (c.) liefert den Satz //' Man nehme nun nicht das ganze Niveau, sondern nur ein unendlich kleines Element q desselben, lege durch alle Puncte seines Umfanges die zu den Flächen Z7= const. senkrechten Linien und führe letztere bis zu einem zweiten Niveau innerhalb des ersten. So erhält man eine ge- schlossene cylindrische Fläche von unendlich kleinem Quer- schnitte und die Gleichung (c.) gibt für sie sofort {m--o.- <^-' wobei die Indices sich auf die Querschnitte beziehen. Diese Relation ist auf die Geschwindigkeiten der Trans- lation und Rotation, die ein Potential haben, übertragbar. Die Linien, deren Richtung überall zum Potentialniveau Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 247 senkrecht steht, sind dann die Stromlinien und Wirbel- liuien. Die unendlich dünnen Fäden der Flüssigkeit, welche durch zwei Elemente je eines Potentialniveau und die dur<5h deren Umfang gehenden Strom- oder Wirbellinien begrenzt sind, heissen Strom- oder Wirbelfäden. Daher sagt die Gleichung (2): Bei Translationen mit einem Geschwindigkeitspotential ist das Product aus der Stromgeschwindigkeit in den Quer- schnitt des Stromfadens über die ganze Länge des letzteren constant. Bei Kotationen mit einem Geschwiudigke;tspotential ist das Product aus der ßotationsgeschwindigkeit in den Querschnitt des Wirbelfadens über die ganze Länge des letzteren constant. Ferner ergibt sich ans der Formel (c.) sofort, dass Strom- wie Wirbelfäden in der Flüssigkeit nicht endigen können. Denn endigte ein solcher Faden in der Flüssig- keit, so brauchte man nur ein Endstück von ihm abzu- schneiden, und es würde dann das über dasselbe ausge- dehnte Integral // -q— de, da nur der eine Querschnitt einen Beitrag liefert, nothwendig entgegen der Formel (c.) einen endlichen Werth bekommen. Die Gleichung (c.) kann noch zu einer weiteren Folge- rung benützt werden. Sie liefert den Satz, dass die Function ?7, 'welche der Gleichung z/ C/" = genügt, in dem ganzen Räume weder Maxima noch Minima besitzen kann. Denn existirte in einem Puncto ein solcher Grenzwerth, so würde in einer unendlich kleinen um ihn gelegten Fläche U ent- weder einen kleineren oder einen grösseren Werth haben. Dann aber müsste -7;- in allen Puncten dieser Fläche das- ei n 248 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. selbe Vorzeichen erhalten und es könnte also die Gleichung (c.) nicht erfüllt sein. ■ Aus diesem Satze folgt, dass die Function U, sobald sie in allen Puncten einer geschlossenen Fläche denselben Werth hat, diesen nämlichen Werth im ganzen Innern be- sitzen muss. Denn wäre diess nicht der Fall, so müss4e es Maxima oder Minima in diesem Räume geben, was nicht möglich ist. • Wird aus dem gegebenen Gebiete ein von zwei con- centrischen Kugelflächen mit den Eadien a und c {a>c) begrenzter .Raum geschnitten und auf denselben die Glei- chung (&.) angewandt, so ergibt sich unter der Annahme ^U = 0, V = — bei Berücksichtigung der Gleichung (c.) ^11"'' = ^ ff''''- wo das Intregal auf der linken Seite über die Kugelfläche mit dem Radius a, das auf der rechten über diejenige mit dem Radius c zu erstrecken ist. Geht man nun zur Grenze c = über, so wird die rechte Seite 4 ;r C/q, wenn Uq den Werth von Z7 im Mittelpunct der Kugel mit dem -Radius a bedeutet. Man hat somit den Satz ^0 = T^. ffvda. -c^'jj d. h. das arithmetische Mittel aus den Werthen von* U auf der Oberfläche einer Kugel ist gleich demjenigen Werth, welchen U im Centrum derselben annimmt. Aus diesem Satze folgt, 'dass U in dem ganzen Räume constaut ist, sobald diess in einem endlichen Theile der Fall ist. Denn wäre TJ nicht constant, so könnte man sich immer eine Kugel construiren, deren Mittelpunct in dem Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 249 Gebiete liegt, für welches U = const. ist, die ferner aus diesem Gebiete heraustritt und au diesen äusseren Stelleo überall einen grösseren oder kleineren Werth als im Inneren besitzt. Für eine solche Kugel könnte dann" der Satz nicht erfüllt sein. Es ergibt sich hieraus für die Flüssigkeitsbewegungen mit Potential, dass keine derartigen Bewegungen in dem ganzen Räume stattfinden, sobald in einem endlichen Theile keine vorhanden sind; Eine analoge Schlussreihe folgt aus der Form (a.) des Green'schen Satzes. Wird nämlich in derselben TJ =^ V gesetzt unter der gleichzeitigen Annahme ziU= 0, so er- gibt sich Verschwindet nun an der Oberfläche überall der Differentjal- ,. , du quotient -^ , so muss sein, was nur möglich ist, wenn im ganzen eingeschlossenen Räume öf^^o ^==0 0-^=0 Diese Gleichungen liefern für die Flüssigkeitsbewe- gungen mit Geschwindigkeitspotential das interessante Resultat, dass im ganzen Inneren der Flüssigkeit keine Translationen oder Rotationen vorkommen , sobald an der Oberfläche keine vorhanden sind. Jede dieser Bewegungen ist also nothwendig mit einer entsprechenden Bewegung g,n der Oberfläche verbunden. Aus dem letzten für U hergeleiteten Satze folgt 250 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. weiter, dass U im ganzen Inneren des Kaumes durch die Werthe von -5— an der Oberfläche bestimmt ist. Denn existirten zwei Functionen TJ^ und C^, welche beide der Gleichung Ju = genügen und für welche an der Oberfläche 5» 9» ist, so würde die Differenz. TJ^ — TJ^ ebenfalls die Gleichung zlü =, erfüllen und es müsste für sie an der Oberfläche ^ l — - = werden. Daraus würde aber folgen, dass im ganzen Inneren also üj = CTj + const. ist. Auf die FlüssigkeitsbeAvegungen mit Geschwindigkeits- potential übertragen heisst diess, dass durch die Translationen oder Kotationen an der Oberfläche die ganze Translations- oder Rotationsbewegung im Inneren der Flüssigkeit be- stimmt ist. Alle diese Sätze beruhen auf der Voraussetzung, dass die Potentiale der Translations- und Rotationsgeschwindig- keiten Functionen der Coordi;iaten x, y, z seien, die nebst den ersten Differentialquotienten den Gesetzen der Endlich- keit, Stetigkeit und Eindeutigkeit genügen, weil sonst das Green'sche Theorem nicht mehr anwendbar sein würde. Enthalten diese Functionen auch die Zeit als Variabele, so beziehen sich die entwickelten- Sätze nur auf einen Moment. Müller, Eiflleitung in die Hydrodynamik. 251 4. Die Geschwindigkeiten der Translation und Rotation wurden im vorhergelienden Abschnitte als Functionen des Ortes vorausgesetzt, welche der Eigenschaft des Potentiales genügen. Es wurde also angenommen, dass in der "ganzen Flüssigkeit entweder nur Translationen oder nur Rotationen vorkommen. Jetzt soll der Fall betrachtet werden, in dem beide Bewegungen existiren, die eine derselben aber nur in einzelnen Flüssigkeitstheilchen vorhanden ist. Es fragt sich dann zunächst, in welcher Weise sind diese rotirenden oder strömenden Flüssigkeitstheilchen zu einander geordnet? Zur Beantwortung dieser Frage dient ein allgemeiner Satz, der hier entwickelt werden soll. Es seien X, Y, Z irgend welche Functionen der Coordinaten x, y, z, die nebst den ersten Ableitungen in einem gegebenen Räume einwerthig, stetig und endlich sind. Dann ist ///( 9X , 9Y ^j dx clij dz ff 9.« 9?/ dG{X.cQ)s{nx) + Ycosfn?/) + Z co^{nz)') , (a.) Avo dö das Oberflächenelement des Raumes bedeutet. Fasst man X, Y, Z auf als die Componenten der Geschwindig- keit des Punctes x, y, z, so ergibt sich für die Resultante •B = rx^ -t- Y- -f Z^ und X, Y, Z nehmen die Form au X = B cos{Bx) , Y = B cosiBij) , Z ^ B cosiBz) . Die rechte Seite der Gleichung {a.) wird daher // da B cos{Bn) . 252 Möller, Einleitaiig' ia die HjdrodjDämik. Die Fanctioneii X T, Z mögen nun der Bedingung genügen oX ^ dr ^-^ _o djc dy dz Dann wird die linke Seite TOn (/i.) Terschwinden und es niuss somit sein f/ de B cosfBn) = 0. (l>.) Diese Gleichung soU auf die Eotations- und Trans- lationsgeschwindigkeiten angewandt werden, die in einer incompressibeln Flüssigkeit als solche Functionen X T, Z der Coordinaten Torgeschrieben sind. Hierbei soll jedoch diejenige Bewegung, welche nur in einzelnen Theilen des Baumes vorhanden ist, in Flüssigkeitsföden angeordnet (Strom- oder Wirbelfäden) gedacht werden. Würde ein solcher Faden innerhalb der Flüssigkeit endigen, so könnte man immer in der Flüssigkeit eine geschlossene Fläche construiren, über welche das Intregal (&.) nicht verschwände. Eine solche Fläche brauchte z. B. nur ausserhalb des Fadens kugelig zu verlaufen und mit einem cylindrischen Fortsatz in den Faden hinein zu ragen; das Ende des Fortsatzes, das immer rechtwinklig zu der gekrümmten Seitenfläche angenommen werden kann, würde dann allein einen endlichen Term in dem Intregale liefern und letzteres also nicht, wie es die Formel (6.) vor- schreibt, versehwinden können. Partielle Kotationen und Strömungen müssen daher so angeordnet sein, dass jeder Faden entweder in der Oberfläche endigt oder in der Flüssigkeit in sich selbst zurückläuft. Eine derartige An- ordnung soll im Folgenden immer vorausgesetzt sein. Die vorhandenen Wirbel- und Stromßden entsprechen ihrer Con- struction gemäss ganz den gleichnamigen Fäden des vorigen Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 258 Abschnittes, mir dass die letzteren die Flüssigkeit stetig erfüllen, während die jetzigen isolirt in derselben vor- kommen. Aus dieser Analogie entsteht die Frage, ob hier Rotations- und Stromgeschwindigkeit ebenfalls in einer Beziehung zum Querschnitt des Fadens stehn, wie sie . sich dort herausstellte. Diese zweite Frage beantwortet die nämliche Gleichung (6.), wenn dieselbe auf ein Stück eines Fadens angewandt wird, das von zwei zu seiner Sichtung senkrechten Quer- schnitten begrenzt wird. Für alle Theile der gekrümmten Oberfläche dieses Stückes ist cos (H n) = 0, für den einen Querschnitt q^ an dem die Geschwindigkeit JR den Werth i?i haben möge, ist cos (i?i «) ^ — 1. für den andern Querschnitt q^ mit der Geschwindigkeit i?, i-^ dagegen cos (i?2 /<) = — 1 ^^^^ ^^ muss somit sein d. h. Das Product aus der Kotationsgeschwrindigkeit in den Querschnitt des Wirbelfadens oder das Product aus der Stromgeschwindigkeit in den Querschnitt des Stromfadens ist über die ganze Länge des Fadens constant. Der nämliche Satz wurde oben für die die Flüssigkeit continuirlich erfüllenden "Wirbeltadeu und Stromfäden unter der Voraussetzung von Potentialen hergeleitet. Dagegen werden die anderen Sätze, die sich auf die Bestimmimg der Bewegung im Inneren aus derjenigen an der Ober- fläche beziehen, wegfallen, resp. sie werden nur für einen solchen Raum gellen, der aus dem gegebenen Räume durch Ausschliessung der einzelneu Wirbel- oder Strom- fäden entsteht. Die Componenten u. i\ v der Translationsgeschwiudig- keit oder die der Rotationsgeschwindigkeit t. rj, » sind in dem vorliegenden Falle Functionen der Coordinaten x, y, z. 254 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik, Wie müssen dieselben beschaffen sein, damit in einzelnen Fäden Rotationen oder Translationen auftreten, während sonst solche in endlicher Grösse nicht vorkommen? Diese Frage ist für die Rotationen schon durch die Formeln (2'.) des zweiten Abschnittes beantwortet. Vortheilhafter ist je- doch die folgende Lösung : Die Componenten u, v, tu der Trauslationsgeschwindig- keit haben in der ganzen Flüssigkeit die Bedingung zu erfüllen dv du . ö0 (Z.) ausserdem muss sein (m.) wo die Grössen |, ?^, ^ an den Orten, an denen Wirbel- bewegungen stattfinden, die gegebenen Werthe annehmen, während sie sonst überall verschwinden. Wo Werthe von ^,7], l vorhanden sind, genügen sie der allgemeinen Gleichung 91 ^ 02 = 0. («.) Diese drei Gleichungen können befriedigt werden durch die Annahme Ö0 % ' dN 8L 'dx 9^ ' 8.L 8itf "dy 9« ' (2.) wo Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 255 (2'.) und die Intregale über den Kaum, in welchem Wirbelbe- wegungen vorkommen, zu erstrecken sind. Dass durch (2.) und (2'.) die Bedingungsgleichung (?.) erfüllt ist, stellt sich bei Differentiation von (2.) so- fort heraus. Die Gültigkeit der Gleichungen (»?.) ergibt sich auf folgende Weise : Bei Differentiation von (2.) erhält man unter Berück- sichtigung der Differentialgleichungen ^L = — 2 1, ^ J/ = — 2?^, ^N = — 2t, denen die Functionen L] M, N ge- nügen, dz by ': \ dx "+" du "^ dsl' dw du 9r = 2 7/ + dx d_ dy dy ds diu , dN\ Jx i dL OM . X}J\ \ idL . dM , dN dy dx ^ '^ dz \dx ^ dy '^ und es werden daher jedenfalls die Gleichungen {m.) be- friedigt, sobald in der ganzen Flüssigkeit Es ist nun ÖL dx dM 'dy dx '^ dy '^ d2 da db de , 256 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. -5— = n — / / / ^ — da db de oder bei Anwendung der Methode der theilweisen Integration rp- = ^r~ II — db de — ^ — / / / — K- dadbdc, dx 2 3t JJ r 2 TT JJJ r da K— — n — / / — da de — ^ — / / / — ^r dadbdc, : — / / — dadb — ^ — / / / — -^^ dadb de . '""JJ ^ ^"^ JJJ ^ 9c 9^ 2 Die Summe der drei ersten Terme dieser Gleichungen ver- schwindet nach der Gleichung (&.) und die Summe der drei letzten Terme nach Gleichung (w.), da je die Diffe- rentiation nach a, h, c hier identisch ist mit der nach x,. y, z in {n.). Durch (2.) und (2'.) ist somit wirklich eine particuläre Flüssigkeitsbewegung für den Fall, dass in einzelnen Theilen vorgeschriebene Wirbelbewegungen statt- finden, dargestellt. Wie dies im zweiten Abschnitt ge- schehen ist, so lässt sich auch hier wieder zeigen , dass die allgemeine Flüssigkeitsbewegung sich von der vor- liegenden nur durch eine .solche Bewegung unterscheidet^ bei welcher keine Rotationen vorhanden sind *). Die mechanische Bedeutung von (2.) und (2'.) ergibt sich in folgender Weise : Werden die Werthe von L, M, IsT aus (2'.) in (2.) eingesetzt, und die unendlich kleinen Theile von ii, v, iv, welche in den Integralen von dem Elemente da db de herrühren, mit du^ dv, dw bezeichnet, so ist du — -^ ^ —^ — r^ ^^^— da db de , 2 TT r^ ^ 1 {a—x) i — {c—2) I dv = ^ — -^ ä da db de , 2 Tt r^ *) Kirchlioff, Analytische Mechanik pag. 251. Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 257 , 1 (b— 2/)| — (,a—x)ri , ,, , dio = K — ^^ ^^-'-^ — r^ dadodc. Aus diesen Gleichungen geht nun hervor, .dass du (a—x) + dv (b—y) + dw {c—z) — 0, ^du -\- rjdv -\- ^ dw = d. h. dass die Kesultirende dp von du, dv, diu sowohl mit r, wie mit der Resultirenden q von ^, rj, t, einen rechten Winkel bildet. Endlich ist da db de dp ^ f du^ -{- dv^ + dw^ = 2n r^ ^ sin v , wo r durch die Gleichung bestimmt ist a—x I , b—y 71 c^z ^ cos V = ~ 1 , r q r q r q also den Winkel zwischen q und r bedeutet. Man hat somit den Satz: Jedes rotirende Wassertheilchen a bedingt in jedem anderen Theilchen h derselben Wassermasse eine Trans- lationsgeschwindigkeit, welche senkrecht gegen die durch die Rotationsaxe von a und das Theilchen h gelegte Ebene steht. Die Grösse dieser Geschwindigkeit ist direct proportional dem Volumen von a, seiner Rotatiousge- schwindigkeit und dem Sinus des Winkels zwischen der Linie ah und der Rotationsaxe, umgekehrt proportional dem Quadrate der Entfernung der beiden Theilchen. Es soll jetzt in entsprechender Weise untersucht werden, wie die Rotationen |, rj, t, beschaffen sein müssen, damit in gegebenen Fäden Ströme entstehen, während sonst solche in endlicher Grösse nirgends vorkommen. Die Cömponenten |, tj, t, der Rotation haben über- all die 'Identität zu erfüllen, dass Wx-^Ty-^Vz-^- ^^-^ X.XIII. 3. 17 258 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 2 8^ 9^ (m'.) Peruer ergibt sich 95_9|^_^ dl dz dy~ 2 : dx dz 2 ' dy und die Grrössen Ju, ^v, Aw werden au die Bedingung geknüpft sein d /iu , d dv , d /i\o + + = 0. (w'.) dx ' dy ' dx Von diesen Gleichungen lässt sich sofort ein particu- läres Integral angeben, nämlich _ 9jy dM ^' ~ dy dz ' dL _ 9^' dz dx ' dM dL dx dy Vi k ^^ (3.) WO M N ^JJJ ~ -^rrr JlO da ab de , da db de da db de (3'.) und die Integrale über diejenigen Theile des Raumes aus- zudehnen sind, in welchen sich Stromfäden befinden. Existirte nun ausser diesem particulären lutegrale' ein zweites Ig» ^a? ^21 ^^ würde durch die Differenzen h=k—k^V3==Vi—V2^ts==ti— ^2 ebenfalls eine Plüssig- keitsbewegung dargestellt sein und es müsste nach den Gleichungen {m'.) dieselbe ein Rotationspotential besitzen. 9i/»_ _d^ ^ __ drj) ^' ~ dx' '^'~ dy ' ^' ~~ dz- Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 259 Aus den Gleichungen {m.), welche überall, wo Strömungen vorhanden sind, gelten, folgt nun, dass in den Stromfäden Ig = 0, j?3 = 0, ^3 = 0, somit i; = const. sein wird. Es muss daher il) in dem ganzen Gebiete einen constanten Werth haben. Ausser der durch (3.) und (3'.) beschriebenen Bewegung wird deshalb keine weitere möglich sein. Die Gleichungen (3.) und (3'.) lassen sich in ähn- licher Weise wie (2.) und (2'.) mechanisch deuten. Diese Deutungen sind natürlich entsprechend complicirter, da in (3'.) nicht die Grössen u, v, lu, sondern die Verbindungen ^K, /Jvj zJiv auftreten. Besitzt die Translationsbewegung an den Stellen, an welchen eine solche vorhanden ist , ein Potential, so ist überall zJii = 0, zJv = 0, ^w = 0, somit i == 0, J/ = 0, ^^ = und daher auch ^ = 0, t] = 0, ^ = 0. Es folgt somit der Satz: Hat die Translationsbewegung ein Potential , so können nirgends in der Flüssigkeit Wirbelbewegungen auftreten, also auch dort nicht, wo gar keine Translationen existlren. Alle die Kelationen des vorigen Abschnittes beziehen sich auf einen Zeitmoment. In einem Momente ist das Product aus Rotationsgeschwindigkeit in den Querschnitt des Wirbelfadens constant. Es muss nun untersucht werden, wie sich diese Producte zu verschiedenen Zeiten verhalten, wobei jedoch vorausgesetzt werden soll, dass die Wirbel- fäden stets aus den nämlichen Flüssigkeitstheilchen gebildet seien. Auf die Flüssigkeit bezogen wird dann der Wirbel- faden explicite von der Zeit nicht abhängen , sondern nur von der in den Coordinaten implicite enthaltenen Zeit; 260 Müller, Einleitung in die Hydrodynamik, auf die Raumtheilchen bezogen wird dagegen der Faden explicite ebenfalls von der Zeit abhängen, da er an dem- selben Orte entsteht und verschwindet. Sind also

Ö-Cp . d^cp , 9-qo dxöy dij^ öyöz d'tp , 9> , 9> 9:c9?/ oy^ dyöz 9?/ 05 02^ _9^ 9>^ 92 9* "^9x90"^ 92/9^^ Wird dx dx dxpdu dx dx Öqp du Wxdx 9i/> 9?( dx dx 9q0 9v 9^9?« 'dy^~dzdz 9^9y~~9F9F' dcp dv dg) dw dy dy dz dz dipdv dxjjdw d^jdy ""9797 das so gewonnene S^^stem der Reihe nach mit dtp dcp d^ dcp ~ 97' 97' 927' 9^7 multiplicirt und werden dann die beiden ersten und die beiden letzten Gleichungen unter Berücksichtigung von (a.) addirt und schliesslich die Resultanten unter Beach- tung der Relation 9t* _. 9u . dw 9^ "^ % "^ 97 = verbunden, so ergibt sich 81. , du du dt " dx "^ '^ dy ^ ^ 9^' wenn d ^ die vollständige Differentiation nach der implicit« und explicite Zeit bedeutet. Auf analoge Weise lassen sich zwei andere die Aende- rungen von rj und g darstellende Gleichungen gewinnen, und man hat daher das System dt Srj dt 9* . du , du , . du ^9^ + ^9F + ^97 , dv . öü . , dv ^ 9i + '^ 9^ + ^ 97' , dw 1 9tü = ^9^ + ''% ^ ^ 9^ (1-) Aus diesen Gleichungen folgt sofort, dass ein Flüssigkeits- Müller, Einleitung in die Hydrodynamik. 263 = thßilchen- niemals rotiren kann, sobald es zur Zeit t nicht rotirt. Nach den Gleichungen (1.) im ersten Abschnitt ist a' = udt -f (1 -i- — dt) a -{- TT dt h -\- ^ dtc, \ dx J du dz vdt -[- 7- dt ' dx dy )v 'Ö1J „4. ^^i + ^^at)h-h^dtc, dz c'==wdt-^P^dta+ ^^dtb-^il + ^^dt] dx (iy \ 02 I In dem Zeitelement verschiebt sich das zweite Theilchen um eine Strecke, deren Projectioneu auf die Axen sind a' — a , b' — h , c' — c und das erste Theilchen um eine Strecke, deren Projec- tioneu sind tcdt , vdt , lodt . Daher sind die Veränderungen, welche die Projectioneu a, b, c erleiden 8a = o' — a — udt, 8b =^ b' — b — vdt, ■8c = c' — c — wdt. Demnach wird 8a du , , du , Qif = a r- K f- c dy dt 8b öx dv dz dt dx - dv , dv b K \r c TT- P dt d cp P dt d ip P o -2,2 9,76 0,1 o 6,1 10,02 0,4 o 9,3 10,131,0 o 12,4 10,02 0,2 -0,9 10,14 0,05 6,3 10,12 0,4 9,4 9,96^0,4 12,4 9,88 0,5 -0,8 9,71 0,05 6,3 10,19 0,3 9,6 9,89 1,0 12,6 9,85 0,8 0,2 9,84 0,1 6,5 9,82 0,3 9,7 9,78 0,3 12,7 9,95 0,05 0,8 9,83 0,4 6,6 9,82 0,1 9,7 9,92 1,0 12,8 10,21 0,6 0,8 9,79 0,6 6,6 9,83 0,2 9,8 9,91 0,5 12,8 9,96 0,4 0,9 10,30 0,01 6,6 9,98 0,1 9,8 10,12;o,4 12,8 9,99 1,0 1,5 9,86 0,7 6,7 9,86 0,6 io!i 10,16 0,6 13,0 9,84 0,3 1,6 9,95 0,05 6,8 10,06 0,1 10,1 10,01 0,3 13,1 10,16 0,9 1,9 9,98 0,05 68 10,03 0,4 10,1 10,11 0,5 13,2 10,89? 0,1 2,2 10,14 2,0 6,8 9,98 0,6 10,1 9,90 1,0 13,2 9,94 0,9 2,3 9,80 0,3 6,9 10,08 0,2 10,2 9,94 0,3 13,2 10,13 0,5 2,4 9,88 0,6 7,1 10,18 0,1 10,2 10,04 0,1 13,2 9,84 0,6 2,5 10,11 0,3 7.1 9,98 0,7 10,2 9,99 0,9 13,2 9,99 1,0 2,5 9,95 0,4 7,3 10,19 0,6 10,3 9,88 0,1 13,3 10,06 1,0 2,9 9,91 0,1 7,4 9,96 0,2 10,3 10,30 0,01 13,3 9,93 0,2 3,0 10,10 0,4 7,4 10,00 0,6 10,4 9,97 0,2 13,4 10,23 0,3 3,5 10,25 0,1 7,5 9,96 0,5 10,4 10,14 1,0 13,4 9,90 1,0 3.5 9,89 0,5 7,5 9,95 0,4 10,5 10,02 1,0 13,4 9,95 0,3 3,7 9,86 0,6 7,7 9,99 0,05 10,5 10,05 0,9 13,6 10,01 0,4 3,8 9,92 0,05 7.8 10.31 0,2 10,5 10,15 0,2 13,6 9,95 1,0 3,8 10,14 0,5 7,8 10,02 0.3 10,7 9,91 0,6 13,7 9,78 0,9 4,5 9,83 0,3 7,8 9,91 2,0 10,7 .9,88 0.3 13,9 9,86 0,3 4,6 10,06 0,4 8,2 9,92 0,3 10,8 10,13 0,3 14,0 9,90 1,0 4,7 10,18 0,3 8,2 9,83 0,6 11,0 9,91 0,9 14,0 9,97 1,0 4,9 9,85 0,1 8,2 10,05 0,2 11,2 10,14 0,2 14,3 10,14 0,9 4,9 10,13 1,0 8,3 9,92 1,0 11,3 10,00 0,4 14,3 9,90 0,6 4,9 9,83 0,5 8,4 10,02 0,6 11,5 10,22 0,3 14,5 10,03 0,1 5,0 10,16 0,5 8,5 10,01 0,05 11,5 10,19 0,5 14.5 9.74 0,6 5,4 9,81 0,05 8.6 9,98 0,9 11,5 9,80 0,8 14,7 10,16 0.2 5,4 9,79 0,3 8,7 10,09 0,1 11.7 10,19 1,0 14,9 9,72 0,3 5,6 9.80 0,3 8,7 10,04 1.0 12,0 10,04 0,6 14,9 9,79 0,9 5,7 9,96 0,2 8,8 9.72 0,05 12,1 10,01 0,5 14,9 10.21 0,7 5,8 9,91 0,6 8,8 9,99 0,5 12,1 9,79 0,1 15,5 9,61? 0,1 5,9 10,20 0,05 9,0 10,12 0,1 12,1 10,17 1,0 15,5 9,97 0,1 5,9 10,16 0,9 9,1 9,93 1,0 12,1 10,00 1,0 15,7 9,89 0,3 6,0 9,79 0,4 9,2 10,06 1,0 12,2 9,97 0,3 15,9 10,17 0,1 6,0 10,16 0,6 9,3 10,00 0,2 12,3 10,11 0,7 15,9 9,89 0,2 6,0 10,12 0,6 9,3 10,10 0,05 12,4 9,89 0,4 16,0 9,78 0,5 6,1 10,13 2,0 9,3 10,12 1,0 12,4 9,90 0,7 16,1 9,97 0,1 Wolf, astronomische Mittheilungen. 307 Tab. II. Tab. III. dt Min. Max. Gruppe t «P B -2°2 9",76 I 10°,13 47° 22' 39",84 ±0 ',02 0",14 -0,8 71 II 11 ,96 40 ,01 04 - 03 0,9 10",30 III 13 ,98 39 ,97 05 Ol 3,5 25 IV 15 ,24 40 ,05 05 — 07 7,8 31 V 15 ,80 39 ,98 04 00 8,8 72 VI 16,53 40 ,02 03 — 04 9 ,7 78 VII 17 ,43 39 ,95 03 03 10,3 30 vni 18,35 40 ,03 02 - 05 11 ,5 22 IX 19 ,00 40 ,00 04 — 02 12,8 21 X 19 ,63 40 ,01 03 — 03 13,2 89? XI 20 ,52 39 ,98 05 00 13,4 23 XII 21 ,41 40 ,05 04 — 07 13,7 78 XIII 22 ,08 40 ,02 06 — 04 14,5 74 XIV 22 ,56 39 ,99 03 - Ol 14,9 72 21 XV 23,34 39 ,93 04 05 15,5 16,0 61? 78 XVI Mitt. 24 ,60 39 ,90 06 08 18°,28 47°22' 39",983 ±0,041 ± 0",056 bezeichnet, darstellen konnte. Wie es übrigens Herr Gaillot selbst auch ausgesprochen hat, liegt in dieser Reihe offenbar ein Temperatur-Einfluss vor, und zwar wahrscheinlich die Eiüführung einer etwas unrichtigen Temperatur in die Refractionstafel. Es interessirte mich nun zu untersuchen, ob sich in meiner, in Nr. 44 publicirten Keihe von Pol- höhen-Bestimmungen auch ein solcher Temperatur-Einfluss zeige, obschon ich demselben schon durch die befolgte Methode der Refractionsbestimmung möglichst vorgebeugt wusste. Ich ordnete daher die damals erhaltenen 160 Serien nach den Temperaturen, und erhielt so die Tab. I, in welcher, wie in jener frühern Mittheilung, Jt den Ueberschuss des Mittels der Innern und äussern Tempe- 308 De Tribolet, Sur Tage slratigraphique etc. ratur über 9°,3, z/qp den Ueberschuss der aus der Serie erhaltenen Polhöhe über 47° 22' 30" und P das Gewicht der Bestimmung bezeichnet, und wo die fetten 9 die Minimalwerthe der zttp (9,78 und kleiner) , die fetten 10 die Maxiraalwerthe der ziep (10,21 und grösser) hervorheben. Es zeigt sich so schon beim ersten Blick auf Tab. I oder die eine Zusammenstellung der extremen Werthe enthaltende Tab. II, dass in den ^qp kein den Temperaturen entsprechender Gang besteht ; aber immerhin habe ich geglaubt, um ganz sicher zu sein, noch folgende Kechnung durchführen zu sollen: Ich theilte die 160 Serien der Tab. I der Keihe nach in 16 Gruppen ä 10 Serien, berechnete für jede Gruppe mit Hülfe der Gewichte sowohl die mittlere Temperatur i, als den mittlem Werth der Polhöhe rp und dessen Unsicherheit, und erhielt so die in Tab. III eingetragenen Werthe. Da die Unsicherheiten der q) nicht sehr verschieden ausfielen, so nahm ich nicht nur aus den t, sondern auch aus den (p das einfache Mittel, während ich bei den Unsicherheiten der (p natürlich die Wurzel aus dem Mittel der Quadrate als Mittel beisetzte. Durch Vergleichung des Mittelwerthes der tp mit den ein- zelnen Werthen die Differenzen D bildend, zeigte sich mir nun aus diesen mit noch grösserer Sicherheit, dass in meinen Polhöhenbestimmuugen der von Gaillot in den Pariser Bestimmungen gefundene Gang absolut nicht vor- kömmt, worin ich ein gutes Zeugniss für die von mir befolgte Methode erblicke. Mit Hülfe der D noch die Unsicherheit des Mittelwerthes berechnend, fand ich so aus dieser Zusammenstellung (p = 47° 22' 39",983 ± 0",014 während ich in Nr. 44 als Schlusswerth (p = 47° 22' 39",991 ± 0",004 Wolf, astronomische Mittheilungen. 309 erhalten hatte, so dass auch auf diese Weise eine erfreu- liche üebereinstimmung hervorgeht. Nach ärgerlichen Störungen, welche sich im Sommer 1875 dadurch ergaben, dass mein damaliger Assistent in meiner Abwesenheit längere Zeit nicht bemerkte, dass die für mittlere Zeit bestimmte Normaluhr plötzlich eine Stö- rung ihres Ganges erlitten hatte, führte ich die Uebung ein, zur Controle jeden Nachmittag (ganz abgesehen von den bei Beobachtungen ohnehin vorgenommenen Verglei- chungen) die sämmtlichen im Dienste stehenden Uhren durch Kuf-Signale, welche ich in der Regel selbst abgebe, mit einander zu vergleichen, und es hat sich daraus nun bereits ein grosses Material gesammelt, dessen Bearbeitung einige nicht uninteressante Besultate ergeben dürfte. Als Grundlage einer solchen Bearbeitung war es aber vor Allem aus nöthig, den Gang der besten dieser Uhren, des mit einer Quecksilber-Compensation versehenen Regulators von Sylvain Mairet in Locle, welchen ich früher nur vor- läufig aus kürzern Reihen bestimmt hatte (v. Mitth. Nr. 31), mit Hülfe der auf ihn übergetragenen Zeitbestimmungen möglichst genau, und namentlich auch in Beziehung auf Temperatur- und Barometer-Einfluss, zu studiren. Ich beauftragte daher meinen gegenwärtigen Assistenten, Herrn Alfred Wolfer, diese Studie zu unternehmen, wobei wir einerseits übereinkamen nur die seit 1876 II 18 erhal- tenen Zeitbestimmungen dafür zu verwenden, da die Uhr Anfangs Februar 1876 neues Oel erhalten hatte, — und anderseits die Intervalle, aus welchen die Gänge be- stimmt werden sollten, nicht zu kurz (durchschnittlich nicht unter einer Woche) zu nehmen, um der Unsicherheit der Vergleichung durch Rufsignale nicht einen zu grossen Einfluss einzuräumen. Herr Wolfer hat mir nun über 310 Wolf, astronomische Mittheilungen. Gang und Ergebnisse seiner Untersuchungen folgenden Bericht erstattet: «Es wurden von den seit 1876 II 18 angestellten Zeitbestimmungen im Ganzen 171, deren jede aus min- destens 4 Durchgängen und vollständiger Bestimmung der Instrumentalfehler besteht, ausgewählt und die daraus resultirenden Gänge mit den entsprechenden meteoro- logischen Daten, die sich aus den täglich um 7" P und 9^* im Meridiansaal angestellten Terminbeobachtungen ergaben, nach dem einfachen Ausdrucke g = A + Bt-\- C (&— 700) wo g den täglichen Gang, t die Temperatur in (7., b den Baromerstand in Mm, und A, B, C zu bestimmende Con- stanten bezeichnen, in Zusammenhang gesetzt. «Zunächst zeigen die 3 folgenden aus ca. jährlichen Intervallen abgeleiteten mittle rii Gänge : g t &— 700 1876 II 18 - 1876 XII 31 — P.08 14°.9 20"'"' .0 1876 XII 31 — 1878 I 1 -0.98 13.4 21 .1 1878 I 1 — 1878 XII 12 —1 .14 13 .6 21 .4 die beinahe denselben mittlem Temperaturen und Baro- meterständen entsprechen, also direct vergleichbar sind, eine genügende üebereinstimmung, um, wenigstens vor- läufig, zur Berechnung der Coefficienten B und C die Combination aller Gänge ohne Rücksicht auf die Zeit aus der sie stammen, zu erlauben. Die gleichzeitige Bestim- mung dieser Coefficienten nach der Methode der kleinsten Quadrate bietet jedoch einige Schwierigkeiten, wenn wie im vorliegenden Falle niedere Temperaturen und Baro- meterstände (und entsprechend hohe) sehr häufig gleich- zeitig auftreten, und es empfahl sich desshalb nach einigen Versuchen folgender Weg successiver Annäherung als der Wolf, astronomische Mittheilungen. 311 sicherste. Aus der Gesammtheit aller Gäuge -wurden 50, bei denen der Barometerstand nur zwischen 19.0 und 22""".0 (die ungefähr den mittlem Barometerstand von Zürich einschliessen), die Temperatur aber möglichst stark variirte, ausgewählt, nach Temperaturen geordnet und in 10 Gruppen von je 5 vertheilt; das Mittel jeder Gruppe ergab eine Bedingungsgleichung wo A' den der Temperatur 0° und dem mittlem Baro- meterstande 720""°.5 entsprechenden Gang bezeichnet und aus den 10 Gleichungen, denen für den einstweiligen Zweck gleiche Gewichte gegeben wurden, konnte nach der Me- thode der kleinsten Quadrate ein vorläufiger Temperatur- coefficient B' = 0^0317 berechnet werden, ohne auf den Barometerstand (bei nur 3°"" Variation) Rücksicht nehmen zu müssen. «Auf ähnlichem Wege erfolgte die Bestimmung eines angenäherten Barometercoefficienten , indem aus allen Gängen 80 ausgewählt wurden, bei denen der Barometer- stand soviel als möglich, die Temperatur aber nur zwischen 7 und 19° schwankte; dieselben wurden mit B' = 0.0317 auf 0° reducirt, nach Barometerständen geordnet und aus ihnen 10 Gruppen zu je 8 gebildet, deren Mittelwerthe 10 Bedingungsgleichungen von der Form g = A"-\-C (0-700) lieferten, aus welchen sodann, ebenfalls bei gleichen Ge- wichten, der Annäherungswerth C = 0«.0184 folgte. Nun wurden weiter 120 Gänge ausgesucht, die über das ganze Temperaturintervall verbreitet waren und bei denen der Barometerstand zwischen 715 und 725°"° 312 Wolf, astronomische Mittheilungen. schwankte; mit C = 0.0184 auf 700"" reducirt und in 12 Gruppen zu 10 vertheilt, ergaben sie 12 Mittelglei- chungen, aus denen, immer noch unter Annahme gleicher Gewichte, ein zweiter Werth von B B' = 0^0290 bestimmt wurde. Derselbe weicht von dem frühern B' nur wenig ab und es konnte daher beim nächsten Schritte bereits der definitive Barometercoefficient berechnet werden. «Zunächst wurden alle Gänge mit B" = 0.0290 auf 0° reducirt, sodann nach Barometerständen geordnet und, da die letztern ihrer Grösse nach ziemlich gleich vertheilt sind, in 10 Gruppen von je 17 Einzelgängen zusammen- gefasst; die Gänge in jeder Gruppe wurden mit C = 0.0184 auf den zugehörigen mittlem Barometerstand reducirt, wobei ein eventueller kleiner Fehler von C wegen der geringen Schwankungen des Barometerstandes innerhalb einer Gruppe (Max. 3"") keinen merklichen Einfluss ge- winnen konnte, aus den so reducirten Gängen das Mittel gezogen und der mittlere Fehler des letztern berechnet, wie folgt: Mittl. Gang ±f &— 700 P Beob.-Eechg. — 1^605 0^036 lOJnxm 1.4 40^.042 —1 .592 0.036 15.0 1.4 —0 .016 —1 .576 .038 17.3 1.3 -0 .037 —1 .538 .039 19.3 1.2 —0 .031 —1 .498 0.036 20.3 1.4 —0 007 -1 .473 .042 21.4 0.8 +0 .001 —1 .461 0.045 22.2 0.7 —0 .004 —1 .432 0.051 23.4 0.6 +0 .010 -1 .394 0.039 24.8 1.2 -fO .025 —1 .849 0.061 0.041 27.8 0.4 -f .022 JiO.026 (P 1) Mit Berücksichtigung der in der Columne F enthaltenen Wolf, astronomische Mittheilungen. 313 aus den mittlem Fehlern / sich ergebenden Gewichte lieferten die 10 Gleichungen für C den definitiven Werth C=0'.0160 + 0».0021 dessen Abweichung von C nahe mit der Fehlergrenze ■übereinstimmt. Ferner ergibt sich die mittlere, dem Ge- wichte 1 entsprechende Abweichung zwischen den beob- achteten und den mit C rückwärts berechneten Gängen = +0°.026, während der mittlere Fehler eines der 10 Mittelgänge = + 0'.041 gefunden worden war, so dass also die letztern in ganz befriedigender Weise dargestellt sind. «Auf demselben Wege erfolgte endlich die Bestim- mung des definitiven Temperaturcoefficienten , indem vor- erst alle Gänge mit dem obigen Werthe C auf 700""" reducirt und dann in 10 Gruppen, die je ungefähr ein Intervall von 2° enthielten, vertheilt wurden; nachdem die in jeder Gruppe vorhandenen 17 Gänge mit B" = 0.0290 auf die Mitteltemperatur derselben reducirt waren, ergaben sich die folgenden 10 Mittel werthe mit den zugehörigen mittlem Fehlern /: Mittl. Gang ±f t P Beob.-Eechg. -1«.700 0'.048 2°.2 0.6 ^-0^038 —1 .696 .045 4 .9 0.7 —0 .033 —1 .628 .047 6 .7 0.6 —0 .015 —1 .548 .029 8 .4 1.7 +0 .019 —1.417 0,044 11.3 0.7 +0.073 —1 .406 .033 14 .2 1.3 +0 .002 —1.368 0.031 16.9 1.4 —0.033 —1 .307 .036 19 .4 1.1 —0 .042 —1 .212 .039 21 .5 1.0 —0 .004 —1 .047 .039 24 .1 1.0 +0 .089 .039 ±0 .041 (P = 1) 314 Wolf, astronomische Mittheilungen. aus welchen mit Benutzung der Gewichte P der Tempe- raturcoefficient B = 0^0274 ± 0^0023 folgte. Es liegt also der vorhin gefundene zweite An- näheruDgswerth B" ebenfalls noch innerhalb der Fehler- grenze des definitiven Werthes und die Vergleichung der mittleren, dem Gewicht 1 entsprechenden Abweichung zwischen Beobachtung und Kechnung, die + 0\041 beträgt, mit dem mittlem Werthe von/=+0'-039 zeigt, dass der Temperatureinfluss durch den gefundenen Werth B hinreichend dargestellt ist, «Im üebrigen geben die oben angeführten und ganz gut übereinstimmenden Werthe von / + 0^041 und ± 0^039 auch ein Urtheil über die Unsicherheit eines einzelnen Ganges, der aus einem Intervall von ungefähr 6 Tagen abgeleitet ist ; wenn nämlich im Mittel / = + 0%040 gesetzt wird, so folgt für den mittlem Fehler eines Einzel- ganges V = f ]^17 = + 0M65 «In der Einleitung zu diesem Berichte ist nun zwar auf die nicht unbedeutende Fehlerquelle der Uhrverglei- chimgen hingewiesen worden, indessen erscheint dieser Werth von v doch etwas zu unwahrscheinlich gross, als dass ihm nur die zufälligen Fehler der Zeitbestimmungen und Vergleichungen zu Grunde liegen könnten und es geht aus dem Folgenden hervor, dass wirklich systematische Aenderungen des Ganges mit der Zeit zum Theil jene Grösse von v bedingten. Es wurde nämlich statt der oben benutzten eine neue Reihe von Gängen aus etwas grössern, im Mittel IStägigen und unter sich nicht so verschiedenen Wolf, astronoinlsche MittheilungeD. 315 Intervallen aufgestellt, dann die Reduction dieser Gänge auf 0° und 700'"'" mit B = 0.0274 und C = 0.0160 aus- geführt und so der diesen Daten entsprechende mittlere Gang A und der mittlere Fehler eines einzelnen Ganges bestimmt; die folgende Zusammenstellung gilt unter ^, t und h — 700 jene beobachteten Gänge mit den entspre- chenden Temperaturen und Barometerständen, sowie die daraus berechneten A und ihre Abweichungen v vom Mittel. q t &— 700 A V 1876 II 18 III 4 — 1M4 9°.l 21.2™" — 1^73 +0«.03 16 —1 .42 7.6 14.0 -1 .85 —0.09 28 -1 .44 5.6 13.0 —1.80 —0.04 IV 7 -1.02 13.8 20.4 —1 .72 +0.04 19 —1 .12 12.0 16.8 —1 .72 +0.04 V 6 —1.16 12.8 20.1 —1 .83 —0.07 18 —1 .14 11 .3 19.5 —1 .76 0.00 29 -0 .98 15 .7 21.0 —1.75 +0.01 VI 7 -0.72 20.8 22.5 ' —1 .65 + 0.11 18 —0.86 19.4 19.5 — 1.70 +0.06 VII . 3 —0.84 21 .3 20.9 —1 .75 + .01 14 —0.73 23 .7 25.3 —1 .78 —0.02 31 —0 .71 24.2 23.7 -1 .75 +0.01 VIII 12 —0.79 25.2 24.6 -1 .87 —0.11 28 —0 .64 24 .2 20.8 —1 .63 +0.14 IX 15 —0.81 18.2 19.3 —1 .62 +0.14 29 —0 .94 18.6 22.8 —1.81 —0.05 X 14 —0 .73 19.9 20.9 —1 .61 +0.15 31 —1 .17 14.1 20.7 -1 .89 —0.13 XI 15 —1 .38 6 .0 21.6 —1 .89 —0.13 29 —1 .37 7 .6 19.6 -1 .89 —0.13 XU 13 —1 .29 8.9 15.7 —1 .78 -0.02 22 -1 .52 6.4 11.0 —1 .87 —0.11 31 -1 .41 5 .2 18.9 -1 .85 —0.09 1877 I 14 —1 .22 8.5 18.0 —1 .74 +0.02 24 —1 .24 4.7 28.3 —1 .82 —0.06 316 Wolf, astronomische Mittheilungen. 1877 II III rv V VI VII VIII IX X XI XII 1878 I II III IV 9 * &— 700 A V 5 — 1«.26 4°.2 25.6°^°' — 1«.79 — 0«.03 15 —1 .16 7.3 24.9 -1.76 0.00 28 —1 .26 6.5 16.8 —1 .71 +0.05 11 —1 .26 3.3 18.3 —1 .64 +0.12 26 —1 .39 6.5 12.6 —1 .77 —O.Ol 7 —1 .06 13 .0 18.7 —1.72 +0.04 20 —1 .22 12.4 14.9 — i .80 —0 .04 2 —1 .17 11 .8 17.5 —1.77 —O.Ol 11 —1 .08 13.1 14.5 —1.67 +0.09 27 —0.96 15.2 21.0 —1 .72 +0.04 15 —0 .65 22.7 22.4 —1.63 +0.13 27 —0.70 23.8 22.7 —1 .71 +0.05 8 -0.63 22.7 24.4 —1 .64 +0.12 22 —0.69 21 .9 21.7 —1.64 +0.12 7 —0.69 22.9 23.5 —1.70 +0.06 15 —0.71 23.5 21.1 —1.69 +0.07 26 -0.72 24.4 23.1 —1 .76 0.00 5 -0.65 22.6 23.5 —1 .65 +0.11 14 —0.80 20.4 22.6 —1 .72 +0.04 26 —0.79 17 .0 20.9 —1 .59 +0.17 6 —0.82 14.0 24.1 —1.59 +0.17 19 —0.88 11.3 25.6 —1.60 +0.16 2 —1.01 11 .7 23.5 —1.71 +0.05 11 —0.90 12 .2 21.7 —1 .58 +0.18 21 —1 .11 8.9 21.9 —1.70 +0.06 1 —1 .18 6 .8 13.0 —1 .58 +0.18 15 —1 .02 5 .8 22.2 —1.53 +0.23 1 —1.15 2 .6 24.6 —1 .61 +0.15 12 —1 .11 1 .6 23.4 —1.52 +0.24 28 -1.13 1 .5 26.1 —1.59 +0.17 10 —1.16 0.8 27.7 , —1.62 +0 .14 20 —0.96 4.6 28.3 -1.54 +0.22 4 —0.85 8.7 28.5 —1 .55 +0.21 16 —1 .13 7 .7 25.1 —1 .74 +0.02 27 — 1 .27 4 .8 20.6 —1.72 +0.04 10 —1 .27 9.1 14.5 —1 .75 +0 .01 19 — 1 .04 13 .2 21.1 —1 .74 +0.02 Wolf, astronomische Mittheilungen. 317 9 t &— 700 A V 1878 IV 28 — P.09 13°.7 15.5""" — 1^70 -f0«.06 V 11 —0.92 14.9 15.6 -1.58 -j-0 .18 26 —0.86 19.5 20.6 —1 .72 +0.04 VI 5 -1 .15 18.2 20.9 -1 .98 —0.22 17 —1 .09 19.9 20.3 — 1 .96 -0.20 26 —1 .03 20.2 23.9 — 1 .96 —0.20 VII 5 —0.97 21 .5 21.0 —1 .90 —0.14 16 —1 .03 21.1 22.7 —1.97 -0.21 vin 1 —0.96 23.2 22.2 —1 .95 —0.19 12 —1.00 22 .3 20.1 — 1 .93 —0.17 28 -1 .07 21 .7 19.1 —1 .97 —0 .21 IX 11 —1.01 21 .6 24.1 —1 .98 —0.22 20 —1 .01 17 .4 22.7 —1 .85 —0.09 X 2 —1 .09 16 .6 21.1 -1.88 —0 .12 15 —1 .17 15 .6 23.1 —1 .97 —0.21 29 -1 .23 14.7 17.2 —1.91 —0.15 XI 10 -1 .48 6.7 17.8 -1 .94 —0.18 17 -1.54 6.6 12.5 —1 .92 -0 .16 29 —1 .61 5.5 17.7 —2 .04 —0.28 XII 12 —1.60 2.4 14.9 —1 .91 -0 .15 —1 .762 + 0.133 Der mittlere Fehler eines dieser IStägigen Gänge beträgt also immer noch + 0M33, während man, unter Voraussetzung bloss zufälliger Fehler, hätte erwarten sollen, dass derselbe sich etwa auf die Hälfte des frühern Be- trages + 0M65 reducirte. Bei näherer Betrachtung der V zeigt sich aber in der That eine systematische Aende- rung des mittlem Ganges während längerer Zeitabschnitte, die zum grossen Theil jenen mittlem Fehler 0M33 er- klärt, über deren Verlauf und Ursache allerdings erst an der Hand weitern Materials ein Urtheil zu bilden sein wird. Damit fällt nun die früher gemachte Voraussetzung über die unmittelbare Vergleichbarkeit aller Gänge dahin, und es war, in Ermangelung einer ausreichenden Darstel- 318 Wolf, astronomische Mittheilungen. lungsform jeuer Anomalien, wenigstens angegeben, die- jenigen Gänge, bei welchen die Abweichungen v während längerer Zeit vorherrschend im gleichen Sinne auftreten, je für sich in eine Gruppe zusammenzufassen und aus diesen die Coefficienten B und C neu zu berechnen. Der ganze Zeitraum wurde daher in die 3 Abschnitte 1876 II 18 — 1877 II 15 1877 II 15 — 1878 V 26 1878 V 26 — 1878 XII 12 getrennt, von denen zwar der erste positive wie negative, aber überhaupt keine so grossen Abweichungen aufweist, während der zweite ausschliesslich positive, der dritte nur negative enthält. Im üebrigen war der Gang der Rech- nung für jede der 3 Gruppen derselbe wie früher für die Gesammtheit und es sind daher im Folgenden nur die Schlussresultate angeführt : Gruppe B I 0^0311 + 0\0018 0.0157 + 0.0016 II .0283 ± .0024 0.0189 + 0.0028 III .0288 + .0016 0.0142 + 0.0015 Die Verbindung derselben nach Maassgabe der aus ihren mittlem Fehlern resultirenden Gewichte lieferte so- dann B = 0.0295 C -= 0.0155 also Werthe, die noch in die Fehlerbereiche der frühern fallen. Mit diesen Coefficienten wurden nun endlich in jeder der 3 Gruppen die Gänge auf 0° und 700 °"" reducirt und die folgenden mittlem Gänge A für diese Daten, sowie Wolf, astronomische Mittheilungeii. 319 ihre Abweichungen v von den jeweiligen Mitteln be- rechnet : I II ' III A V A V A V A V — U6 -|-o'.05 —1.12 — o'oB — L63 +0'06 -2^03 — o'.04 —1.87 " —0.06 —1.66 +0.03 —1.73 —0.04 —2.00 —O.Ol —1.81 0.00 —1.79 —0.10 —1.61 +0.08 —2.01 —0.02 —1.76 +0.05 — 1.74 -0.05 -1.73 —0.04 - 1.94 + 0.05 -1.74 +0.07 —1.82 —0.13 —1.59 +0.10 -2.02 —0.03 —1.87 —0.06 —1.80 —0.11 —1.55 +0.14 —2.00 —O.Ol —1.79 +0.02 —1.71 —0.02 -1.63 + 0.06 —1.99 0.00 —1.78 +0.03 —1.75 —0.06 -^1.54 +0.15 —2.02 —0.03 -1.70 +0.11 —1.69 0.00 —1.60 +0.09 -2.04 -0.05 -1.75 + 0.06 —1.77 —0.08 —1.63 +0.06 —1.89 +0.10 -1.81 0.00 —1.70 -O.Ol —1.56 +0.13 — 1.92 + 0.07 —1.84 —0.03 —1.68 +0.01 -1.57 +0.12 -2.01 —0.02 -1.80 +0.01 -1.74 —0.05 —1.77 —0.08 —1.94 +0.05 —1.93 -0.12 —1.74 —0.05 —1.75 -0.06 —1.97 +0.02 —1.69 +0.12 —1.81 -0.12 -1.78 -0.09 —1.93 +0.06 —1.66 +0.15 — 1.69 0.00 —1.77 —0.08 -2.06 —0.07 —1.86 —0.05 —1.77 —0.08 —1.74 -0.05 — 1.986 +0.049 —1.66 + 0.15 -1.63 +0.06 —1.61 +0.08 —1.92 —0.11 —1.62 +0.07 —1.77 -0.08 —1.91 —0.10 —1.694 ± 0.080 —1.91 —0.10 -1.81 0.00 -1.89 —0.08 —1.87 -0.06 —1.76 +0.05 -1.84 -0.03 -1.80 +0.01 -1.78 +0.03 —1.813 ±0.076 «In allen drei Gruppen tritt zwar immer noch jene Variation des mittlem Ganges mehr oder weniger deutlich 320 Wolf, astronomische Mittheilungen. hervor und der mittlere Fehler v ist desshalb in den beiden ersten Gruppen, die längere Zeiträume umfassen, wesentlich grösser als im dritten, kürzesten Abschnitte. Der Gang der Uhr darf sonach während kürzerer Perioden als sehr befriedigend bezeichnet werden, dagegen kann über die Eegelmässigkeit desselben während grösserer Zeit- räume kein bestimmtes Urtheil abgegeben werden, so lange nicht eine möglichst erschöpfende Ausdrucksform der anscheinend gesetzmässigen Aenderung des Ganges mit der Zeit gefunden ist.>> Für die Weiterführung und Verwerthung dieser Unter- suchung auf eine spätere Mittheilung verweisend, gebe ich zum Schlüsse noch eine Fortsetzung des in Nr. 29 be- gonnenen, dann wiederholt und zuletzt noch in Nr. 47 fortgesetzten Verzeichnisses der Instrumente, Apparate und übrigen Sammlungen der Zürcher Sternwarte: 237) Einige Schulhefte aus dem Anfange des Jahr- hunderts. — Aus dem Nachlasse des Herrn Dr. David Wiser sei. erhalten. Es sind Hefte über Geometrie, Trigonometrie, Mechanik und Mathematische Geographie, welche der sei. Wiser in den Jahren 1816 — 18 als Schüler der Kunstschule in Zürich ausarbeitete, und die uns eine ganz interessante Einsicht in die damalige ünterrichtsweise verschaffen. Der betreffende Lehrer war, wenigstens für die drei ersten Fächer, unzweifelhaft Leonhard Keller, für welchen Bd. 2, pag. 385—86 meiner Bio- graphien verglichen werden kann. 238) Panoramen und Skizzen von Ingenieur Müller von Eugelberg. — Geschenkt von der Familie Müller. Ausser der unter Nr. 99 verzeigten Auswahl von 120 Blättern, umfasst die von der Familie Müller gemachte Schen- kung noch mehr als 800 andere, theils in losen Blättern, theils in 7 Taschenbüchern enthaltene Panoramen und topographische Wolf, astronomische Mittheilungen. 321 Zeichnungen, welche nun unter gegenwärtiger Nummer, die zwei Convolute und die besagten 7 Taschenbücher umfasst, zum Andenken an den Fleiss unsers ausgezeichneten Müller zusammengestellt sind. 239) Vier alte Kalender. — Geschenkt von Prof. Wolf. Es sind folgende vier Kalender: 1. „Almanach unnd Schreib Kalender, sampt verenderung des Wetters, mit ein- gefürter Practic, auff das Jahr 1577. Calculirt und beschrieben dui-ch Leonhax-d Thurneisser zum Thurn." S. „Alter und Newer Schreib Calender, mit dem Stand Lauff und Aspecton, Sonnen, Monds, und der andern Planeten, auch den gemeinen Astrologischen erwehlungen. Auff 1608. Calculieret und be- schrieben durch Simonen Marium". 8. „Alter unnd Newer Schreib-Kalender auff 1618. Mit dem Stand, Lauff und Für- nembsten Aspecten der sieben Planeten, sampt den Erweh- lungen, unnd gemeine Mondswitterung. Durch David Fabri- cium". 4. «Neuer und Alter Schreib Kalender aufs Jahr 1745 mit dem Lauff der Sonnen, Monds und anderer Planeten, Aspecten samt den Astrologischen Erwöhlungen und einer vollkommenen Practick. Calculiert und gestellt durch Jacobum Rosium". — Nr. 1 gibt den Römischen und Julianischen Ka- lender, während Nr. 2—4 den Julianischen und Gregoriani- schen Kalender haben. Alle vier enthalten Angaben über Sonnenaufgang, Aspecten, Finsternisse, muthmaassliche Wit- terung, etc., geben Gesundheitsregeln und Erwählungen (gute und böse Tage für Aderlass, Purgiren, etc.), und am Schlüsse Prognostiken. Speciell mag angeführt werden, dass, während Thurneisser und der fingirte Rosius in ihren Prognostiken nur den gewohnten astrologischen Kram vorführen, Fabricius und noch mehr Marius da und dort ganz interessante Daten einschalten, — Ersterer namentlich Angaben über in frühern Jahren eingetretene Witterungserscheinungen, Letzterer auch einige astronomische Angaben. So z. B. erzählt Marius von Conjunctionen und Finsternissen, welche er zu Anspach beob- achtet habe, von seiner Bestimmung der geographischen Lage dieses Ortes, etc., und sagt in Beziehung auf den neuen Stern im Ophiuchus: „Johan Krab (Krabbe in Wolfenbüttel) macht XXIII. i. 21 322 Wolf, astronomische Mittheilungen. s. Instrumenta verdächtig, dieweil er vorgeben, dass der neue Stern Anno 1604 und 1605 einen proprium motum hab gehabt, da doch weter ich zu Padua, noch der vortreffliche Johan Kepler zu Prag in Behem, oder auch der wolgelehrt Herr David Fabricius weit gegen mitternacht haben observirt, dass dieser Stern im geringsten kein bewegung gehabt hab, ausser dem motu diurno, wie zu seiner zeit soll angezeigt werden". — Einige in diese verschiedene Kalender hand- schriftlich eingetragene meteorologische Notizen übergehe ich, hier, da mir die Beobachtungsorte unbekannt sind. 240) Verschiedene ballistische Hülfsmittel. — Ge- schenkt von Hrn. Maler Vogel und Ingenieur Hans v. Muralt. Das von Herrn Vogel geschenkte Etui enthält zunächst einen Galilei'schen Proportionalzirkel, der ausser der gewohnten Scale „Les parties Egalles" noch eine zweite, mit „Wurf Linie" bezeichnete Scale hat, welche sin 2 a so gibt, dass der bei ß = 45° aufgetragene Werth dem 100 der ersten Scale ent- spricht, und somit die Wurfweiten bei verschiedenen Eleva- tionen in Procenten der grössten Wurfweite abzugreifen er- laubt. An dem einen Ende des Zirkels kann ein Oculardiopter, am andern ein Objectivdiopter aufgeschraubt werden, so dass das Ganze bei vollständig geöffnetem Zirkel ein Diopterlineal repräsentirt. — Ausser dem Proportional-Zirkel enthält das Etui noch einen „Aufsatz um die Stücke auf eine jede Distanz nach Punkten zu richten", — zwei an irgend ein nicht mehr vorhandenes Instrument anzuschiebende Stäbe mit entspre- chender geradliniger Theilung, — und einen leeren Raum, in welchem vor Zeiten ein gemeiner Zirkel gelegen haben mochte. Der Aufsatz ist ein regelmässiges Achteck, dessen Apothema 18 Theile beträgt, und hat eine Anzahl Löcher, welche eine Art Spirale bilden, und so angebracht sind, dass, wenn man den Aufsatz auf irgend eine seiner Seiten stellt, die Höhe des über ihr liegenden Loches so viele Theile beträgt, als seine Nummer anzeigt. Für die praktischen Regeln, welche zur Zeit beim Gebrauche des Aufsatzes zum Richten der Ge- schütze in Anwendung kamen, mag hier auf das „Neujahr- stück der Konstabier auf 1769" verwiesen, und nur beiläufig Taemerkt werden, dass sie auf der Annahme beruhten, es ver- Wolf, astronomische Mittheiluiigen. 323 Vordere Seite. halten sich die Wurf- weiten nahe wie die Höhen der je als Vi- sirlöcher benutzten Punkte. — Von den durch Herrn v. Mu- ralt geschenkten drei Aufsätzen ist Einer genau gleich demjeni- gen in dem Etui , in- dem seine 18 Theile wie bei jenem zusam- men 31™" betragen, — ein Zweiter hat dieselbeConstruction, aber seine 18 Theile betragen zusammen nahe 38°"", so dass ein Theil nahe entspre- chend der frühern Zürcherischen Ordon- nanz eine Zürcher- Duodecimallinie be- trägt, — und beim Dritten, auf welchem sich „Joh. Jak. Ochs- ner,ührenmacher "als Verfertiger nennt, ist einerseits das Acht- eck durch ein Zwölf- eck von 40'="" Apo- thema ersetzt, und anderseits ist durch Rückseite. eine drehbare Deck- scheibe und ein ebenfalls drehbares Stäbchen dafür gesorgt, dass, um Irrungen zu vermeiden, jeweilen alle nicht zu benutz- enden Visirlöcher zugedeckt werden können. 324 Wolf, astronomische Mittheilungen. 241) Theodolit, Boussole und Messtisch. — Zum Theil angekauft, zum Theii von Hrn. Prof. Arnold Escher von der Linth und Mechanicus Kern in Aarau geschenkt. Der Theodolit ist ein aus dem Nachlasse von Eschmann an- gekaufter, zur Zeit von der Firma „Reichenbach, ützschneider und Liebherr in München geliefertes Instrumentchen, dessen Horizontalkreis etwa 14 cm. Durchmesser hat, und mittelst zweier Verniers einzelne Minuten gibt, während statt einem Verticalkreise nur ein Bogen da ist, der Elevationswinkel bis 60 und Depressionswinkel bis 35° gibt. Wohl erst nachträglich ist ein zweiter Verticalaufsatz mit Vollkreis von ebenfalls 14 cm. und Minuten- Ablesung beigefügt worden, an welchem das Fernrohr excentrisch eingesetzt, und so zur Bestimmung von Zenithdistanzen verwendet werden kann. Als Beigaben finden sich eine auf dem Alhidaden-Deckel feste Libelle, ein Vorsteckspiegel und ein Versicherungsfernrohr, — und das ganze Instrument wird mit seiner Axe zwischen die mit vier horizontalen Schrauben beweglichen Platten eines Dreifuss- statives eingesetzt. — Eine von Herrn Mechanicus Emil Kern in Aarau geschenkte, von „Develey le jeune ä Lausanne" ver- fertigte hübsche Boussole von 17 cm. Durchmesser, und ein durch Herrn Professor Arnold Escher von der Linth aus dem Nachlasse seines Vaters geschenktes Messtischblättchen Hess ich so vorrichten, um für sie dasselbe Stativ benutzen zu können, — und überdiess liess ich von Herrn Kern eine kleine Alhidade und eine Dosenlibelle construiren, so dass nun das Ganze einen vollständigen kleinen Apparat für einen Geo- meter repräsentiren kann. Untersnchnngen über das Elementargesetz der Hydro- diffnsion von H. F. Weber. [Der Züricher naturforschenden Gesellschaft am 25. November 1878 mitgetheilt.] Ueber das Elementargesetz, nach welchem die Hydro- diffusion verläuft, hat zuerst A. Fick*) vor 23 Jahren eine Hypothese aufgestellt. Die grosse Analogie, welche zwischen dem Vorgange der Hydrodiffusion und dem Vor- gange der Wärmeleitung in starren Substanzen besteht, veranlasste Fick zu der Annahme : das von der Hydro- diffusion befolgte Elementargesetz ist von derselben Form wie das von Fourier zu Anfang dieses Jahrhunderts für die Wärmeleitung in starren Substanzen aufgestellte Ele- mentargesetz. Darnach würde die Salzmenge, die in der Hydrodiffusion in der Richtung der abnehmenden Con- centration durch ein beliebiges Flächenelement in einem gewissen Zeitelement hindurchfliesst, proportional sein der Grösse des betrachteten Flächenelements, der Länge des Zeitelements, dem Werthe des negativen Differentialquo- tienten der Concentration am Orte des Flächenelements nach der Richtung der Strömung und endlich proportional sein einer constanten Grösse, deren Werth von der Natur der Salzlösung abhängt, in welcher die Hydrodiffusion vor sich geht. Diese constante Grösse, sie möge mit k be- zeichnet werden, nennt Fick die «Diffusionsconstante». *) Pogg. Ännalen der Physik und Chemie, Band 94. 326 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. Aus diesem Elementargesetze folgt, dass die Diffusions- constante k die Salzmenge bedeutet, die während der Zeit- einheit durch die Flächeneinheit wandern würde, falls dem Concentrationsgefälle am Orte dieser Flächeneinheit der unveränderliche Werth eins zukäme. Weiter folgt daraus, dass sich der Verlauf der Diffusion in einem Gefässe, in welchem die Concentvation z zu jeder Zeit t nur Function einer einzigen Kaumcoordinate x ist, durch die partielle Differentialgleichung 8^ _ 9^ bestimmt. In einer Reihe von Messungen versuchte Fick die Eichtigkeit dieses hypothetischen Elementargesetzes an der Erfahrung zu prüfen. Er glaubte aus diesen Messungen folgern zu dürfen, dass in der That die Hydrodiffusion nach dem definirten Elementargesetze verläuft und versuchte den numerischen Werth der Diffusionsconstante für wässerige Kochsalzlösung festzustellen. Gegen die von Fick benutzte Messungsmethode sind später wiederholt Einwände erhoben worden; mit Recht, da sein Verfahren so beschaffen war, dass es schlechterdings zu keiner genauen Prüfung auf die Richtigkeit des angenommenen Elementargesetzes dienen konnte. Mehrere Male wurden in den letzten zwanzig Jahren Anläufe gemacht, genauere, namentlich auf optische Priucipien begründete, Messmethoden zur Verfolgung des Vorganges der Hydrodiffusion anzuwenden, sovonVoit*) (1866) und von Johannisj anz**) (1877). Der Erfolg dieser, wie man glaubte, feineren optischen Messmethoden war aber kein grösserer, als der von Fick gewonnene ; *) Ännalen der Physik u. Chemie, Band 130. ''*) Annalen der Physik u. Chemie, Neue Folge, Band 2. Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 327 auch diese neuen Untersuchungen machen es durchaus nicht evident, dass das von Fick hypothetisch angenommene Elementargesetz in aller Strenge in der That das den Vor- gang der Diffusion regelnde Naturgesetz ist. Diese neueren Untersuchungen drängen die Ueberzeugung auf, dass ent- weder alle bis jetzt zur Untersuchung der Diffusion be- nutzten Messungsmethoden noch zu rohe, unausgebildete sind, oder dass die Diffusion nach einem Elementargesetze abläuft, das von dem Fick'schen erheblich verschieden ist. So fielen z. B. die Werthe, welche Johannisjanz für die Diffusionsconstante einer Kochsalzlösung unter Zugrunde- legung des Fick'schen Elementargesetzes aus den Beob- achtungen je eines Tages berechnete, für die einzelnen Tage der vieltägigen Beobachtuugsreihen bis zu 20^0 ver- schieden aus; so fand ferner Johannisjanz einen Mittel- werth für die Diffusionsconstante von Kochsalzlösung, der sich um circa 45 % von dem früher von Fick gefundenen Werthe entfernt; Johannisjanz vermochte keinen Einfluss der Temperatur auf den Verlauf der Diffusion wahrzu- nehmen, während Fick eine deutlich ausgeprägte Einwirkung der Temperatur constatiren konnte. In der folgenden Abhandlung soll eine neue Methode beschrieben werden, welche eine äusserst scharfe Prüfung der Richtigkeit des Elementargesetzes der Hydrodiffusion gestattet, welche von sehr einfacher Form ist und welche den Verlauf der Diffusion fast von Zeitmoment zu Zeit- moment deutlich erkennen lässt. Im Verlaufe der letzten zwei Jahre bin ich anhaltend damit beschäftigt gewesen, eine zu jeder Zeit vollkommen identisch herstellbare Einheit der electromotorischen Kraft zu ermitteln und deren Grösse in absolutem Maasse nach zwei möglichst verschiedenen Methoden festzustellen. Bei 328 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion, Gelegenheit dieser Untersuchungen war ich bereits im August und September des Jahres 1877 genöthigt, den Einfluss der Concentration der wässrigen Lösungen eines Zink- und eines Kupfersalzes auf die electromotorische Kraft der aus ihnen construirten galvanischen Elemente eingehend zu untersuchen. Wie bereits früher gefunden worden war, ergab sich u. A. dass die electromotorische Kraft des Daniell'schen Elements mit zunehmender Con- centration der die Zinkelectrode bespülenden Zinksulphat- lösung ab-, mit steigender Concentration der die Kupfer- electrode umgebenden Kupfersulphatlösung dagegen zu- nimmt. Daraus folgt, dass galvanische Elemente, die aus zwei verschieden concentrirten Lösungen von Kupfersulphat oder Zinksulphat und zwei in diese Lösungen eintauchenden Kupfer- oder Zinkelectroden gebildet werden, eine electro- motorische Kraft von einer solchen Richtung zeigen müssen, dass der durch dieselbe in einem geschlossenen Kreise hervorgerufene Strom in Folge der Wanderung der Jonen die bestehenden Concentrationsdifferenzen auszugleichen sucht. Durch Beobachtungen von Wild, von Lindig ist schon vor vielen Jahren dargelegt worden, dass diese electromotorischen Kräfte in der That existiren und dass wirklich die aus ihnen entspringenden Ströme durch das Element in der Richtung der zunehmenden Concentration fliessen. Die in allerneuester Zeit von J. Moser ange- stellten Yersuche haben die früheren Beobachtungen voll- kommen bestätigt. Wiederholt habe ich ausgedehnte Ver- suchsreihen angestellt, um den Zusammenhang zwischen der Grösse dieser electromotorischen Kräfte und den Con- centrationen der dieselben erzeugenden Salzlösungen empi- risch zu ermitteln. Es zeigte sich, dass bei grösseren Concentrationen die electromotorische Kraft zwischen zwei Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 329 Zink- oder zwei Kupferelectroden, die in zwei mit einander communicirende, verschieden concentrirte Zink- oder Kupfer- sulphatlösungen tauchen, innerhalb eines massig grossen Intervalles der Concentration sehr angenähert proportional der Concentrationsdifferenz der beiden Lösungen ist und dass sie für ein beträchtlich grosses Intervall der Con- centration mit vollkommener Genauigkeit durch eine para- bolische Function der Concentrationen der beiden Lösungen ausgedrückt werden kann. Ich werde bei der Publication meiner Untersuchungen über « eine empirische Einheit der electromotorischen Kraft und deren absoluter Werth » aus- führlicher auf diesen Gegenstand eingehen; hier begnüge ich mich, die Richtigkeit des ausgesprochenen Satzes durch die Anführung einer einzigen Versuchsreihe zu belegen. Es wurden vier wässerige Lösungen von Zinksulphat bereitet, welche folgende Massen (in Grammen ausgedrückt) von wasserfreiem Salz in der Volumeinheit (Cbcm.) ent- hielten, d. h. welche folgende Concentrationen besassen: Lösung I 0.1676 Lösung II 0.2301 Lösung III 0.2858 Lösung IV 0,3213 Ein parallelepipedischer Glastrog wurde durch Ein- kitten einer porösen Thonplatte in zwei Abtheilungen zer- legt; durch Eingiessen irgend zweier der vier Lösungen in diese Abtheilungen und durch Einsetzen von zwei amal- gamirten Zinkelectroden wurde ein galvanisches Element hergestellt, dessen electromotorische Kraft nach der Dubois- ßeymond'schen Modification der Compensationsmethode gemessen wurde. Als compensirendes Element wurde ein sehr constautes Daniell'sches benutzt mit der electro- motorischen Kraft 11.02 x 10 " L^^gr^ mm*" sec J und 330 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. dem Widerstände 0.98 Q. E. Der Messdraht war ein homogener Neusilberdraht von 1™ Länge und dem Wider- stände 2.22 Q.E. In dem Kreise, der den Messdraht und das Daniell'sche Element in sich schloss, befand sich ausser- dem ein Kheostatenwiderstand im Betrage von 110.0 Q.E.^ so dass der Gesammtwiderstand dieses Kreises \\^.2QQ.E. betrug. Bezeichnet A diejenige Länge des Messdrahts, die man einschalten muss um eine vollkommene Compensation der zu messenden electromotorischen Kraft E der benutz- ten Combination durch das Daniell'sche Element zu er- zielen, so gilt unter den geschilderten Verhältnissen: i; = ^X 216.1 X 10* Es wurden folgende Einstellungen gefunden: für die Combination der Lösungen : 1 und II 3^^-^ 1 305.2 I und m ^^^-3 I 594.9 I und IV 794:0} 79^-^ II und III 000'? \ 288.5 288.0 } II und IV f^^\ I 489.5 III und IV J^^-J l 194.5 Diese beobachteten Einstellungen lassen sich durch die Concentrationen z^ und 0^, die an der Kathode und der Anode der jedesmal benutzten Combination auftreten, in völlig befriedigender Weise durch die parabolische Form ausdrücken : Weber, Untersuchungen über die Hydrodiifusion. 331 X = a[z,-z,] [1 +h{z,-j-z,)] Greift man z, B. die Combination der Lösungen I und III und die Combination der Lösungen III und IV heraus und berechnet aus den für diese Combinationeu gefundenen EinsteUungen und aus den bezüglichen Concentrationen die beiden Constanten a und &, so erhält man die Werthe: a = 371.57 b = 0.782 Aus diesen Werthen ergeben sich für die vier übrigen untersuchten Combinationeu die Einstellungen: 304.5: 789.3; 290.5; 485.0 Werthe, die von den beobachteten nur um die Grössen differiren : —0.7 -5.2 +2.0 —4.5. Die Differenz zwischen Beobachtung und Rechnung erreicht also in keinem Falle den Werth 1 °/o der gemessenen Grösse. Zwei aneinandei" grenzende Lösungen von Zinksulphat mit den Concentrationen % und Zi erzeugen also zwischen zwei in diese Lösungen tauchenden Ziukelectroden eine electromotorische Kraft, deren Grösse E durch den Aus- druck darstellbar ist: E=Äis,- z,) [1 + 5 (z, + z,)]. (1) sobald die Concentrationen z.^ und ^^ in das Intervall z = 0.15 bis z = 0.35 fallen. Mit Hülfe der Relation (1) wird es in gewissen Fällen möglieb, aus der gemessenen electromotorischen Kraft, welche zwischen zwei in verschieden concentrirte Zink- sulphatlösungen eintauchenden Ziukelectroden auftritt, einen sichern Rückschluss auf die Grösse der Concentrations- differenz dieser Lösungen zu machen. Darauf ist dss Princip der Messungsmethode begründet. 332 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. welche ich zur Untersuchung des Elementargesetzes der Hydrodiffusion angewandt habe. Durch die Zurückführung der Messung der Concen- tration auf die Messung einer electromotorischen Kraft werden mancherlei Vortheile erreicht, die keine der bisher zur Untersuchung der Diffusion benutzten Methoden dar- bietet: die Genauigkeit der Messung kann auf eine fast beliebig grosse Höhe getrieben werden; die gemessenen Concentrationen sind nicht, wie bei den bisher in An- wendung gekommenen Untersuchungsmethoden, mittlere Concentrationen dünner Flüssigkeitsschichten, sondern sind Concentrationen, die in gewissen Flächen, nämlich in den die Electroden berührenden Grenzflächen auftreten ; endlich gestattet die benutzte Methode, und dieses dürfte ein ganz wesentlicher Vortheil sein, das Diffusionsgefäss in jede beliebige Entfernung vom Messungsorte zu bringen, z. B. an einen erschütterungsfreien Ort, der von selbst eine möglichst constante Temperatur darbietet. Es wurden zwei wesentlich verschiedene Untersuchungs- formen benutzt; die eine verlangt, wie alle bisher benutzten Uutersuchungsmethoden, eine verhältnissmässig lange Be- obachtungszeit, einen Zeitraum von vielen Tagen, und be- reitet in Folge dessen der exacten experimentellen Unter- suchung des Diffusionsvorganges mancherlei Schwierigkeiten und Umständlichkeiten; die zweite gestattet die Unter- suchung binnen weniger Stunden zum Abschluss zu bringen und gewährt dadurch den Vortheil, wichtige Fragen, wie z. B. den Einfluss der Concentration auf die « Diffusions- constante », oder den Einfluss der Temperatur auf den Verlauf der Diffusion, in einfacher Weise und binnen kürzester Zeit entscheiden zu können. Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 333 Erste Untersuchungsmetliode. Beschreibung der Methode. Eine ebene, kreisrunde amalgamirte Zinkplatte wurde zur Bodenfläche eines etwa 11.0 cm. weiten Glascylinders gemacht. Auf die Zinkplatte wurde eine luftfreie wässerige Zinksulphatlösuug von erheblich starker Concentration [die in den einzelnen Versuchsreihen zwischen 0.250 und 0.350 variirte] bis zur Höhe l^cm. eingegossen. Hierauf wurde auf die freie Oberfläche dieser Lösung ein dünnes Korkscheib- chen gelegt, auf welches man eine viel weniger stark cou- centrirte Lösung [die Concentration dieser zweiten Lösung wurde zwischen 0.150 und 0.200 gewählt] aus einem fein ausgezogenen Glasröhrchen langsam träufeln Hess. Lang- sam breitete sich diese letztere Lösung über die untere, stärker concentrirtere aus und es bildete sich eine Tren- nungsfläche zwischen beiden Lösungen, die vollkommen eben (nur längs des Randes war eine Capillarwirkuug in einer Zone von etwa 1.5 mm. Breite sichtbar) und vollkommen spiegelnd war. Als die zweite Lösung die Dicke l^cm. erreicht hatte, wurde die Zufuhr unterbrochen und wurde eine genau in den Glascylinder passende, ebene, kreisrunde und amalgamirte Zinkplatte vorsichtig von oben mittelst einer Führung so weit herabgelassen, dass eine vollständige Berührung zwischen der oberen Begrenzungsfläche der oberen Salzschicht und der unteren Fläche der Zinkplatte eintrat. Hiermit war der Versuch für die Messungen vor- bereitet. Die Messungen bestanden darin, dass in gewissen, gewöhnlich gleich weit von einander abstehenden Zeit- momenten die electromotorische Kraft gemessen wurde, welche zwischen den beiden Zinkplatten des Diflfusionsge- fässes vorhanden war. Durch die Feststellung des zeit- 334 Weber, Untersuchungen über die HydrodifFusion, liehen Verlaufes dieser electromotorischen Kraft gewinnt man, wie die folgenden theoretischen Betrachtungen er- geben, ein Mittel zu einer sehr feinen Prüfung "^ auf die Richtigkeit des Fick'schen Elementargesetzes der Hydro- diffusion. Theorie der Methode. Wir haben zunächst aus Fick's Elementargesetz und den realisirten Versuchsbedingungen diejenige Function zu ermitteln, welche den Werth der Concentration z irgend einer Schicht in der Tiefe x unter der oberen Electrode zu irgend einer Zeit t darstellt. Die Concentration z hat zu jeder Zeit und an jedem Ort zwischen a? = und = ^1+^2 Fick's Elementargesetz zu er- füllen, d. h. der partiellen Differentialgleichung zu genügen Öt ~ ^ 9^ (1) Die Greazbedingungen des Versuches sind: für a; = ist für alle t ^ = (2 für rc = Zi -j" ^2 = -^ ist für alle t -^ = (3) da an der oberen Electrode kein Salz aus-, an der unteren Electrode kein Salz eintritt. Wird als Anfangspunkt der Zeit der Moment der Uebereinanderschichtung der beiden Concentrationen z^ und % genommen, so gilt als Anfangs- bedingung des Versuches: ^. . _ -^ f ist ä; = 5^1 für alle x von a; = bic a; =: Zi 1 / , x \ und z = Zi für alle x von a; = Z^ bis a; = Z^ -|- l^ =-Lj ^ ' Ein particuläres Integral der Differentialgleichung (1) ist: ^ -h^kt z = (A cos hx -f- B smjix) e ; die drei Constanten A, B und h sind aus den Anfaugs- und Grenzbedingungen des Versuches zu bestimmen. "Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 335 Es soll erstens K~ = i~ ^^-4 sin hx + hB cos hx) e in der Schicht a? = für alle t den Werth Null haben; es muss daher B gleich Null gesetzt werden. Es soll ferner derselbe Differentialquotient für x = L ebenfalls für alle t verschwinden ; die Constante h muss also so ge- wählt werden, dass sie die Gleichung h.L = nn, wo w = 0, 1, 2, 3 . . . erfüllt. Die Summe der particulären Integrale gibt das allgemeine Integral. Die noch zu bestimmende Constante A» lässt sich aus den Anfangsbedingungen (4) ermitteln : fürt = Oists =»»2 ^n.cosl— ^a;\ = 0j für alle a; von ic = bis a; = ?i ^-^ ' °° /nn \ und 2 = 2 ^n • cos I -y-rc ] = Z2 für alle x von a; = Zi bis x = = 1,-^1, =L. Nach Fourier's Theorem ergibt sich : L und L A = r/u-^-^-^H^ . 2 /-, ^ lnTtx\ , 2 (-Sfs— ^1) 1 . lnn\\ o Die allgemeine, allen Bedingungen Rechnung tragende Lö- sung ist also : 336 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion, z = —^ ^— «S - . sin( -^Yo.\j-x)e ^ ^^) Die oben geschilderte Versuchsmethode erlaubt nur die variabeln Concentrationen der Grenzschichten (für X = und ic = i) zu beobachten. Die variable Concen- tration der oberen Grenzschicht möge mit z', die der unteren Grenzschicht mit z" bezeichnet werden. Aus (5) findet sich: . j^ , . _^ ,. Ott» , und 4^2 . 1 . tzn\\ ^ + 3 Sin ( -^ \ e (zn\\ also Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 337 und j - — fct 167r% , In allen ausgeführten Versuchen wurde L stets so klein gewählt (circa 3 cm.), dass die Werthe der Glieder 16ji2 25712 schon nach Verlauf eines Tages {t = 1) unter j^ herunter- sanken. Ausserdem wurde stets l^ möglichst genau gleich T 1 /Q 7 \ 7"2 g gemacht, um das Glied ^sm (-y-^)e zum Weg- fall zu bringen. In den ausgeführten Versuchen war also für alle Zeitmomente t > 1 : und 4 g' Hieraus resultirt als Ausdruck der electromotori sehen Kraft E, welche die Concentrationen z" und z' der Grenzschichten zwischen den beiden Electroden im Momente i (> 1 ) er- zeugen : E=A {z"—z') [1 + J5 {z"^s')] -"% f -—V "I jLSMt. i. 22 338 "Weber, Untersucliungen über die Hydrodiffusion. Ist Fick's Elementargesetz der Hydrodiffusion richtig, so muss also die electromotorische Kraft zwischen den beiden Zinkelectroden eine solche Function der Zeit sein, dass E = Aie — Bi e ist, wo J.1 und Bj^ kurze Bezeichnungen gewisser constanter Werthe sein sollen. Da nach den oben mitgetheilten Messungen der Werth der Constante B sehr klein ist verglichen mit dem Werth der Constante A, so wird sich schon nach kurzer Zeit der Ausdruck der electromotorischen Kraft auf das erste Glied, auf E = Ä^e reduciren. Die Messung der electromotorischen Kraft wurde nach der Dubois-Reymond'schen Modification der Compen- sationsmethode ausgeführt. Als compensirende electro- motorische Kraft diente ein üaniell'sches Element, dessen electromotorische Kraft nie um mehr als j^ ihres Wer- thes variirte. Der benützte Messdraht war in seinen ein- zelnen Theilen vollkommen gleichwerthig ; es wurde ausser- dem dafür Sorge getragen, dass der Widerstand des Daniell'schen Elements und der sonstige Widerstand des galvanischen Kreises, in welchem der compensirende Daniell stand, während aller Messungen derselbe blieb. Bedeutet l diejenige Länge des Messdrahts, welcher als beiden gal- vanischen Kreisen gemeinschaftlicher Theil eingeschaltet werden muss, um vollständige Compensation der zu mes- senden electromotorischen Kraft im zweiten Kreise herzu- stellen, bezeichnet iv den Widerstand der Längeneinheit "Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 339 des Messdrahts, bedeutet W den Gesamratwiderstand des ersten Kreises und D die electromotorische Kraft des com- pensirenden DanieH'schen Elements, so ist der Ausdruck der zu messenden electromotorischen Kraft E: Die Länge l des Messdrahts, die zur Zeit t eingeschaltet werden muss, um die zu dieser Zeit zwischen den beiden Zinkelectroden vorhandene electromotorische Kraft durch das Daniell'sche Element vollständig zu compensiren, hängt hiernach mit der Zeit so zusammen, dass allgemein : A.e -Be J, (für t > 1) und für grössere Werthe von t: .k.t X = — =, J.1 .e ist. Hieraus geht hervor : Sind für eine Reihe gleich weit abstehender Zeit- momente to, ti, %... bei der Herstellung der Compen- sation der den Coucentrationen der Grenzschichten ent- sprechenden electromotorischen Kräfte die eingeschalteten Messdrahtlängen gleich A^, A^, Ag, ... gefunden worden, so muss die Grösse lg (^7^~) mit wachsender Zeit, also mit wachsendem i, sehr schwach ansteigen und ziemlich bald constant werden ; der constante Werth, welchen diese Grösse schliesslich erreicht, ist: ^^ (^) ^,.k.^t yfo ^t = ti — to = t^ — ti = t^ — <2 ß^c. Mit Hülfe dieses constanten Werthes, er heisse tj, lässt sich die 340 Weber, Untersuchungen über die Hydro diffusion. Grösse der Fick'schen «Diffusionsconstante» k ermitteln ; es ergibt sich : Kesultate der Beobachtungen. Die ersten zwei Beobachtungsreihen wurden in einem Zimmer des physikalischen Instituts im Laufe des Monats October angestellt. In Folge der Heizung stieg die Tem- peratur dieses Zimmers während des Vormittags bis gegen Mittag regelmässig um circa 2°, um von da an bis gegen Morgen in regelmässigster Weise äusserst langsam um eben soviel abzunehmen. Die Beobachtungen, die in jeder Beobachtungsreihe Tag und Nacht hindurch in Zwischen- räumen von je 3 Stunden angestellt wurden, zeigten einen äusserst gleichmässigen Verlauf der Diffusion während der Zeit von circa 1 '^ Mittags bis circa l'^ Vormittags; für die 6 Vormittagsstunden ergaben sie dagegen Tag für Tag einen etwas abweichenden Verlauf, Dieses deutete an, dass schon Temperaturvariationen in dem Betrage von circa 2*^ den Verlauf der Diffusion erheblich stören und dass reine Kesultate nur bei möglichst constanter Tem- peratur des Diffusionsgefässes gewonnen werden können. (Aus den später mitgetheilten Versuchen wird sich ergeben, dass die von mir benutzte Beobachtungsmethode so em- pfindlich ist, dass sie bereits einen Einfluss einer Tera- peraturvariation von -^ ° mit der grössten Schärfe hervor- treten lässt.) Hr. Prof E. Wolf hatte die Freundlichkeit, mir die Kellerräume der eidgenössischen Sternwarte für längere Zeit zur Verfügung zu stellen. Hier habe ich zwei möglichst ausgedehnte Beobachtungsreihen ausgeführt. Mitten in die erste Beobachtungsreihe hinein fiel leider Weber, Untersuchungen über die Hydrodififusion. 341 ein plötzlicher und sehr beträchtlicher Kückgaug der äussern Lufttemperatur, der sich, allerdings sehr stark abge- schwächt, auch bis in die Kellerräume hinunter geltend machte. Ich unterlasse es daher, die Resultate dieser Beobachtungsreihe mitzutheilen. Während der zweiten Beobachtungsreihe variirte die Temperatur des Kellerraums nur äusserst wenig und sehr langsam, wie die in der unten folgenden Tabelle angegebenen Temperaturablesungen erkennen lassen. Für diese zweite Beobachtungsreihe war der Versuch in folgender Weise eingerichtet worden. Am 9. November wurde auf die untere amalgamirte Zinkelectrode eine möglichst von Luft befreite Zinksulphat- lösung mit der Concentration z^ = 0.3182 (d. h. in einem Cubikcentimeter Lösung befanden sich 0.3182 Gramm wasserfreies Salz) bis zu der Höhe l^ = 1.98 cm. ge- bracht. In dem Momente 7'' Morgens wurde über diese Lösung eine zweite mit der kleineren Concentration Zi = 0.1520 bis zu einer Höhe l^ = 1.01 cm. so auf- geschichtet, dass die Trennungsfläche beider Lösungen voll- ständig eben und vollkommen spiegelnd ausfiel. Hierauf wurde die zweite Zinkelectrode auf die obere Begrenzungs- fläche dieser zweiten Schicht mittelst einer passenden Führung bis zur Berührung mit der Salzlösung herab- gelassen und in dieser Stellung festgehalten. Nachdem das Diffusionsgefäss mit Hülfe von wachsgetränktem Papier und Wachs möglichst luftdicht verschlossen worden war, blieb es auf einem Pfeiler des Kellerraumes während der ganzen Beobachtungsdauer von 12 Tagen unberührt stehen. Die erste Ablesung wurde sofort nach Herrichtung des Versuches gemacht; die weiteren Ablesungen erfolgten täglich 6 Mal, nach Verlauf von je 3 Stunden. So wur- den in dieser Beobachtungsreihe 72 Daten gewonnen. 342 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. Wie sclion oben erwähnt wurde, diente die Compen- sationsraethode zur Messung der electromotorischen Kräfte. Das corapensirende Daniell'sche Element besass eine electro- motoriscbe Kraft von fast vollkommener Constanz: die constatirten Aenderungen seiner electromotorischen Kraft überschritten nie den Werth ^ des Mittelwerthes. Neben dem Daniell'schen Elemente befand sich im ersten Kreise noch ein Widerstand von 130 Q. E. Der Widerstand des 1 m. langen, vollkommen homogenen Messdrathes be- trug 2.221 Q. E. Dem Galvanometer des zweiten Kreises war eine solche Empfindlichkeit gegeben worden, dass die Einstellungen A auf dem Messdrahte bis auf 0.1 mm. genau gemacht werden konnten. Unmittelbar nach Herrichtung des Versuchs ergab sich eine Einstellung A = 976.1 mm.; 12 Stunden später war sie bereits auf 951.6 mm. gesun- ken. Während der nächsten 12 Stunden nahm sie um 80.1 mm. ab; in den weiter folgenden 12 Stunden um fast denselben Betrag. Diese angeführten Zahlen lassen erkennen, welchen hohen Grad von Empfindlichkeit und Schärfe die benutzte Messmethode besitzt: Eine Aenderung der Differenz der Concentrationen beider Grenzschichten gleich dem SOOsten Theile derjenigen Aenderung dieser Con- centrationsdifferenz, die während eines halben Tages vor sich ging, Hess sich mit vollkommener Sicherheit wahr- nehmen; die Einstellung A nahm in den ersten Tagen von Minute zu Minute um in runder Zahl 0.1 mm. ab, der Gang der Diffusion konnte also von Minute zu Minute gewissermassen greifbar verfolgt werden. Die anfäng- liche Concentrationsdifferenz der Grenzschichten z^ — % = 0.1562 entsprach der Einstellung A = 976.1 mm.; wegen der sehr angenäherten Proportionalität zwischen Concentrationsdifferenz und electromotorischer Kraft ent- Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 343 spricht einer Aenderung der Einstellung gleich 0.1 mm. eine Aenderung der Concentrationsdifferenz im Betrage von 0.0160 mgr. Erlitt also durch die Diffusion die untere Grenzschicht einen Salzverlust von j^ Milligramm pro Cubikcentimeter und die obere Grenzschicht gleichzeitig einen Salz- gewinn von demselben Betrage, so konnte diese Diffusionswirkung eben noch deutlich wahrge- nommen werden. Die folgende Tabelle giebt die Gesamnitheit aller Beobachtungen der besprochenen vierten Beobachtungs- reihe. In der ersten Spalte steht das Tagesdatum; die zweite Spalte enthält die bei der jedesmaligen Beobachtung gefundene Temperatur des Kellerraumes; die dritte Spalte gibt die Einstellungen l auf dem Messdraht; die letzte Spalte enthält vom zweiten Beobachtungstage an die Dif- ferenzen der gewöhnlichen Logarithmen je zweier auf ein- ander folgender Einstellungen. 9. Nov. < 10. Nov. T=- A= o mm 9.8 976.1 9.8 974.8 9.8 969.4 9.9 961.0 9.9 951.6 9.8 939.0 9.6 871.5 9.7 849.9 9.7 830.1 9.8 810.8 9.8 791.5 9.7 772.5 z/log= 0.01034 0.01075 0.01022 0.01046 0.01060 T= 1= o mm 9.5 717.8 9.6 701.0 11. Nov. < 9.6 9.8 683.8 667.3 9.7 651.0 , 9.7 635.3 ■ 9.6 589.0 9.7 574.9 12. Nov. < 9.9 9.8 561.0 547.5 9.8 533.2 . 9.7 520.5 ^log= 0.01028 0.01079 0.01061 0.01074 0.01060 0.01053 0.01063 0.01058 0.01149 0.01047 344 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. T= A= dlog- mm ■ 9.5 483.2 9.7 471.1 13. Nov. < 9.7 9.6 458.7 447.2 9.8 435.7 , 9.6 424.8 ' 9.4 394.0 9.5 384.1 14. Nov. . 95 9.5 373.9 365.0 9.6 356.0 . 9.5 347.5 ■ 9.5 320.4 9.4 312.2 15. Nov.. 9.5 9.6 304.1 296.4 9.6 289.0 . 9.5 281.6 9.4 260.1 9.6 253.5 16. Nov. < 9.5 9.5 247.2 241.1 9.6 235.7 , 9.4 229.7 0.01102 0.01158 0.01103 0.01131 0.01101 0.01106 0.01168 0.01047 0.01084 0.01050 0.01126 0.01141 0.01114 0.01098 0.01127 0.01116 0.01093 0.01085 0.00984 0.01120 17. Nov. 18.Nov.-{ 19. Nov. < 20. Nov. 9.4 9.6 9.7 9.6 9.6 9.7 9.5 9.5 9.4 9.6 9.5 9.4 9.5 9.5 9.6 9.6 9.5 9.5 9.4 9.5 9.6 9.5 9.4 9.4 212.5 207.3 202.0 196.9 192.0 187.1 173.2 169.1 164.9 160.8 156.8 153.0 141.2 137.8 134.3 131.0 127.5 124.4 115.0 112.1 109.3 106.7 103.9 101.4 0.01076 0.01125 0.01110 0.01095 0.01123 0.01041 0.01092 0.01093 0.01084 0.01066 0.01058 0.01117 0.01081 0.01176 0.01069 0.01109 0.01099 0.01046 0.01154 0.01058 Eine Durchsicht dieser mitgetheilten Zahlen ergibt, dass die electromotorische Kraft zwischen den beiden Zink- electroden bei wachsender Zeit, genau den Forderungen der Theorie entsprechend, nach dem Gesetze Tct -^Tct E = Äi e — B^e auf kleinere und kleinere Werthe heruntersank. Die Klein- heit des Coefficienten B^ im Verhältuiss zu A^ und die Weber, Untersuchungen über die HydrodifFusion. 345 Kleinheit des Electrodeiiabstandes L bewirkten, dass bereits vom vierten Tage an das zweite Glied des vorstehenden Ausdruckes nur einen verschwindend kleinen Beitrag zum Werthe E lieferte und die electromotorische Kraft von da an in Form einer einfachen geometrischen Progression : E = Ai e mit wachsender Zeit variirte. Berechnet man mit Hülfe dieser letztern Kelation den "Werth der Constanten t] = ^ k aus allen Beobach- tungen je zweier auf einander folgender Tage nach der Methode der kleinsten Quadrate, so findet man aus den Beobachtungen Mittlere Temperatur, 7] = 0.2032 9°.6 T] = 0.2066 9.5 T] == 0.2045 9.5 T] = 0.2027 9.5 7] = 0.2027 9.5 7] = 0.2049 9.5 T] = 0.2049 9.4 Die Mittelwerthe aus den vier ersten, aus den vier letzten und aus allen diesen Werthen sind: 7} ^ 0.2042 7/ ^ 0.2038 rj = 0.2042 Diese Zahlen lassen wohl kaum einen Zweifel darüber aufkommen, dass die Grösse, die nach der Theorie con- stant sein sollte, für die hier verwirklichten Versuchs- bedingungen auch factisch constant war. Fick's Elementargesetz ist demnach für diejenigen Concentratiousdifferenzen, die in dem Diffusionsgefässe vom vom 13. u. 14. Novbr. » 14. u. 15. ^ » 15. u. 16. » » 16. u. 17. » » 17. u. 18. » » 18. u. 19. » » 19. u. 20. » 346 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. vierten Beobaclitungstage an vorhanden waren, in der That der exacte Ausdruck des Diffusionsvorganges, Als Werth der Fick'schen «Diffusionsconstante» wird aus dem obigen Mittelwerth für rj = j^-^ ^^^ ^^^ Werthe von L [2.99 cm.] gefunden : [cm ^~l Y-\ I , gültig für die mittlere Temperatur 9°.5. Zweite Beobachtungsmethode. Beschreibung der Methode. Die beschriebene erste Versuchsmethode erfordert ziemlich lange Beobachtungszeiträume. In Folge dessen wird die Untersuchung sehr zeitraubend und wegen der *nothwendig geforderten constanten Temperatur für die meisten Localitäten so gut wie unausführbar. Wohl scheint es möglich, die Beobachtungsdauer durch Verkürzung der Länge L beträchtlich zu vermindern; allein unter einen erheblich kleineren Werth als der in den obigen Ver- suchen benutzte darf schwerlich der Werth L herunter- sinken, wenn der Anfangszustand des Diffusionsgefässes scharf definirbar bleiben soll. Diese Eigenschaft der benutzten Versuchsmethode veranlasste mich, andere Untersuchungsmethoden in An- wendung zu bringen. Es ist mir gelungen, eine zweite Versuchsmethode ausfindig zu machen, welche die Möglich- keit gestattet, binnen einiger Stunden eine ausser- ordentlich feine Prüfung auf die Richtigkeit des Fi ck 'sehen Elementargesetzes der Diffusion anstellen und die Grösse der Diffusionsconstante innerhalb eines beliebigen Bruchtheils einer Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 347 Stunde bestimmen zu können. Nach diesem Ver- fahren können die Einflüsse, welche Temperatur und Con- centration auf den Verlauf der Diffusion ausüben, in ebenso scharfer wie bequemer Weise untersucht werden. Das Verfahren ist folgender Art: Eine ebene, kreisrunde amalgamirte Ziukplatte bildet die Bodenfläche eines flachen Glascylinders von etwa 12 cm. Weite. Auf drei Kandstellen dieser Platte werden kleine genau gleich dicke Stückchen einer planparallelen Hart- gummiplatte von 0.52 cm. Dicke gelegt, welche eine zweite, der unteren genau gleiche, amalgamirte Zinkplatte zu tragen haben. Der dünne Zwischenraum zwischen den beiden parallelen Zinkplatten wird mit einer Zinksulphat- lösung von irgend einer Concentration (in den folgenden Versuchen wurden Conceutrationen zwischen 0.20 und 0.38 benutzt) ausgefüllt. An die beiden Zinkplatten sind Drähte angelöthet, um durch das System der beiden Platten und der Lösung einen galvanischen Strom schicken, oder das System in den Kreis eines Galvanometers einschalten zu können. Werden die beiden Zinkplatten vor dem Ver- such abgerieben und mit Zinksulphatlösung derjenigen Concentration abgespült, die zwischen beide gefüllt wer- den soll, so zeigt sich das System der beiden Zinkplatten und der eingefüllten Zinksulphatlösung bei gleichen Tem- peraturen beider Platten vollkommen ohne jede Potential- differenz; nur wenn beide Platten nicht genau die gleiche Temperatur haben, zeigt sich ein kleiner Ausschlag an einem empfindlichen Galvanometer, in dessen Kreis das System eingeschaltet wird. Durch die so vorgerichtete Combination wird hierauf ein constant erhaltener gal- vanischer Strom in einer solchen Richtung geschickt, dass derselbe durch die untere Zinkplatte ein-, durch die obere 348 "Weber, üntersucliungen über die Hydrodiffusion. austritt. Durch die Wanderung der Jonen wird während des Stromdurchganges die Salzlösung in der Grenzschicht an der untern Zinkplatte, der Anode, concentrirter und in der Grenzschicht an der oberen Zinkplatte, an der Kathode, verdünnter. Diese Concentrationsäuderungen der Grenz- schichten sind der Stärke und der Zeitdauer des Stromes proportional. Sowie nun durch die Thätigkeit des gal- vanischen Stroms diese Concentrationsäuderungen beginnen, entwickelt sich der Diffusionsstrom, welcher die Wirkung des galvanischen Stroms auszugleichen sucht. Durch das Zusammenwirken von galvanischem Strom und Diffusions- strom wird ein stationärer Zustand der Concentrations- vertheilung zwischen den beiden Zinkelectroden angestrebt, in welchem in der Zeiteinheit die Diffusion genau soviel Salz der ^^^^^^J^ ^Grenzschicht ^]J^_| führt, als durch die Thätigkeit des galvanischen Stroms der f pn f ^^®^^" „«!,• M. entzogen 1 • , Schicht ., °, ... } wird, mitgetheilt J Hat der constante galvanische Strom die Combination eine passend lange Zeit durchzogen, und ist in Folge dessen ein genau angeb barer Zustand der Concentrations- vertheilung zwischen den beiden Zinkplatten entstanden, so wird derselbe plötzlich unterbrochen. Von diesem Mo- mente an ist die Salzlösung der alleinigen Wirkung der Diffusion ausgesetzt. Der weitere Verlauf der Diffusion wird nun mit Hülfe der electromotorischen Kraft, welche die variabeln Concentrationen der Grenzschichten an den beiden Zinkplatten erzeugen, untersucht. Aus dem ge- fundenen zeitlichen Verlaufe dieser electromotorischen Kraft lässt sich sowol der ganze Verlauf der Diffusion erkennen als auch der Werth der Diffusionsconstante berechnen. "Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 349 Ein eminenter Vortheil dieser Methode liegt in dem Umstände, dass der Abstand der beiden Zinkelectroden beliebig klein genommen, also auch die Zeitdauer des ganzen Ablaufes der Diffusion beliebig kurz gemacht werden darf, ohne dass irgend eine Unsicherheit in die Definition des anfänglichen Zustandes der Concentrations- vertheilung hineinkommt, aus welchem heraus sich die beobachtete Diffusion entwickelt; in welchem Momente auch der galvanische Strom unterbrochen werden mag, es lässt sich immer die diesem Momente entsprechende Verthei- lung der Concentration von Schicht zu Schicht angeben. Theorie der Methode. Durchfliesst ein galvanischer Strom eine zwischen zwei Zinkelectroden eingeschaltete Zinksulphatlösung, so bleibt die Salzmenge trotz der stattfindenden Electrolyse unver- ändert; ebenso bleibt die Concentration jeder einzelnen inneren Flüssigkeitsschicht constant; nur die an den Elec- troden gelegenen Grenzschichten der Lösung erleiden eine Aeuderung ihrer Concentration : der Salzgehalt der an der Anode anliegenden Grenzschicht wird vermehrt, der Salz- gehalt der Grenzschicht an der Kathode wird vermindert. Die Salzmenge, welche ein constauter Strom von der Stärke I durch die Vorgänge der Electrolyse und der Wanderung der Jonen während der Zeit t der Grenzschicht an der Anode zu- und der Grenzschicht an der Kathode entführt, ist nach Hittorf's umfassenden Untersuchungen: 2.48 (1 — n) s I t wo n die Ueberführungszahl und £ das electrochemische Aequivalent des Zinks bedeutet. Aus Hittorfs Messungen geht hervor, dass die Ueberführungszahl n für hohe Con- centrationen und innerhalb eines nicht zu grossen Inter- 350 Weber, Untersuchungen über die Hydro diffusion. valls der Concentration kaum merkbar mit der Concen- tration variirt. Die in den folgenden Versuchen benutzten Concentrationen besassen so hohe Werthe und die er- zeugten Coucentratiousuuterschiede wurden innerhalb so enger Grenzen gehalten, dass der Werth n bis auf einen Bruchtheil eines Procents constant sein musste. Ura den Zusammenhang zu ermitteln, der zwischen der Concentration z in irgend einer Schicht in der Tiefe x unter der obern Electrode nach Ablauf der Zeit t seit Beginn des Stromes und diesen beiden Variabein x und t besteht, gehen wir von der Hypothese aus, dass wenn überhaupt die Thätigkeit des galvanischen Stromes den Vorgang der Diffusion beeinflusst, sich dieser Einfluss nur in dem numerischen Werthe der « Diffusionsconstante > k geltend macht, (Nebenbei mag gleich hier bemerkt wer- den, dass eine weiter unten erwähnte Prüfung auf die Eich- tigkeit dieser Hypothese ergeben hat, dass der gleichzeitig neben der Diffusion durch die Lösung verlaufende galvanische Strom die Diffusion in keinerlei Weise merkbar beein- flusste). Die variable Concentration z hat dann zunächst die partielle Differentialgleichung zu erfüllen : Ausserdem hat z zwei Grenzbedingungen zu erfüllen, deren Form zunächst zu entwickeln ist. Es möge diese Entwick- lung für die eine Grenzfläche der Salzlösung hei a? = o durchgeführt werden. Aus der die obere Electrode (die Kathode) berühren- den Grenzschicht von der unendlich kleineu Dicke dx führt der galvanische Strom von der Stärke I während des Zeit- elementes dt die Salzmenge heraus: h . I . dt. Weber, Untersuchungen über die HydrodifiFusion. 351 wenn für die Constante 2.48 (1 — n) s die kurze Be- zeichnung h gesetzt wird. Werden die Werthe des Diffe- rentialquotienten der Concentration nach der Richtung der X für den Ort ic = mit (^\ , l^j . . . bezeichnet, so ist der Ausdruck der Salzmenge, welche der Diffusions- strom während derselben Zeit dieser Schicht durch ihre untere Begrenzungsfläche aus den tiefer gelegenen Schichten zuführt wo q den Querschnitt des Diffusionsgefässes bezeichnet. Der Salzgewinn, den die unendlich dünne Grenzschicht während des Zeitelements dt erleidet, hat also die Grösse: Da sich andererseits dieser Salzgewinn auch durch den Werth ^ (sy ) dx . dt darstellen lässt, so gilt folgende Gleichung als Ausdruck der Salzbewegung in der Grenz- schicht bei X = 0: a (^)^-dx.dt = I Ic.qi^)^ -11.1^1 + Ic.q {f^)^ dx.dt Für diese Grenzschicht muss also in jedem Momente Tcq{^\ = h.I, für alle t (2) sein. Es gilt also in diesem Fall eine Grenzgleichung, die der bekannten Grenz gleichung in der Theorie der Wärmeleitung analog ist. Durch Anwendung derselben Betrachtungsweise auf die Vorgänge der Salzbewegung in der unteren, die Anode 352 Weber, Untersachungen über die Hydrodiifusion. berührenden, Grenzschicht erhält man als zweite in jedem Momente gültige Grenzgleichung: Tc.qß^] =h.I,{nT alle t (3) Wird als Anfangspunkt der Zeit derjenige Moment genommen, in welchem der galvanische Strom die Lösung zu durchfliessen beginnt, so hat die Anfangsgleichung die Form : z ^= 2o für t = \ >• . V und für alle x j ^ ^ Eine Lösung, welche die Gleichungen (1), (2) und (3) er- füllt, ist : z = = X -|- n^ ÄnCosl—r X ] e , WO n — 0, 1, 2 . . . k.q ^ \L ) Es erübrigt noch die Constante A^ so zu bestimmen, dass der Anfangsbedingung (4) genügt wird. Aus der für i = o geltenden Gleichung _ I.h — .X 4- «^ J.n . cos I -r- a; l •2 \L } folgt noch Fourier's Theorem : ^° = "° - M • 2 ^°^ I.h L . inn\ ^-^^^•h7q' ^ -'^"(x) , also ^3 = ^.-^6=. -.= Die allgemeine, alle Bedingungen erfüllende Lösung der vorliegenden Aufgabe ist also: , I.h ,' L\ A I.h ^ ) /nx\ W^ , + ^cos(^.)e 4-...) (^) Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 353 Für die in den Grenzschichten für x = L und x = o vorhandenen Concentrationen z" und z' ergeben sich daraus die Werthe: T.h L 4 I.h ^ \ ^ ,1 \_ I I.h L , 4 I.Ji ^ j ^ ,1 ^' I und die im Momente t zwischen den beiden Zinkelectroden vorhandene electromotorische Kraft E hat die Grösse : E =^ A {2"—z') [l -\- B {z" + 2')] n\ 9n\ Mit Hülfe dieser Gleichung (6) Hesse sich eine Prüfung auf die Kichtigkeit des Elementargesetzes der Diifusion anstellen und eine Werthbestimmung der Constante k vornehmen. Eine nähere Discussiou dieser Gleichung lässt aber erkennen, dass die eigenthümliche Form dieser Glei- chung keine sehr genaue Bestimmung der Grösse h ge- stattet ; ein sehr kleiner Beobachtungsfehler in der ^lessung der electromotorischen Kraft E hat schon einen verhält- nissmässig grossen Einfluss auf den Werth der zu bestim- menden Constante. Aus diesem Grunde habe ich die Gleichung (6) nicht zur definitiven Messung des Diifusions- verlaufes benutzt. Jedoch habe ich dieselbe zur Ent- scheidung der folgenden, manches Interesse darbietenden Frage verwendet: Besitzt der gleichzeitig neben dem Dif- fusiousstrom durch die Salzlösung gehende galvanische ikXiii. 4. 23 354 Weber, Untersucliungen über die Hydroditfusion. Strom Einfluss auf den Verlauf der Diffusion, d. h. auf die Grösse der Diffusionsconstante oder nicht ? Wiederholt aus- geführte Versuchsreihen ergaben, dass die Grösse der mit Hülfe dieser Gleichung (6) bestimmten Diffusionsconstanten so gut wie vollständig übereinstimmt mit dem Werthe, der sich für diese Grösse aus den Vorgängen ergiebt, in denen der Diffusionsvorgang ohne den gleichzeitigen Durch- gang eines galvanischen Stromes geschieht. Eine äusserst bequeme Methode zur Untersuchung des Diffusionsverlaufes erhält man jedoch aus der obigen Glei- chung (5) in folgender Weise: Hat der . constante galvanische Strom die Salzlösung während einer passend laugen Zeit, etwa während der Zeit T, durchströmt, so unterbreche man deü Strom. Die durch die gleichzeitige Thätigkeit des Stromes und der Diffusion erzeugten Unterschiede der Concentrationen der einzelnen Schichten werden sich hierauf von diesem Momente an durch den alleinigen Vorgang der Diffusion nach und nach ausgleichen. Diese allmälig vor sich gehende Ausgleichung der Concentrationsunterschiede lässt sich mit ausserordent- lich grosser Genauigkeit verfolgen und kann desswegen als feinstes Prüfungsmittel auf die Richtigkeit des Fick'schen Elementargesetzes der Diffusion dienen. Das Gesetz, nach welchem diese Ausgleichung der Concentrationen vor sich geht, lässt sich leicht ermitteln. In jedem Orte x > o und < L und zu jeder Zeit ist die Differentialgleichung zu erfüllen: Für alle Zeitmomente t bestehen die Greuzgleichungen : = (8) (9^1=0 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 355 -^ (IL=° <^> Als Anfangspunkt der Zeit soll der Moment genommen werden, in welchem der Strom unterbrochen wurde. Der Werth der Concentration, welcher in diesem Zeitpunkte in irgend einer Schicht in der Tiefe x unter der obern Elec- trode vorhanden ist, heisse s*. Der Anfangszustand des Diffusionsvorganges ist dann durch die Gleichung l)e- stimmt : Für t = o\ .Uli i\ , 4 I7i f_ /»^ \ , 1t> 37r \ , "' = "» + fc^r ""^) ^n^M^ r^ '"' Kt") + 9 ^^ ^^^ -zn + + 1^3 cos(^. )+...} (10) WO 5i = e ,^3=6 , . . . gesetzt worden ist. Die Auffindung der allgemeinen Lösung für 2, die sämmtlichen Bedingungen genügt, hat keine Schwierig- keiten ; da die Wiedergabe der Rechnung nur Wiederholung von bereits Ausgeführtem sein würde, will ich gleich das Endresultat geben. Die allgemeine Lösung ist: 4 i.h --ht + ^(l-53)cos(^a.)e +... (11) Daraus findet sich für die Concentration der Grenzschicht an der unteren Electrode: 356 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. ^" = ^« + i^^{('-^'^'^ ^' +i(i-B.)e '-' +...1 und für die Concentration der GrenzschicM an der oberen Electrode : 4-7" 7) I ~ T^ ^ r2^* I Da die Differenz dieser Concentrationen 9 «2 und deren Summe z" -\- z' = 2^0 ist, so nimmt der Ausdruck der electromotorischen Kraft E^ welche in dem Momente t zwischen den beiden Zinkelec- trodeu vorhanden ist, folgende Form an: E = A {s"—z') [1 + J5 {z"+z')'\ S 7-7, ( ~1^^^ \ "^^^'M =^(1+25.0) ^i(l-B,)e +9(1-53)6 +... (10) Nach Verlauf einer gewissen Zeit wird der Werth des zweiten Gliedes bedeutungslos gegenüber dem Werthe des ersten. Von diesem Zeitmomente an bleibt dann als Aus- druck der electromotorischen Kraft stehen: E=G.e ^^' (13) wo Cden Werth der Constante A{1+2Bzq)-,^ L{l—B^) bezeichnet. "Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 357 Die Grösse L darf unbeschadet der Genauigkeit der nach dieser Methode anzustellenden Versuche sehr klein genommen und dadurch der Werth der Grösse -jy-^ ganz erheblich gesteigert werden. In den weiter unten be- sprochenen Versuchen betrug L 0.522 cm. und fand sich für k bei Zimmertemperatur ein "Werth von beiläufig 0.20 bis 0.25 ^^^ . Unter diesen Verhältnissen wird das Glied 1 T'^ qö schon nach Verlauf von IV2 Stunden so klein (es beträgt dann nur circa j^), dass es gegenüber dem ersten Gliede e kaum mehr in Betracht kommt In aUen den nach dieser Methode gemachten Messungen be- gannen die Beobachtungen der electromotorischen Kraft erst 1^/2 Stunde nach der Unterbrechung des Stromes; zu ihrer Berechnung durfte demnach die Gleichung (13) durchweg als vollkommen genau benutzt werden. Die erhebliche Grösse des Werthes ^ k lässt die electromotorische Kraft sehr rasch mit der Zeit sinken (von 10 zu 10 Secunden nahm die electromotorische Kraft deutlich wahrnehmbar ab) und macht desswegen eine Be- stimmung der electromotorischen Kraft nach der Compen- sationsmethode unmöglich. Es bleibt nichts übrig als die in einem gegebenen Momente vorhandene electromotorische Kraft durch den ersten Ausschlag zu messen, den sie in einem empfindlichen Galvanometer hervorruft, in dessen Kreis sie in diesem Momente für die Dauer einer halben Schwingung der Galvanometeruadel eingeschaltet wird. Die von dieser electromotorischen Kraft erzeugten, jedesmal 358 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. nur 5 Secunden dauernden Ströme erreichten nie Intensi- r T II 1 I ra.gr. min I ^ 6ÖÖ0 L Se^n J täten, deren Grösse über ^^ 1 — ^-^ — r in absolu- tem electromagnetischem Maass hinaufstieg; die von diesen schwachen, kurzdauernden Strömen hervorgerufenen Aende- ruugen der an den Electroden jedesmal bestehenden Con- centrationen fallen also so klein aus, dass sie vollkommen ausser Betracht gelassen werden können. Der erste Aus- schlag s, welchen eine electromotorische Kraft in einem Galvanometer hervorruft, ist derselben proportional ; bei coustant bleibender Empfindlichkeit des Galvanometers und bei unveränderlichem Widerstände des Galvanometerkreises verhalten sich die in gewissen Zeitmomenten vorhandenen electromotorischen Kräfte wie die ersten Ausschläge, die sie in diesem Momente der Galvanometernadel ertheilen. Der Zusammenhang zwischen dem ersten Ausschlage s, welchen man an einem Galvanometer erhält, wenn man das Diffusionsgefäss in dem Momente t für die Dauer einer halben Schwingung in den Galvanometerkreis einschaltet, und der Zeit t hat also die Form : wo Ci von der oben besprochenen Constante C, von dem Widerstände des Galvanometerkreises und von der Be- schaffenheit des Galvanometers abhängt. Die Quotienten je zweier auf einander folgender ersten Ausschläge s^, s^, s^ . . ,, die in den um das gleiche Zeit- intervall M abstehenden Zeitmomenten t^, t^, t^ ... beob- achtet werden, müssen also constant sein, wenn Fick's Elementargesetz Ausdruck der Wirklichkeit ist. Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusiou. 359 Resultate der Beobachtungen. Um zu allernächst zu zeigen, welche Feinheit der Beobachtungen nach dieser zweiten ilethode erreicht wer- den kann, will ich die sämmtlichen Beobachtungen, die ich in der ersten der nach dieser Methode angestellten Beob- achtuugsreiheu erhalten habe, ausführlich mittheileu. Der Zwischenraum zwischen den beiden Zinkplatten des Diffusionsgefässes {L = 0.522 cm.) wurde am 30. Oc- tober um 10" mit einer Ziuksulphatlösung von der Con- centration 0.3120 gefüllt. Nach der Füllung zeigte sich auch nicht die geringste Spur einer electromotorischen Kraft zwischen den beiden Zinkelectroden. Unmittelbar darauf wurde von lO'' bis 12'' ein genau constant erhal- 1 1 tener galvanischer Strom von der Stärke 1.1 (mgr. ^ mm. ^ See. ~^) in electromagnetischem Maasse in der Richtung von unten nach oben durch das Diftusiousgefäss geleitet. Von 12*" bis IV2'' blieb das Diflfusionsgefäss bei constanter Temperatur unberührt stehen; um IVa'' begannen die Beobachtungen des weiteren Verlaufes der electromoto- rischen Kraft zwischen den beiden Zinkelectroden. Von 2 zu 2 Minuten wurde das Diffusionsgefäss für die Dauer einer halben Schwingung der Galvanometernadel (5.2 See.) in den Kreis eines empfindlichen Galvanometers mit grosser Dämpfung eingeschaltet und der erste Ausschlag beobachtet. Nach Ablauf von circa IV2 Minuten beruhigte sich die Galvanometernadel vollständig, so dass der Anfangszustand der Nadel bei jeder Beobachtung der vollkommene Ruhe- zustand war. Der Widerstand des Diffusionsgefässes war verschwindend klein gegenüber dem sonstigen Widerstände (366 Q E) des Galvanometerkreises. Die folgende Tabelle gibt in der zw^eiten und fünften Spalte die erhaltenen ersten Ausschläge s (bereits auf 360 Weber, Untersuchungen über die Hydro diffusion. Bögen reducirt); in der dritten und sechsten Spalte steht die Temperatnr des Diffusionsgefässes von je 10 zu 10 Mi- nuten verzeichnet. Die letzte Spalte gibt die Differenzen der gewöhnlichen Logarithmen je zweier Ausschläge, die in der Zeit um eine halbe Stunde von einander abstehen. Die Zahlen dieser letzten Spalte zeigen hinreichend deut- lich, welche Feinheit der Beobachtung auf diesem Wege erreicht werden kann und bis zu welchem Grade das der Theorie zu Grunde gelegte Elementargesetz den Thatsachen entspricht. Sie machen ferner evident, dass die Bestim- mung der Diffusionsgrösse ä; schon aus einigen wenigen, während eines Bruchtheils einer Stunde ausgeführten Beobachtungen mit ziemlich grosser Genauigkeit ausgeführt werden kann. 12" 1240': 12 14 16 18 12^20' 22 24 26 28 1^ 0' 2 4 6 8 mo' 12 14 16 18 P20' 22 24 26 28 170.3 168.3 166.4 164.5 162.5 160.5 158.5 156.6 154.6 152.7 150.9 149.0 147.3 145.5 143.6 118.4 117.1 115.8 114.5 113.1 111.8 110.4 109.1 107.7 106.5 105.2 103.8 102.6 101.3 100.0 18°.4 18°.4 18°.4 18°.3 18= 18°.4 12''30' 32 34 36 38 12H0' : 42 44 46 48 12i'50': 52 54 56 58 1^30': 32 34 36 38 IMO': 42 44 46 48 P50': 52 54 56 58 18°.3 18°3 s= T- 141.9 18= 140.3 138.7 137.1 135.5 133.9 132.3 130.7 129.0 127.4 126.0 124.5 123.0 121.5 119.9 98.8 18°.4 97.7 96.5 95.4 94.3 93.4 92.1 90.9 89.8 89.0 87.8 86.7 85.5 84.4 83.5 18°.4 18°.5 zilog = 0.07923 0.07902 0.07907 0.07913 0.07890 0.07870 0.07847 0.07851 0.07862 0.07867 0.07832 0.07802 0.07829 0.07828 0.07033 0.07859 0.07867 0.07918 0.07926 0.07895 07809 0.07871 007926 0.07894 0.07796 0.07853 0.07816 0.07918 0.07927 0.07831 0.07870 > 0.07874 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. 361 Aus dem allgemeinen Mittelwerthe 0.07872 ergibt sich zufolge der Beziehung : 0.07872 X 2.303 = ^^f. , . 1 der Werth: fc = 0.2404 [l^i] für die Temperatur 18°.4. Mnßiiss der Temperatur auf die Diffusionsgrösse Ic. Die nach der ersten Versuchsmethode ausgeführten Beobachtungen Hessen deutlich erkennen, dass der Werth der Diffusionsgrösse k mit steigender Temperatur sehr er- heblich zunimmt. Zur Festlegung dieses Einflusses der Temperatur auf die Diffusionsgrösse li habe ich für drei verschiedene constante Temperaturen zwölf Versuchsreihen nach der zweiten Versuchsmethode ausgeführt, die in genau derselben Weise und in genau demselben Umfang ange- stellt wurden, wie die soeben ausführlich mitgetheilte Ver- suchsreihe. Der gefundene Diffusionsverlauf war in jeder dieser zwölf Beobachtungsreihen ein eben so vollendet regelmässiger wie in der ersten. Die Wiedergabe der langen Zahlenreihen will ich desswegen unterlassen ; ich gebe nur die Endresultate. Datum. fc 1. Nov. 0.1244 2. Nov. 0.1245 6. Dez. 0.1262 7. Dez. 0.1257 3. Nov. 0.2427 4. Nov. 0.2443 8. Dez. 0.2418 10. Dez. 0.2400 im Mittel: k = 0.1252 für T^ 1°.20. im Mittel: fc = 0.2421 für T =18°.55. Datum. fc T 7. Nov. 0.4128 44°.4 8. Nov. 0.4163 45.2 11. Dez. 0.4101 44.1 12. Dez. 0.4194 45.1 362 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. im Mittel: Ti = 0.4146 für T= 44°.70. Aus diesen Resultaten geht hervor, dass die Diffu- sionsgrösse h innerhalb des Temperaturintervalles 0" bis 45° in nahezu linearer Weise mit der Temperatur wächst; den Beobachtungen entspricht ziemlich gut die Relation : 1 = 0.1187 [1 + 0.0557. i] Für die Temperatur 9°.5 ergiebt diese Beziehung den Werth: li =^ 0.1815; die nach der ersten Versuchs- methode bei dieser Temperatur ausgeführte Versuchsreihe ergab 0.1849. Einfluss der H'ölie der Concentration auf die Diffusions- grösse k. In Pick's Elementargesetz der Hydrodiffusion ist die Hypothese enthalten, dass die Diffusionsgrösse k unab- hängig ist von der Höhe der Concentration. Eine nähere Analyse der von uns benutzten Versuchs- verfahren lässt erkennen, dass beide Versuchsmethoden nur dann geeignet sind, einen sichern Entscheid für oder wider diese Hypothese geben zu können, falls der Reihe nach Lösungen mit möglichst verschiedenen anfänglichen Con- centrationen auf den Diffusiousverlauf untersucht werden. Ist (wie zu erwarten ist, falls diese Abhängigkeit über- haupt besteht) die Abhängigkeit der Diffusionsgrösse k von der Höhe der Concentration nur eine sehr geringe, so lässt sich diese Abhängigkeit aus dem Verlaufe einer und der- selben Beobachtungsreihe wegen der zu geringen darin betheiligten Concentrationsdifferenzen auch bei den feinsten "Weber, Untersuchungen über die HydrodifFusion. 363 Ablesungen kaum erkennen. Zur Prüfung der besprochenen Hypothese habe ich die Diffusionsgrösse für zwei Lösungen mit den erheblich verschiedenen anfänglichen Concentra- tionen Zq = 0.214 und z^ = 0.318 wiederholt nach der zweiten Versuchsmethode bei Zimmertemperatur ermittelt. Die gefundenen Werthe enthalten die beiden folgenden Tabellen. Lösung mit der Concentration 0.214. T Tc 14. Nov. 18°.0 02399 17. Nov. 19.0 0.2435 18. Nov. 17.6 0.2397 21. Dez. 18.8 0.2428 23. Dez. 17.1 0.2384 27. Dez. 16.9 0.2377 Mittel : 17°.9 0.2403 Lösung mit der Concentration 0.318. T Ti 10. Nov. 18°.l 0.2297 11. Nov. 18.9 0.2331 12. Nov. 18.1 0.2288 20. Dez. 17.9 0.2306 22. Dez. 17.3 0.2248 24. Dez. 17.8 0.2264 Im Mittel: 18°.0 0.2289 Daraus ergibt sich, dass die Diffusionsgrösse k nicht un- abhängig von der Concentration ist, sondern mit steigender Concentration sehr laugsam abnimmt. In der Theorie der Diffusion ist also das Fick'sche Elementargesetz in derselben Weise zu corrigiren wie in der Theorie der Wärmeleitung das von Fourier aufgestellte Elementargesetz ; wie dort die Grösse der inneren Wärme- leitung langsam mit steigender Temperatur abnimmt, so 364 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. sinkt hier die Diffusionsgrösse mit wachsender Concen- tration allmälig auf kleinere Werthe. Fick's Hypothese gibt den Verlauf der Diffusion nur mit einer ähnlich grossen Genauigkeit wieder, mit welcher Fourier's Ele- mentargesetz den Vorgang der Wärmeleitung in starren Substanzen darstellt. Anhang. Bemerkungen über die sogenannten unpolarisirharen Electroden. Dubois-Eeymond constatirte 1859, dass die Polarisation amalgamirter Zinkelectroden in wässeriger Zink- sulphatlösung bei Anwendung ausserordentlich schwacher polarisirender Ströme verschwindend klein, jedenfalls un- gleich kleiner ist als die irgend einer andern Combination. Er glaubte die Combination : Amalgamirte Zinkelectroden in Zinksulphatlösung als «unpolarisirbar> bezeichnen zu dürfen. Diese Versuche wurden bisher fast ausnahmslos von Allen, die darüber berichten, irrig aufgefasst. Obschon aus Dubois-Reymond's Berichten bis zur Evidenz hervor- geht, dass diese Unpolarisirbarkeit nur bei äusserst schwachen polarisirenden Strömen angenähert besteht und mit zu- nehmender Stromstärke vollständig verloren geht, herrscht seit jener Zeit in der galvanischen Literatur die falsche Meinung: Amalgamirte Zinkelectroden in Zinksulphatlösung sind uupolarisirbar. Die zweite der von mir benutzten Diffusionsmethoden legt in der schlagendsten Weise die ganz erhebliche Polari- sirbarkeit dieser Combination dar. Es besteht nicht allein Weber, Untersuchungen über die HydrodiflFusion. 365 nachweisbare Polarisirbarkeit, sondern es lässt sich sogar auf diese Polarisirbarkeit die schärfste und bequemste Messungsmethode für den Verlauf der Diffusion gründen. Zu gleicher Zeit deckt diese Messungsmethode die Genesis dieser Polarisirung mit aller nur wünschbaren Klarheit auf. Die Polarisirung der Zinkelectroden ist nicht Folge der electrolytischeu Vorgänge an den Electroden (der Gas- ausscheidung), sondern die Folge der durch die Wanderung der Jonen bedingten Aenderungen der Concentratiouen in den die Electroden berührenden Schichten der Zinksulphat- lösung. Die Richtigkeit dieser Behauptungen habe ich schon vor etwa 6 Jahren im Berliner Laboratorium in einer ganz anderen Weise durch folgenden einfachen Versuch darge- legt. Zwei amalgamirte Zinkelectroden werden in einer Zinksulphatlösung nicht vertical einander gegenüber ge- stellt, sondern horizontal über einander gelagert. Es wird ein polarisirender Strom während einer kurzen Zeit durch die Combination geleitet und hierauf die Combination in den Kreis eines empfindlichen Galvanometers eingeschaltet. Es zeigt sich erstens die Combination bei allen, auch den schwächsten polarisirenden Stromstärken und bei allen, auch den kürzesten Durchströmungszeiten stets so polari- sirt, dass der erzeugte Polarisationsstrom die entgegen- gesetzte Richtung des polarisirenden besitzt. Ferner i s t die Grösse der erzeugten Polarisation eine ganz verschiedene, je nach der Richtung des polari- sirenden Stromes: durchläuft der polarisirende Strom die Combination während einer gewissen Zeit in der Rich- tung von unten nach oben, so fällt die erzeugte electro- motorische Kraft der Polarisation (gemessen durch die Grösse des Galvauometerausschlages) fünf bis sieben 366 Weber, Untersuchungen über die Hydrodiffusion. mal so gross aus als in dem Falle, wo derselbe polari- sirende Strom während derselben Zeit in der entgegen- gesetzten Richtung die Combination durchzieht. In dem erstem Falle werden die von dem polarisirenden Strome an den Electroden erzeugten Aenderungen der Concentratiou (an der untern eine Concentrirung, an der obern eine Ver- dünnung) nur ausserordentlich wenig durch die Diffusion verkleinert; in dem letztern Falle zerstört dagegen die Wirkung der Schwere die durch den Stromdurchgang an den ElectrodeQ erzeugten Concentrationsänderungen der Zinksulphatlösung fast vollständig. Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. Von Ernst Schulze. (Der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich vorgetragen am 20. Januar 1879.) Es ist eine allgemein bekannte Thatsache, dass die grünen, chlorophyllhaltigen Pflanzen sich hinsichtlich der Art ihrer Nahrung scharf von den Thieren unterscheiden. Die Letzteren müssen verbrennliche organische Stoffe von complicirter Zusammensetzung (Eiweissstoffe , Kohle- hydrate etc.) aufnehmen, um am Leben bleiben zu können ; die grünen Pflanzen dagegen vermögen sich von weit ein- facher zusammengesetzten unverbrennlichen Stoffen, nämlich von Kohlensäure und anorganischen Salzen, zu ernähren. Man würde aber sehr irren, wenn man aus dieser Thatsache schliessen wollte, dass der ganze Stoffwechsel Schulze, Ueber Eiweisszersetzmig im Pflanzenorganismus. 367 der Pflanzen in directem Gegensatz zu demjenigen der Thiere stände. Die Unrichtigkeit eines solchen Schlusses ergibt sich ja schon aus dem Umstände, dass die Pflanzen einen Athmungsprocess unterhalten, welcher in seinem Wesen der thierischen Athmung ganz analog ist ; sie nehmen Sauerstofi" aus der Luft auf und verwenden den- selben in ihrem Organismus zu Ox3'dationeu, welche Kohlen- säure und Wasser liefern. So lange die grünen Pflanzen sich am Licht befinden, wird die Athmung freilich durch den mit grösserer Intensität stattfindenden Assimilations- process verdeckt, in welchem Kohlensäure und Wasser unter Abspaltung von freiem Sauerstoff zu organischer Substanz verarbeitet werden; sie tritt aber ungetrübt hervor, wenn man die Pflanzen ins Dunkle bringt. Dass sie aber nicht erst bei Lichtabschluss beginnt, sondern auch während der Beleuchtung und neben der Assimilation stattfindet, ist mit Sicherheit nachgewiesen worden. Die Analogie, welche in dieser Hinsicht zwischen dem Stoffwechsel der Pflanzen und demjenigen der Thiere statt- findet, tritt noch schärfer hervor, Avenn man auf die Genesis der Athmung und auf ihre Bedeutung für das Leben der Organismen näher eingeht. Im Gegensatz zu früheren Anschauungen hegt man heutzutage bekanntlich die Ansicht, dass die Sauerstoffaufnahme nicht die Ur- sache für den Stoffzerfall im Thierkörper ist, sondern dass vielmehr dieser Zerfall als das Primäre, die Oxy- dation erst als ein secundärer Vorgang betrachtet werden muss. In den lebensthätigen thierischen Zellen zerfallen, so scheint es , fortwährend organische Verbindungen von complicirter Zusammensetzung; die dabei entstehenden Producte ziehen durch ihre Affinität zum freien Sauerstofi" den letzteren in den Process hinein und werden dabei 368 Schulze, Ueber Ei Weisszersetzung im Pflanzenorganismus. oxydirt. Durch diesen Vorgang gewinnt der thierische Organismus die für sein Fortbestehen nothwendigen Be- triebskräfte — Kräfte, welche in jenen organischen Ver- bindungen in Form von Spannkraft (von potentieller Energie) aufgespeichert waren. Dass das Gleiche auch für die pflanzliche Athraung anzunehmen ist, hat kürzlich Pfeffer ^) in sehr klarer Weise dargelegt. Das Hineinziehen des freien Sauerstoffs in die lebenden Pflanzenzellen ist höchst wahrscheinlich eine Folge der in diesen Zellen stattfindenden Stoffzer- setzung, bei welcher Producte entstehen, die zum Sauer- stoff grosse Affinität besitzen; die Stoffzersetzung ist also auch hier als das Primäre, die Oxydation als das Secundäre anzusehen. Was aber die Bedeutung der Athmung für das Leben der Pflanzen betrifft, sowie die Ursachen, aus denen bei Sauerstoffabschluss die Pflanzen zu Grunde gehen, so müssen wir uns denken, dass die Pflanzen ebenso wie die Thiere durch die Athmung die für ihr Fortbestehen unentbehrliche Betriebskraft gewinnen. Ein Unterschied liegt nur darin, dass die grünen Pflanzen sich die spannkraftführenden organischen Ver- bindungen, deren Zerfall und Oxydation jene Betriebskraft liefert, im Chlorophyll-Apparate unter Arbeitsleistung der Sonnenstrahlen aus Kohlensäure und Wasser selbst zu bereiten vermögen, während die Thiere, und ebenso die chlorophyllfreien Pflanzen, solche spanukraftführende Stoffe von aussen aufnehmen müssen. Zur Begründung dieser Anschauungen weist Pfeffer ^) Pfeffer, das Wesen und die Bedeutung der Atlimung in der Pflanze. Landw, Jahrbücher von v. Nathusius und Thiel. Bd. 7, S. 805. Schulze, lieber Eiweisszeisetzung im Pflanzenorganismus. 369 auch auf die Zersetzungsvorgänge hin, welche nach Sauer- stoff-Abschluss in lebensthätigen Pflanzenzellen auftreten. Man weiss, dass in Früchten, Wurzeln und anderen Pflanzen- theilen, wenn sie in sauerstoflffreie Käume gebracht werden, eine Art von Gährung eintritt, bei welcher Alkohol, Kohlen- säure und andere (nicht näher bekannte) Produkte ent- stehen. Pfeffer nimmt an, dass dieser Vorgang nicht erst bei Sauerstoff- Abschluss beginnt und, wenn er einge- leitet ist, bei Sauerstoff-Zutritt stille steht, dass ihm viel- mehr die in den lebenden Zellen fortwährend erfolgenden molekularen Umlagerungen zu Grunde liegen, welche natürlich beim Pehlen von Sauerstoff ganz andere End- produkte liefern müssen, als bei Anwesenheit desselben. Diese Umlagerungen sind es eben, welche die Produkte liefern, die den freien Sauerstoff in die Zellen hineinziehen; sie stehen daher mit der Sauerstoffathmung in genetischem Zusammenhang. Was nun die Stoffe betrifft, aus denen die Haupt- produkte der pflanzlichen Athmung (Kohlensäure und Wasser) entstehen, so nimmt man an, dass dies vorzüglich Kohlehydrate und Fette sind. Man stützt sich dabei auf die an Keimpflanzen gemachten Beobachtungen. In solchen Pflanzen findet die Athmung mit grosser Intensität statt ; sie tritt ferner ganz ungetrübt hervor, da die Keim- linge in der ersten Periode ihres Daseins ^) wegen Chloro- phyll-Mangels nicht zu assimiliren vermögen; die Keim- pflanzen bieten daher ein sehr geeignetes Material für das Studium der mit der Athmung verbundenen Stoffmeta- morphosen dar. Man findet nun, dass die Stärke und ') Welche Periode man verlängern kann, indem man den Pflanzen das Licht entzieht. X.XIII. i. 24 370 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. das fette Oel, welche in ungekeimten Samen in reichlicher Menge enthalten sind, sich während der Keimung beständig vermindern und schliesslich fast vollständig aufgezehrt werden. Ein Theil dieser Stoffe hat allem Anschein nach zur Bildung von Cellulose, Zucker und anderen Bestand- theilen der Keimpflanzen gedient; für den Rest aber kann man annehmen, dass er durch den während der Keimung aufgenommenen Sauerstoff oxydirt wurde — dass er also die Quelle darstellt, welcher die Hauptprodukte der Ath- mung, Kohlensäure und Wasser, entstammen. Mit dieser Annahme lassen sich auch die Resultate in Einklang bringen, welche man bei Ermittlung des Mengenver- hältnisses zwischen aufgenommenem Sauerstoff und aus- geathmeter Kohlensäure erhalten hat. Pfeffer macht nun aber mit Recht darauf aufmerk- sam, dass die in dieser Hinsicht erhaltenen Ergebnisse gar keinen näheren Aufschluss darüber geben, in welcher Weise eigentlich die Athmung sich abspielt. «Nehmen wir es z. B. als bewiesen an, dass in den Keimpflanzen Stärkmehl durch den aufgenommenen Sauerstoff vollständig zu CO^ und H^O oxydirt wird, so können doch die C-, H- und 0-Atome des Stärke -Moleküls zuvor alle möglichen Umlagerungen erfahren haben; sie können z. B. in den Aufbau eines Eiweissmoleküls getreten sein, dessen mit Sauerstoff- Aufnahme erfolgte Zertrümmerung CO^ und H^O lieferte. Und wenn daim die anderen Spaltungsprodukte dieses zertrümmerten Eiweissmoleküls wieder mit den in einem Stärkemolekül vereinten Atomen Eiweiss bildeten, wenn Zertrümmerung und Neubildung sich immer wieder- holten, so würden auch dann die Kohlehydrate zu CO^ und H^O oxydirt werden.» Dass hier complicirte Processe sich abspielen, ist ja von vornherein wahrscheinlich. Stärke- Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. 371 körner und Zuckermoleküle verbrennen nicht ohne Weiteres, wenn freier Sauerstoff mit ihnen in Berührung kommt; ihre Oxydation wird erst möglich durch molekulare Wechsel- wirkungen, denen sie im Protoplasma (in. welchem ver- muthlich ganz ausschliesslich die mit der Athmung ver- bundene Oxydation sich vollzieht) ausgesetzt werden; die Athmung muss also eine Folge der im Protoplasma statt- findenden Umsetzungen sein ^). Pfeffer deutet in diesen Aeusserungen die Möglichkeit an, dass an den mit der Athmung in Zusammenhang stehenden Zersetzungsvorgängen stets die Eiweisssubstanzen des Protoplasmas betheiligt sind. Eine solche Annahme muss gewiss a priori für sehr wahrscheinlich erklärt werden. Man kann sich kaum denken, dass jene tief eingreifenden Zersetzungsvorgänge nur die stickstofffreien Stoffe betreffen, die Eiweisssubstanzen dagegen unberührt lassen; auch findet man ja in den Keimpflanzen Eiweisszersetzungs- produkte in ansehnlicher Menge vor. Ob während der Athmung ein dauerndes Spiel von Zertrümmerung und Neubildung von Ei weissmolekülen stattfindet, das will Pfeffer dahin gestellt sein lassen, ich glaube nun aber, dass nur mit Hülfe einer solchen Annahme die über die Eiweisszersetzung in Keimpflanzen gemachten Beob- achtungen sich in befriedigender Weise erklären lassen; und die dafür sprechenden Resultate meiner Unter- suchungen sind es, welche im Folgenden mitgetheilt werden sollen. Zunächst muss ich einen kurzen Ueberblick über die Ergebnisse früherer Untersuchungen geben. Das erste in Keimpflanzen aufgefundene Eiweisszersetzungsprodukt ist das ^) A. a. a. 0., S. 807. 372 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. Asparagin, welches namentlich in den Keimen der Papilio- naceen auftritt. Nach den Anschauungen, welche Pfeffer über die Bedeutung der Asparagiubildung für die Keim- linge der genannten Gewächse ausgesprochen hat, bildet es sich aus den Keserve-Eiweissstoifen der Samen, strömt dann in die wachsenden Theile der Keimpflanzen und wird in diesen zu Eiweiss regenerirt; es vermittelt also die Translokation der Eiweissstoffe während der Keimung. Pfeffer nahm auf Grund der bis dahin bekannt gewordenen Thatsachen an, dass beim Eiweisszerfall in den Keimlingen der Papilionaceen etc. das Asparagin als einziges stickstoffhaltiges Produkt entstehe; diese An- nahme lässt sich jedoch nach den Resultaten neuerer Untersuchungen nicht festhalten; denn man hat neben demselben andere stickstoffhaltige Stoffe aufgefunden, welche gleichfalls als Eiweisszersetzungsprodukte anzusehen sind; und dieses Ergebniss Hess sich nach den Kenntnissen, welche wir über die Spaltung der Eiweisskörper durch Säuren oder Alkalien besitzen, eigentlich schon voraus- sehen. Wir wissen, dass die Eiweissstoffe bei Einwirkung der genannten Agentien ein Gemenge von Amidosäuren liefern, in welchem sich stets Leucin, Tyrosin, Aspa- raginsäure und Glutaminsäure vorfinden. Solche Substanzen entstehen (neben Peptonen) auch dann, wenn Eiweiss unter dem Einfluss gewisser im Thierkörper vor- kommender Fermente zerfällt. Man glaubt daher annehmen zu können, dass dieselben als constituirende Atomgruppen im Eiweissmolekül enthalten sind. In welcher Weise sie unter einander verknüpft sind, ist noch fraglich. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass Asparaginsäure und Glut- aminsäure sich im Eiweiss als Asparagin und Glut- Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. 373 amin ^) vorfinden. Diese Annahmen machen es leicht erklär- lich, dass beim Eiweisszerfall in Keimpflanzen Asparagiu entsteht ; unerklärlich aber würde es sein , wenn das zer- fallende Eiweiss kein anderes stickstoffhaltiges Produkt lieferte, man muss vielmehr von vornherein erwarten, dass neben demselben auch Glutamin (oder Glutaminsäure), Leucin, Tyrosin etc. auftreten; und dieser Erwartung ent- sprechen denn auch die Resultate der neueren Unter- suchungen. Der erste jener Stoffe, welcher neben Asparagin nachgewiesen wurde, ist das Leucin; v. Gorup-Besanez fand dasselbe in Wickenkeimen vor. Dann haben J. Bar- bieri imd ich den Nachweis geführt, dass die Kürbiskeim- linge Glutamin enthalten; in diesen Keimlingen fanden wir ferner Tyrosin und einen Körper, der die Eigen- schaften des Leucin s besass; auch vermochten wir aus denselben etwas Asparaginsäure abzuscheiden, welche ursprünglich jedenfalls als Asparagin sich vorfand. Glut- amin ist später durch v. Gorup-Besanez auch in den Wickenkeimen aufgefunden; und wahrscheinlich enthalten die letzteren auch ein wenig Tyrosin-). Sowohl in den Wicken- wie in den Kürbiskeimlingen sind also die bei der künstlichen Eiweisszersetzung stets auftretenden vier Amidosäuren mit grösserer oder geringerer Sicherheit nachgewiesen worden (Asparaginsäure und Glutaminsäure ^) Diese Körper zerfallen beim Erhitzen mit Säuren oder mit Alkalien in Ammoniak und Asparaginsäure, resp. Glutaminsäure; das bei der Spaltung der Eiweissstoffe durch die genannten Agentien erhaltene StofFgemenge kann sie daher nicht als solche, sondern nur ihre Zersetzungsprodukte enthalten. ■^) Das aus denselben abgeschiedene Roh-Leuciu gab Tyrosin- Eeaktion, schien also durch eine geringe Tyrosin-Menge verunreinigt zu sein. 374 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. in Form von Asparagin und Glutamin). Auch aus den Lupinenkeimlingen lassen sich neben Asparagin stets Amido- säuren abscheiden, welche dem Anschein nach der Leucin- Keihe angehören ^). Auffallend aber ist das Mengenverhältuiss, in welchem diese Stoffe in den Keimpflanzen auftreten. In den Wicken- keimen findet sich neben viel Asparagin und Leucin das Glutamin nur in sehr geringer Menge und das Tyrosin nur in Spuren. Die Kürbiskeimlinge enthalten viel Glut- amin; denn wir vermochten aus denselben pro 100 Theile Trockensubstanz fast 2 Theile Glutaminsäure abzuscheiden'^); die abscheidbare Asparaginsäure betrug dagegen weniger als 0,1 7o, das abscheidbare Tyrosin nur 0,2 7o der Trockensubstanz; und das Leucin war dem Anschein nach in noch etwas geringerer Menge vorhanden, als Tyrosin. Man kann diese Mengenverhältnisse nicht auf die Con- stitution der zur Zersetzung gelangten Eiweissstoffe zurück- führen. Denn wenn man den Eiweissstoff der Wicken (das Legumin) durch Säuren spaltet, erhält man das Tyrosin nicht bloss in Spuren, sondern in ansehnlicher Menge; die Eiweisssubstanz der Kürbissamen liefert bei gleicher Behandlung die oben genannten Zersetzungsprodukte in ganz anderem Mengenverhältuiss, als sie in den Kürbis- keimlingen auftreten; insbesondere erhält man aus der- selben sehr viel Leucin ^). Am auffallendsten aber ist ^) Die Untersuchung derselben ist noch nicht ganz von mir beendigt. *) Das Glutamin Hess sich nicht als solches abscheiden; die glutaminhaltigen Extrakte liefern aber nach dem Kochen mit Salz- säure Glutaminsäure. ^) Nach einer von J. Barbieri und mir unternommenen Unter- suchung. Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pfianzenorganismus. 375 der Unterschied zwischen den während der Keimung und den bei der Zersetzung durch Säuren gebildeten Quanti- täten der Zersetzungsprodukte bei dem Eiweissstoff der Lupinen, dem Conglutin. 100 Theile desselben liefern nach Ritthausen bei der Spaltung durch Schwefelsäure 4—5 Theile Glutaminsäure, nur 2 Theile Asparaginsäure, daneben ansehnliche Mengen von Leucin, Tyrosiu etc. In den Lupiuenkeimlingen dagegen findet sich als Haupt- produkt des Eiweisszerfalls das Asparagin vor. Ich habe sowohl das letztere, wie das in den Keimlingen noch vor- handene Eiweiss quantitativ bestimmt ^) und die davon vorgefundenen Mengen mit dem Eiweissgehalt der unge- keimten Samen verglichen. Es ergab sich, dass nach lötägiger Keimung im Dunkeln nur noch V^ der ursprüng- lichen Eiweissmenge übrig war, und dass vom Stickstoff der verloren gegangenen Eiweissstoffe sich mehr als 60 7o in Form von Asparagin vorfanden, nach 24tägiger Kei- mung sogar mehr als 70 7o- Man kann also mit Hülfe des in den Lupinenkeimlingen vorgehenden Zersetzungs- processes das Conglutin zum grössten Theil in Asparagin verwandeln, während doch dieser Eiweissstoff bei der Spal- tung durch Säuren nur wenig Asparaginsäure liefert und man also nicht annehmen kann, dass er 60 oder gar 70^0 des Stickstoffs in Form von Asparagin enthält (oder dass er eine entsprechende Menge einer anderen asparagin- gebenden Atomgruppe einschliesst). Diese Erscheinung berechtigt aber nach meiner An- sicht nicht zu dem Schluss, dass der Eiweisszerfall während der Keimung in ganz anderer Weise erfolge, wie ausser- *) Die dazu angewendeten Methoden habe ich in den Landw. Jahrbüchern, Bd. 5, S. 821, beschrieben. 376 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. halb des Organismus ; sie erklärt sich vielmehr höchst wahrscheinlich in folgender Weise: Wir wissen, dass die Eiweisszersetzungsprodukte innerhalb der Keimpflanzen zur Neubildung von Eiweiss dienen (denn sie verschwinden ja später vollständig aus denselben). Es ist nun möglich, dass die verschiedenen, beim Eiweisszerfall neben einander entstehenden Produkte zu diesem Zweck mit ganz ungleicher Schnelligkeit verbraucht werden [denn die Pflanzen haben zur Eiweissbildung nicht ein Gemenge jener Produkte nöthig, sondern es genügt ihnen irgend eines derselben^)]. Wir können uns z. B. denken, dass in den Wickenkeimen Glutamin und Tyrosin weit rascher zu Eiweiss regenerirt werden, als Leucin und Asparagin und sich desshalb in weit geringerer Menge anhäufen. Für die Kürbiskeimlinge wäre dagegen anzunehmen, dass Asparagin, Leucin und Tyrosin rascher verbraucht werden, als Glutamin. Darum finden wir das letztere in grösserer Quantität vor. Starke Ansammlung irgend eines Eiweisszersetzungsprodukts wäh- rend der Keimung würde also dahin zu deuten sein, dass gerade dieses Produkt in der betreffenden Keimpflanze nur langsam zu Eiweiss regenerirt wird. Mit Hülfe dieser Hypothese lässt sich jedoch die starke Anhäufung einzelner Eiweisszersetzungsprodukte, so z. ß. des Asparagins in Lupinenkeimlingen, noch nicht ohne Weiteres erklären. Denken wir uns, dass der Eiweiss- stoff der Lupinen (das Conglutin) 20 7» seines Stickstoffe in Form von Asparagin enthielte (was vermuthlich viel ^) Knop und Wolf haben durch Wasser kulturversuche nach- gewiesen, dass Eoggenpflanzen normal erwachsen, wenn ihnen als alleinige Stickstoffquelle Leucin oder Tyrosin dargeboten wird; das- selbe Resultat erhielt Bente bei Ernährung von Maispflanzen mit Asparagin. Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. 377 ZU hoch angesetzt ist), so könnte bei seinem Zerfall offen- bar zunächst nur so viel Asparagin entstehen, dass es 20 7o vom Stickstoff der zersetzten Conglutinmenge einschliesst, während 80 7o iii andere Produkte übergehen müssen. Werden nun die letzteren zur Eiweissbildung in den wach- senden Theilen der Keimlinge rascher verbraucht, als Aspa- ragin, so wird sich jenes Mengenverhältniss mehr und mehr zu Gunsten des Asparagins verschieben. Damit aber ein Verhältniss sich herstellt, wie wir es z. B. in IStägigen Lupinenkeimlingen vorfinden, in welchen auf Asparagin mehr als 60 7o vom Stickstoff der gesammten Eiweisszersetzungsprodukte fallen, müsste jedenfalls ein sehr grosser Theil der letzteren verbraucht worden sein ; die Neubildung von Eiweiss müsste also mit grosser In- tensität stattgefunden haben. Dem Anschein nach ist dies nicht der Fall geo^esen. Denn die 15tägigen Keim- linge sind ja arm an Eiweissstoffen ; und da nun ein Theil der letzteren als unzersetzter Rest des Reserve-Eiweisses in den Cotyledonen enthalten ist, so scheint sich in den wachsenden Theilen der Keimlinge nicht viel Eiweiss auf Kosten von Eiweisszersetzungsprodukten gebildet zu haben. Um trotzdem an der doch gewiss berechtigten An- schauung festhalten zu können, dass der Eiweissstoff der Lupinen nur eine verhältnissmässig geringe Menge von Asparagin einschliesst und daher bei seinem Zerfall zu- nächst keine bedeutende Asparagin-Quantität liefern kann, bleibt nach meiner Ansicht nur ein Ausweg übrig: man muss annehmen, dass die in den Lupin enkeimliugen im Ganzen zerfallene Eiweissmenge eine viel grössere ist, als diejenige Quantität, um welche der Eiweissgehalt der Cotyledonen sich verringert hat. Das würde aber der Fall gewesen sein, wenn während der Keimung ein dauerndes 378 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. Spiel von Zertrümmerung und Neubildung von Eiweiss- molekülen stattfände. Wenn nun bei der Neubildung vor- zugsweise das Asparagin übrig bleibt, während die anderen Spaltungsprodukte vollständiger verbraucht werden, so rauss nach öfterer Wiederholung des Eiweiss-Bildungs- und Zersetzungsprocesses der grösste Theil vom Stickstoff des verloren gegangenen Eiweisses sich in Form von Asparagin vorfinden. Von der grossen Asparaginmenge, welche z. B. in 15tägigen Lupinenkeimlingen sich vorfindet, würde also nur ein Theil direkt von Reserve-Eiweiss der Cotyledonen stammen ; der Kest würde von Eiweissstoffen geliefert sein, welche auf Kosten der aus den Cotyledonen in die übrigen Pflanzentheile abfliessenden Eiweisszersetzungsprodukte ge- bildet, später aber wieder zerfallen sind. Diese Annahme entspricht freilich nicht der bis jetzt wohl allgemein gehegten Ansicht, dass der Eiweisszer- fall seinen Sitz nur in den Cotyledonen habe und nm' die hier vorhandenen Reserveeiweissstoffe betreffe, während in den wachsenden Theilen der Keimlinge nur E i weiss - bildung erfolge. Die Möglichkeit einer abwechselnden Zersetzung und Neubildung von Eiweiss ist jedoch schon von Pfeffer zugegeben worden, obwohl er sich nicht bestimmt für das Statthaben derselben aussprechen zu können glaubt. Ferner aber lässt sich zeigen, dass die Vertheiluüg der Eiweisszersetzungsprodukte in den Lupinen- keimlingen mit den von mir gemachten Annahmen in Einklang steht. Wenn man nämlich die Cotyledonen und die übrigen Theile der Keimlinge getrennt untersucht, so findet man grosse Unterschiede im Asparagingehalt. Zum Beweise können die folgenden, an Pflanzen verschie- denen Alters gewonnenen Zahlen dienen: Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. 379 4 tägige Keimlinge im Dunkeln 6 n .2 „ 1 gezogen ■2 „ im Licht gezogen die Trockensxib- die Trockensub- stanz der Cotyle- stanz der übrigen donen enthält: Fflanzentbeile enthält : Asparagin Asparagin 1,9570 14,26> 4,32 20,00 7,93 29,29 ■en 9,75 27,22 ,en) 7,62 31,81 11 Der procentige Asparagingehalt der Cotyledonen be- trägt also bei den 4tägigen Keimlingen nur V? von dem- jenigen der übrigen Pflanzentheile; bei den 6tägigen Keim- lingen etwa Vö» bei den 11 — 12tägigen V^ bis Vs- Man könnte nun denken, dass trotzdem der Saft der Cotyle- donen procentig reicher an Asparagin wäre, als der Saft der wachsenden Pflanzentheile. Aber auch dies ist nicht der Fall, wie die folgenden Angaben erweisen: In den frischen Cotyledonen kommen auf 100 Th. Wasser : In den übrigen Pflanzentheilen kommen auf 100 Th. Wasser : Asparagin Asparagin 4tagigeKeimlinge .^p^j^j^^l^ 6 „ . \ 12 , »1 ^^^^^^" 0,65 Th. 1,09 1,07 1,30 Th. 1,45 1,18 12 „ „ im Licht gezogen 1,49 2,00 11 „ „ (aus anderem Samen) 1,23 1,62 Dagegen finden sich die übrigen, neben dem Aspa- ragin noch entstandenen Eiweisszersetzungsprodukte in den Cotyledonen in weit grösserer Menge vor, als in den wachsenden Pflanzentheilen. Zum Beweise mögen die folgenden Zahlen dienen, aus denen sich ergibt, dass in den vom Eiweiss befreiten wässerigen Extrakten aus den Cotyledonen ein verhältnissmässig geringer Theil des Stick- stoffs auf Asparagin fällt, ein sehr grosser Theil auf andere 380 Schulze, üeber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. Stoffe, während dagegen in den entsprechenden Extrakten aus den übrigen Pflanzentheilen das Verhältniss ein um- gekehrtes ist: Vom Stickstoff des Vom Stickstoff des eiweissfreien Ex- eiweissfreien Ex- trakts aus Cotyle- trakts aus den denen übrigen Pflanzen- theilen fallen fallen im Dunkeln gezogen auf auf andere auf auf andere Asparagin N-haltige Asparagin N-haltige Stoffe 1) Stoffe 4tägige Keimlinge 17,57o 82,5 »/o 70,0> 30,07o 6 „ „ 20,5 79,5 68,8 31,2 12 „ „ 26,2 73,8 78,1 21,9 11 „ „ 22,6 77,4 80,1 19,9 Diese Zahlen weisen darauf hin, dass beim Zerfall der Keserve-Eiweissstoffe in den Cotyledonen das Aspa- ragin durchaus nicht in überwiegender Menge entsteht (denn vom Stickstoff des eiweissfreien Extrakts aus Coty- ledonen fallen ja nur 17,5— 26,2 7o auf Asparagin) ; ferner aber führen sie zu dem Schluss, dass die Asparaginbildung nicht bloss in den Cotyledonen erfolgt. Wenn letzteres der Fall wäre, wenn also die übrigen Pflanzentheile ihr Asparagin ausschliesslich aus den Cotyledonen (durch Dios- mose) erhielten, so müsste sich dieser Stoff doch in den ^) Dass unter diesen „anderen stickstoffhaltigen Stoffen" sich Amidosäuren in beträchtlicher Menge vorfanden, wurde mit Hülfe einer von Sachsse und Kormann zur Bestimmung des in Amido- Form vorhandenen Stickstoffs angegebenen Methode mit Sicherheit nachgewiesen; es ergibt sich ferner auch aus der Thatsache, dass sich Leucin-ähnliche Amidosäuren aus den Lupinenkeimlingen ab- scheiden lassen. Uebrigens sind jene „anderen stickstoffhaltigen Stoffe" nicht ausschliesslich Eiweisszersetzungsprodukte; denn schon die ungekeimten Samen enthalten neben Eiweiss eine gewisse Menge nicht eiweissartiger Stickstoffverbindungeo. Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. 381 letzteren (am Orte seiner Bildung) in grösserer Menge vorfinden, als in den wachsenden Pflanzentheilen, in denen er wahrscheinlich theilweise zur Eiweiss-Neubildung ver- braucht wird. Gesetzt aber auch, dass gar kein Verbrauch stattfände, so könnte doch keinenfalls der Saft der wach- senden Pflanzentheile das Asparagin in stärkerer Concen- tration enthalten, als der Saft der Cotyledonen. Da nun letzteres der Fall ist, so muss man annehmen, dass auch in jenen Pflanzentheilen Asparagin entsteht. Wenn man nun das auffallend verschiedene Mengen- verhältniss ins Auge fasst, in welchem sich Asparagin und die übrigen Eiweisszersetzungsprodukte in den ver- schiedenen Theilen der Keimlinge vorfinden und sich zu- gleich daran erinnert, dass die wachsenden Theile relativ arm an Eiweiss sind, so scheint sich zu ergeben, dass in den letzteren die anderen Eiweisszersetzungsprodukte all- mälig in Asparagin übergeführt werden. Wir können uns aber nicht denken, dass Leucin, Tyrosin, Glutamin etc. direkt in Asparagin verwandelt werden; ein solcher Vor- gang ist uns vielmehr nur verständlich, wenn wir an- nehmen, dass auf Kosten jener anderen stickstoffhaltigen Stoffe zunächst Eiweiss entsteht, dass letzteres später zer- fällt und neben andern Zersetzungsprodukten auch Aspa- ragin liefert. Wenn dann die anderen Produkte wieder zur Eiweissbildung verbraucht werden, während Asparagin grösstentheils (oder seiner ganzen Menge nach) übrig bleibt und wenn dieser Vorgang sich öfter wiederholt, so muss ein immer grösserer Antheil vom Stickstoff der Eiweisszersetzungsprodukte in Asparagin übergehen. Die Annahme, dass in den Keimlingen abwechselnde Bildung und Zersetzung von Eiweiss stattfindet, würde also die starke Anhäufung des Asparagins (oder auch irgend eines 382 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. anderen Eiweisszersetzungsprodukts) erklärlich machen. Ein solches dauerndes Spiel von Zertrümmerung und Neu- bildung von Eiweissmolekülen könnte aber mit der in den Keimlingen stattfindenden Athmung in Zusammenhang stehen ^). Eine Anhäufung von Eiweisszersetzungsprodukten findet aber, wie es scheint, nicht nur in Keimpflanzen statt. Es ist bekannt, dass manche als Keservestoffbehälter dienende Pflanzentheile Asparagin in bedeutender Menge enthalten, so z. B. die Kartoffelknollen, die fleischigen Wurzeln einiger Rüben-Arten, die Wurzeln der Scorzonera u. s. w. Wenn man fragt, ob auch hier neben dem Asparagin andere als Eiweisszersetzungsprodukte anzusehende Stick- stoffverbindungen sich finden, so kann darauf schon jetzt eine bejahende Antwort gegeben werden, obwohl erst wenige Untersuchungen darüber vorliegen. Durch eine unter Mitwirkung von A. ürich ausgeführte Arbeit^ habe ich nachgewiesen, dass die Runkelrüben Grlutamin enthalten. Dasselbe wurde begleitet von ein wenig As- ^) Aus der Annahme, dass die Asparaginbildung hauptsächlich im hypocotylen Glied und in der Wurzel erfolgt, erklärt sich auch der relativ hohe Asparagingehalt der im Dunkeln erwachsenen Keim- linge. Es ist früher gezeigt, dass der procentige Asparagingehalt sowohl der Cotyledonen, wie der übrigen Pflanzentheile (auf Trocken- substanz bezogen) ziemlich der gleiche ist, mögen die Pflanzen am Licht oder mögen sie im Dunkeln gezogen sein. In letzterem Falle entwickelt sich aber das hypocotyle Glied viel stärker; es fällt also auf dasselbe ein grösserer Theil von der Gesammttrockensubstanz der Keimlinge; und da nun gerade im hypocotylen Glied lebhafte Asparaginbildung stattfindet, so muss der Asparagingehalt der Ge- sammttrockensubstanz bei solchen Pflanzen höher werden, als bei den am Licht erwachsenen. 2) Landw. Versuchsstat. Bd. 20, S. 232. Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. 383 paragin; die Resultate einiger nach der früher erwähnten Sachsse-Kormann' sehen Methode ^) ausgeführten Be- stimmungen machten es ferner wahrscheinlich, dass neben jenen Steifen auch Amidosäuren sich vorfanden, allerdings nur in geringer Quantität. Nehmen wir letzteres als bewiesen an, so würde sich ergeben, dass unsere Rüben ein Gemenge stickstoffhaltiger Stoffe enthielten, welches dem in den Kürbiskeimlingen vorgefundenen ganz ähnlich war. Der Saft der Kartoffelknollen enthält neben Aspa- ragin gleichfalls Stoffe aus der Classe der Amidosäuren -). Es liegt nun nahe zu vermuthen, dass die Ursachen, welche in diesen Fällen die Anhäufung solcher Stickstoffverbin- dungen bedingen, die gleichen sind, wie die in den Keim- pflanzen wirkenden. Nehmen wir es als sicher an, dass mit der Athmung eine abwechselnde Zertrümmerung und Neubildung von Eiweissmolekülen verbunden ist, so muss oft^enbar eine Anhäufung von Eiweisszersetzungsprodukten dann erfolgen, wenn die Eiweiss-Neubildung mit geringerer Intensität erfolgt, als die Eiweiss-Zersetzung. Das in diesem Falle sich anhäufende Stoffgemenge wird aber wohl niemals die einzelnen Eiweisszersetzungsprodukte in demjenigen Mengenverhältniss enthalten, in welchem sie aus dem Eiweiss ursprünglich entstanden sind; vielmehr werden in jenem Gemenge diejenigen Stoffe prävaliren, welche unter den obwaltenden Umständen der Pflanze für die Eiweiss- Neubildung weniger bequem sind; denn dass in dieser Hinsicht eine Verschiedenheit zwischen den verschiedenen 1) M. vgl. die Anmerkung auf S. 380. *) Nach einer von J. Barbieri und mir ausgeführten Arbeit, Landw. Versuchsst. Bd. 21, S. 63. 384 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganisraus. Eiweisszersetzungsprodukten besteht, ist wohl a priori anzunehmen. In sehr vielen Fällen scheint das Asparagin dasjenige Produkt zu sein, dessen Kückverwandlung in Eiweiss der Pflanze die meiste Schwierigkeit macht und darum scheint sich dieses so oft anzuhäufen; dass aber verschiedene Pflanzen sich in dieser Beziehung nicht ganz gleich verhalten, beweisen die Kürbiskeimlinge, in denen Glutamin sich anhäuft, während Asparagin dem Anschein nach rasch zu Eiweiss regenerirt wird. Die Ansammlung der Eiweisszersetzungsprodukte ist stets nur eine vorübergehende, falls sich die Pflanzen unter normalen Verhältnissen befinden. Man findet z. B. in den am Licht sich entwickelnden Lupinenpflanzen nicht viel Asparagin mehr vor, wenn dieselben 10 — 12 Laubblättchen entfaltet haben. Der Glutamin- Gehalt der Rübenwurzeln verringert sich bis auf einen geringen Betrag, wenn man dieselben wieder einpflanzt und austreiben lässt; das Glut- amin geht dann in die Triebe über und wird hier offenbar zu Eiweiss regenerirt. Auch bei den Lupinen scheint die Umwandlung des Asparagins in Eiweiss in den oberen Theilen (Laubblättchen, Stammspitze etc.) zu erfolgen; denn als ich von asparaginreichen Pflänzchen diese Theile abschnitt und getrennt untersuchte, fand ich sie weit ärmer an Asparagin, als das hypocotyle Glied und die Wurzel. In diesen Organen, ebenso wie in den jungen Trieben der Rüben, sind die Verhältnisse offenbar sehr günstig für die Neubildung von Eiweiss; dieselben erweisen sich daher auch als eiweissreich, während die fleischigen Wurzeln der Rüben, sowie die Wurzel und das hypocotyle Glied der Lupinenkeimlinge im Verhältniss zu ihrem Stick- stoffgehalt auffallend arm an Eiweissstoffen sind. Die Annahme, dass in manchen Pflanzentheilen die Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganisraus. 385 Eiweiss-Neubildung, in anderen die Eiweisszersetzung über- wiegt, erklärt also in Verbindung mit der früher gemachten Hypothese sowohl die Anhäufung des Asparagins und anderer Eiweisszersetzungsprodukte, als auch das Wieder- verschwinden derselben — ohne dass man nöthig hätte, sich die Vorstellung zu machen, dass die Pflanzen in manchen Vegetationsperioden gar nicht die Fähigkeit besässen, Asparagin oder irgend ein anderes Eiweisszer- setzuugsprodukt in Eiweiss umzuwandeln, in andern Vege- tationsperioden aber diese Fähigkeit wieder erhielten. Was für Umstände es aber sind, durch welche die Eiweiss- bildung begünstigt wird, darüber lässt sich etwas Gewisses nicht aussagen; da jedoch — wie früher erwähnt ist — in stark assimilirenden Organen allem Anschein nach auch starke Eiweissbildung stattfindet, so kann man vielleicht annehmen, dass reichliches Vorhandensein physiologisch thätiger stickstofffreier Stoffe den letztern Process begün- stigt, während bei geringem Vorrath an solchen die Eiweiss- zersetzung überwiegt ^). Schliesslich will ich noch ein Ergebniss meiner Unter- suchungen kurz erwähnen, welches in gewisser Hinsicht als Beleg zu den im Eingang über den Verlauf der Stoff- zersetzung in Pflanzenzellen ausgesprochenen Anschauungen dienen kann. Mit dem Fortschreiten der Keimung werden die im Dunkeln vegetirenden Keimlinge immer reicher an schwefelsauren Salzen. Es liegt nahe zu vermuthen, dass es der Schwefel der zerfallenen Eiweissstoffe ist. ^) Man ist versucht, hier eine Analogie mit dem thierischen Stoffwechsel herauszufinden. Durch reichliche Zufuhr stickstofffreier Stoffe in der Nahrung kann man bekanntlich den Eiweisszerfall im Thierkörper herabdrücken, durch Verminderung jener Stoffe den- selben steigern. XXIII. 4. 25 386 Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus. welcher in Schwefelsäure übergeht; und für die Kichtigkeit dieser Vermuthung spricht in sehr entschiedener Weise der Umstand, dass bei den älteren Keimpflanzen die während der Keimung gebildete Schwefelsäure-Menge sehr annähernd mit derjenigen Quantität übereinstimmt, welche aus dem Schwefel der zersetzten Eiweissstoffe hätte ent- stehen können. Aber nur nach längerer Dauer der Keimung zeigte sich diese üebereinstimmung , nicht in den ersten Kei- mungsstadien. In 7tägigen Lupinenkeimlingen hatte sich z. B. nur etwa halb so viel Schwefelsäure gebildet, als aus dem Schwefel des zerfallenen Eiweisses hätte ent- stehen können; 4tägige Keimlinge enthielten nur um ein Geringes mehr Schwefelsäure, als die ungekeimten Samen, obwohl doch in ihnen schon eine beträchtliche Eiweiss- . Zersetzung stattgefunden hatte. Je älter aber die Keim- linge waren, desto mehr näherte sich die Schwefelsäure- Zunahme der dem Schwefel des zerfallenen Eiweisses ent- sprechenden Quantität. Diese Erscheinung ist, wie ich glaube, nicht schwer zu erklären. Die Eiweissstofle liefern bei ihrem Zerfall neben Amidosäuren eine schwefelhaltige Atomgruppe, welche durch den während der Keimung aufgenommenen Sauerstoff allmälig oxydirt wird. Anfangs verläuft offenbar der Eiweisszerfall rascher, als die Oxydation der abge- spaltenen schwefelhaltigen Gruppe ; später nimmt die Oxy- dation an Intensität zu, während die Menge der Eiweiss- zersetzungsprodukte sich nur langsam vermehrt; darum nähert sich bei längerer Keimuugsdauer die Menge der entstandenen Schwefelsäure immer mehr der dem Schwefel des zersetzten Eiweisses entsprechenden Quantität. Ein derartiger Verlauf dieses Processes steht aber in Schulze, Ueber Eiweisszersetzung im Pflanzenorganisraus. 387 vollkommnem Einklang mit der früher ausgesprochenen Annahme, dass in den Pflanzenzellen ebenso wie im thie- rischen Organismus der Stoffzerfall das Primäre, die Oxydation erst ein secundärer Vorgang ist ^). *) Erst während ich meinen Vortrag für den Druck nieder- schreibe, wird mir die in der Botanischen Zeitung (Nr. 51 und 52 des Jahrgangs 1878) mitgetheilte interessante Arbeit Bor odin 's über die physiologische EoUe und die Verbreitung des Asparagins im Pflanzenreiche zugänglich. In derselben wird der Nachweis geführt, dass in lebenskräftigen Theilen der verschiedensten Pflanzen Asparagin auftritt, sobald diese Theile arm an stickstofffreien Stoffen werden. In Betreff der Eiweisszersetzung im Pflanzenorganismus gelangt Borodin auf Grund seiner Untersuchungen zu Schluss- folgerungen, welche in vielen Punkten mit den im Vorigen von mir geäusserten Anschauungen übereinstimmen. Notizen. Notizen von Herrn Freihaaptmann Kündig über BItttlie und Reife der Tranben bei Züricb (aus dem Nacblasse des sei. Ingenieur Denzler). Jahr. Blüthe. Röthen. Wein- lese. Qualität und Menge. 1822 V 30— YI 15 vn 31 IX 9 Yorzüglich. 24 yn 7— VII 18 IX 10 X 20 Grering. 25 YI 14— YI 80 vm 20 - 10 Yorzüglich und ziemlich viel. 26 - 28— YIIlO - 28 - 10 Mittelmässig. 27 - 14— VI 30 - 16 - 7 Yorzüglich. 28 - 14 30 - 24 - 8 Gut und viel. 29 - 24— Vn 10 IX 5 - 20 Sehr schlecht und mittelviel. 30 - 14 4 Viii 28 - 14 Mittelmässig und wenig. 31 - 20 8 - 25 - 10 Schlecht und mittelviel. 32 - 30 15 - 25 - 16 Gut und ziemlich viel. 33 - 2— VI 21 - 22 - 9 Ordentlich. 34 V 30 18 - 6 IX 27 58''. 35 VI 18— vn 7 - 26 X 16 30. 388 Notizen. Jahi-, Blüthe. Röthen. Wein- lese. Qualität und Menge. 36 VI 27— VII 12 IX 3 X 20 34°. 37 - 30 14 - 10 - 23 24, wenig und schlecht. 38 - 28 10 8 - 18 32. 39 - 20 4 4 - 14 42, viel Wein. 40 - 14 2 2 - 14 38. 41 - 2— VI 22 VIII 20 - 4 60. 42 - 11 22 - 20 - 5 46. 48 Vn 4— VII 18 IX 18 - 23 30. 44 VI 18— VI 29 2 - 4 43. 45 VII 1— VII 8 - 11 - 20 42. 46 VI 12— VI 20 VIII 15 - 2 48. 47 - 22— vn 6 IX 2 - 20 33, sehr gering. 48 - 14— VI 26 Vm 24 - 9 42. 49 - 21 28 - 28 - 15 32. 50 VII 3— vn 15 IX 12 - 20 Gering. 51 VI 30 9 - 11 - 22 Gering und wenig. 52 - 25 6 1 - 14 53 VII 8 15 - 16 - 24 22°. Mittel VI 20— VII 4 vin 29 X 13 Die Grade beziehen sicli auf die Merz'sche Mostprobe. [R. Wolf.] Auszüge aus den Sitzungsprotokollen. A. Sitzung vom 11. November 1878. 1. Es wird erinnert, dass das Desiderienbucb in jeder Sitzung aufliegt. 2. Herr Carl Schröter, Assistent für Botanik, meldet sich zur Aufnahme als ordentliches Mitglied der Gesellschaft. 3. In Verhinderung des Herrn Bibliothekars legt der Herr Präsident folgende seit der letzten Sitzung eingegangene Bücher vor : A. Geschenke. Vom Herrn Verfasser. Heim, Alb., Untersuchungen über den Mechanismus der Gebirgsbildung. Bd. 2. 4. Basel 1878. Notizen. 389 Von den HH. Prof. Siebold u. Kölliker in Würzburg. Zeitschrift f. wissensch. Zoologie. Bd. XXXI. 1. 2. Von der Geologischen Commission der Schweiz. Carte göologique des Alpes Vaudoises, par Renevier. Von dem Friesischen Fond. Topographischer Atlas d. Schweiz. Lief. XI. Vom Hrn. Verfasser. Kaltbrunner, D., Manuel du voyageur. 8. Zürich 1879. Vom Hrn. Verfasser. Hilfiker, Dr. lieber die Con staute der Sonnenparallaxe 8. Bern 1878. B. In Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Annales de la soc d'agriculture etc. de Lyou. IV. 9. Annales de la soc. Linndenne de Lyon. T. 23. Atti della R. accademia dei Lincei. Serie III. Trans. Vol. II. 6. 7. Proceedings of the R. geogr. soc. XXII. 6. Bericht 19 der Philomathie in Neisse. 1874—1877. Bulletin de la soc. Impör. des naturalistes de Moscou. 1878. I. Zeitschrift d. deutschen geolog. Gesellschaft. XXX. 2. Berichte üb. d. Verhandlungen d. naturforsch. Ges. zu Frei- burg. VII. 2. Bericht d. naturw. med. Vereins zu Innsbruck. VII. 2. 3. Proceedings of the zool. soc. of London. 1878. 2. Nederlandsch Kruidkundig Archief. IL 4. III. 3. Bulletin de la soc. math. de France. VI. 4. 5. Atti della societä Toscana di scienze nat. IIL 2. Monatsschrift d. Akad. zu Berlin. 1876. 6. Verhandlungen d. naturforsch. Gesellsch. in Basel. VI. 4. Jahresbericht 63 d. naturforsch. Gesellsch. in Emden. Mittheilungen d. aarg. naturforsch. Gesellsch. 1. Bericht über die Thätigkeit d. St. Gallischen naturwissensch. Gesellsch. 1876/77. Proceedings of the London math. soc. 128. 129. Sitzungsberichte der math.-phys. Klasse der Akad. 1878. 2. Oversigt over det K. Danske Videnskabernes selskabs forhand- linger. 1875. 2. 3. 1876. 3. 1877. 3. 1878. 1. 390 Notizen. Jahresbericht des Vereins f. Naturkunde zu Zwickau. 1877. Mittheilungen a. d. Jahrbuche d. k. ungar. geolog. Anstalt. V 2. Eigaische Industrie-Zeitung. 1878. 11—15. Zeitschrift d. Oesterreich. Gesellschaft f. Meteorologie. XIII. 17-21. C. Von Redactionen. Naturforscher. 1878. 30. 31. D. Anschaffungen. Denkschriften d. Akad. d. W. Math.-Nat. Klasse. Bd. 35. Transactions of the zoolog. soc. of London. X. 7. 8. 9. Transactions of the entomolog. soc. 1878, 2. 3. Du Moncel, Th. Expose des applications de l'electricitö. T. 5. Mojsisovics, Edm. Die Dolomit-Riffe. Heft 2. 3. 4. und Karte 2. Laplace. Oeuvres. T. 1. 2. Fr aas, 0. Aus dem Orient. Theil 2. Geol. Beobacht. Repertorium a. d. Gebiet d, Mathematik. II. 3. Liebig's Annalen der Chemie. Bd. 193. 1. 2. 3. 194. 1. Sachs, C. Aus den Llanos. 8. Leipzig 1879. C a n d 1 1 e , A. et C. Prodrom! continuatio. Vol. 1. Pa- risiis 1858. Buch, L. V. Gesammelte Schriften. Bd. 2. 8. Berlin 1870. Dräsche. Fragmente zur Geologie der Insel Luzon. 4. Wien 1838. Association Fran9aise p. l'avanc. des sciences. 5me. Session. Milne, Edwards. Le^ons de physiologie etc. T. 10—12. Stanley. Durch den dunkeln Welttheil. Bd. 2. Rütimeyer, L. Der Rigi, Berg, Thal und See. 4. Basel 1877. Heer, 0. Flora fossilis arctica. Bd. V. Philosoph, transactions of the R. soc. 168. 1. Jahrbuch üb. d. Fortschritte d. Math. VIIL 3. Buchner, Max. Reise durch den Stillen Ocean. 8. Bres- lau 1878. 4. Es wird der Tod von Hrn. Henry, Sekretär der Smith- sonian Institution, angezeigt. 5. Herr Ehrhardt erklärt seinen Austritt aus der Gesell- schaft. Notizen. 391 6. Herr Prof. V.Meier berichtet über einige neue Methoden, die er angewendet hat, um die Dampfdichte (das spezifische Gewicht der Dämpfe) von Körpern zu bestimmen, welche bei gewöhnlicher Temperatur fest oder flüssig sind. Das spezi- fische Gewicht eines Dampfes wird dadurch ermittelt, dass eine abgewogene Probe der betrefi^enden Substanz in einem, von einer „Sperrflüssigkeit" ganz erfüllten Gefässe verdampft, und das Volumen (der Raum) des Dampfes aus dem der ver- drängten Sperrflüssigkeit ermittelt wird. Als Sperrflüssigkeit hatte man bisher nur Quecksilber angewandt, welches aber, da es schon bei 360° siedet , die Untersuchung bei höhern Temperaturen nicht zulässt. Der Vortragende hat vor zwei Jahren gezeigt, dass sich statt Quecksilber auch sogenanntes Wood'sches Metall (eine Legirung von Blei, Zinn, Wismuth und Cadmium) anwenden lässt, mit welchem man, da es schon bei 70" flüssig ist, wie mit Quecksilber arbeiten kann, welches aber selbst bei beginnender Glühhitze nicht verdampft. Es konnten somit Dampfdichtebestimmungen bequem bei hoher Temperatur ausgeführt werden. Da es nun aber Substanzen gibt, welche auf Quecksilber oder Wood'sches Metall chemisch einwirken und diese also nach der genannten Methode nicht untersucht werden können, so hat der Vortragende jetzt den Nachweis geführt, dass man auch Gase, wie Luft, Stickstofi" etc. als Sperrflüssigkeit anwenden kann. Er fand so eine Me- thode der Dampfdichtebestimmung von sehr allgemeiner An- wendbarkeit, indem er die auf ihre Dampfdichte zu prüfenden Substanzen in einem mit Luft oder Stickstoff gefüllten Gefässe verdampft und das Volumen des gebildeten Dampfes durch Messung des durch den Dampf verdrängten Luft- oder Stick- stoffvolumens bestimmt. Der Vortrag wurde durch Vorwei- sungen der Apparate und durch damit vor den Augen der Zuhörer ausgeführte Messung der Dampfdichte erläutert. Aus der Diskussion, an welcher sich die Herren Prof. Weith und Lunge betheiligten, ging hervor, dass die Metho- den des Herrn Prof. V. Meyer zur Bestimmung der Dampf- dichte rasch in allen Laboratorien sich eingebürgei't haben, da durch dieselben manche Körper auf ihx-e Dampfdichte unter- sucht werden können, über welche eine solche Untersuchung 392 Notizen. bisher unmöglicli war, ferner, dass mit Hülfe dieser Dampf- dicbtebestimmungen die chemische Formel mancher Substan- zen erst sicher feststellbar ist. 7. Herr Prof. Fritz theilt seine statistischen Unter- suchungen über den Zusammenhang zwischen den Wein- erträgen und den Sonnenflecken mit. Er resumirt selbst seinen Vortrag wie folgt : Ueber Weinerträge, Mittheilung von H- Fritz, Prof. Nach der Entdeckung der Sonnenflecken (im Jahre 1610 in Europa, in China mindestens schon vor dem Jahre 301) musste sofort sich die Frage aufwerfen : ob diese dunkeln Gebilde einen Einfluss auf die Temperaturen an der Erdoberfläche ausüben ? Die Einen erklärten die Flecken für erkältend, die Andern für erwärmend wirkend, je nachdem diese oder jene Erfahrung dafür zu sprechen schien. Der Eine schloss aus kalten oder warmen Sommern, der Andere aus den Wintern ; manchen genügten selbst die Beobachtungen einiger Monate dazu. Die erste auf Zahlen gegründete Untersuchung nahm William Herschel 1801 (in Philos- Transactions) vor, zu welcher ihm die Weizenpreise Englands dienen mussten, da bessere Beobachtungsmaterialien fehlten. Er kam zu dem Schlüsse: in fleckenreicheren Jahren sind die Weizenpreise etwas geringer, somit muss um diese Zeit mehr Getreide wachsen. Richten sich auch im grossen Ganzen die Preise nach den Erträgen, wie Engel noch in neuerer Zeit nachwies, so hängen dieselben doch nicht einzig davon ab, sondern richten sich sehr bedeutend nach den Verkehrs-, Handels- und herrschenden politischen und Zeitverhältnissen. Weit zweckmässiger werden die wirklichen Erträge zu Grunde gelegt. Für die Cerealien besitzen wir leider nur aus wenigen Jahrzehnten genaue statistische Mit- theilungen über Erträge. Die uns vorliegenden Tabellen für Preussen und aus dem Staate Ohio unterstützen die An- sicht Herschel's, indem in den Jahren mit vielen Sonnenflecken, um 1848, 1860 und vor 1870, die Weizen- und Roggenerträge wirklich häufig über dem Mittel waren. Nach den, allerdings nicht auf bestimmten Zahlen beruhenden, nur durch „gut", Notizen. 393 „sehr gut", „schlecht" u. s. w. ausgefüllten Tabellen in C. K. Müller's werthvoller Schrift: ,, Joh. Heinrieh Waser" (Zürich 1878) waren auch für den Kanton Zürich während des Zeitraumes von 1700 bis 1876 die Getreideerträge zwölf Mal während der iQ abgelaufenen Sonnenfleckenmaxima über dem Mittel. — Etwas reichlicheres statistisches Material be- sitzen wir über die Erträge der gegen die Witterungseinfiüsse empfindlicheren Weinrebe. Die für den gesammten preussi- schen Staat veröfiFentlichte Ertragsstatistik für die Jahre 1820 bis 1864 führt zu entschiedenen Maxima der Erträge um 1827, 1835, 1847 und 1859, welche im Durchschnitt um 10,7 Jahre und zu Minima um 1830, 1841 und 1854, welche um 12 Jahre auseinander liegen. Aehnliche Resultate ergeben die Ertragstabellen von Zell in Baden, Volnay in Frankreich, Nassau, Württemberg und Hessen. Fasst man die sämmtlichen Eeihen zusammen, so erhält man sehr ausgeprägte Maxima der Weinerträge um 1826, 1835, 1848, 1858 1868, während die Maxima der Sonnenflecken eintraten: 1830, 1837, 1848, 1860, 1871. — Es gehen somit die Weinmaxima den Fleckenmaxima im Mittel um 2,2 Jahre voraus. Zu dem fast genau gleichen Resultate führen die Untersuchungen der Er- tragslisten der Schweiz, aus dem St. Galler Rheinthale, wie aus den Kantonen Zürich, Thurgau, Schaffhausen. u. s. w., wenn auch leider nur selten die Erträge in bestimmten Zahlen angegeben sind. Für das vergangene Jahrhundert sind wir ganz auf allgemeine Angaben, wie : „viel", „wenig", „sehr viel", „nichts" u. s. w. angewiesen. Belegt man diese Bezeich- nungen mit entsprechenden Ziffern, so berechnen sich, wenn je die fünfjährigen Mittel in Betracht gezogen werden, wie dies bei den in bestimmten Zahlen angegebenen Beträgen ebenfalls geschah , die Maxima der Erträge für Nassau, St. Gallen, Kanton Zürich und einigen Angaben für Süd- deutschland und üesterreich für die Zeiten um : 1705, 1718, 1725, 1738, 1749, 1761, 1773, 1782. Die Sonnenfleckenmaxima waren eingetreten 1705, 1718, 1727, 1738, 1750, 1761, 1770, 1780. — Die Weinerträge im St. Galler Rheinthale (nach Pfau-Schellenberg) und im Kanton Zürich (nach Waser- Müller) ergeben übereinstimmend mit der vorhergehenden 394 Notizen. Zusammenstellung Maxima um 1705, 1719—21, 1727—28, 1738, 1745, 1752, 1761—63, 1774-75, 1781-82 und dann um 1805, 1827, 1835, 1848, 1858 und 1868. — In weitaus den meisten Fällen fallen demnach reiche Weinerträge mit jenen Zeiten zusammen oder gehen ihnen etwas voraus, in welchen die Flecken auf der Sonne am häufigsten sind. Diesen Zeiten entsprechen nach den neueren Untersuchungen etwas höhere Lufttemperaturen und etwas mehr Niederschläge, als im Mittel eintreten. Nur die Zeit von 1783 bis 1827 zeigt in den meisten, wenn auch nicht in allen Reihen eine wesentliche Ausnahme, wie dies ähnlich bei den Temperaturen und den Niederschlägen der Fall gewesen zu sein scheint. Ein zu grosses Gewicht dürfen wir jedoch diesen Ausnahmen nicht beilegen, da sie in eine Zeit fallen, in welcher Revolutionen und Kriege lähmend auf praktische wie auf wissenschaftliche Arbeiten wirkten, so dass uns gerade aus jenen Zeiten, in welchen auch die Sonnen- fieckenperioden einer wesentlichen Störung unterworfen ge- wesen zu sein scheinen, die wenigsten genauen Beobachtungen zur Verfügung stehen. — Ausser den Ertragslisten der ge- nannten Ländergebiete stehen uns nur wenige aus entlegeneren Gegenden zur Verfügung. Bestätigend scheint trotzdem zu sein, dass in Bessarabien um 1856, in der Krim 1865, zu Zeiten der Fleckenminima die Erträge am kleinsten, 1859 und 1869 zur Zeit der Pleckenmaxima am grössten waren. Im Staate Ohio fiel das Maximum des Ertrages in den letzten 14 Jahren auf 1870 und auf Madeira fiel ein Ertragsmaxi- mum auf 1847. Beide Angaben entsprechen Fleckenmaxima. — Die Weinqualitäten sind nicht in Zahlen tabellarisch anzugeben; da jedoch mit guten Erträgen -häufig gute Quali- täten verbunden sind, so führen entsprechende Untersuchungen zu ähnlichen Resultaten, jedoch mit dem Unterschiede, dass die bessern Qualitäten den Fleckenminima etwas näher fallen. In der That gehören die vortrefflichsten Weine von 1783, 1811, 1822, 1834, 1846, 1857, 1865 Jahrgängen an, in wel- chen die Flecken ihre Minima hatten. Diese fielen in die Jahre 1784, 1811, 1823, 1834, 1844, 1856, 1867. — Da die Hagel- fälle, die Stürme, die Niederschläge u. s. w. ähnliche gesetz- mässige Veränderlichkeiten zeigen, so tritt mit den neueren Notizen. 395 Untersuchungen die hier berührte Frage: iu wiefern irdische Erscheinungen mit veränderter Thätigkeit auf der Sonne im Znsammenhange stehen, dem praktischen Leben näher ; es ver- sprechen zukünftige eingehendere Untersuchungen mit voll- ständigei'em statistischem Materiale mindestens sehr interes- sante, wenn nicht für Kultur und Handel sehr wichtige Re- sultate, namentlich für die südliche Erdhälfte, in welcher die meteorologischen Erscheinungen einfacher verlaufen als in Europa oder gar in den Alpen nahe gelegenen Ländern. Durfte man früher, als nur der Erdmagnetismus und die Polarlichter in Bezug auf ihr Verhalten zu den Sonnenflecken in die Unter- suchung gezogen wurden, die Frage aufwerfen : Wozu nützen derartige Untersuchungen ? so wird heute eine solche Frage durch die Resultate der Forschung in richtiger Weise beant- wortet. — Sehen wir bei den Weinerträgen ganz von etwaigen Beziehungen zu den Sonnenflecken ab, so bleibt der regel- mässige, durchschnittlich nach etwas mehr als 11 Jahren wiederkehrende Wechsel von hohen und niederen Erträgen wie von guten und schlechten Weinen von hohem Interesse, um so mehr, als eine Ausgleichung der scheinbaren Unregel- mässigkeiten der Tabellenzahlen durch die Berechnung fünf- jähriger Mittel schon auff'allend regelmässig verlaufende Reihen ergibt. Diejenigen der geehrten Leser, welche sich etwas näher für das oben Mitgetheilte interessiren, erlauben wir uns zu verweisen auf Nr. 8 der Monatsschrift des Schweizerischen Obst- und Weinbauvereines, Jahrg. XIV, 1878, sowie auf die in der nächsten Zeit erscheinende grössere Abhandlung über diese und verwandte Gegenstände. Die nachfolgende Diskussion betonte in Uebereinstimmung mit dem Vortragenden, dass, wenn ein Zusammenfallen der Maxima der Weinerträge mit den Maxima der Sonnenflecken statistisch nachgewiesen sei, daraus noch keineswegs ge- schlossen werden dürfe, dass die Erscheinung auf der Erde die unmittelbare Folge derjenigen auf der Sonne sei, sondern dass der Zusammenhang möglicherweise durch eine Reihe von Zwischengliedern, welche unter einander in direkterer Be- ziehung stehen (meteorologische Erscheinungen etc.), vermit- telt werde. Ferner wurde hervorgehoben, dass es sehr wünsch- 396 Notizen. bar wäre , dass die Vergleichungen auf verschiedene Theile der Erdoberfläche, besonders auf die andere Halbkugel aus- gedehnt werden könnten, um sicher zu erkennen, ob, mittel- bar oder unmittelbar, die Ursache der Schwankungen in den Früchteerträgen in einer kosmischen, ausserhalb der Erdkugel gelegenen Erscheinung zu finden sei, indem in diesem letzteren Falle die gleiche Gesetzmässigkeit sich über der ganzen Erd- kugel wiederfinden muss. B. Sitzung vom 25. November 1878. 1. In Verhinderung des Herrn Bibliothekars legt der Herr Präsident folgende seit der letzten Sitzung neu einge- gangene Bücher vor : A. Geschenke. Von Hrn. Prof. Choffat. Esquisse du Callovien et de l'Oxfordien etc. 5 memoires. Von Hrn. Byers, U. S. C. Geology of Wisconsin, Vol. II. With an atlas. 1877. Von der Neuen Gesellschaft. 25 Exemplare von Heft I. 1. zur Vertheilung. Von den HH. Prof. Siebold u. Kölliker in Würzburg Zeitschrift f. wissensch. Zoologie. XXXI. 3. 4. B. In Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Bulletin de la soc. d'hist. nat. de Colmar. 18 et 19. Sitzungsberichte d. mathem.-physik. Klasse der Akademie zu München 1878. 3. Bulletin de la soc. math. de France. T. VI. 6. Proceedings of the London math. soc. 130 — 135. Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. 1878. 3. Memoires de la soc. de physique et d'hist. nat. XXV. 2. XXVI. 1. Bulletin de la soc. Vaudoise des sc. nat. No. 80. Vierteljahrsschrift der astronom. Gesellsch. XII. 4. XIII. 2. Archives Neerlandaises. XII. 2—5. Jahresbericht d. naturhist. Gesellschalt zu Hanno-ver. 25. 26. Notizen. 397 Jahresbericht d, naturw. Vereins zu Magdeburg. 8. Mittheilungen d. geograph. Gesellsch. zu Wien. XX. Monatsbericht d. Preuss. Akademie. 1878. Jul. Aug. C. Vonßedactionen. Der Naturforscher. 46. D. Anschaffungen. Connaissance des temps p. 1880. Paläontographica. XXV. 5. 6. Suppl. III. 1. 2. 3. H a n s t e i n. Botanische Abhandlungen. III. 4. Schrenck, L. v. Reisen im Amurlande. IV. 2. Jan. Iconographie des Ophidiens. 49. Leprius, R- Das westliche Süd-Tyrol. 4. Berlin 1878. 2. Herr Karl Schröter wird einstimmig als ordentliches Mitglied der Gesellschaft aufgenommen. 3. Herr Prof. Weber theilt seine Untersuchungen über das Elementargesetz der Hydrodiffusion mit. Dieselben sind auf Pag. 325—366 in extenso mitgetheilt. 4. Hr. Prof. Hermann macht Mittheilungen über den sog. phasischen Actions ström des Nerven. Es war zu erwarten, dass beim Durchgang einer Erregungswelle durch den Nerven und bei Ableitung von zwei Punkten desselben zum Galvanometer, jeder dieser Punkte in dem Moment, wo die Welle durch ihn hindurchgeht, sich gegen den andern negativ electrisch verhält ; also ein Doppelstrom entsteht, der zuerst mit der Richtung der Erregungswelle gleichsinnig und gleich darauf entgegengesetzt ist. Indess war es bei der Kürze des Froschnerven und bei der grossen Geschwindigkeit der Nervenleitung bisher niemals gelungen, diesen Strom nachzuweisen, weil die Momente, wo die Welle beide Ablei- tungsstellen passirt, bestenfalls nur um ^jtoo Sekunde auseinander liegen. Dem Vortragenden ist aber jener Nachweis vollkom- men gelungen, indem er den Kunstgriff gebrauchte, die Ner- venleitung durch Kälte bedeutend zu verlangsamen und indem er zur Verstärkung der Wirkungen ein Bündel von etwa 6 Froschnerven verwendete. Damit ist einer der wichtigsten 398 Notiien. theoretischen Schlüsse über den Vorgang bei der Leitung im Nerven experimentell bestätigt. Es fand sich ferner, dass die Kälte nicht allein die Leitimgsgeschwindigkeit im Nerven bedeutend herabsetzt, was schon seit 1850 durch Helmholtz bekannt ist, sondern dass sie auch den Ablauf des Erresrun^s- Vorgangs an jeder einzelnen Xervenstelle beträchtlich in die Länge zieht- Der Tortragende theilte ausserdem Versuche mit über das Verhalten der Erregungswelle in galvanisch polarisirten Xervenstrecken. 5. Herr Dr. Keller weist lebende Meerthiere vor, welche ihm wiederum in Meerwasser aus dem Aquarium in Triest zugesandt worden sind. Es sind dies ein Schwamm und eine Kolonie von Tunikaten (Ascidien), welch letztere dadurch von besonderer Bedeutung geworden sind, dass sie Weichthiere sind, welche in ihren Jugendstadien auffallende Verwandt- schaft mit den .Jugendstadien der Wirbelthiere erkennen lassen. C. Sitzung vom 9. Dezember 1878. 1. In Verhinderung des Hrn. Bibliothekars legt der Aktuar folgende seit der letzten Sitzung neu eingegangenen Bücher vor : A. Geschenke. Von der Eidgenössischen Kanzlei. Eapport mensuel de la ligne du St-Gotthard. 57. 67. 68. 63. 66. Eapport trimestriel 20. 21 et titres et tables du vol. 5. Von Hrn. Prof. Dr. Wolf. Astronomische Mittheüungen von Prof. Dr. B. Wol£ Nr. 47. Von Hrn. Prof- A. Pliegner. Versuche üb. d. Ausströmen d. Luft u. s. w. nebst Nachtrag. Von Hrn. Dr. G. Schoch. Offene Briefe über künstliche Fischzucht. Von G. S. 8. Zürich 1876. Vom Hrn. Verfasser. B a 1 1 z 6 r. Ueber Bergstürze in den Alpen. 8. Zürich 1875. B a 1 1 z e r. Der Erdschlipf von Böttstein. Notiren. 399 Ton Hrn. A. S t o p p a n i. Carattere marin o dei anfiteatri morenici dell' alta Italia. 8. MUano 1878. Von Hrn. J. B se d e k e r. Catalogus Oothecae Baedekerianae. 4 Iserlohn 1875- Von dem statistischen ßurean des Kantons Zürich. Müller. E. R. Johann Heinrich Waser. 8. Zürich. Von dem Eidgenössischen Banhurean. Schweiz, hvdrometrische Beobachtungen. 1877, Juli — Dec. Von Hrn. Dr. ßaltzer. üeber einen neuerlichen Felssturz am Rossberg von Dr. A. Baltzer. 1875. Baltzer. Beiträge zur &eognosie der Schweizeralpen. 1 — 5. B. Als Tausch gegen die Vierteljahrsschrift. Rigai'sche Industriezeitung. 1878. 16 — 19. Zeitschrift d. deutschen geologischen Gesellschaft. XXX. 3. Verhandlungen d. phrs.-med. Gresellsch. in Würzburg. XII. 3. 4. Bulletin de la soc. des sciences de Nancy. S. II. t. HL 7. Memoires de la soc. des sciences phys. et nat. de Bor- deaux. T. n. 3. Bericht üb. d. Senkenbergische naturf. GresellscL 1877 — 1878. Bericht d. Vereins f. Naturkunde in Fulda. Nebst meteor. Beob. 5. Bericht der naturwissensch. Gesellsch. zu Chemnitz. 6. Bericht 17 der Oberhessischen Gesellsch. für Natur- und Heil- kunde. Jahresberichte d. naturwissensch. Vereins zu Elberfeld. Heft 5. Stettiner Entomologische Zeirung. 1S5S. 10—12. Memoires de Tacad. de Montpellier. Section des sciences. IX. I. Memoires de l'acad. de Montpellier. Section de medecine . V. I. Zeitschrift d. Oesterreich. Gesellschaft £ Meteorologie. XIII. 22 — 26. Actes de la societe Linneenne de Bordeaux. Serie IV. T. I. 6. n. 2. 2. Proceedings of the R. Irish acad. Vol. II. Serie II. 4 — 6. 400 Notizen. Transaetions of the ß. Irish acad. Vol. XXV. XXVI. 1—5. Verhandelingen der Hollandsche Maatschappji der Weten- schappen. III. Del. IL 6. Harlem. Transaetions of the R. Society of Edinburgh. XXVII. 3. Mittheilungen d. naturwissensch. Vereins in Aussig. März 1877. Jahresbericht der Schlesischen Gesellschaft f. vaterländische Kultur. 55. ■ Jowa weather report for 1877 by Dr. G. Hinrichs. 8. Des- moulin 1878. Bulletin of the Museum of comparative zoology. Vol. IV. Text and plates. V. 1—6. D. Durch Ankauf. Schweizerische meteorolog. Beobachtungen. Jhrg. XV. 2. 3. Zeitschrift f. Krystallographie und Mineralogie. II. 6. Mojsisovics von Mojsvär. Dolomit-Riffe, V. u. üeber- sichtskarte. 4. 3. M i q u e 1 , F. A. G. Stirpes Surinamenses selectse. 4. Lugd. Bat. 1850. Memoires de l'acad. des sciences de S. Pötersbourg. XXV. Hasskarl, J. K. Neuer Schlüssel zu Rumph's herbarium amboinense. 4. Halle. 1866, 2. Herr Prof. Gramer hält folgenden Vortrag : „Ueber hochdifferenzirte ein- und wenigzellige Pflanzen: Unter den zahlreichen chemischen Elementarstoffen sind vier durch ein colossales Kombinationsvermögen ausgezeichnet: Kohlenstoff, "Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Von den mannigfaltigen Verbindungen derselben haben zwei Gruppen ganz ausserordentliche Bedeutung : Die sogenannten Eiweiss- Stoffe und die Kohlen-Hydrate. Sie sind es nämlich, welche das Hauptmaterial zum Aufbau der Organismen darstellen. Sie verdanken diese ihre Bedeutung zwei Ursachen : 1) dem labilen Gleichgewichtszustand der in ihnen wirksamen Kräfte, wodurch sie zu Umsetzungen aller Art befähigt werden ; 2) der Quellbarkeit einzelner Modificationen, wodurch diese zur Bildung diffusibler und wachsthumsfähiger Massen und Mem- branen, kurz von Zellen geeignet werden. — Jede Zelle be- Notizen. 401 stellt im Wesentlichen aus einer in sich abgeschlossenen Pro- toplasmamasse, die Stoffe von aussen aufzunehmen und zu assimiliren, sich dadurch zu erhalten, zu vergrössern, ja selbst zu vermehren vermag. Der Protoplasmaleib der Zelle lässt (von anderen Differenzirungen abgesehen) stets eine dichtere Aussenschicht (Hautschicht, Primordialschlauch) erkennen. Sehr oft wird er ferner noch von einer besondern Membran (meist vorwiegend aus Cellulose bestehend) umkleidet. — Bekanntlich ist der Thierkörper im Allgemeinen aus nackten oder primordialen Zellen aufgebaut, während die Pflanzen- zellen in der Eegel von einer starren Cellulosehaut einge- schlossen werden. Im Allgemeinen sind ferner die Thiere durch freie Beweglichkeit charakterisirt, während die Pflan- zen gewöhnlich auf der Unterlage festsitzen. Auch diese Thatsachen müssen eine Ursache haben. Dieselbe dürfte nach der Ansicht des Vortragenden in der herrschenden Ernäh- rungsweise von Thieren und Pflanzen zu finden sein : Die Thiere sind im Grossen und Ganzen an die Aufnahme orga- nischer Nahrung gebunden. Sie pflegt ihnen nicht in den Mund zu fliegen, die Thiere müssen vielmehr die Nahrung aufsuchen, sie mindestens ergreifen können. Zu diesem Zweck müssen die Thiere mit freier Bewegung oder doch mit be- weglichen Fangapparaten versehen sein. Zum Aufbau der- artiger Organismen können Zellen mit starren Häuten nicht dienen. Die Pflanzen hingegen leben in ihrer ungeheuren Mehrzahl von Stoffen, die fast überall vorkommen und in hohem Grade beweglich sind. Die Pflanze hat nicht nöthig, die Nahrung aufzusuchen, die Nahrung kommt zu ihr. Erstere braucht daher zum Zweck der Ernährung auch nicht frei be- weglich zu sein. Es muss sich im Gegentheil Befestigung der Pflanze an der Unterlage vortheilhaft erweisen : Meer- pflanzen, die gewöhnlich längs felsiger Küsten angewachsen sind, finden nur hier die nöthige Kohlensäure, sofern die meisten Meerthiere, also Kohlensäureerzeuger, sich auch längs der Küste aufhalten, oder doch immer wieder zu der- selben zurückkehren. Aehnliches gilt im Ganzen auch für die Seepflanzen. In Flüssen lebende Gewächse aber würden, wenn sie nicht festgewachsen wären, fast immer früher oder 3KXIII. i. 26 402 Notizen. später dem sichern Untergang entgegengeführt. Für Trocken- landpflanzen ist die Befestigung nützlich, weil dieselben nur im Schooss der Erde ununterbrochen die ihnen unentbehr- lichen, grossen Wassermengen aufzutreiben vermögen. Die Nachtheile, welche aus der ünbeweglichkeit der Pflanze für die Aufnahme besonders von Mineralstoff'en entstehen, werden dadurch compensirt, dass die Wurzeln in centrifugaler Rich- tung weiter zu wachsen, die aufsaugenden Fasern also den Standort zu wechseln pflegen. Wie die übrigen Nachtheile, welche die Befestigung der Pflanze an der Unterlage mit sich bringt, beseitigt wei'den, wurde bei einer andern Ge- legenheit gezeigt. — Wenn nun aber die Pflanze freie Be- weglichkeit im Allgemeinen nicht nöthig hat, so brauchen die Pflanzenzellen nicht primordial zu bleiben. Umkleidung der letztern mit einer starren Cellulose-Membran bietet zudem den Vortheil, dass, ohne grosse Schädigung der DiiFusibilität der Zellen, Steigerung der Widerstandsfähigkeit, Anhäufung grosser Massen organischer Substanz und weitgehende Ar- beitstheilung möglich wird; dafür vielleicht anderseits den Nachtheil, dass kein oder nur minimes Empfindungsleben zu Stande kommt. — Alle Pflanzen bestehen, wie die Thiere, auf irgend einer Stufe der Entwicklung aus einer einzigen Zelle ; die meisten werden indessen bei ihrer spätem Aus- bildung mehrzellig. Zeitlebens ein-, resp. fast einzellig sind nur gewisse Algen und Pilze. Es ist hienach (aus nahe liegenden Gründen) die Einzelligkeit zur Bildung systema- tisch hochstehender und damit im Allgemeinen zugleich auch umfangreicherer Gewächse nicht geeignet. Man würde in- dessen sehr irren, wollte man sich desshalb unter ein- und wenigzelligen Pflanzen ausnahmslos sehr einfache und un- scheinbare Organismen vorstellen. Unter Vorweisung zahl- reicher Pflanzen, mikroskopischer Präparate und Zeichnungen wird dies ausgeführt : Primordiale Zellen sind, wie schon angedeutet worden, in der Pflanzenwelt relativ selten und bezeichnen meisst blosse Jugendzustände. Nur bei den Mykomyceten oder Schleimpilzen kommen Zellen vor, die während der ganzen vegetativen Entwicklungsperiode der Membran entbehren. Es sind die soerenannten Plasmodien. Notizen. 403 Einzelne derselben erreichen ausserordentliche Dimensionen, so jene auf Gerberlohe manchmal sichtbaren gelben Schleim- massen, die unter dem Namen Lohblüthe bekannt sind und wie alle Plasmodien von Mykomyceten, noch ein erhöhtes Interesse erregen durch das Vermögen, die Gestalt unauf- hörlich zu verändern, wie Amoeben, und auf der Unterlage fortzukriechen selbst entgegen der Wirkung der Schwere- — Von den einzelligen Pflanzen mit deutlicher Membranbildung kommen manche durch den gänz- lichen Mangel eines untern und obern Endes mit einander überein. Unter diesen nehmen eine hervorragende Stelle ein : Die Diatomaceeu und Desmidiaceen, durchweg mikroskopische Organismen, von welchen die erstem, mit kieselerdereicher Membran und braungelbem Inhalt, durch komplizirte, oft äusserst elegante Strukturverhältnisse der Membran sich auszeichnen, die letztern hingegen, mit kiesel- erdefreier Membran und grasgrünem Inhalt, durch zierliche Umrisse und eigenthümlichen Bau des Inhaltes. — Die üb- rigen einzelligen Pflanzen mit deutlicher Membranbildung haben dagegen, wie die grosse Mehr- zahl der Pflanzen überhaupt, ein oberes und unteres Ende und sind mit dem letzteren festgewachsen. Als die einfachsten Repräsentanten derselben werden hervorgehoben die Algengattungen : Characium, Hydrocytium, Chytridium, Codiolum, streng einzellige Pflanzen von Ei- oder Keulen- form, mit kürzerem oder längerem Styl unten festgewachsen, ohne alle Verzweigung am Scheitelende, sich fortpflanzend mittelst Zoosporen. Von den vorigen unterscheidet sich das Genus Sciadium durch den Besitz unechter Verzweigung, veranlasst dadurch, dass die durch simultane Theilung sich bildenden Keimzellen beim Austritt aus der Mündung der oben sich öffnenden Mutterzelle hängen bleiben und sofort keimen. Erst die Tochterzellen späterer Generationen werden gänzlich frei und schwärmen, um zur Bildung neuer, wieder- holt-doldig verzweigter Kolonien Veranlassung zu geben. Länger verweilt darnach der Redner bei Botrydium granu- latum, einer auf feuchtem Lehmboden hie und da massenhaft auftretenden Alge, die im erwachsenen Zustand eine mit reich 404 Notizen. verzweigten, wurzelähnlichen Aussackungen in der Erde be- festigte 1 — 2 mm. grosse, keulenförmige Zelle von grüner Farbe darstellt, nach Rostafinsky und Woronin geschlechtliehe und mehrere Arten ungeschlechtlicher Fortpflanzung besitzt und deutlichen Generationswechsel zeigt. Ebenso werden die unter sich und mit Bolrydium nahe verwandten maritimen Gattungen Polyphysa und Acetabularia, von denen jene eine über 1 Zoll hohe cylindrische , am Ende doldig verzweigte Zelle darstellt, während diese einem kleinen Schirmpilz (Aga- ricus) frappant ähnlich sieht, auf Grund der Untersuchungen von Nägeli, Woronin und de Bary einlässlich besprochen. Eine grosse Anzahl anderer ein- und wenigzelliger Gewächse berührt der Vortragende kaum, um bei den für den in's Auge gefassten Zweck besonders ergiebigen Algengruppen der Bryopsideen, Caulerpeen und Codieen etwas länger verweilen zu können. — Die Abtheilung der Bryopsideen umfasst zahlreiche, ein bis mehrere Zoll grosse, relativ zarte Pflanzen- formen, deren aufrechte Achsen oder Thallome häufig, zumal gegen das Ende hin, ein- bis zweifach gefiedert oder auch ein- bis zweifach buschig verzweigt sind. Die Verzweigung schreitet im Allgemeinen, wie bei höheren Gewächsen, von unten nach oben fort. An der Basis pflegen die Aeste eine Einschnürung zu zeigen, Haupt- und Seitenachsen communiziren jedoch mit einander bis zum Eintritt der Reproduction. Die Bildung morphologisch verschiedener Thallomzweige wird bei diesen Pflanzen versucht, aber noch nicht sti-eng durchgeführt. Für Bryopsis hat Pringsheim zweierlei Zoosporen nachgewiesen, das spätere Verhalten der Schwärmer ist aber noch nicht ge- nügend aufgeklärt; die Fortpflanzungserscheinungen der üb- rigen hieher gehörigen Formen kennt man ebenfalls nur un- vollständig. — Die Caulerpeen, zum Theil sehr ansehn- liche, bis 1 Puss grosse einzellige Algen sind charakterisirt durch stark verdickte Wände und besonders einfache oder verzweigte, oft anastomosirende Zellstofffasern, die im Innern aller Theile der Pflanze von einer Seite der Zellwand zur andern quer hinüberlaufen und ohne Zweifel wesentlich zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Zelle beitragen. Im üebrigen bilden die Caulerpeen eine sehr polymorphe Gruppe : Notizen. 405 Alle, ausgenommen vielleicht Stephanocoelium, scheinen krie- chende Thallomachsen zu besitzen, welche, sich hie und da in einer Horizontalebene verzweigend, nach unten zur Be- festigung an der Unterlage dienende Trichome (Wurzelhaare), nach oben aufrechte Thallomachsen aussenden. Der Vortra- gende bezeichnet die kriechenden Achsen als Herpoblasten, die aufrechten als Orthoblasten. Jene sind immer cylindi'isch, diese bisweilen ebenfalls nebst ihren bald unregelmässig, bald wirtelig angeordneten Aesten (Herpochaeta). Bisweilen sind dagegen die Orthoblasten platt gedrückt, dabei ganz- randig, einfach oder verzweigt (Phyllei'pa). Oder sie sind zwar auch platt, einfach oder verzweigt, aber nicht ganzran- dig, sondern fiederlappig oder fiedertheilig (Ptilerpa). Bei einigen Formen von Ptilerpa bilden die Segmente auch 3 bis 4, ja sogar 5 verticale Zeilen. In noch andern Fällen endlich sind die Orthoblasten cylindrisch, einfach oder häufiger ver- zweigt, und dicht besetzt mit zahlreichen, kleinen, bald blasig aufgetriebenen, bald oben eingedrückten trichterförmigen oder auch nadeiförmigen Aestchen, die im letztex-n Fall selbst wieder einfach oder verzweigt sein können (Chauvinia). Bei einigen Arten von Chauvinia finden sich solche nadeiförmige Aestchen auch an den Herpoblasten. Kurz, die Caulerpeen zeigen, obwohl durchaus einzellig, eine äussere Gliederung, die einem die Frage aufdrängt, ob nicht schon bei ihnen Wurzeln, Wurzelstöcke *), aufrechte Stengel und Blätter zu xinterscheiden seien, ähnlich wie bei den anatomisch und systematisch höchst stehenden Gewächsen. — In ganz andrer Richtung sind endlich noch die Codieen von hei-vorragendem Interesse. Sie illustriren nämlich einen Versuch der Natur, aus einer einzigen Zelle Zellgewebe, allerdings blosses flyphen- gewebe, zu erzeugen und so grössere Leistungen, namentlich *) Ehizome der Systematiker. Wer mit Nagelt unter Rhizomen echte Wurzeln versteht, darf jenen Ausdruck zur Bezeichnung von Wurzelstöcken nicht gebrauchen ; dagegen lassen sich Wui-zelstöcke sehr wohl als Herpoblasten bezeichnen, da dieser Terminus die Frage nach dem morphologischen Werth eines Pflanzengliedes unberührt lässt, gleichwie die Ausdrücke Macroblasten, Brachyblasten. 406 Notizen. grössere Widerstandsfähigkeit des Organismus zu erzielen. Es geschieht diess im Allgemeinen durch reichliche Verzwei- gung der Zelle, inniges Zusammenschliessen ihrer Aeste und einheitliche Ausbildung gewisser Abschnitte der letztern, in Folge dessen es dann manchmal zu einer Gliederung der Pflanze, ähnlich Cacteen, ja sogar zur Diflferencirung einer Art Haut- und Grundgewebe kommt. Bisweilen wird ferner in die peripherischen Theile kohlensaurer Kalk abgelagert, die Pflanze incrustirt und dadurch die Widerstandsfähigkeit noch mehr erhöht. Es gehören hieher eine Reihe von Gat- tungen, von welchen Udotea (mit Flabellaria), Codium, Hali- meda, Penicillus (mit Epera, Corallocephalus-Rhipocephalus) hervorgehoben werden mögen. Die ü d o t e e n stellen mit Wurzelhaaren an der Unterlage befestigte, kürzer oder länger gestielte und gezonte Fächer dar, die später mittelst zahl- reicher, oft dicht nebeneinander liegender rückwärts stets in einen einzigen Schlauch einmündender Zellscheitel sich vergrössern, dadurch dass diese durch Membranbild ang an der Spitze sich verlängern und von Zeit zu Zeit zweiseitig sich verzweigen. Bei ü. conglutinata und Palmetta ist die Verzweigung regel- mässig dichotomisch, bei U. Desfontainii aber racemös. Bei der letzteren Species bilden sich überdies gewisse Aeste eigen- artig aus. Die Codieen stellen dichotomisch verzweigte Stränge oder Damhirschgeweih ähnliche oder halbkugelige bis kugelige Massen dar mit sammtartiger Aussenfläche und schwammiger Consistenz. Sie bestehen aus reich verzweigten, torulösen, jedoch nicht septirten Schläuchen, deren innere locker mit einander verflochten sind, während die peripherischen, keulen- förmigen Schlauchenden, palisadenartig neben einander stehend, zu einer Art Hautschicht dicht zusammentreten. Verkalkung fehlt. Die Halimeden zeigen bei ähnlichem Bau eine ganz abweichende Tracht, indem sie gleichsam zwerghafte Feigen- cacten nachahmen. Ihr flachgedrückter, in derselben Ebene verzweigter Körper ist nämlich von Zeit zu Zeit eingeschnürt. Die einzelnen Glieder sind rechteckig, keilförmig, kreisrund oder nierenförmig, dabei ganzrandig oder oben gelappt. Die Membranen, zumal der zu einer sehr ausgeprägten Haut- schicht verbundenen peripherischen Schlauchenden sind stark Notizen. 407 verkalkt. Die Penicilli endlich sind bauinförmig, mit kürzerem oder längerem, cylindrischem oder verkehrt kegel- förmigen oder spindelförmigem Stämmchen, das mittelst reich- verzweigten Wurzelhaaren an der Unterlage befestigt ist und oben eine besen- oder sprengwedelförmige Krone trägt. Der Stamm besitzt eine wohlausgebildete, stark incrustirte Haut- schicht, wie Halimeda, derselben schliesst sich ein lockeres, vorherrschend längsfaseriges Hyphengewebe an, die Mitte wird von einer Höhlung eingenommen. Die Krone besteht aus zahlreichen, wiederholt gabelig verzweigten, bald nur an den Verzweigungsstellen, bald auch an andern Punkten mit Ein- schnürungen versehenen Schläuchen. Die einzelnen Aeste divergiren in der Regel; bei P. Phoenix treten dagegen die meisten Aussprossungen der einzelnen Aeste zu randschlitzigen Fächern zusammen. Bei allen Penicillen enthält die äusserste Membranschicht älterer Pax'tien der gebüschelten Aeste kohlen- sauren Kalk. [A. Weilenmann.J Notizen zur Schweiz. Kaitargeschichte. (Fortsetzung.) 269) (Forts.) Schumacher an Homer, Altona 1825 Xn 20. Repsold hat mir, mein verehrter Herr Hofrath, Ihren Brief communicirt. Ich beeile mich Ihnen meinen Brief an Olbers zu senden, den ich als ein Zeichen meiner Hochachtung anzunehmen bitte, und bemerke dabei 1) dass man mich nicht der Windmacherei und des Nichtworthaltens beschuldigen kann, wenn die versprochene Erläuterung seit 1822 in allen Buchhandlungen zu haben ist. 2) dass die Idee der Ablöthung mein unbesti'ittenes Eigen thum ist, wie ich auch in dem Buche selbst öffentlich angeführt habe. 3) dass die ganze Operation nie unter der Direction und Leitung eines andern, weder im ganzen noch theilweise gestanden hat, als unter der meinigen. — An Maassen habe ich eftie Sammlung die wohl nicht oft gefunden wird nemlich : 1 Etalon der Doppel- toise oder Stange Nr. 1 die Delambre bei seiner Basismes- sung brauchte; 1 Toise von Fortin; 1 Toise von Lenoir; 1 Toise von Canivet; 1 Piatina Meter von Fortin; 1 Eisen- meter ä trait von demselben; 1 Etalon des neu englischen 408 Notizen, Maasses durch Kater besorgt und verificirt; 1 Etalon des Shuckburgh 'sehen engl. Maasses von Gary. Sie können von welchem Sie wollen Copien bekommen. Krusenstern an Horner, St. Petersburg 1825 XII 20. Ich machte eine Fahrt nach Ehstland, die ausser- ordentlich wohlthätig für mich gewesen ist. Alle meine Übel verminderten sich sogleich, so wie ich nur acht Tage aus Petersburg abwesend war, und wenn sie auch seit meiner Rückkehr sich wieder eingefunden haben, so befinde ich mich doch weit besser als vor meiner Reise. Meine Kopfgicht hat mich ganz verlassen, und mit meinen andern üebeln geht es auch besser. Seit einigen Wochen hat sich hier so viel merk- würdiges zugetragen, dass jeder andere Stoff zu unserer Cor- respondenz an Interesse verliert. Wir haben unsern herrlichen Kaiser verloren, und stehen in Gefahr auch seine Gemahlin zu verlieren, denn selbst nach den neuesten Nachrichten aus Taganrog nehmen ihre Kräfte sehr ab. Aus den überall be- kannten Actenstücken sind Sie hinlänglich von dem unter- richtet, wie noble die beiden Kaiserlichen Brüder sich weigerten die Krone sich aufzusetzen. In dem ganzen Betragen liegt Etwas so Chevaleresques dass der gleichgültigste Mensch da- von ergriffen seyn muss. Wie schmerzlich war daher der Auftritt der hier am 14 Dezember sich ereignete und worüber eine officielle Relation erschienen ist, die ganz getreu ist. Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass es nicht die Soldaten waren, die sich empörten, sondern dass sie von den Verräthern auf jede Weise irregeleitet wurden, als ob sie sich eines Meineids schuldig machten, wenn sie dem Kaiser Nicolaus die Treue schwuren. Der russische Soldat ist der gehorsamste, der er- gebenste, sowie der tapferste Soldat ; wie sollte man also wohl glauben, dass ein solcher gegen seinen Kaiser sich empören sollte, wenn sie nicht durch teufliche Insinuationen ihrer eigenen Offiziere wären irregeleitet worden. — Gottlob alles ist wieder ruhig, und so wie kein Uebel nicht auch sein Gutes mit sich bringt, so hat man den Vortheil daraus gezogen, dass ein Jeder, welcher den Kaiser an dem Tage gesehen hat, ihn zu bewundern gelernt hat. Er benahm sich mit einer Besonnenheit, mit einer Ruhe, mit einer Gleichgültigkeit Notizen. 409 gegen die Gefahr, die bey uns die schönsten Hoffnungen erregt, und die er gewiss realisiren wird. Er ist ein kenntniss- voller Fürst, und man kann mit vollem Recht von ihm erwarten, dass er die zweckmässigsten Maassregeln ergreifen wird das Glück und die Civilisation seines Reiches zu begründen. Trechsel an Horner, Bern 1825 XII 21. So be- dauerlich auch die in Betreff der Ausfertigung und Ver- sendung der Barometer und Thermometer eingetretenen Hin- dernisse sind, da sie uns um einen vollständigen Jahrgang von Beobachtungen bringen, so ist doch wohl schwerlich etwas anderes zu machen als mit Geduld sich drein zu ergeben, und baldigen Schnee für die Thermometer—, und gute Wege und Wetter und Müsse für Herrn öri und den Träger auf den kommenden Februar (denn länger sollte wo möglich die Sache doch nicht anstehen) vom Himmel zu bitten. Dass Herr Oeri alsdann mitgehen will, zumal mit einem guten Heber- barometer versehen, sehe ich für wichtig und höchst erwünscht an. — Ich bin so eben in den wenigen Mussestunden, die mir meine allzu vielen Collegien übrig lassen, mit dem Studium des Ersten Theiles des neuen physikal. Wörterbuches be- schäftigt, wo mich gewisse mit H bezeichnete Artikel ganz besonders ansprechen und mannigfaltig belehren. — Ach! leider bleibt mir zum eigenen Arbeiten und selbst zum nöthigen Fortschreiten in der Wissenschaft doch gar zu wenig Zeit und freye frische Kraft. Ich komme mir mit meinen fünf verschiedenen Collegien in Physik und Mathematik, die mir diesen Winter auf der Seele liegen, zu denen nun gar noch ein Declamatorium kömmt, um dessen Leitung mich einige und fünfzig Studix'ende baten, — ordentlich vor wie ein Post- Ross, das immer noch müde wieder eingespannt wird, um unter der Peitsche der Nothwendigkeit den Trab von neuem zu beginnen. So gieng es mir übrigens seit meinem 15. Jahre, von welchem an ich mir selber überlassen blieb, und kein Mensch sich um den armen, schüchternen, durch Nahrungs- sorgen gedrückten, und in Bern damals ganz fremden Jüng- ling bekümmerte! Das Traben oder vielmehr das Traben- müssen ist mir mithin so neu und fremde nicht, aber es 410 Notizen. knüpfen sich denn doch daran viel schwermüthige Betrach- tungen und ernste Vergleichungen meines in solchem Traben nachgerade verfliessenden Daseyns mit dem schönen, aufrechten, freudigen, majestätischen Gange und raschen Vorwärtsschreiten so vieler und so ausgezeichneter Männer und Gelehrten um mich. — Doch verzeihen Sie diesen Anfall schwermüthiger Herzenserleichterung des Freundes gegen den Freund — und behalten Sie mich mit aller meiner Schwäche und wahrlich nicht ganz verschuldeten Mangelhaftigkeit dennoch lieb, wie ich Sie denn auch mit grosser Hochachtung von Herzen lieb habe. Horner an Trechsel, Zürich 1825 XII 26. Sie sind an Nachsicht und Langmuth sich immer gleich. Ein Anderer wäre verdriesslich gewesen, dass man um ein Jahr zu spät komme. Sie aber behandeln die Sache als Philosoph und nehmen aus den Umständen das Beste. Dahin rechne aller- dings auch ich den Umstand, dass alle unsere Barometer von einem und demselben genauen und gewissenhaften Künstler an Ort und Stelle aufgehängt, verglichen und berichtigt werden, dass das Risico des Transports ganz auf diesem liegt, und dass etwa solche Professoren der Physik, die nicht recht wissen, was ein Vernier ist, von diesem unterrichtet werden können Der Schluss Ihres Briefes hat mich wahrhaft gerührt: Sie haben wirklich gar zu viel auf dem Halse. Auch mir nöthigt die physische Schwäche und Müdigkeit manchen Seufzer ab, und gerne wollte ich dociren und traben, wenn nur Lungen und Beine mir besser zuständen. Hätte ich das phys. Wörterbuch nicht auf dem Halse, so wäre mir auch viel wohler ; aber das drängt und ängstigt mich zuweilen ganz abscheulich. Habe ich meine Lectionen abgehaspelt, so muss ich mit müdem Kopfe Artikel bearbeiten, in die ich mich nie recht hineingearbeitet habe; bin ich damit fertig, so zupft mich Freund Zach, und verlangt astronomische Rechnungen. Wer kann da Allem genügen ? Hätte ich noch frische Jugend- kraft, und könnte ich, wie so mancher Andere, im Sitzen ver- dauen, so würde sich das wohl machen. Aber so lässt sich nichts erzwingen. Bey diesen Schwächen und Unvollkommen- heiten behelfe ich mich des Wahlspruches meines trefflichen Notizen. 411 Freundes Brandes : „Ein Schelm thut mehr als er kann" ; und so rutsche ich mit meinen Arbeiten und Geschäften fort, da ich nun einmal zum frohen kräftigen Marsch zu alt bin. Meine Jugend war zwar frey von Nahrungssorgen; aber ich hatte nicht den zehnten Theil der Genüsse, deren unsere jungen Leute sich jetzt zu erfreuen haben, und auch in der Fremde musste ich zuweilen, was man nennt, krumm liegen, weil die Decke zu kurz war, d. h. weil ich nicht genug Geld von Hause beziehen konnte. Dennoch danke ich meinem Gott, der mir zu dem verhelfen hat, wo ich nun bin, und auch Sie, mein theurer Freund, dürfen beym Rückblick denn doch, wie ich glaube, mit dem errungenen Ziele zufrieden seyn. Also, macte animo! mein Lieber, und lassen Sie uns weiter in Freude und Leid als treue Freunde einander zum unverzagten Kampf mit den Mühen des Lebens ermuntern. Krusenstern an Horner, St. Petersburg 1826 I 4. Die Academie hat kürzlich den braven Fuss verloren ; für die Wissenschaft möchte der Tod Schubert's ein grösserer "Ver- lurst gewesen seyn, aber für die Academie ist Fuss uner- setzlich, und man weiss gar nicht wen man zum Secretär machen soll. — Vor einigen Tagen bekam ich von Zach ein Stück des VI Heftes, welches eine Anzeige meines Atlasses enthielt. Danken Sie ihm sehr dafür, wenn Sie ihm schreiben sollten; er würde mich sehr verbinden mir auch die fernere Fortsetzung zu schicken, nur nicht mit der Post — denn ich habe 15 Rubel für seine Sendung bezahlen müssen, — sondern durch unsere Mission in Florenz. Er braucht nur eine Enve- loppe an den Fürsten Dolgorucky zu machen, welcher von hier aus eine Weisung bekommen wird, alles was ihm Zach für mich schicken wird, mir mit der Post zuzuschicken. — Gestern starb hier der Kanzler nach einer 36tägigen Krankheit ; sein Tod ist ein grosser Verlurst für Russland; er war wohl die grösste Zierde des Reiches. Ich habe viel an ihm ver- loren; er war mir sehr gut. Trechsel an Horner, Bern 1826 I 15. (Therm. —17=^ R). Das Wort der Aufmunterung hat wirklich Aufmunterung und Stärkung hervorgebracht. Wahrlich, es ist doch eine Freude, eine hohe Freude, auf seinem Lebenswege, der dann 412 Notizen. und wann ein bischen mühsam und holperi», solche Freunde anzutreffen, bey denen Kopf und Geist und Herz und Seele so ganz in Ordnung und auf dem rechten Flecke sind. — Ich komme Sie um eine Gefälligkeit anzusprechen. Ich wünschte correspondirend mit Gautier im Laufe dieses Winters und Frühjahrs einige Meridiandurchgänge von Mond und Sternen nahe an seinem Parallel zu beobachten, um zu sehen, was sich daraus für die Längendifferenz ergibt. Dazu soll in den Astron. Nachr. von Schumacher, die ich leider nicht besitze, ein Yerzeichniss schiklicher Stei-ne sich befinden. Könnten Sie mir wohl das daherige Nr. oder den Band auf kurze Zeit leihen? Sind die Hülfstafeln für 1826 noch nicht zu haben? Es wäre nun doch bald Zeit dazu, wenn sie nicht für die Hälfte des Jahres unnütz werden sollen. — Neulich schrieb mir Delcros in Bezug auf unser Vorhaben einer Basismessung, das ich ihm gelegentlich mittheilte: „J'aurois mille choses ä vous dire relativement ä ce projet, et je vous en ecrirai une longue lettre... Pour le moment j'ose affirmer, qu'il n'y a pas une base exacte dans toute l'Europe". Also auch nicht diejenige im Elsass, welche Delcros mit Henry mass? Auch nicht diejenige, welche Delcros noch erst im letzten Sommer in der Provence mass? Haben Sie in dieser Angelegenheit noch keine Nachrichten von Hamburg? G. F. Parrot an Homer, Dorpat 1826 im Januar. Sie sind sehr gut, geliebter Freund, so oft und mit so vieler Liebe an mich zu denken; unser gemeinschaftlicher Krusenstern hat mich oft davon versichert und es war mir jederzeit ein wahrer Genuss. Die Freundschaft von Männern wie Sie ist der wahre Lohn des Freundes der Wissenschaft und der Natur. Wie ich diese Freundschaft erwiedere, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Nur bitte ich es nicht nach der Frequenz der Briefe zu beurtheilen. Mein Sohn ist gleichfalls stolz in Ihrem Andenken zu stehen, und trägt mir auf es Ihnen zu versichern; er denkt stets mit Dankbarkeit Ihrer ihm bewie- senen Güte. Mein alter Krause, der seit 11 Jahren das Zimmer mit stoischer Gelassenheit und schweitzerischer Heiterkeit hütet, kann kaum glauben, dass Sie sich noch des Bauersmannes erin- nern. Ich aber glaube es leicht Sie werden die Perle von Dorpat Notizen. 413 nicht vergessen. — Sie meynen dass ich Ihnen über den physi- kalischen und Ex*d-Magnetismus etwas kluges sagen könnte. Da irren Sie ; was ich Ihnen sagen kann und über vieles Andere, wissen Sie besser, besonders da Sie im Mittelpunkte der Natur- wissenschaft leben. Zwar habe ich Oersted's, Ampere's und Erman's Versuche grösstentheils nachgemacht und sie richtig gefunden. Aber mit den Spiral- Windungen , mit den trans- versal-magnetischen Theorien, und am allerwenigsten mit Ampere's Identität des Magnetismus und der Electricität kann ich mich nicht vertragen. Dass Letzteres nicht wahr sey lässt sich ohne Schwierigkeit apodiktisch demonstriren. Am wenigsten behagen mir die Strömungen um die Erde in der Richtung der magnetischen Länge, lauter rohe Produkte französischer Phantasie, die Alles erklärt zu haben glaubt, wenn sie ein Winkelchen des Schleyers gelüftet hat. Ich hoffe übrigens dass Poisson uns nächstens mit einem Bande von Formeln reguliren wird, um uns die mathematische Wahrheit solcher Geistes-Spiele zu demonstriren, wie er es für die Elec- tricität gethan zu haben glaubt. Ein Deutscher hat kürzlich dieses verderbliche Beispiel nachgeahmt und uns, mit will- küi'licher Annahme von Verhältnissen der Anziehung und Repulsion der Mollecules der Körper, die Cristalle zu con- struiren gelehrt. — Bedauern Sie es nicht, dass die Natur uns ein immer grösseres Räthsel wird, je tiefer wir in ihre Geheimnisse einzudringen wähnen. So muss es sein wenn sie dem menschlichen Geiste immer neue Nahrung geben und uns immer gross, als das Werk eines unendlichen Schöpfers, erscheinen soll. Zwar erstickt jetzt die Wissenschaft in ihrem Fett, besonders seit die Charlatannerie der mathematischen Formeln nichts unerklärt lassen will. Aber unsere Nach- kommen werden aufräumen, die Spreu vom Weitzen scheiden. — Wundern Sie sich nicht über diesen Eifer gegen die Formelmänner. Ich ehre die Mathematik wahrhaft, halte sie für das Studium der Natur ganz unentbehrlich; aber eben desswegen weil ich sie ehre, soll sie nicht dazu dienen uns Pulver in die Augen zu blasen. Seit ich Laplace's Theorie der Capillarität gelesen und durch Gegenversuche mich über- zeugte, dass der grosse Analytiker den armen Haüy gezwungen 414 Notizen. hat falsche Versuche anzustellen um diese Theorie zu recht- fertigen (ich habe meine Abhandlung damals an das National- Institut für La Place geschickt), sind meine Augen rein geworden. — Fraunhofer's Meisterwerk (das ist sein diop- trisches Fernrohr in optischer und mechanischer Hinsicht) ist jetzt an seiner Stelle und unser treffliche Struve beobachtet schon an dieser neuen Stelle. In zwey Nächten hat er schon 84 neue Doppelsterne entdeckt, die 800 frühern, die er von einem Winkel der Sternwarte aus fand, nicht gerechnet. Was wird aus dem Weltsysteme bei den unzähligen mit einander walzenden Sonnenpaaren? Sie wissen das gewiss besser als ich sublunarischer Wurm, Indess ist mir doch die Ehre geworden diesem magischen Teleskop, das uns das Weltall bald in ewigem Tanzen darstellen wird, sein Schneckenhaus zu bauen. Ists doch auch etwas bey solchen Dingen Tischler und Schlosser zu seyn! Homer an Trechsel, Zürich 1826 I 28. Schumacher berichtete mir, dass er im Besitze von 3 Toisen, von Lenoir, Canivet und Fortin sey, auch ein Meter und das Shukburgh'- sche und Kater'sche Standard-Maass habe, und ßepsold ver- spricht höchst genaue Copien zu liefern. Ich hoffe nächstens von dem sehr mit Geschäften überhäuften Hrn. Staatsrath Finsler den Auftrag zur Bestellung einer solchen Copie zu erhalten; auf jeden Fall wird dieses eine Toise seyn. Auf Repsold's Genauigkeit kann ich mich hierin verlassen. — Ueber die Basismessung selbst hat mir Schumacher sein (ge- drucktes) Schreiben an Dr. Olbers über die Basismessung etc. zugeschickt. Manches ist darinn gut, doch gefällt mir nicht Alles; ich habe seither über den ganzen Detail der Etalons, Messstangen, Böcke und Gerüste, sowie über die Messung selbst reiflich nachgedacht, und glaube nun über das beste Anstellen hierin im Reinen zu seyn. Ich warte nur auf Hrn. Pestalutz um mit ihm Alles von Grund aus durchzusprechen, ehe ich die Ideen in rechter Grösse aufzeichnen lasse. Dieser ist aber auch mit Berufsarbeiten so überhäuft, dass man ihn selten zu sehen bekömmt. Ich werde Ihnen dann Alles mit- theilen, auch Schumachers Werk beyfügen, sobald wir hier unsere Ideen berichtigt haben. — Delcros Aeusserung über Notizen. 415 die Basismessungen klingt furchtbar; doch hat er, glaube ich, Unrecht, wenn er von französischen Arbeiten auf die von ganz Europa schliesst; mir ist die Sache ganz klar, wie man in solcher Arbeit sich der höchsten Genauigkeit versichern könne. Schumacher hat auf einem nach Jahresfrist wieder- gemessenen Stück von 924 Toisen nur IV^ Linien Unterschied gefunden. Das wichtigste Erforderniss ist, bey den übrigen untrüglichen Verfahrungsarten, die Kenntniss der genauen Temperatur der Stangen. — Soeben habe ich von Hrn. St. R. Finsler den Auftrag erhalten, eine Copie der Toise zu bestellen. Meine Ideen über Messstangen und Gerüste werde ich nun ins Reine zeichnen, damit sie Ihnen zugeschickt werden k önnen ehe man an die Ausführung geht. Homer an Trechsel, Zürich 1826 III 5. Noch immer habe ich so viel zu thun, werde durch unfreudige Geschäfte so viel von nützlichem nnd angenehmem Arbeiten abgehalten, dass ich mir nicht zu helfen weiss. Bin ich einmal aus dieser Pressung heraus, so werde ich mich an die Construction eines Barometrographen machen, den ich im Kopfe schon fertig habe. Auch werde dann die Zeichnungen für die Messapparate fortsetzen. — Ich habe vor einigen Tagen ein Buch erhalten „Die kleine Speyerer-Basis von Sehwerd", das ich mir bestellt hatte. In diesem wird theoretisch und factisch dargethan, dass man bey der heutigen Vollkommenheit der Winkelmesser mit kleinen Standlinien ebenso gut wo nicht besser fahre, als mit sehr grossen. Durch eine Basis von 859i^,57 wurde eine von andern Geodäten früher gemessene, 23 mal grössere Basis von 19793™,48 mit einer Genauigkeit von 0'",07 oder 2^j-2 Zoll durch 5 Dreiecke bestimmt- Sollte es wohl nöthig seyn die ganze Aarberger-Basis nachzumessen, und könnte man nicht ebenso gut die nächsten Distanzen durch eine kürzere Standlinie bestimmen? Die Kosten des Messens selbst, die Unterhaltung des zahlreichen Personals sind doch wohl das Bedeutendste bey dieser Sache. Ueberhaupt scheint die Vervollkommnung der Winkelmesser dem Triangulirungssystem eine andere Gestalt gegeben zu haben. Man findet es bequemer und sicherer mit kleinern Dreyecken zu arbeiten, weil man der absoluten Bestimmung ihrer Seiten sicher ist ; dabey fallen die 416 Notizen. Spiele der Lateralcorrection gi'Össtentheils weg; der Fehler einer Secunde wird ohne Einfluss, wenn nur genaue Centrirung in Acht benommen wird. Die Kleinheit der Dreiecke liefert dann auch ^esto mehr sichere Anhaltspunkte für die Detail- vermessung. Mann kann sich bequemer durch die Thäler über das Hochgebirg hinüberwinden, als auf den beschneyten Alpspitzen kostbare und leicht zerstörte Signale bauen, und öfters vergebliche und mühselige Ersteigungen unternehmen zu müssen. Krusenstern an Homer, St. Petersburg 1826 III 25. Wir haben kürzlich unsern guten Alexander zu Grabe begleitet. Lange werden wir um ihn weinen. Ich kann seinen Namen nicht aussprechen, ohne dass sich meine Augen mit Thränen füllen. Ihm verdanken wir es, dass er Eussland nach Europa versetzt hat , sowie ganz Europa ihm Dank wissen muss, den Frieden der Welt erhalten zu haben. Auch Roman- zoflTs Verlurst habe ich sehr gefühlt ; er war mir immer ein treuei', wohlwollender Freund. Von allen Personen, die ihm nahe standen, waren Krug und ich diejenigen, zu denen er das grösste Zutrauen hatte. Eine Pension von 1200 Rbl., die er Krug auf seinem Todtenbette angeboten, hat er nicht an- genommen, zum grossen Erstaunen des Bruders und des ein- zigen Erben, welcher übrigens alle begonnenen Untersuchungen des verstorbenen Kanzlers fortsetzen wird. (Forts, folgt.) [R. Wolf]